AMALIE STRUVE
Abb.: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Graphische Sammlungen
Amalie Struve war viel mehr als die Ehefrau des seinerzeit berühmt-berüchtigten demokratischen Revolutionärs Gustav Struve, der gemeinsam mit Friedrich Hecker den Aufstand in Baden anführte. Als eine von wenigen Frauen – wie etwa auch Emma Herwegh – war sie aktiv an der badischen Revolution beteiligt – und hat die fast ausschließlich männlichen Revolutionäre durch ihr Beispiel ermahnt, die andere Hälfte der Menschheit nicht länger geringzuschätzen. Denn auch „Frauenrechte sind Menschenrechte“.
In ihren „Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen“ (erschienen 1850), die sie „Den deutschen Frauen“ widmete, sowie in Romanen und Artikeln, zumeist im amerikanischen Exil entstanden, wohin ihr mit ihrem Mann die Flucht gelang, betont sie immer wieder die Rolle der Frauen: Freiheit, Bildung, Wahlrecht – all die Forderungen der frühen Demokraten hätten selbstverständlich auch für die Frauen zu gelten. Ihr Kampf für die Demokratie machte sie notwendig zugleich zu einer frühen Frauenrechtlerin.
Am 2. Oktober wird Elise Ferdinandine Amalie Siegrist als uneheliches Kind von Elisabeth Siegrist und dem Offizier Alexander von Sickingen, der vermutlich eine „unstandesgemäße“ Ehe mit einer Bürgerlichen ablehnte, in Mannheim geboren.
Amalies Mutter heiratet den französischstämmigen Sprachlehrer Friedrich Düsar, der das Kind sogleich adoptiert und sich, trotz bescheidener Finanzmittel, bemüht, Amalie eine gute Bildung zukommen zu lassen. Es gelingt ihm, seine Tochter an einem angesehenen Mädcheninstitut unterzubringen, dessen Abschluss sie später berechtigen wird, als Lehrerin tätig zu werden, also ökonomisch unabhängig zu sein.
Nach erfolgreicher Beendigung der Ausbildung wird Amalie für verschiedene Familien als Hauslehrerin tätig und kann schon früh zum Familieneinkommen beitragen. Auf der Suche nach einer neuen Anstellung bittet der Stiefvater den für die demokratische Sache streitenden Rechtsanwalt und Publizisten Gustav Struve im Herbst 1845 um Vermittlung. Amalie und der 19 Jahre ältere Struve verlieben sich – und heiraten nur wenig später, im November 1845.
Als der demokratische Mitstreiter Joseph Fickler im April 1848 verhaftet wird, entschließt sich Struve, gemeinsam mit Friedrich Hecker, zum bewaffneten Aufstand. Amalie besteht darauf, ebenfalls teilzunehmen, und begleitet das „Freiheitsheer“ im Versorgungswagen. Bereits nach zwei Wochen wird der Aufstand niedergeschlagen.
Die Struves können in die Schweiz entkommen, kehren aber nur wenig später, im September 1848, mit einer Freischärler-Gruppe nach Baden zurück (Zweiter Badischer Aufstand). Diesmal scheitert die Erhebung schon nach wenigen Tagen, Amalie und Gustav Struve werden verhaftet und in unterschiedliche Gefängnisse verbracht.
Amalie Struve wird unverhofft nach fünf Monaten ohne Verfahren entlassen, Gustav Struve im Mai von Revolutionären aus dem Gefängnis Bruchsal befreit. Wieder ist das Badener Land in Aufruhr (Dritter Badischer Aufstand), und wieder scheitert der Versuch, eine republikanische Regierung zu installieren. Als preußische Truppen im Juli in Freiburg einrücken, ist die Badische Revolution endgültig beendet. Die Struves fliehen erneut in die Schweiz.
Nach einem unsteten Wanderleben vor allem durch die Schweiz und England emigrieren die Struves in die USA und lassen sich südlich von Manhattan, in Stapelton auf Staten Island nieder. Hier entwickelt sich Amalie zu einer angesehenen Publizistin. Sie schreibt Romane und Artikel vor allem zum Frauenwahlrecht und zur Frauenbildung.
Im Mai 1859 bringt Amalie Struve eine Tochter zur Welt, die bereits nach wenigen Wochen stirbt. Ein gutes Jahr später, im November 1860, kommt eine zweite Tochter.
Bei der Geburt ihrer dritten Tochter verstirbt Amalie Struve am 13. Februar 1862 im Kindbett, gerade einmal 37 Jahre alt.
Brigitte Struzyk
Amalie Struve war in den Revolutionsjahren 1848/49 eine sehr junge Frau mit dichten, dunklen Locken. Offenbar war sie schlank, gut zu Fuß, bestimmt eine gute Turnerin. Sie aß kein Fleisch und überhaupt sehr unregelmäßig. Vielleicht war sie auch einmal im Rhein baden gegangen wie die rebellischen Männer.
Wenn sie Hosen trug, spottete man über sie mit sexistischen Sprüchen. Als die Revolution gescheiter war – an vielen Kämpfen in Baden hatte sie teilgenommen –, riefen Frauen auf dem Bahnhof Karlsruhe, wo sie in revolutionären Tagen schwarz-rot-goldene Schleifen verteilte, ihr hinterher, man möge sie aufhängen.
Die Revolutionäre verwiesen sie auf die für Frauen vorgeschriebenen Plätze. Sie fuhr dem Tross hinterher und beförderte Munition und Waffen. Sie durfte nicht beim Turnverein mitwirken. Das war für Männer. In die Paulskirche hätte sie es nur bis auf die Empore geschafft, wäre es eine Option gewesen, aber sie wollte mehr. Weiterlesen
Amalie Struve
Sind Frauen Menschen?
Erschienen am 05.10.2023
Taschenbuch mit Klappen, 176 Seiten
€ (D) 14,– / € (A) 14,40
ISBN 978-3-462-50006-6
1845 hatte sie Gustav von Struve kennengelernt. Sie muss überwältigend gewesen sein, denn er bezeugte, sich sofort über beide Ohren in sie verliebt zu haben. Struve, studierter Jurist, gab Zeitungen heraus, deren Leitmotiv die Freiheit war.
Nach diesem Treffen dauerte es zwei Monate, bis sie heirateten, sehr zum Verdruss von Gustav von Struves adeliger Familie. Er war nicht nur Gegner des Systems, sondern hatte, was die Republik betrifft, sozialistische Ideale, ohne Standesdünkel und schamlose Ausbeutung.
Amalie war die Tochter eines adeligen Offiziers von Sickingen, aber er war ein flüchtiger Vater, und die Mutter, Elisabeth Siegrist, brachte ihr kleines Kind allein durch, bis sie den Sprachlehrer Düsar traf, der Amalie adoptierte und ein wirklicher Mentor für sie wurde. Sie lernte an einer Schule alles, um Lehrerin werden zu können, was sie dann auch drei Jahre lang war, bis zur Hochzeit.
So heirateten zwei blaublütige Menschen, die mit dieser Klasse nichts zu tun haben wollten, außer ihnen die Tür zum Abgang zu öffnen.
Vielleicht saßen sie am Morgen zusammen in der Küche und debattierten über Gott und die Welt. Sie traten dem Deutschkatholizismus bei, einer mit den revolutionären Veränderungen entstandene Plattform von Kirchengegnern, die aber alle Religionen gelten ließen. Daraus entwickelten sich die Freidenker. Sie wollten das Paradies auf Erden, „Zuckererbsen für jedermann, sobald die Schoten platzen“, wie Heinrich Heine in „Deutschland, ein Wintermärchen“ schrieb.
Sie lebten im Biedermeier. Die Bürger, immer noch Untertanen, verbargen sich hinter den artig geputzten Scheiben mit den Musselinvorhängen – das war die Mehrheit –, und die anderen – die Minderheit – rissen die Fenster auf und gingen auf die Straße, um Freiheit zu fordern von dem lästigen Adel, der auch die ökonomische Entwicklung behinderte. So hatte sich der Zollverein gegründet, der die deutsche Einheit vor allem wegen des Handels wollte.
Sieht man die Portraits des Paares an – der reine Biedermeier. Sie sieht streng aus, aber wie sie ihre Berichte verfasste, lässt ahnen, dass sie trotz all der Ernsthaftigkeit lächeln konnte. Auch ihr Mann, neunzehn Jahre älter, sieht streng aus, Tabak, Alkohol und Fleisch waren ihm zuwider, und so erhielt er die Spitznamen „Tugendbold“ und „Möhrenmönch“. Er war radikaler Demokrat, einer, der eine sozialistische Republik anstrebte und von den Heidelberger radikalen Studenten lebhaft unterstützt wurde.
Die meiste Zeit ihrer Flitterwochen waren sie getrennt – Gustav kam wegen seiner Artikel im ersten Ehejahr fünf Mal ins Gefängnis. Die Zensur der Gegner suchte ihresgleichen. Wahrscheinlich waren die Momente, wenn sie ihn wieder abholte, das reine Glück für die beiden.
Wo, warum und womit die Aufstände stattfanden, steht in ihren „Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen“. Für Amalie war das Leben an der Seite ihres Mannes keine Gefolgschaft, sondern ein Bündnis.
Die Revolution scheiterte aus mannigfaltigen Gründen, die Machtverhältnisse waren ungleich und die Reaktion siegte: „Dieselbe Geißel, welche über Deutschland geschwungen wird, rafft auch ihre Opfer dahin in Ungarn, Polen und Italien.“ Viele Revolutionäre im erstrebten Deutschland wurden hingerichtet oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Dem zu entkommen, mussten die Struves fliehen.
In London, wo Amalie „Die Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen“ niederschrieb – das Buch erschien 1850 bei Hoffmann und Campe in Hamburg (es wurde gleich verboten) –, fühlten sie sich nicht wohl. „Geld und wieder Geld ist der große Hebel“, so beschreibt sie den dort siegreichen Kapitalismus. Karl Marx, der auch in London lebte, ist ihnen niemals über den Weg gelaufen. Merkwürdig, sie waren Sozialisten. Sie wollten weiter.
1850 emigrierten sie in die USA. 170 000 Auswanderer waren unterwegs, viele Revolutionäre unter ihnen wie Friedrich Hecker, Carl Sturz, Franz Sigel. Sie erreichten Die Vereinigten Staaten von Amerika, die einzige wahrhaftige Republik, die „Neue Welt“, und ließen sich in der Nähe von New York nieder.
Die Demokraten fanden sich zu neuen Gruppen zusammen, es gab natürlich auch Rivalitäten, aber sie halfen den amerikanischen Republikanern auf die Beine und kämpften im Bürgerkrieg gegen die Sklaverei. Gustav Struve wurde Major in diesem Kampf.
Es gab zig neue Zeitungen der deutschen Demokraten, erfolgreiche und kurzlebige. Bald erschienen Amalies Beiträge in den Zeitungen, die Gustav Struve herausgab, Beiträge, die sich alle mit der Spannung zwischen Menschenrechten und Frauenrechten befassten. Amalie hatte Anstellungen als Lehrerin gesucht, wenig Erfolg gehabt, es waren viele Lehrer unter den Emigranten. Das Ehepaar Struve gründete in New York zusammen mit Anton Füster die Freie Deutsche Schule, Gustav Struve den New Yorker Turnverein. Sie waren in den USA unterwegs, fuhren zu Zusammenkünften und Festen, Gustav Struve und Gottfried Kinkel waren zu einem patriotischen Fest 1851 in Philadelphia, Amalie war sicher auch dabei und erlebte die amerikanischen Emanzipationsbestrebungen.
In ihren Artikeln pocht sie auf wahre Gleichberechtigung für Frauen und Männer, die auch die „Neue Welt“ nicht kannte. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten waren trotz der Unabhängigkeitserklärung, in der „Alle Menschen sind gleich“ stand, die Frauen dem gleichen Druck ausgesetzt wie in Europa, Amerikanische Frauen vom Schlage Amalie Struves versammelten sich 1848 zum Frauenrechtskongress in Seneca Falls und verabschiedeten das Manifest „Declaration of Sentiment“.
Die Suffragetten forderten lauthals Wahlrecht für die Frauen, sie leisteten passiven Widerstand, störten offizielle Veranstaltungen, und der Hungerstreik war äußerster Protest. Sie waren lauter, fordernder als die Frauen in Europa.
Im Amalie Struves „Der Hinkende Teufel zu New York“, einem sehr gelungenen Stück Prosa, schaut sie in ein Fenster und beobachtet eine kleine Damenrunde, die über das Menschenrecht als Frauenrecht reden.
„Sind Frauen Menschen?“ Das war die Frage eines Gelehrten, keines Zeitgenossen, mit der Amalie Struve ihren Beitrag „Die Frauen“ beginnt. „Jetzt lächelt man wohl über diesen Toren, allein darum werden doch die Folgesätze der ewigen Wahrheit, dass Frauen Menschen sind, im praktischen Leben nicht anerkannt.“ Sie zählt all die Einschränkungen und Rechtlosigkeiten auf, die Frauen betreffen. Wenn sie also nicht die Menschenrechte genießen, kann Mann mit ihr machen, was er will
Etwa hundert Jahre, nach ihren Forderungen, gab es im Bürgerlichen Gesetzbuch der Bundesrepublik noch den Paragraphen 1354: Der Mann besitzt in der Ehe das Recht zur Entscheidung aller das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten. Dieser Gehorsamsparagraph galt noch bis zu seiner Streichung am 18. Juni 1957.
Und in der DDR? „Die Frau ist der beste Freund des Menschen“, begann eine Frauentagsrede in einem Betrieb der DDR, wo die Frauenrechte eigentlich geregelt waren. Die Frau ist dann der beste Freund des Menschen, wenn sie wie dieser behandelt wird – jeder weiß, der beste Freund des Menschen ist der Hund. Er wird zum Gehorsam erzogen, er wird verwöhnt, er wird gequält und er wird misshandelt.
In Amalie Struves Leben aber gab es noch eine ganz besondere Wendung, die man so wirklich nur Frauen zugestehen kann, Mütterlichkeit. Ihr erstes Kind, 1859 geboren, wurde ihnen sechs Wochen nach der Geburt durch Krankheit genommen. In der Schwangerschaft schrieb sie weiter, und ihre zweite Tochter, 1860 geboren, blieb gesund. Die Eltern nannten sie Danajanti. nach einer indischen Geschichte, die Friedrich Rückert übersetzt hatte. Sie lebte als Sprachlehrerin bis 1937 in Leipzig.
1862 kam die letzte Tochter zur Welt. Die Mutter starb im Kindbett. Gustav Struve gab ihr den Namen seiner Frau. Amalie. starb 1917 in Russland.
Am 17. Juni 1953 beendeten russische Panzer den Aufstand in der DDR, der Freiheit, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderte. Viele Frauen waren auf der Straße. Frauen führten die Bürgerrechtsbewegung in der DDR an mit Forderungen, die sie bei Amalie Struve hätten abschreiben können.
Das Ergebnis der „friedlichen Revolution“: die deutsche Einheit in einer freien Republik. Auf der Agenda des Reichstages aber stehen noch einige offene Fragen. Trotz alledem.
Erster Abschnitt
Meine Vergangenheit, Lebensansichten und Grundsätze
Der Schmerz ist das Salz im Leben,
Ohne ihn ist kein Hoffen und Streben.
Von dem Festland Europas vertrieben, gedenke ich in der Weltstadt London der Heimat und der Kämpfe der vergangenen Zeit. Gestern waren es vier Jahre, dass ich mich verlobte, dass ich versprach, meinem Freunde in Freud und Leid durch das Leben zu folgen. Weiterlesen
Damals schon war der politische Horizont Deutschlands schwer umwölkt, und mannigfaltige Gefahren bedrohten den Mann, mit dem ich mich verbunden. Am 16. November 1845 wurden wir getraut. Von den ersten zwölf Monaten unserer Ehe brachte mein Gustav fünf in dem Gefängnis zu. Er hatte es gewagt, dem damals allmächtigen Fürsten Metternich offen entgegenzutreten. Er hatte dem stolzen Lenker der Geschicke Deutschlands vorhergesagt, das rollende Rad der Zeit werde ihn ergreifen und über seinen Körper hinweg seinen Lauf fortsetzen.1 Dafür musste mein Gatte vier Wochen im Amts-Gefängnis zu Mannheim zubringen. Er hatte die badischen Minister und namentlich Blittersdorf2 des Hochverrats beschuldigt.3 Mit drei Monaten Gefängnis musste er dafür büßen. Er hatte sich in einer Beschwerdeschrift bei dem Ministerium des Innern über den Missbrauch beklagt, welchen der Zensor Uria von Sarachaga4 und die Polizisten Schaaf, Rigel und Genossen mit ihrer Amtsgewalt trieben. Dafür musste mein Gustav vier Wochen im Gefängnis zubringen. Als Redakteur des Mannheimer Journals bestand mein Gatte täglich Kämpfe mit der Zensur, als Begründer mehrerer Vereine und gemeinnütziger Anstalten, namentlich des Turnvereins, des Volks-Lesevereins, des freien Bades im Rheine usw. hatte er die Verfolgungen der Polizei zu bestehen. Der Stadt-Direktor Rigel nahm sogar von der Begründung des freien Bades im Rheine Gelegenheit, meinen Gatten als Holzfrevler in Polizeistrafe zu nehmen. Die Polizei nahm meinen Gatten fast ebenso viel in Anspruch als die Zeitung, welche er herausgab. Durch derartige kleine Mittelchen glaubten die Machthaber jener Tage, den Geist eines kräftigen Mannes beugen zu können. Sie vermochten wohl, mir, dem liebenden Weibe, Kummer zu bereiten, allein der Geist, welcher sich durch so kleinliche Verfolgungen beugen ließe, würde wohl schwerlich die Fesseln zerreißen, in welche ein Volk geschlagen ist.
Was man im gewöhnlichen Leben Flitterwochen nennt, das habe ich in meiner Ehe nicht kennengelernt. Gerichtsdiener, welche meinem Gatten Ladungen zustellten, Presser5, welche die von ihm grundsätzlich verweigerten Zensurkosten eintreiben wollten, und Zollgardisten, welche uns unsere Fahrnisstücke6 fortnahmen, weil Struve die verfassungswidrige Zensur durch Zahlung ungesetzlicher Strafgelder nicht anerkennen wollte – dieses waren die täglichen Erscheinungen in der ersten Zeit unserer Ehe.
Das deutsche Volk war damals noch in tiefem Schlafe befangen. Es nahm wohl Teil an den Kämpfen der Männer, welche den großen und kleinen Tyrannen entgegentraten, allein nur in der Weise des Publikums, welches im Theater einem Schauspiel zusieht und, nachdem der Vorhang gefallen, ruhig nach Hause geht, ohne sich weiter um die Schauspieler zu bekümmern, welche die edlen und die unedlen Rollen dargestellt hatten. Die Stadt Mannheim galt damals für eine der freisinnigsten Städte Deutschlands, und sie wäre es auch allerdings gewesen, wenn sich die Freisinnigkeit in Wirtshäusern und auf Rednerbühnen bekunden könnte. Während Struve gegen Ende des Jahres 1846 im Gefängnis saß, wurde er durch die Charakterlosigkeit des Vorstandes des katholischen Bürgerhospitals, welchem das Mannheimer Journal angehörte, gezwungen, von der Redaktion dieses Blattes zurückzutreten. So war schon die erste Zeit unserer Ehe reich an mannigfaltigen Prüfungen. Ich hatte dieselben, als ich den Bund für das Leben mit meinem Freunde schloss, wohl vorhersehen können, denn damals waren schon mehrere Prozesse gegen denselben anhängig gemacht worden. Auch kannte ich den Charakter Struve´s genau genug, um zu wissen, dass er von Schritt zu Schritt weiter gehen, nimmermehr aber auf der Bahn des Rechtes und der Freiheit umkehren würde. Ich achtete es als das größte Glück meines Lebens, teilnehmen zu dürfen an den Kämpfen und an den Leiden meines geliebten Gatten. Mit Stolz ging ich, zurzeit, da Struve seine Gefangenschaft zu bestehen hatte, an seiner Seite, während ein Polizeidiener unseren Schritten folgte. Da ich an den Arbeiten Struve´s den lebendigsten Anteil nahm, ihm jederzeit meine Hand lieh, und mit voller Seele alle Pläne und Bestrebungen seines Geistes mit ihm besprach, so kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Kämpfe meines Gatten auch die meinigen waren. Ich hatte niemals gedacht, dass die Pflicht der Frau bloß darin bestehe, dem Gatten für seine häuslichen Bedürfnisse Sorge zu tragen und die Kinder gut zu erziehen. Einen Unterschied zwischen der Haushälterin und der Gattin vermochte ich nur da zu finden, wo das Weib, als wahre Ehehälfte, ihren vollen Anteil nahm an allem, was die Seele des Mannes bewegte: an seinen Gedanken, seinen Plänen, seinen tiefsten Empfindungen und seinen Taten. Das Leben der Frau schien mir sehr arm, wenn es nicht ruhte auf dem festen Boden des Vaterlandes. Nur in der Mitte geknechteter Völker kann sich die Frau befriedigt fühlen, auch ohne teilzunehmen an vaterländischen Bestrebungen.
(...)
Bis zu den Tagen, da ich mich mit Struve verband, hatte ich mich wenig mit Politik beschäftigt, und auch später waren es nicht einzelne Formen und Einrichtungen, welche meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Diejenige Selbstständigkeit und diejenige Harmonie, welche ich als Grundlage alles häuslichen Glückes erkannte, wünschte ich auch eingeführt zu sehen in die größeren Kreise des staatlichen Lebens. Doch wie in der Familie, so wird auch im Staate unserer Zeit der Natur des Menschen mannigfaltiger Zwang angetan. Eine reine und freie Menschlichkeit kann sich nirgends ohne schweren Kampf entwickeln. Ich betrachtete den Kampf, welchen mein Gatte kämpfte, nur als einen Kampf der reinen und freien Menschlichkeit gegen den Zwang, welcher diese nicht aufkommen lassen will. Von jeher waren mir alle gehässigen Streitigkeiten um Kleinigkeiten und zu eigennützigen Zwecken zuwider, und immer werden sie mir zuwider sein. Leider mischen sich aber auch in die reinsten Bestrebungen edler Freunde des Vaterlandes unreine Elemente ein. Wäre es möglich gewesen, diese fernzuhalten, so müsste die Sache der Freiheit längst siegreich gewesen sein. Das große Elend, das wir auf Erden gewahren, Verbrechen und Armut, Hass und Zwietracht sind nur die Folgen menschlicher Leidenschaft. In einem, von edlen Menschen geleiteten Staate könnten derartige betrübende Erscheinungen nimmermehr zur Regel werden; und wo eine Religion der Liebe in den Herzen und nicht bloß auf der Zunge, in dem wirklichen Leben und nicht bloß in gemauerten Kirchen wohnte, könnten sie auf die Dauer nicht bestehen.
(…)
1 (Fußnote im Original) G. v Struve: Briefwechsel zwischen einem ehemaligen und einem jetzigen Diplomaten, Mannheim 1846.
2 Friedrich von Blittersdorf (1792-1861) wurde 1835 badischer Außenminister und leitete von 1839 bis 1844 als Staatsminister die Regierungsgeschäfte des Landes. War entschiedener Gegner demokratischer Reformen.
3 (Fußnote im Original) G. v. Struve: Politische Briefe, Mannheim 1846, 3. Band: „Briefe über Kirche und Staat“.
4 Mariano Baron von Sarachaga-Uria war ein badischer Verwaltungsjurist und ab 1844 Pressezensor.
5 Gerichtsvollzieher.
6 Fahrnis bezeichnet das bewegliche Eigentum, also beispielsweise Möbel und Wertgegenstände.
Vierter Abschnitt
Die erste Volkserhebung im Lande Baden
Freitag, den 7. April, waren wir in Begleitung von Joseph Fickler in Mannheim eingetroffen. Wenige Stunden nachher reiste Fickler nach Karlsruhe ab. Gleich bei unserer Ankunft am Bahnhof zu Mannheim war es uns aufgefallen, dass der Polizeikommissar und ein Polizeidiener uns augenscheinlich bewachten und umstellten. Struve war nicht ohne Sorge, dass Fickler verhaftet werden könne und begleitete ihn daher an den Bahnhof. Wiederum fand sich daselbst die Polizei ein, jedoch blieb Fickler unbelästigt. Am folgenden Tage erfuhren wir jedoch gegen Mittag, dass Fickler von Mathy in Karlsruhe verhaftet worden, und dass Mathy unmittelbar nach seiner unwürdigen Tat von Karlsruhe nach Mannheim abgereist sei. Struve war auf diese Nachricht schnell entschlossen, nach Konstanz abzureisen, und ich nicht minder, ihn zu begleiten. Der Wendepunkt unseres häuslichen Lebens war eingetreten. Wir verließen unsere kleine, lieblich eingerichtete Wohnung, um sie nicht wieder zu betreten. Ich konnte keinen Abschied von meinen teuren Eltern nehmen, welche ich erst im Turm zu Freiburg nach langer Trennung wieder sehen sollte. Es war ein großer Schmerz für mich, sie, deren Stütze ich gewesen war, so allein zurücklassen, und meine Pflichten ihnen gegenüber den höheren Pflichten opfern zu müssen. Weiterlesen
Wir nahmen unseren Platz auf der Eisenbahn nur bis Heidelberg, um nicht den Verdacht zu erwecken, als beabsichtigten wir, eine größere Reise zu machen. In Heidelberg nahmen wir Plätze bis Durlach, und da einen Wagen, der uns nach Offenburg brachte. Unterwegs kehrten wir in Sinzheim ein. In dem Wirtszimmer, worin wir verweilten, saßen mehrere Soldaten, welche zwar anfangs nicht zu erkennen gaben, dass wir ihnen bekannt seien, bei unserer Abreise aber uns freundlich die Hände drückten und uns mit Namen begrüßten.
Auch in Triberg wurde Struve erkannt und von vielen Männern, welche sich um den Wagen versammelt hatten, auf das herzlichste bewillkommt. Die Gegend, welche wir durchreisten, gehört zu den schönsten des Badener Landes. Für mich, die ich die Berge und Täler des Schwarzwaldes noch nie gesehen, hatte daher diese Reise einen doppelten Reiz.
Montag, den 10. April, langten wir in Konstanz an. Von der Stadt, in welcher vor vier Jahrhunderten, die durch Huß1 angeregte geistige Bewegung mit Feuer und Schwerk bekämpft wurde, sollte die politische Bewegung des XIX. Jahrhunderts für Deutschland ihren Ausgangspunkt erhalten. (…) Dieselbe Stadt, welche mitleidlos Huß und seinen Freund Hieronymus von Prag zum Tode führen sah, erhob zuerst das Banner der Freiheit und wurde die kräftigste Stütze, der von Hecker und Struve angeregten Volkserhebung.
Die Frage, um die es sich handelte, war nicht, ob das Volk ein Recht und ob es guten Grund habe, zu den Waffen zu greifen. Darüber waren alle einig. Die Frage war vielmehr nur, ob der Zeitpunkt günstig gewählt und ob ein glücklicher Erfolg mit Sicherheit zu erwarten sei. Mancherlei Bedenken erregten die an den Grenzen des Landes und teilweise im Lande selbst zusammengezogenen fremden Truppen, welche, wie uns die Blätter der Reaktion belehrten, als deutsche Brüder begrüßt werden sollten, obgleich sie bestimmt waren, im Blut der wackersten Männer und Jünglinge Deutschlands die aufkeimende Freiheit zu ersticken. Doch diese Bedenken teilte die kräftige Jugend der Stadt Konstanz nicht. Die Konstanzer Schützen waren es, welche in dem Treffen bei Kandern sich auf das mutigste schlugen. Hätten alle Städte Deutschlands geleistet, was Konstanz tat, hätten alle Freiheitskämpfer sich so wacker gehalten als die Konstanzer Schützen, so wäre schon die erste Volkserhebung in Baden mit Erfolg gekrönt worden.
Nachdem Hecker den 11. April nachmittags in Konstanz eingetroffen war, reisten wir über Überlingen, Stockach und Engen nach Donaueschingen ab, woselbst auf den 14. eine bewaffnete Volksversammlung ausgeschrieben worden war, deren Leitung Struve übernehmen sollte.
Donaueschingen ist eine jener Städte, welche dadurch, dass ein Fürstenhaus mit seinen zahlreichen Beamten und Höflingen seinen Sitz daselbst aufgeschlagen hat, einen guten Teil seiner Kraft verloren hat. Die Bürgerschaft war, der großen Mehrzahl nach, gut republikanisch gesinnt; allein die fürstlichen Beamten nebst ihren Schergen und Spionen gaben sich alle erdenkliche Mühe, das gesunde Urteil und den natürlichen Drang des Volkes irrezuleiten. Der regierende Fürst von Fürstenberg befand sich zwar nicht in Donaueschingen anwesend, allein seine drei Söhne vertraten seine Stelle und wachten über die Interessen ihrer Familie. Zum Schutze derselben stand überdies in nächster Nähe, hart an der Grenze, württembergisches Militär in der Stärke von mehreren tausend Mann. Der Schrecken vor den fürstlichen Beamten und den württembergischen Soldaten lähmte die Demokraten der kleinen Residenzstadt und ihrer Umgebung. Eine bewaffnete Volksversammlung kam nicht zustande. Dagegen fanden Beratungen in größeren und kleineren Kreisen statt. Zahlreiche Deputationen kamen aus der Umgegend. Schlimme und gute Nachrichten wechselten miteinander ab. Bestimmtere Kunde aus entfernteren Gegenden fehlte jedoch durchaus. Wir hofften, dass der Zug, welcher von Donaueschingen abgehen sollte, 1500 bis 2000 Mann stark sein würde. Allein noch waren kaum 300 Mann zusammengebracht, als die württembergischen Truppen auf Donaueschingen loszogen und das kleine Häufchen der Freiheitskämpfer nötigte, sich zurückzuziehen.
Unmittelbar vor dem Abzug unserer Freunde war Hecker in Donaueschingen eingetroffen. Die von ihm in Konstanz und unterwegs gesammelte kleine Schaar befand sich jedoch noch in einiger Entfernung von der Stadt.
Gustav verließ Donaueschingen an der Spitze der bewaffneten Republikaner. Ich blieb darin noch kurze Zeit zurück, da es mir aufgegeben worden war, die von den Freiheitskämpfern in der Eile zurückgelassenen Munitionskisten und sonstige Effekten mitzubringen. Große Bestürzung, Angst und Schrecken malten sich auf allen Gesichtern, nachdem die kleine Freiheitsarmee abgezogen war. Alles lief wirr durcheinander und keiner wusste, ob er fliehen oder in der Stadt bleiben sollte. Auch unser Gastfreund, bei welchem wir in Donaueschingen wohnten, war von den Letzteren. Er entschloss sich endlich zu fliehen.
Ich verließ Donaueschingen in einem Wägelein mit den genannten Gegenständen. Der kleine Kutscher fuhr schnell zu, und so kamen wir unangefochten auf der einen Seite zur Stadt hinaus, während die Württemberger von der anderen Seite in dieselbe einrückten. Auf der Landstraße zur Linken sah ich ihre Scharen ziehen mit wehenden Fahnen. In der Nähe von Pfohren stieß ich zu der Nachhut des kleinen Freiheitsheers. Was die Bewaffnung und die Kriegserfahrenheit betrifft, so war dieselbe wohl schwerlich sehr ausgezeichnet. Allein gewiss wird die Zeit kommen, in welcher ein freies deutsches Volk mit Liebe und Verehrung der Männer gedenken wird, die es zuerst gewagt, das Banner der Republik offen gegenüber der herrschenden Tyrannei zu entfalten. Die edelsten Beweggründe leiteten die Führer und die Kämpfer, welche ihrem Ruf gefolgt waren. Mit wahrhaft kindlicher Unbefangenheit zogen Alt und Jung den drohenden Gefahren entgegen. Mit Freuden hatten sie Haus und Hof verlassen und sich dem Freiheitszug angeschlossen. Unter den Freiheitskämpfern herrschte die größte Eintracht. Alle nannten sich gegenseitig Brüder und begrüßten sich als solche mit dem Du der Gleichheit.
Als ich in Pfohren anlangte, war es Nacht geworden. Das Freiheitsheer hatte sich in Pfohren nicht aufgehalten, sondern war sogleich weitergezogen. Die Gefälligkeit eines Bürgers, welcher mir seinen Wagen lieh, machte es mir möglich, sogleich weiterzufahren. Doch wusste mir niemand mit Bestimmtheit zu sagen, welchen Weg die Kolonne der Republikaner eingeschlagen habe. Ich nahm den nächsten Weg nach Riedböhringen. Dieser führte mich über Wiesen, welche tief unter Wasser standen. Die Pferde gingen bis an die Brust in dem Wasser. Es war eine stockfinstere Nacht. Gegen 11 Uhr kam ich endlich glücklich in Riedböhringen an und fand daselbst zu meiner innigen Freude das kleine Freiheitsheer, welchem ich jetzt seine in Donaueschingen zurückgelassene Munition und sonstigen Gegenstände übermachen könnte.
Die Republikaner brachten die Nacht in dem Dorf zu. Hier sah ich meinen Gatten wieder, welchen sein froher Mut nicht verließ. Das Romantische und kindlich Originelle des Freiheitszuges entwickelte sich von nun an mehr und mehr. Struve und Hecker sollten, um den Feind zu täuschen, nicht mehr bei ihren Namen genannt werden. Struve nahm den Namen Nord, Hecker einen anderen an. Um nicht den Anschein der Weichlichkeit zu haben, brachten alle Führer unentkleidet die Nacht zu und begnügten sich mit der einfachsten Kost. Die angebotenen besseren Quartiere wurden abgelehnt. Keiner sollte vor dem anderen etwas voraushaben. (…)
Dem kleinen Freiheitsheer fehlte es durchaus an Pferden. Keiner der Führer war beritten. Mit Mühe wurde die zur Fortschaffung der beiden kleinen Kanonen und des einzigen Bagagewagens erforderliche Bespannung herbeigeschafft. Zudem befand ich mich nicht ganz wohl. Unter diesen Umständen folgte ich dem Wunsch meines Gatten und fuhr allein in einem gemieteten Wägelchen nach Stühlingen, woselbst ich einige Stunden vor dem kleinen Freiheitsheer anlangte. In dem Wirtshaus, in welchem ich abgestiegen war, stritten sich die anwesenden Gäste über die Frage herum, ob die sogenannten Freischaaren festlich empfangen und namentlich, ob ihnen zu Ehren Fahnen aus den Fenstern ausgehängt werden sollten. Ein alter Pensionär erklärte, wenn der wüsste, dass die Sache gelänge, so würde er sich gleich an die Spitze eines Corps stellen, um im Verein mit den Freischaaren zu kämpfen. Ich wurde für die Frau Herwegh2 gehalten, übrigens mit Achtung behandelt.
Eine große Angst hatte sich aller Gemüter bemächtigt. Ich wurde mit Fragen bestürmt über die Stärke und die Entfernung des Freiheitsheeres. Als ich ablehnte, Fleisch zu genießen, wurde ich jedoch erkannt.3
Der Einzug des kleinen Freiheitsheeres in Stühlingen war traurig und zugleich ergreifend. Den ganzen Vormittag hatten Regen und Schnee zu fallen nicht aufgehört. Die Wege waren fast bodenlos. Nichtsdestoweniger zogen die wackeren Republikaner mit wehenden Fahnen unter Trommelschall und mit entschlossener Haltung in Stühlingen ein. Zwar waren aus einigen Häusern schwarz-rot-goldene Fahnen ausgesteckt worden. Allein kein froher Zuruf begrüßte die ermüdeten Brüder. Neugierde war es und nicht begeisterte Teilnahme, was hier und da die Bewohner an die Fenster und auf die Straßen führte. Hecker, Struve und Willich gingen zu Fuß an der Spitze ihrer Scharen, welche wohl kaum 1000 Mann betrugen. Nach einer kurzen Rast zog das Freiheitsheer weiter dem Städtchen Bonndorf zu. Ich fuhr in dem Eilwagen nach Freiburg und wurde im Vorbeifahren von Struve und den vielen anderen Freunden herzlich begrüßt. Unendlich bewegt und traurig fuhr ich dahin. Um halb 10 Uhr des Nachts kam ich sehr ermüdet und angegriffen in Freiburg an. Am folgenden Tage nahm ich die freundliche Einladung des wackeren Rotteck4 an, in seinem Hause meine Wohnung zu nehmen.
Zu meinem nicht geringen Schmerz erfuhr ich, dass sich die fürstlichen Truppen immer mehr vermehrten. Vom Volksheer konnte ich und mit mir die übrigen Republikaner keine bestimmten Nachrichten erhalten.
Die Spannung im Volk war übrigens außerordentlich groß und die bei weitem überwiegende Zahl wünschte den wackeren Freiheitskämpfern den besten Erfolg.
Den 18. April abends besuchte uns Frau Herwegh, welche zu Hecker reiste, um ihm einige Mitteilungen über den Stand der deutschen Legion in Paris zu machen. Sie beklagte sich bitter darüber, dass die wackere Schar tatenlos jenseits des Rheines gehalten, statt dass dieselbe von den Republikanern diesseits des Rheines aufgefordert würde, an dem deutschen Befreiungskampf teilzunehmen. Am anderen Morgen setzte sie in Begleitung einiger Turner ihre Reise fort.
Den 20. April erhielt ich endlich einige Kunde von den Bewegungen des Volksheeres durch einen Brief, welchen Gustav unterm 19. April mir aus Thiengen geschrieben hatte, und welcher mich mit den schönsten Hoffnungen für das Gelingen unserer heiligen Sache erfüllte.
In Freiburg fehlte es gänzlich an aller Führung. Niemand dachte daran, sich mit dem Volksheer in geregelte Verbindung zu setzen. Statt zu handeln, wartete man auf Befehle, welche, der Natur der Sache nach, nicht eintreffen konnten, da sowohl Freiburg als die Umgegend von fürstlichen Truppen besetzt waren. Diejenigen Männer, welche Tatkraft besaßen und bereit waren, für die Sache der Freiheit Gut und Blut zu opfern, besaßen nicht den erforderlichen Einfluss, umfassende und tiefgreifende Maßregeln durchzusetzen. Diejenigen Männer dagegen, deren äußere Stellung bedeutend genug war, ihnen Einfluss zu sichern, mahnten teils von kräftigen Maßregeln ab, teils verhielten sie sich im entscheidenden Augenblicke untätig und unentschlossen. Die widersprechendsten Gerüchte kreuzten sich fast täglich. Selbst über das Treffen bei Kandern5 konnten wir lange keine zuverlässigen Nachrichten erhalten.
Mittlerweile dauerte die Gärung von Freiburg fort. Namentlich unter den Arbeitern war dieselbe groß und nachhaltig. Lange hatten sie Waffen verlangt, jedoch ohne Erfolg. Am 21. April erhielten sie endlich Sensen, nachdem sie gedroht hatten, sich dieselben mit Gewalt zu nehmen, falls sie ihnen länger vorenthalten würden.
In große Besorgnis versetzte mich die Nachricht, mein Gatte sei in Säckingen verhaftet worden. Doch erfuhr ich bald darauf, dass er wieder befreit worden sei. Ein Brief meines Gatten vom 21. April, abends 9 Uhr, gab mir hierüber volle Gewissheit. Die Reaktionäre waren übrigens die ganze Zeit in der größten Furcht, und dieser hatte ich es wohl auch zu verdanken, dass ich unangefochten in Freiburg leben konnte.
Samstag, den 22. April, sollte eine Volksversammlung in Freiburg gehalten werden. Den schlimmsten Einfluss auf dieselbe und auf die Stimmung der Demokraten überhaupt übte ein Brief, welchen Hecker aus Basel an seinen Bruder in Freiburg gerichtet hatte. Derselbe enthielt namentlich die Anfangsworte: „Unglücklich und geächtet sitze ich hier in Basel.” Heckers Bruder zeigte diesen Brief mit großem Eifer aller Orten, um jedermann von der Teilnahme an der Volksbewegung abzuhalten. Ich konnte mir nicht denken, dass dieser Brief in der Tat von Hecker herrühre und bestritt deshalb, dessen Echtheit. Später wurde diese jedoch leider hergestellt und auf diese Weise ein höchst entmutigender Einfluss auf die in Freiburg versammelten Republikaner ausgeübt, indem die Mehrzahl derselben in Folge dieses Briefes zu der Ansicht gebracht wurde, alles sei für die Volkssache verloren. Ich bemühte mich nach Kräften, diesen ungünstigen Eindrücken entgegenzuwirken. Ich zeigte mich zwar nicht öffentlich, nahm auch an den da und dort stattfindenden Beratungen keinen Anteil. Allein häufig kamen Leute sowohl vom Bürger- als Soldatenstande zu mir, um sich bei mir nach dem Stand der Verhältnisse zu erkundigen und mich zu fragen, was sie tun sollten. Besonders zahlreich stellten sich badische Soldaten bei mir ein, welche mir mitteilten, dass sie und viele ihrer Kameraden bereit seien, auf die Seite des Volkes überzutreten, jedoch klagten, dass sie nicht wüssten, wie sie dieses bewerkstelligen sollten. Zu gleicher Zeit wünschten sie zu wissen, ob ich glaubte, dass sie dieses ohne Tollkühnheit tun könnten und ob dieser ihr Schritt für die Sache des Volkes von Nutzen sein könne. Ich trug kein Bedenken, bei jeder Gelegenheit zu erklären, dass ich es für die Pflicht jedes deutschen Mannes halte, sich offen der Sache der Freiheit anzuschließen. Den Männern des Soldatenstandes bemerkte ich insbesondere, dass ihre Haltung gegenüber dem Volk ohne Zweifel den Ausschlag geben würde. Ich verhehlte ihnen nicht, dass der Schritt, den sie beabsichtigten, mit mannigfaltigen Gefahren verbunden sei, wies sie aber darauf hin, dass mein Gatte und alle anderen im Felde stehenden Volksmänner diese Gefahren teilten und dass ohne Gefahren niemals die Freiheit erkämpft werden könne. Hätten die Volksmänner in Freiburg dem Soldatenstand gegenüber ihre Pflicht getan, hätten sie die Schwankenden ermutigt, den Entschlossenen einen Haltpunkt geboten, welcher ihnen den Übertritt zum Volk erleichtert hätte, so wären ohne Zweifel damals schon ganze Kompanien, ja vielleicht Bataillone zum Volk übergegangen. Stattdessen waren die Volksmänner selbst unentschlossen und wussten auch ihrerseits nicht, was sie tun sollten. Eine Folge dieser Unentschlossenheit war es, dass auch die Volksversammlung vom 22. April ungenützt vorüberging. Ostersonntag, den 23. April, rückten endlich die Republikaner von Günterstal6 her auf Freiburg los. Mein Bruder Pedro, welcher dazumal in Freiburg anwesend war, ging denselben entgegen, um ihnen Kenntnis von der Lage der Stadt zu geben. Nachmittags entspann sich das Treffen im Sternenwald. Das Schießen dauerte bis spät in die Nacht. Beide feindlichen Parteien in der Stadt waren in großer Augst. Montag morgens kam mein Bruder wieder in die Stadt zurück und teilte mir mit, dass er in der Nähe von Günterstal Gustav gesehen habe. Zu gleicher Zeit erhielt ich durch ihn einige Nachrichten über den Ausgang des Treffens bei Günterstal, welche übrigens nicht geeignet waren, mich zu beruhigen. Bald darauf begann das Schießen von neuem, und zwar in der nächsten Nähe der Stadt und unserer Wohnung. Dasselbe dauerte mehrere Stunden lang. Gleich bei dem Beginnen des Gefechts schlossen die Bewohner des größten Teils der Stadt Läden und Türen und verkrochen sich in die Keller. Die Straßen waren leer, nur an den Barrikaden kämpften die wenigen zurückgebliebenen Männer der Tat mit Mut und Ausdauer. Von den Fenstern unseres Hauses herab suchte ich die Wankenden zu ermutigen. Die armen Freiheitskämpfer wurden von Seiten der Bürger ohne alle Hilfe und Ermunterung gelassen, so dass sie traurig in den Straßen herumgingen und nicht wussten, wie sie Nahrung erhalten sollten. Soweit es meine schwachen Kräfte erlaubten, teilte ich mit den darbenden Brüdern. Am Fenster zu verweilen, war übrigens nicht ohne Gefahr. Gegenüber unserem Haus schaute ein junges, blühend schönes Mädchen zum Fenster heraus, indem auch sie den lebendigsten Anteil an dem Freiheitskampf nahm. Eine Kugel streckte sie tot nieder. (…) Da am Ende unserer Straße eine Barrikade in der Nacht von Sonntag auf Montag erbaut worden, welche mit einer Kanone besetzt war, so hatten wir in unserer nächsten Nähe das Kanonen- und Kleingewehrfeuer ganz besonders heftig. Endlich mussten die Unsrigen der Übermacht weichen. Von allen Seiten rückten die fürstlichen Truppen in die eroberte Stadt ein. Die Eisenbahn hatte in der vergangenen Nacht und noch an demselben Morgen mehr denn 6000 Mann Verstärkung mit allem erforderlichen Kriegsgerät bis in den Bahnhof der Stadt Freiburg gebracht. Bei dem Einzug der fürstlichen Truppen öffneten sich plötzlich die früher verschlossenen Türen und Läden. An den Fenstern erschienen mit wehenden Tüchern und Fahnen dieselben Menschen, welche sich während des Kampfes verborgen und verkrochen hatten.
So wurde die erste Erhebung des badischen Volkes in Freiburg erdrückt. Über die Leichen ihrer Brüder und ihrer Väter waren die verblendeten Soldaten in die Stadt eingezogen. Nur ein kleines Häuflein edler aufopfernder Männer hatte todesmutig auf den Barrikaden ausgeharrt. Die große Mehrzahl selbst derjenigen, welche bis Sonntagabend in Freiburg unter den Waffen gestanden waren, hatte an dem Entscheidungskampf keinen Teil genommen. Nur die Entschlossensten hatten gekämpft. Unter den Leichen der gefallenen Republikaner fanden sich neben den frischen Jünglingen auch Greise mit weißem Haupt, welche mit dem ganzen Feuer jugendlicher Begeisterung gekämpft hatten. Gegen jeden Freiheitskämpfer standen mehr als dreißig wohlbewaffnete fürstliche Soldaten. Den Republikanern fehlte es an Waffen und Munition. In Ermangelung von Kugeln hatten sie die Kanonen teilweise mit Steinen geladen. Oft hatten drei kampfeslustige Streiter zusammen nur ein Gewehr. Da standen die edlen Jünglinge an den Barrikaden und empfingen die Kugeln ihrer feindlichen Brüder, die sie nicht erwidern konnten. Obgleich manche reichen Bürger gefüllte Waffenschränke besaßen, so war doch unter den Republikanern die Achtung vor dem Eigentumsrecht so groß, dass sie es nicht wagten, dieselben gewaltsam zu öffnen, um die bisher ungebraucht gelassenen oder nur zur Jagd auf harmlose Tiere verwandten Geschosse in den Dienst des Vaterlandes zu nehmen.
Siegestrunken rückten die fürstlichen Truppen ein, gleich als hätten sie große Taten vollbracht. Unter den Nassauern, welche sich durch ihre Grausamkeit auszeichneten, waren sogar noch viele Freiwillige, welche, im Glauben, ein gutes Werk zu tun, und in der Hoffnung, sich durch diesen Feldzug Lorbeeren zu erwerben und die Zeit des lästigen Kriegsdienstes abzukürzen, in die Reihen der Truppen eingetreten waren. Die Zahl der Freiheitskämpfer, welche bei Kandern, bei Günterstal, im Sternenwalde und bei Freiburg gefallen, war nicht gering. Es waren die ersten Opfer, welche das südwestliche Deutschland auf dem Altar der Freiheit dargebracht hatte, die ersten Opfer, welche im heiligen Kampf in Deutschland gefallen. Wohl hatten Wien und Berlin auch für die Freiheit gekämpft, allein diejenige Klarheit des Bewusstseins und diejenige Entschiedenheit, welche in der Brust der badischen Freiheitskämpfer lebte, fand sich in jenen großen Residenzstädten nicht. In Wien und Berlin hatten die Freiheitskämpfer gesiegt, allein doch keine Freiheit errungen. In Baden wurden sie besiegt, allein ihre Niederlage bildete die Grundlage zu der republikanischen Partei Deutschlands, welche allein im Stande ist, die Wiedergeburt Deutschlands zu vollenden.
(…)
1 Johann Huß war ein böhmischer Reformator, gilt als Vorläufer von Martin Luther.
2 Emma Herwegh war mit ihrem Mann Georg und rund 1000 Freiwilligen der „Deutschen Demokratischen Legion“ auf dem Weg von Paris nach Baden, um den dortigen Aufständischen zur Seite zu stehen. Struve und Hecker lehnten deren Beteiligung jedoch ab, weil sie fürchteten, dass dies als „ausländische Einmischung“ gedeutet werden (tatsächlich hatten die konservativen Zeitungen solche Propaganda verbreitet) und den Aufstand unter den eigenen Leuten in Misskredit bringen könnte.
3 Amalie Struve wie auch ihr Mann Gustav waren bekennende Vegetarier, zu dieser Zeit äußerst ungewöhnlich – und nicht selten mit Spott belegt.
4 Karl von Rotteck war ein Freiburger Radikaldemokrat und Mitbegründer des Freiburger Turnvereins. Wie so viele andere emigrierte es 1850 nach Amerika.
5 Bei Kandern in Südbaden fand am 20. April ein Gefecht zwischen den Freischaren und den deutlich überlegenen Truppen des Deutschen Bundes statt, die den „Heckerzug“ zur Flucht zwangen.
6 Bei Günterstal fand am 23. April erneut ein Gefecht mit Regierungstruppen statt, bei dem die Freischärler zurückgeschlagen wurden.
Die Frauen
In früheren Zeiten beschäftigte sich ein Gelehrter mit der Frage, ob die Frauen Menschen seien. Jetzt lächelt man wohl über diesen Toren; allein darum werden doch die Folgesätze der ewigen Wahrheit, dass Frauen Menschen sind, im praktischen Leben nicht anerkannt. Der ungebildetste und unwissendste Mann kann Geschworener, Männer von sehr schwacher Bildung können Beamte sein, die gebildetste Frau kann es nicht. Zur Beglaubigung von Verträgen und letztwilligen Verfügungen können die Frauen nicht einmal als Zeugen zugezogen werden. Raufbolde und alle Arten von Ruhestörer haben Stimmrecht bei den dem Volke zustehenden Wahlen; nicht so die Frau. Die hochherzige Patriotin steht hinter den elendesten Menschen zurück, welcher männlichen Geschlechts geboren ist, mag er auch in der Tat noch so unmännlich sein. Der Mann greift zum Schwert und tritt im blutigen Kampf dem Bedrücker entgegen, welcher ihm seine politischen Rechte versagt. Der Frau aber werden nicht bloß diese, ihr werden auch sehr viele bürgerliche Rechte vorenthalten. Sie hat keine Stimme in den Versammlungen der Kirche, und wo das Gesetz ihr nicht feindlich entgegentritt, beschränkt die öffentliche Meinung gar sehr ihre Freiheit. Weiterlesen
In den Zeiten der Römer und Griechen besaß der größere Teil der Männer keine politischen Rechte. Die Frauen konnten sich mit den Sklaven trösten, welche noch weniger Rechte als sie hatten. Die Sklaven sind in dem zivilisierten Europa und in dem größten Teil Amerikas frei geworden; doch die Frauen besitzen ihre Menschenrechte noch nicht. In dem finsteren Mittelalter bewahrten sich nur einzelne Stände die Freiheit. Die große Masse der Männer und Frauen waren in Leibeigenschaft versunken. Die Leibeigenschaft fiel, doch die Frauen gewannen ihre Freiheit nicht. In neuester Zeit dehnten die Männer mehr und mehr ihre politische Freiheit aus. Namentlich brachen die Amerikaner das Joch fürstlicher Tyrannei; aber die Frauen erhielten keinen Anteil an den neu errungenen Rechten. Sie blieben nach wie vor von allen politischen und vielen bürgerlichen Rechten ausgeschlossen. Diese Kränkung ihrer Rechte hemmt die Entwicklung des weiblichen und auch des männlichen Geschlechts. Die Männer leiden darunter, weil der besänftigende, mildernde und erhebende Einfluss des weiblichen Geschlechts sich in dem politischen und in einem großen Teil des bürgerlichen Lebens nicht geltend machen kann. Nimmer hätten rohe Raufbolde so großen Einfluss auf die Wahlen gewonnen, wenn die Frauen berufen worden wären, daran teilzunehmen. Im bürgerlichen Leben hätten Eigennutz und Habsucht nicht so nackt ihre Banner entfalten können, wenn die Frauen sich mehr dabei beteiligt hätten. Wir verlangen nicht, dass Frauen Präsidentinnen, Richterinnen oder sonstige Beamte werden sollen. Allein wir begehren, dass diejenigen Frauen, welche für fähig gehalten werden, irgendeine Stelle im Staate würdig auszufüllen, durch ihr Geschlecht nicht ausgeschlossen werden. In einem monarchischen Staat kann die Frau Königin sein, und in einer Republik kann sie auch nicht die niedrigste Beamtenstelle erreichen.
Nimmermehr möge auf eine Frau ohne die entsprechenden Fähigkeiten irgendeine Wahl fallen. Doch ist es vernünftig, auch die geistreichste, auch die charakterfesteste Frau von jedem Anteil am Staatsleben auszuschließen – ihres Geschlechts wegen?
Wir geben zu, dass in unseren Tagen die Frauen durchschnittlich weniger politische Kenntnisse besitzen als die Männer. Allein daraus folgt nur, dass sie nicht so zahlreich als die Männer berufen werden können, wichtige Stellen im Staat auszufüllen. Gewiss eignet sich die Frau im Allgemeinen nicht dazu, in den Krieg zu ziehen mit der Muskete auf dem Rücken oder dem Schwert in der Hand. Doch hieraus folgt nur, dass man sie von der Pflicht des Kriegsdienstes freisprechen soll. Sie wird dafür bereitwillig andere vaterländische Pflichten übernehmen. Der Frau fehlt es jetzt aus dem Grunde hauptsächlich an Kenntnissen des politischen und bürgerlichen Lebens, weil sie keinen Sporn besitzt, sich dieselben zu erwerben. Die strebende Frau will ein gleichberechtigtes Wesen sein in allen Gebieten des bewegten, menschlichen Lebens: auf dem Felde der Wissenschaft, der Kunst, der Kirche und des Staates. Wenn einst der anderen Hälfte des Menschengeschlechts diese so bedeutungsvollen Felder des Strebens werden eröffnet sein, dann erst werden sie einen großartigen Aufschwung nehmen.
Alle aufgeklärten Männer, welche an den Freiheitskämpfen Europas Anteil nahmen, sind zu der Überzeugung gelangt, dass ohne die kräftige Mitwirkung der Frauen auf politischem, sozialem und kirchlichem Gebiet, das heißt ohne deren vollständige Gleichberechtigung mit den Männern, ein Land nie und nimmer wahrhaft frei genannt werden könne. Doch gibt es auch eine nicht unbedeutende Anzahl solcher, welche teils aus Unkenntnis der Sache, teils aber auch aus Herrschsucht und Eitelkeit die Frauen stets in Unterwürfigkeit und Knechtschaft halten möchten. Um des Sieges gewiss zu werden, müssen wir suchen, die edlen und guten Herzen so vieler wackeren Männer, die bisher über diese Frage nie nachdachten und aus Gewohnheit den alten Schlendrian fortlebten, für uns zu gewinnen. Dieses tun wir, indem wir ihnen auseinandersetzen, was wir verlangen und was wir zu leisten bereit sind. „Gleiche Rechte und gleiche Pflichten“ dies sei unser Wahlspruch!
Wir wollen, dass die Jungfrau sich einen selbständigen Lebensberuf schaffe. Und dann frei mit dem Jüngling sich verbinde, den sie ihr Herz gegeben, zu welchen die edelsten Gefühle ihrer Seele sie hinziehen. Kein anderes Motiv soll sie zu den Geliebten führen als die reinste Liebe, gegründet auf gegenseitige Hochachtung und auf das Bewusstsein, auf gleicher geistiger Höhe zu stehen und nach einem Ziel zu streben. Sind die beiden Ehehälften nicht gleich gebildet, streben sie vereinzelt, die eine in dieser, die andere in jener Richtung, so kann nimmermehr ein Paar sich auf Erden das Paradies erbauen. Dann wird keine Harmonie herrschen am heimischen Herd, sondern nur Misstöne werden erklingen, welche der Mann mit sich nimmt in das öffentliche Leben und über welche die Frau zu Hause Tränen vergießt. Was die höhere Geistesbildung und Gleichberechtigung der Frauen sind daher unumgänglich nötig zum Glück beider Teile.
Kennen wir doch die unzähligen Beispiele unglücklicher Ehen! Forschen wir tiefer nach, so werden wir deren Grundursache in der falschen Stellung finden, welche die Frau dem Mann gegenüber einnimmt. Indem wir die Gleichstellung der Frauen mit den Männern begehren, verlangen wir nur, dass ein ewiges Menschenrecht, welches Jahrtausende hindurch mit Füßen getreten wurde, endlich zur Wahrheit werde. Sind die Frauen einmal wahrhaft frei und fühlen sie sich als unabhängige Wesen, so kann ihre höhere Bildung nicht ausbleiben. Sie werden dann, mehr als jetzt, streben nach einer schulgerechten Bildung. Ihre Erziehung wird gründlicher und harmonischer werden; das Bewusstsein, sie könnten einst gleich den Männern für das Vaterland wirken und würden von diesen als Gleiche betrachtet, wird ihnen neue Kraft einhauchen. Mit Stolz und Verachtung wenden sich die Frauen, die sich ihres inneren Wertes, der eigene Kraft bewusst sind, von einer Verehrung und einer Galanterie ab, welche ihnen manche Männer als Ersatz für ihre untergeordnete Stellung im Staat angedeihen lassen. Nicht als Götzen wollen wir verehrt werden, nicht Weihrauch und Dienstpflicht verlangen wir. Nein! Wir wollen als Gleiche an der Seite des Mannes stehen und seine Achtung und Liebe genießen.
Vergleichen wir die Frauen, welche unter dem Einfluss weniger beschränkender Gesetze zu politischem Einfluss gelangten, mit den Männern ihrer Tage! War etwa die Königin Elisabeth von England den Königen Phillip II. von Spanien und Karl IX. von Frankreich, oder ihren Ministern Shrewsbury und Burleigh nicht gleich an Geisteskraft?
Maria Theresia war unter den Habsburgern eine am wenigsten widrige Erscheinung. Katharina II. war besser als ihre Nachfolger und die meisten ihrer Vorgänger auf dem russischen Thron. Wenn wir Heloise und Abälard[1] vergleichen, so gebührt dem Weib der Vorzug vor dem Mann. Ihre Liebe bestand die schwersten Proben des Schicksals, doch ihr Geist blieb frei und ihr Herz frisch selbst in den Banden des Klosterlebens. Eine Erhabenheit des Charakters und einer Reinheit des Strebens, wie Heloise sie in dem finsteren Mittelalter bekundete, hat kein Mann ihrer Zeit besessen, dennoch hatte diese große Seele nicht die gleichen Rechte mit dem herzlosesten und feigsten Menschen männlichen Geschlechts!
Stand Johanna von Orleans nicht so hoch als jene Männer, welche die edle Jungfrau als Hexe verbrennen ließen? Oder wäre die Bürgerin Roland, welche vor dem Nationalkonvent ihre Gegner beschämte, welche mit unbeschreiblichem Heldenmut das Schafott betrat, weniger fähig gewesen, politische Rechte auszuüben als die Freunde ihres Gatten, den sie ihren Geist einhauchte? Oder als ihr Todesgenosse, dessen Mut sie noch auf ihrem letzten Gang aufrichtete?
Hatten eine Schriftstellerin wie Stael, eine Sybold, die ausgezeichnete und weltberühmte Geburtshelferin, weniger Anspruch auf gleiche Berechtigung als so viele eingebildete Professoren, deren Kopf und Herz gleich leer ist?
Es wäre unmöglich, die Beispiele alle hier anzuführen, welche mir vor der Seele schweben; doch kann ich nicht unterlassen, einige Charaktere der neuesten Zeiten noch hervorzuheben. Ich erinnere an Georges Sand, die vielfach Verleumdete und Geschmähte, die ausdauernde Bekämpferin der Missbräuche unserer Zeit, welcher das Genie, womit die Vorsehung sie beschenkte, zur Dornenkrone geworden; an jene jugendliche Helden von Venedig, die begeisterte Anhängerin Mazzinis[2], welche im letzten italienischen Freiheitskrieg einem Bataillon Jäger die Fahne vorantrug und bei Erstürmung einer Schanze ins Herz getroffen ward. Sie war klarer in ihrem Innern über die Verhältnisse ihres Vaterlandes als die Jäger, denen sie voran zog, sie wusste, dass den Mut zu heben, die Schar zu begeistern ihre Aufgabe sei und starb des Heldentods bei Erfüllung ihrer Pflicht. Wer gedenkt nicht der tapferen Gattin Garibaldis, der hochherzigen Amerikanerin Leonta? Sollte sie, welche den kühnsten Männern als Stern voranleuchtete, weniger verdient haben, politische Rechte auszuüben als irgendein Wirtshauskannegiesser, der sich großer Taten rühmt, die er niemals begangen?
Die Frauen Italiens, Ungarns und Deutschlands nahmen den innigsten Anteil an den Bewegungen ihres Vaterlandes. Allein hinter dem herrschenden System ihrer Unfreiheit war es ihnen unmöglich, eine hervorragende Stellung im politischen Leben einzunehmen.
Schwer lastet auf den Frauen der Druck, welchen der Alltagsmann täglich über sie verhängt, indem er sie von allem geistigen Streben ausschließen möchte und sie beständig nur in die Küche oder an die Handarbeiten, die sogenannten „weiblichen Arbeiten“ verweist.
Jean Pauls zartes Gemüt schmerzte die unwürdige Stellung der Frauen, denn er hatte diese längst erkannt und trefflich geschildert, Indem er von den „verkochten vernähten“ und „verwaschenen Frauen“ spricht! Sollten wir in dieser Stellung verharren, indem das ganze Menschengeschlecht Riesenschritte vorwärts macht?
Die Pflicht der Frau besteht nicht allein darin, dem Gatten für seine häuslichen Bedürfnisse Sorge zu tragen und die Kinder gut zu erziehen, denn diese Pflichten füllen nicht die Seele der Frau aus. Einen Unterschied zwischen der Haushälterin und der freien Gattin des freien Mannes vermag ich nur da zu finden, wo das Weib als wahre Hälfte ihren vollen Anteil nimmt an allem, was die Seele des Gatten bewegt: an seinen Gedanken, seinen Plänen, tiefsten feinen Empfindungen und seinen Taten. Wie Arm ist das Leben, welches nicht ruht auf dem festen Boden des Vaterlands! Die edlen Frauen der Griechen und Römer, eine Cornelia, eine Lucretia, die Mutter des Corolian, sie verstanden es wohl, die Pflichten der Familie zu vereinigen mit denen des Vaterlandes.
Die politische Rechtlosigkeit der Frau hemmt deren Entwicklungsgang, und ohne Selbständigkeit gibt es zwar Gehorsam, allein nimmermehr Harmonie. Die große Aufgabe unserer Zeit, wie Sie mir im Ideal vorschwebt, ist es aber, Harmonie einzuführen in die kleinen und in die großen Kreise des Lebens. Der Schlüssel zu dieser Harmonie ist die Selbständigkeit des Menschen, des Weibes wie des Mannes. Selbständigkeit setzt aber Gleichberechtigung voraus. Solange die Männer nicht nach einer harmonischen Bildung für alle streben, solange sie nicht von einem höheren Gesichtspunkt aus das Volk aufklären und belehren, kann die Frau nimmer hoffen, ihr ewiges Menschenrecht zu erlangen. Es müsste denn sein im Sturm der Revolution, wenn diejenigen Männer in Italien, Ungarn und Deutschland zur Geltung kommen werden, welche längst erkannt haben, dass die Frauen in ihrem unwürdigen Zustand nicht verbleiben dürfen. So namentlich Mazzini, der noch jüngst in London sagte, dass es sich nur frage: „ob die Frauen Menschen seien? Seien sie Menschen, so müssten ihnen auch, gleich wie den Männern, Rechte gegeben werden.“
Auch andere tüchtige Führer des Volks geben den Frauen die Bürgschaft, dass sie ihr Menschenrecht seiner Zeit, wenn die roten Fahnen wieder wehen, sicher erhalten.
Die Entscheidung wird aber die Jugend bringen, die männliche sowohl als die weibliche, welche, vom Geiste der Freiheit beseelt, alle Gebiete des menschlichen Lebens umfasst und dem Weibe allein die Fesseln nicht ungelöst lassen wird. Die Jugend gibt uns die feste Zuversicht, dass, wenn auch Jahre noch hingehen, die Sonne der Freiheit aufgeben werde über alle Menschen, über Männer und Frauen.
Die jungen Herzen werden den Geist der „Freiheit, der Gleichberechtigung aller“ mit einer ganz anderen Kraft geltend machen als die Katheterprofessoren, die mit bestaubter Perücke in alten Bänden blättern!
Die gleiche Berechtigung und die gleiche Bildung der Frau sind namentlich für die Erziehung der Kinder von der größten Wichtigkeit. Das Kind soll auch geistig, nicht bloß körperlich gebildet werden. Die Mutter ohne höhere Geistesbildung kann den Kindern nichts mitteilen als Liebe. Aber wenn der Geist gebricht, was ist ohne ihn die Liebe?
Ganz andere Söhne und Töchter wird die Frau, die frei von allem Pfaffenglauben ist, der Welt erziehen. Wenn Sie das Bewusstsein hat, gleichberechtigt ihrem Gatten zur Seite zu stehen, gleichen Anteil zu nehmen an den Kämpfen und an den Leiden ihres Vaterlandes. Eine solche Mutter kann ihren Kindern mit dem Beispiel vorangehen, und dieses wirkt mehr als das Wort.
Unser Ziel ist die Gleichheit der Rechte. Wir müssen und wir werden es erreichen. Schon sprossen allerorten die Keine künftiger Gleichheit. Ein warmer Regen kann sie hervortreiben.
1 Heloise war Äbtissin und Ehefrau des Philosophen und Theologen Peter Abaelard, der von Papst Innozenz II. im Jahre 1141 als Ketzer verurteilt wurde.
2 Guiseppe Mazzini, italienischer Revolutionär, Förderer und Wegbegleiter Guiseppe Garibaldis.
Die Stellung der Frauen im Leben
Die Hälfte der Menschen ist weiblichen Geschlechts. Bevor die Frauen ihre richtige Stellung in der Gesellschaft gefunden haben, kann die Menschheit sich unmöglich rein und frisch entwickeln. Jedes Missverhältnis, welches das weibliche Geschlecht betrifft, berührt die Menschheit in ihren tiefsten Tiefen.
Zu allen Zeiten und bei allen Völkern nahmen die Frauen diejenige Stellung ein, welche ihnen die herrschende Meinung anwies. Griechen und Römer waren zwar in ihren guten Zeiten Republikaner, allein ihre Anschauungsweise beruhte wesentlich auf dem Vorrecht: auf dem Vorrecht des Freien gegenüber dem Sklaven, des Vollbürgers gegenüber der rechtlosen Menge, des Mitbürgers gegenüber den Barbaren. Das Christentum hat zuerst den Grundsatz allgemeiner Menschenliebe und Brüderlichkeit aufgestellt, welcher seit der französischen Revolution in der Formel: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ gefasst wird. In neuester Zeit wird viel von der Solidarität der Völker gesprochen. Die Schranken, welche früher die Menschen trennten, sollen schwinden. Alle soll sollen für einen, und einer für alle einstehen – im Kampf der Freiheit. Weiterlesen
Wie passen diese Ideen der Neuzeit zu den Zuständen, in deren Mitte wir uns bewegen, und namentlich zu der Stellung, welche die Frau im Leben einnimmt?
Die Völker sollen die alten Vorurteile, welche sie früher trennten, fallen lassen und sich gegenseitig als gleichberechtigte Glieder der großen Familie betrachten, welche die Erde bewohnt. Die Stufen sollen entfernt werden, auf welchen früher die verschiedenen Stände feindlich über- und untereinander standen. Gleiche Rechte und gleiche Pflichten ist der Wahlspruch unserer Zeit.
Der Deutsche reicht freudig dem Italiener, dem Ungarn, dem Franzosen und selbst jenseits des Ozeans dem Amerikaner die Hand zum Bruderbund. Doch steht der deutsche Mann der deutschen Frau gewiss näher als dem Amerikaner oder dem Engländer. Sollen die Menschen alle gleichberechtigt sein, selbst wenn sie durch Sprache und Abstammung, durch Geschichte und Sitten weit von uns verschieden sind, und die Frauen, welche Fleisch von unserem Fleisch und Geist von unserem Geist sind, sollen nicht gleichberechtigt uns zur Seite stehen? Ist das vernünftig, ist das folgerecht? Oder sind die Frauen etwa keine Menschen?
Wenn wir von unseren ewigen und unveräußerlichen Menschenrechten sprechen, so ist doch wohl nicht allein von den Rechten der Männer, sondern auch von denjenigen der Frauen die Rede. Wenn wir die Gleichberechtigung in Anspruch nehmen, so bezieht sich diese doch nicht bloß auf die eine, sondern auf beide Hälften, auf das Ganze des Menschengeschlechts. Die Zukunft der Menschheit ist abhängig von dem Sieg der nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ringenden Völker, im Kampf mit den Fürsten, deren Herrschaft auf der Knechtschaft, der Ungleichheit und dem Elend der Mehrzahl ruht.
Die Aufgabe derer, welche auf der Seite des Grundsatzes der Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit stehen, ist vor allen Dingen, diejenige Überzeugung in den Gemütern hervorzurufen, welche ihnen den Sieg bereiten soll. Wie können aber die Frauen, wie kann die Hälfte des Menschengeschlechts von den Ideen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durchdrungen werden, wenn ihnen selbst die Freiheit und die Gleichheit versagt wird, wenn ihnen die Männer nicht Brüder, sondern Herren sein wollen? Wir glauben, einen großen Gewinn zu machen, wenn wir ein Volk auf die Seite der Freiheitskämpfer herüberziehen. Was aber ist ein Volk im Verhältnis zu der Hälfte des Menschengeschlechts?
Wir glauben, einen großen Fortschritt gemacht zu haben, wenn wir von dem Standpunkt der Nationalität uns emporschwingen auf denjenigen der Gesamtbürgschaft der Völker. Ist aber eine Gesamtbürgschaft möglich, wenn die eine Hälfte des Menschengeschlechts, wenn die Frauen daran nicht teilnehmen?
Man wende nicht ein, die Frauen werden aus Liebe zu ihren Männern Anteil an dem Kampf nehmen. Mit welchem Recht können die Männer auf die Liebe ihrer Frauen bauen, wenn sie ihnen selbst Unrecht tun? Je mehr Liebe die Frauen ihren Männern widmen, desto mehr sind diese aufgefordert, gerecht gegen ihre Frauen zu sein. Die Frau ist jetzt kein selbständiges Mitglied der Staatsgesellschaft. Sie steht mit dieser nur durch ihren Mann in Verbindung. Sie wird nicht als gleichberechtigt, sondern als rechtlos im Staate betrachtet. Das hatte Sinn und Verstand, solange der Grundsatz des Vorrechtes galt, solange auf diesem der ganze Staats-Organismus beruhte. Die Frau als unselbständiges, untergeordnetes Wesen in unseren Tagen noch betrachten, heißt, das Gespenst veralteter Sklaverei oder mittelalterlicher Leibeigenschaft aus dem Grabe heraufbeschwören.
Die Gesellschaft ist in zwei Lager gespalten, welche getrennt sind durch furchtbare von den Fürsten begangene Schandtaten. Auf der einen Seite steht die alte Gesellschaft, deren Streben ist, die Völker zum Nutzen einer kleinen Minderheit zu knechten, zu verdummen und auszusaugen. Auf der anderen Seite steht die junge Welt, welche nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ringt. Mögen die Tyrannen immerhin der einen Hälfte des Menschengeschlechts, den Frauen, ihren gleichen Anteil an den Rechten und mit diesem an den Freuden, Genüsse und Entwicklungen des Lebens versagen. Versagen sie doch auch das gleiche Recht der großen Masse der Männer. Mit welchen Gründen kann aber der Mann, welcher Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf sein Banner gesetzt hat, die Frau unfreier machen, als der unfreieste Untertan irgendeines Fürsten ist? Mit welchem Recht kann er ihr zurufen: „Du stehst mit mir nicht auf gleicher Stufe, tritt ab von der Bühne des Staates.“ Mit welchem Recht kann er der Frau sagen: „Ich will nicht als Bruder Dir zur Seite stehen, sondern als Gebieter über Dir stehen“?
Solange die Männer sich nicht selbst klar sind über die Bedeutung und den Umfang des großen Freiheitskampfes, der uns bevorsteht, solange sie es nicht verstehen, alle Kräfte sich zu verbinden, die sie darin fördern können, solange sie die Grundsätze der Neu-Zeit nicht in allen ihren Folgerungen anerkennen, müssen Sie darauf verzichten, ihre Gegner zu besiegen.
Die Bedrücker der Völker sind schlauer und folgerichtiger als gar viele, die sich Freiheitskämpfer nennen. Die Tyrannen wissen wohl, dass ihre Grundsätze nicht bestehen können mit dem gleichen Recht der Frauen. Wie die indischen Priester so führen auch die im Sold der Fürsten stehenden christlichen Pfaffen die Unterordnung der Frauen unter die Obergewalt des Mannes auf göttliche Anordnung, auf Evas Apfel und auf die Schlange im Paradies zurück. Leiten doch die Fürsten auch ihr Herrscherrecht über die Völker von Gottes Gnaden ab. Warum sollen sie die wichtigste aller Ungleichheiten, die umfangreichste aller Rechtlosigkeit nicht auf dieselben Gründe stützen?
Der große Kampf der Neuzeit lässt sich zurückführen auf die Frage: gleiches Recht oder Vorrecht? Denn weder Freiheit noch Brüderlichkeit sind vereinbar mit der Herrschaft des Vorrechts. Die Fürsten mit ihren geistlichen und weltlichen Schergen sind folgerichtig, klug und fein, indem sie der Frau gleiche Rechte versagen. Die Männer aber, welche „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ schreien, alle drei aber den Frauen versagen, sind entweder zu flach, einzusehen, dass ihre Worte ihren Taten widersprechen, oder zu tief in den Vorurteilen der alten Gesellschaft befangen, um sich von diesen lossagen zu können.
Nimmermehr wird der Mann eine richtige Stellung im Leben gewinnen, solange die Frau sie nicht gewonnen hat. Die Frau übt einen zu großen Einfluss auf den Mann, als dass dieser ungestrafte ihr Unrecht tun könnte. Der Mann mag die Frau wohl ausschließen vom allgemeinen Stimmrecht, allein die Folge wird davon sein, dass die für politische Dinge gleichgültige Frau dem Mann in seinen politischen Kämpfen und Bestrebungen kalt und fühllos zur Seite steht, während die für das Vaterland und die Menschheit strebende Frau auf Umwegen zu seiner Qual und zu seinem Schaden das Ziel erreichen wird, wozu ihr der gerade Weg versperrt ist.
Manche haben sich gewundert, weshalb die Völker in den Jahren 1848 und 1849 den Sieg nicht erlangten. Die Ursache ihrer Niederlage war tiefer als der Verrat Ludwig Napoleons, Görgeys und der Fürsten Deutschlands. Die Ursache war die Unklarheit der Begriffe in den wichtigsten Beziehungen des Lebens, die Unreinheit der Bestrebungen der meisten sogenannten Freiheitskämpfer und der Mangel an ausdauernden Mut.
Gar viele von jenen, welche sich Freiheitskämpfer nannten, waren selbst Tyrannen in ihrer Familie, in ihrer Gemeinde, in ihrem Geschäft. Die Neuzeit verlangt Klarheit der Begriffe, Reinheit der Bestrebungen und ausdauernden Mut. An die Stelle der niederen Leidenschaften, welche jetzt herrschen, müssen die höheren sittlichen Gefühle treten. Wir müssen vor allen Dingen selbst gerecht sein, selbst unbegründete Ansprüche aufgeben, bevor wir dem Unrecht unserer Gegner ein Ende machen können.
Die Stellung der Frauen im Leben ist nicht eine untergeordnete, nicht eine bedeutungslose Frage für den uns bevorstehenden Freiheitskampf. Von ihrer Lösung werden im Gegenteil alle übrigen Fragen der Neuzeit abhängen. Wir können nimmermehr auf den Sieg der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit hoffen, solange der einen Hälfte des Menschengeschlechts Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit versagt wird.
Über weibliche Erziehung¹
Reform ist die allgemeine Forderung der Gegenwart, und nirgends ist sie sicherlich mehr berechtigt als bei der Erziehung des weiblichen Geschlechts. Der Grundgedanke, welcher dem jetzigen Erziehungssystem als Richtschnur dient, ist der, dass die Frau nicht um ihrer selbst willen, sondern nur des Mannes wegen existiere. Dass die biblische Schöpfungsfabel das meiste zu dieser Auffassung beigetragen hat, ist klar. Das Weib wird erst nach dem Manne geschaffen, und zwar, wie es ausdrücklich heißt, damit der Mann nicht allein sei. Doch mit dem Glauben an die Bibel muss auch diese unwürdige und engherzige Anschauungsweise fallen, und dem Weibe müssen ihre eigenen, selbständigen Rechte zuerkannt werden. Wenn wir einen Blick auf die jetzige Erziehung werfen, so müssen wir zugestehen, dass dieselbe durchaus einseitig ist, da sie nur darauf berechnet ist, um Hausfrauen zu bilden. Nach der Verschiedenheit des „Hauses“ richten sich die Mittel, welche man wählt. Die Töchter der Reichen sind bestimmt ein „großes Haus“ zu machen, und demgemäß werden sie systematisch zu. Salondamen erzogen, zu wahren Karikaturen der Weiblichkeit. Putzsucht und Koketterie, Eitelkeit und Arroganz sind die gesellschaftlichen Tugenden, die ihm vom zartesten Alter an beigebracht werden. Und damit geht der Schulunterricht Hand in Hand. Da ist auf dem Stundenplan alles Mögliche zu finden, Geschichte und Chemie, Musik und Malerei, Arithmetik und Astronomie. Wir würden natürlich nichts gegen einen solchen Lektionsplan haben, wenn in all diesen Fächern gründlicher, gediegener Unterricht erteilt würde. Aber leider ist das nur ausnahmsweise der Fall, und das Hauptbestreben ist, den jungen Mädchen eine gewisse oberflächliche Politur zu geben, damit sie imstande sind, über alle möglichen Gegenstände mitzuplappern. Wir dürfen uns bei einer solchen Erziehung nicht über den Mangel an Sittlichkeit, Ernst und Gemütstiefe wundern. Auf der anderen Seite wird als die Bestimmung der Töchter aus den mittleren und ärmeren Klassen die Wirtschaftsführung erkannt. Sie werden auferzogen, um Aschenbrödel zu sein. Sie lernt stricken und nähen, braten und kochen und in der Volksschule die notdürftigsten Anfangsgründe des Wissens. Doch wie sehr auch die Erziehung der Töchter der Reichen und der Armen voneinander abweiche, darin stimmen sie überein, dass die Frau zur Abhängigkeit von dem Mann bestimmt sei. Weiterlesen
Dieser Gedanke muss zunächst beseitigt werden. Wenn wir einmal dahin gekommen sind, dass wir der Frau das Recht zuerkennen, ebenso unabhängig dazustehen wie der Mann, so ist der Weg zum weiteren Fortschritt angebahnt. Der Mann sowohl wie die Frau sind auf das Familienleben angewiesen; aber erst dann, wenn beide gleich unabhängig dastehen, wird die Ehe wahrhaft menschlich sein, während sie jetzt nur eine Versorgungsanstalt ist, in der die beiden Teile im Verhältnis des Herrn zur Dienerin gegeneinanderstehen. Wie auch immer durch Gold und Juwelen durch Sammet und Seide dieses Verhältnis übertüncht werden mag, so bleibt es doch im Wesentlichen dasselbe. Die Frau übergibt sich körperlich und geistig den Mann, wogegen er die Verpflichtung hat, sie zu ernähren. Das ist die Quintessenz des Ehekontrakts. Es ist kein Wunder, dass weltliche und göttliche Gesetze zu Hilfe gerufen werden müssen, um diese „Heiligkeit“ des Kontaktes aufrechtzuerhalten.
Die Unabhängigkeit der Frauen muss zunächst in ökonomischer Beziehung hergestellt werden, oder mit anderen Worten, es muss dafür gesorgt werden, dass die Frauen imstande sind, sich selbst zu ernähren. Dazu fehlt es ihnen jetzt fast an aller Gelegenheit. Vorurteil und Rohheit legen ihnen fast unübersteigbare Hindernisse entgegen. Und wenn einzelne Frauen mit Mut und Ausdauer sich ihre eigene Karriere schaffen, so werden sie von wenigen einzelnen dafür gerechte Anerkennung, von der Masse aber Spott und Hohn ernten. Wir verstehen unter Masse nicht die sogenannte ungebildete Volksklasse, sondern auch die „gebildete“ Plebs, die durch die goldgefasste Lorgnette achselzuckend auf den „Blaustrumpf“2 herabblickt. Man öffne den Frauen die Hörsäle und die Bibliotheken, und das auf Engherzigkeit basierte Vorurteil wird bald genug schwimmen. Die Beweise sind geliefert worden, dass Frauen in Künsten und Wissenschaften, in der Politik wie in der Literatur Bedeutendes geleistet haben; wie haben die Männer also ein Recht, für sich das Privilegium des Studiums zu beanspruchen? Wenn diejenigen Frauen, welche sich so auszeichneten, zu den Ausnahmen gehören, so ist das nicht die Schuld ihres, sondern unseres Geschlechtes, und die Behauptung, dass die Frauen überhaupt nicht zu tieferen und gründlichen Studien befähigt seien, hat gerade so viel Wert wie jene der Sklavokraten, die ihren Negern die Denkfähigkeit absprechen, dabei aber zu gleicher Zeit sorgen, dass diejenigen als Verbrecher bestraft werden, welche den Negern das ABC beibringen. Wir nennen eine solche Behauptung eine feige Beschimpfung, und zwar feige deshalb, weil die despotischen Herren der Schöpfung nicht den Mut haben, die Gleichberechtigung der Unterdrückten anzuerkennen, aus Furcht, ihre usurpierte Macht zu verlieren. In demselben Sinne sprechen auch die Fürsten vom beschränkten Untertanenverstand. Eltern also, die Töchter haben, sollten zuerst dafür sorgen, dass sie ihnen eine Erziehung geben, durch die sie in den Stand gesetzt werden, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, sodass sie nicht gezwungen sind, sich an den Meistbietenden zu verkaufen, um nur vor Hunger geschützt zu sein. Diese ökonomische Abhängigkeit der Frauen trägt die Schuld bei den meisten unglücklichen Ehen, denn sie werden nicht durch die freie Wahl der Liebe, sondern durch Bedürfnis geschlossen.
Die Frage über die Gleichstellung der Frauen hat, wie dies gewöhnlich bei Theorien zu geschehen pflegt, die den bestehenden gegenübertreten, zu Extremen geführt, welche den Gegnern willkommenen Vorwand darboten, um die ganze Frage ins Lächerliche zu ziehen. Alle Berechtigung beruht auf Naturgesetzen, und wo diese überschritten werden, hört jene auf. Die Natur nun hat dem Weibe eine andere Bestimmung zugewiesen als dem Manne, und nichts ist verkehrter, als wenn man die Emanzipation der Frauen dadurch herbeiführen will, dass man sie zu Männern zu machen sucht; d. h., dass man mit Hintansetzung der durch die Natur gebotenen Unterschiede beiden gleiche Sphären der Tätigkeiten anweist. Ein Mannweib ist ebenso widerwärtig wie ein Weibmann. Die Gleichstellung der Frauen ist vielmehr darin zu suchen, dass ihnen die Freiheit gewährt wird, dem in ihr schaffenden Drang nach Glück in derselben Weise folgen zu können, wie es dem Mann gestattet ist. Obgleich wir also gewiss nichts dagegen haben, wenn eine Frau Schlittschuh läuft, Billiard spielt oder reitet, so sind sie doch weit davon entfernt, in diesen trivialen Äußerlichkeiten das Wesen der Emanzipation zu finden.
Des Weibes Leben ist die Liebe.
Man betrachte das Mädchen, das mit der Puppe spielt, es zieht sie an und aus, herzt und küsst sie und wiegt sie singend in Schlaf, während der Junge nichts Eiligeres zu tun hat, als seinem Hanswurst die bunten Lappen vom Leibe zu reißen. Aus diesem kindischen Spiel entwickeln sich allgemach die beiden schönsten Blüten der Liebe, die Liebe zum Manne und die Mutterliebe. Beide können, wie alles Schöne, nur in der Freiheit gedeihen, und darum muss die Liebe frei sein. Wir haben als die eine Bedingung dazu in dem vorigen Aufsatz die ökonomische Freiheit des Weibes aufgestellt; eine andere ist die Nichteinmischung der Staatsgesetze. Keine Zeit ist mehr geeignet als die unsere, in welcher die sozialen Fragen, d. h., die Forderungen des natürlichen Rechts mehr und mehr in den Vordergrund treten, um die Ohnmacht gesetzlicher Bestimmungen für die sogenannte „Heiligkeit“ der Ehe zu beweisen. Die Ehe ist heilig. Und soll es sein durch die gegenseitige Gattenliebe, nicht aber durch das Kriminalgesetzbuch. Mag der Pietist oder der Moralist in den tausenden von Ehescheidungsklagen, welche in den verschiedenen Staaten anhängig gemacht werden, einen traurigen Verfall der Religiosität und Sittlichkeit erblicken. Wir sehen darin nur den durch die Forderungen der Zeit hervorgebrachten Protest gegen die Einmischung von Staatsgesetzen in ein Verhältnis, bei dem die unbedingte persönliche Freiheit allein naturgemäß ist. Will man diesen Prozessen ein Ende machen, so sorge man dafür, dass das Mädchen so erzogen werde, dass sie ohne Furcht vor möglichem Mangel und Vorurteilen des Reichtums oder des Standes dem Mann ihrer Hand reicht; den sie von ganzem Herzen liebt.
Es gibt kein menschlich schöneres Verhältnis als das zwischen Mutter und Kind. Dichter und Künstler haben es mit Recht zum Gegenstand ihrer Muse gemacht. Gerade in diesem Verhältnis prägt sich aufs Klarste der Unterschied des Menschen vor den Tieren aus. Die Anhänglichkeit der Tiermutter beschränkt sich auf den Zeitraum, in welchem das Junge unfähig ist, für seine eigene Nahrung und Sicherheit zu sorgen. Dann hat sie ein Ende; die Liebe der Mutter dagegen endet erst mit ihrem Leben. Es ist ein großer Irrtum, wenn man glaubt, dass die Einwirkung der Mutter auf die Kinder sich nur auf die ersten Lebensjahre beschränke; ihr Einfluss erstreckt sich vielmehr durch das ganze Leben. Die erste Entwicklung des kindlichen Bewusstseins, das sich darin offenbart, dass es die Stimme der Mutter erkennt und ihr verlangend die Händchen entgegenstreckt, beruht auf ihr. Und weiter ist es ihre natürliche Aufgabe, die Empfindungen und Begriffe im Gemüt und Verstand des wachsenden Kindes zu erwecken und zu pflegen. Nun aber weiß ein jeder, dass diese ersten Jugendeindrücke unauslöschlich sind. Von der Mutter lernt das Kind die ersten Begriffe von Recht und Unrecht, gut und schlecht, schön und hässlich, Wahrheit und Lüge. Sie muss die ersten Zeichen der sich offenbarenden Neigungen und Fähigkeiten erkennen und überwachen und deren Ausbildung liebend zu Hilfe kommen. Und damit legt sie den Grundstein zu dem Charakter der kommenden Generation. Sie ist nicht nur die Erzeugerin, sie ist auch die Bildnerin der Zukunft.
Wer will nun angesichts dieser Tatsache behaupten, dass ist genügend sei, wenn eine Frau eine Rindersuppe kochen, ein Kalbsbraten spicken oder einen Strumpf stopfen kann? Wahrlich, diese hohen Talente sind nicht ausreichend, damit sie ihre Aufgabe, die Erzieherin künftiger Geschlechter zu sein, erfülle. Dazu gehört sogar noch mehr als ein wenig Zeichnen, Musizieren, Sticken und dergleichen; es gehört dazu die Fähigkeit, die Menschennatur zu begreifen und sie auf ihren ersten Stufen entwickeln zu helfen. Wenn nun auch allerdings zugestanden werden muss, dass die Natur das weibliche Gemüt mit einer besonderen Befähigung ausgestattet hat, so muss doch auch die Erziehung notwendig das ihrige dazutun, und zwar muss diese sowohl sittlich wie wissenschaftlich gediegen sein, damit der Charakter wie die Kenntnis der Frau den an ihre Bestimmung gestellten Anforderungen entspreche.
Wie viele Verbrecher würden von dem Los befreit sein, ein elendes Leben im Kerker hinzuschleppen oder es am Galgen zu beenden, wenn eine treue, liebende Mutter ihre Jugendschritte geleitet hätte. Wieviel Laster würden wir weniger zu beklagen und zu strafen haben, wenn wir Mütter hätten, die so erzogen wären, dass sie selbst zu erziehen verständen. Mit Recht wird wiederholt darauf hingewiesen, dass eine soziale Reform nicht ohne vorhergegangene Erziehung denkbar ist. Wir, d. h. die jetzige Generation, haben uns mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass unsere Hauptarbeit nur darin bestehen kann, den Samen einer besseren Zeit in die Herzen der unter uns aufwachsenden Jugend zu streuen; wahrscheinlich wird auch kaum die nächstfolgende Generation die Saaten keimen sehen.
Wohlan denn, so mögen wir da Hand anlegen, wo es am meisten Not tut, nämlich bei der Erziehung des weiblichen Geschlechts. Solange wir unsere Töchter zu Salonpuppen, zu lebendig umherwandelnden Seidenläden oder zu Aschenbrödeln, jedenfalls aber zu Sklavinnen der Mode, der Rücksichten und der Lebensnotdurft erziehen, solange sind alle Schulen fruchtlos. Erziehen wir unsere Töchter zu freien sittlichen Wesen, damit sie als Mütter ihren Kindern die Freiheit vererben können?
1 Als dieser Artikel erschien (23. 4. 1859 in „Sociale Republik“), war Amalie Struve mit ihrem ersten Kind (einem Mädchen) schwanger.
2 Verächtliche Bezeichnung für eine „gelehrte“ Frau, die ihre vermeintlichen weiblichen „Pflichten“ vernachlässigt.
Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen, Hamburg, Hoffmann & Campe 1850 (fotomechanischer Nachdruck).
Monica Marcello-Müller (Hrgin.): Frauenrechte sind Menschenrechte. Schriften der Lehrerin, Revolutionärin und Literatin Amalie Struve, Herbolzheim 2001.
Renate Büntgens: Biographie Amalie Struve (1824–1862). In: „Ihr werdet für ewige Zeiten Euch ein ruhmvolles Denkmal setzen“. Wie Frauen 1848/49 die Revolution unterstützten, Offenburg 1999.
Franziska Dunkel: Amalie Struve, in: Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.): American Dreams. Ein neues Leben in den USA, Stuttgart 2024.
AMALIE STRUVE
Abb.: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Graphische Sammlungen
Amalie Struve war viel mehr als die Ehefrau des seinerzeit berühmt-berüchtigten demokratischen Revolutionärs Gustav Struve, der gemeinsam mit Friedrich Hecker den Aufstand in Baden anführte. Als eine von wenigen Frauen – wie etwa auch Emma Herwegh – war sie aktiv an der badischen Revolution beteiligt – und hat die fast ausschließlich männlichen Revolutionäre durch ihr Beispiel ermahnt, die andere Hälfte der Menschheit nicht länger geringzuschätzen. Denn auch „Frauenrechte sind Menschenrechte“.
In ihren „Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen“ (erschienen 1850), die sie „Den deutschen Frauen“ widmete, sowie in Romanen und Artikeln, zumeist im amerikanischen Exil entstanden, wohin ihr mit ihrem Mann die Flucht gelang, betont sie immer wieder die Rolle der Frauen: Freiheit, Bildung, Wahlrecht – all die Forderungen der frühen Demokraten hätten selbstverständlich auch für die Frauen zu gelten. Ihr Kampf für die Demokratie machte sie notwendig zugleich zu einer frühen Frauenrechtlerin.
Am 2. Oktober wird Elise Ferdinandine Amalie Siegrist als uneheliches Kind von Elisabeth Siegrist und dem Offizier Alexander von Sickingen, der vermutlich eine „unstandesgemäße“ Ehe mit einer Bürgerlichen ablehnte, in Mannheim geboren.
Amalies Mutter heiratet den französischstämmigen Sprachlehrer Friedrich Düsar, der das Kind sogleich adoptiert und sich, trotz bescheidener Finanzmittel, bemüht, Amalie eine gute Bildung zukommen zu lassen. Es gelingt ihm, seine Tochter an einem angesehenen Mädcheninstitut unterzubringen, dessen Abschluss sie später berechtigen wird, als Lehrerin tätig zu werden, also ökonomisch unabhängig zu sein.
Nach erfolgreicher Beendigung der Ausbildung wird Amalie für verschiedene Familien als Hauslehrerin tätig und kann schon früh zum Familieneinkommen beitragen. Auf der Suche nach einer neuen Anstellung bittet der Stiefvater den für die demokratische Sache streitenden Rechtsanwalt und Publizisten Gustav Struve im Herbst 1845 um Vermittlung. Amalie und der 19 Jahre ältere Struve verlieben sich – und heiraten nur wenig später, im November 1845.
Als der demokratische Mitstreiter Joseph Fickler im April 1848 verhaftet wird, entschließt sich Struve, gemeinsam mit Friedrich Hecker, zum bewaffneten Aufstand. Amalie besteht darauf, ebenfalls teilzunehmen, und begleitet das „Freiheitsheer“ im Versorgungswagen. Bereits nach zwei Wochen wird der Aufstand niedergeschlagen.
Die Struves können in die Schweiz entkommen, kehren aber nur wenig später, im September 1848, mit einer Freischärler-Gruppe nach Baden zurück (Zweiter Badischer Aufstand). Diesmal scheitert die Erhebung schon nach wenigen Tagen, Amalie und Gustav Struve werden verhaftet und in unterschiedliche Gefängnisse verbracht.
Amalie Struve wird unverhofft nach fünf Monaten ohne Verfahren entlassen, Gustav Struve im Mai von Revolutionären aus dem Gefängnis Bruchsal befreit. Wieder ist das Badener Land in Aufruhr (Dritter Badischer Aufstand), und wieder scheitert der Versuch, eine republikanische Regierung zu installieren. Als preußische Truppen im Juli in Freiburg einrücken, ist die Badische Revolution endgültig beendet. Die Struves fliehen erneut in die Schweiz.
Nach einem unsteten Wanderleben vor allem durch die Schweiz und England emigrieren die Struves in die USA und lassen sich südlich von Manhattan, in Stapelton auf Staten Island nieder. Hier entwickelt sich Amalie zu einer angesehenen Publizistin. Sie schreibt Romane und Artikel vor allem zum Frauenwahlrecht und zur Frauenbildung.
Im Mai 1859 bringt Amalie Struve eine Tochter zur Welt, die bereits nach wenigen Wochen stirbt. Ein gutes Jahr später, im November 1860, kommt eine zweite Tochter.
Bei der Geburt ihrer dritten Tochter verstirbt Amalie Struve am 13. Februar 1862 im Kindbett, gerade einmal 37 Jahre alt.
Brigitte Struzyk
Amalie Struve war in den Revolutionsjahren 1848/49 eine sehr junge Frau mit dichten, dunklen Locken. Offenbar war sie schlank, gut zu Fuß, bestimmt eine gute Turnerin. Sie aß kein Fleisch und überhaupt sehr unregelmäßig. Vielleicht war sie auch einmal im Rhein baden gegangen wie die rebellischen Männer.
Wenn sie Hosen trug, spottete man über sie mit sexistischen Sprüchen. Als die Revolution gescheiter war – an vielen Kämpfen in Baden hatte sie teilgenommen –, riefen Frauen auf dem Bahnhof Karlsruhe, wo sie in revolutionären Tagen schwarz-rot-goldene Schleifen verteilte, ihr hinterher, man möge sie aufhängen.
Die Revolutionäre verwiesen sie auf die für Frauen vorgeschriebenen Plätze. Sie fuhr dem Tross hinterher und beförderte Munition und Waffen. Sie durfte nicht beim Turnverein mitwirken. Das war für Männer. In die Paulskirche hätte sie es nur bis auf die Empore geschafft, wäre es eine Option gewesen, aber sie wollte mehr. Weiterlesen
1845 hatte sie Gustav von Struve kennengelernt. Sie muss überwältigend gewesen sein, denn er bezeugte, sich sofort über beide Ohren in sie verliebt zu haben. Struve, studierter Jurist, gab Zeitungen heraus, deren Leitmotiv die Freiheit war.
Nach diesem Treffen dauerte es zwei Monate, bis sie heirateten, sehr zum Verdruss von Gustav von Struves adeliger Familie. Er war nicht nur Gegner des Systems, sondern hatte, was die Republik betrifft, sozialistische Ideale, ohne Standesdünkel und schamlose Ausbeutung.
Amalie war die Tochter eines adeligen Offiziers von Sickingen, aber er war ein flüchtiger Vater, und die Mutter, Elisabeth Siegrist, brachte ihr kleines Kind allein durch, bis sie den Sprachlehrer Düsar traf, der Amalie adoptierte und ein wirklicher Mentor für sie wurde. Sie lernte an einer Schule alles, um Lehrerin werden zu können, was sie dann auch drei Jahre lang war, bis zur Hochzeit.
So heirateten zwei blaublütige Menschen, die mit dieser Klasse nichts zu tun haben wollten, außer ihnen die Tür zum Abgang zu öffnen.
Vielleicht saßen sie am Morgen zusammen in der Küche und debattierten über Gott und die Welt. Sie traten dem Deutschkatholizismus bei, einer mit den revolutionären Veränderungen entstandene Plattform von Kirchengegnern, die aber alle Religionen gelten ließen. Daraus entwickelten sich die Freidenker. Sie wollten das Paradies auf Erden, „Zuckererbsen für jedermann, sobald die Schoten platzen“, wie Heinrich Heine in „Deutschland, ein Wintermärchen“ schrieb.
Sie lebten im Biedermeier. Die Bürger, immer noch Untertanen, verbargen sich hinter den artig geputzten Scheiben mit den Musselinvorhängen – das war die Mehrheit –, und die anderen – die Minderheit – rissen die Fenster auf und gingen auf die Straße, um Freiheit zu fordern von dem lästigen Adel, der auch die ökonomische Entwicklung behinderte. So hatte sich der Zollverein gegründet, der die deutsche Einheit vor allem wegen des Handels wollte.
Sieht man die Portraits des Paares an – der reine Biedermeier. Sie sieht streng aus, aber wie sie ihre Berichte verfasste, lässt ahnen, dass sie trotz all der Ernsthaftigkeit lächeln konnte. Auch ihr Mann, neunzehn Jahre älter, sieht streng aus, Tabak, Alkohol und Fleisch waren ihm zuwider, und so erhielt er die Spitznamen „Tugendbold“ und „Möhrenmönch“. Er war radikaler Demokrat, einer, der eine sozialistische Republik anstrebte und von den Heidelberger radikalen Studenten lebhaft unterstützt wurde.
Die meiste Zeit ihrer Flitterwochen waren sie getrennt – Gustav kam wegen seiner Artikel im ersten Ehejahr fünf Mal ins Gefängnis. Die Zensur der Gegner suchte ihresgleichen. Wahrscheinlich waren die Momente, wenn sie ihn wieder abholte, das reine Glück für die beiden.
Wo, warum und womit die Aufstände stattfanden, steht in ihren „Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen“. Für Amalie war das Leben an der Seite ihres Mannes keine Gefolgschaft, sondern ein Bündnis.
Die Revolution scheiterte aus mannigfaltigen Gründen, die Machtverhältnisse waren ungleich und die Reaktion siegte: „Dieselbe Geißel, welche über Deutschland geschwungen wird, rafft auch ihre Opfer dahin in Ungarn, Polen und Italien.“ Viele Revolutionäre im erstrebten Deutschland wurden hingerichtet oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Dem zu entkommen, mussten die Struves fliehen.
In London, wo Amalie „Die Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen“ niederschrieb – das Buch erschien 1850 bei Hoffmann und Campe in Hamburg (es wurde gleich verboten) –, fühlten sie sich nicht wohl. „Geld und wieder Geld ist der große Hebel“, so beschreibt sie den dort siegreichen Kapitalismus. Karl Marx, der auch in London lebte, ist ihnen niemals über den Weg gelaufen. Merkwürdig, sie waren Sozialisten. Sie wollten weiter.
1850 emigrierten sie in die USA. 170 000 Auswanderer waren unterwegs, viele Revolutionäre unter ihnen wie Friedrich Hecker, Carl Sturz, Franz Sigel. Sie erreichten Die Vereinigten Staaten von Amerika, die einzige wahrhaftige Republik, die „Neue Welt“, und ließen sich in der Nähe von New York nieder.
Die Demokraten fanden sich zu neuen Gruppen zusammen, es gab natürlich auch Rivalitäten, aber sie halfen den amerikanischen Republikanern auf die Beine und kämpften im Bürgerkrieg gegen die Sklaverei. Gustav Struve wurde Major in diesem Kampf.
Es gab zig neue Zeitungen der deutschen Demokraten, erfolgreiche und kurzlebige. Bald erschienen Amalies Beiträge in den Zeitungen, die Gustav Struve herausgab, Beiträge, die sich alle mit der Spannung zwischen Menschenrechten und Frauenrechten befassten. Amalie hatte Anstellungen als Lehrerin gesucht, wenig Erfolg gehabt, es waren viele Lehrer unter den Emigranten. Das Ehepaar Struve gründete in New York zusammen mit Anton Füster die Freie Deutsche Schule, Gustav Struve den New Yorker Turnverein. Sie waren in den USA unterwegs, fuhren zu Zusammenkünften und Festen, Gustav Struve und Gottfried Kinkel waren zu einem patriotischen Fest 1851 in Philadelphia, Amalie war sicher auch dabei und erlebte die amerikanischen Emanzipationsbestrebungen.
In ihren Artikeln pocht sie auf wahre Gleichberechtigung für Frauen und Männer, die auch die „Neue Welt“ nicht kannte. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten waren trotz der Unabhängigkeitserklärung, in der „Alle Menschen sind gleich“ stand, die Frauen dem gleichen Druck ausgesetzt wie in Europa, Amerikanische Frauen vom Schlage Amalie Struves versammelten sich 1848 zum Frauenrechtskongress in Seneca Falls und verabschiedeten das Manifest „Declaration of Sentiment“.
Die Suffragetten forderten lauthals Wahlrecht für die Frauen, sie leisteten passiven Widerstand, störten offizielle Veranstaltungen, und der Hungerstreik war äußerster Protest. Sie waren lauter, fordernder als die Frauen in Europa.
Im Amalie Struves „Der Hinkende Teufel zu New York“, einem sehr gelungenen Stück Prosa, schaut sie in ein Fenster und beobachtet eine kleine Damenrunde, die über das Menschenrecht als Frauenrecht reden.
„Sind Frauen Menschen?“ Das war die Frage eines Gelehrten, keines Zeitgenossen, mit der Amalie Struve ihren Beitrag „Die Frauen“ beginnt. „Jetzt lächelt man wohl über diesen Toren, allein darum werden doch die Folgesätze der ewigen Wahrheit, dass Frauen Menschen sind, im praktischen Leben nicht anerkannt.“ Sie zählt all die Einschränkungen und Rechtlosigkeiten auf, die Frauen betreffen. Wenn sie also nicht die Menschenrechte genießen, kann Mann mit ihr machen, was er will
Etwa hundert Jahre, nach ihren Forderungen, gab es im Bürgerlichen Gesetzbuch der Bundesrepublik noch den Paragraphen 1354: Der Mann besitzt in der Ehe das Recht zur Entscheidung aller das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten. Dieser Gehorsamsparagraph galt noch bis zu seiner Streichung am 18. Juni 1957.
Und in der DDR? „Die Frau ist der beste Freund des Menschen“, begann eine Frauentagsrede in einem Betrieb der DDR, wo die Frauenrechte eigentlich geregelt waren. Die Frau ist dann der beste Freund des Menschen, wenn sie wie dieser behandelt wird – jeder weiß, der beste Freund des Menschen ist der Hund. Er wird zum Gehorsam erzogen, er wird verwöhnt, er wird gequält und er wird misshandelt.
In Amalie Struves Leben aber gab es noch eine ganz besondere Wendung, die man so wirklich nur Frauen zugestehen kann, Mütterlichkeit. Ihr erstes Kind, 1859 geboren, wurde ihnen sechs Wochen nach der Geburt durch Krankheit genommen. In der Schwangerschaft schrieb sie weiter, und ihre zweite Tochter, 1860 geboren, blieb gesund. Die Eltern nannten sie Danajanti. nach einer indischen Geschichte, die Friedrich Rückert übersetzt hatte. Sie lebte als Sprachlehrerin bis 1937 in Leipzig.
1862 kam die letzte Tochter zur Welt. Die Mutter starb im Kindbett. Gustav Struve gab ihr den Namen seiner Frau. Amalie. starb 1917 in Russland.
Am 17. Juni 1953 beendeten russische Panzer den Aufstand in der DDR, der Freiheit, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderte. Viele Frauen waren auf der Straße. Frauen führten die Bürgerrechtsbewegung in der DDR an mit Forderungen, die sie bei Amalie Struve hätten abschreiben können.
Das Ergebnis der „friedlichen Revolution“: die deutsche Einheit in einer freien Republik. Auf der Agenda des Reichstages aber stehen noch einige offene Fragen. Trotz alledem.
Amalie Struve
Sind Frauen Menschen?
Erschienen am 05.10.2023
Taschenbuch mit Klappen, 176 Seiten
€ (D) 14,– / € (A) 14,40
ISBN 978-3-462-50006-6
Erster Abschnitt
Meine Vergangenheit, Lebensansichten und Grundsätze
Der Schmerz ist das Salz im Leben,
Ohne ihn ist kein Hoffen und Streben.
Von dem Festland Europas vertrieben, gedenke ich in der Weltstadt London der Heimat und der Kämpfe der vergangenen Zeit. Gestern waren es vier Jahre, dass ich mich verlobte, dass ich versprach, meinem Freunde in Freud und Leid durch das Leben zu folgen. Weiterlesen
Damals schon war der politische Horizont Deutschlands schwer umwölkt, und mannigfaltige Gefahren bedrohten den Mann, mit dem ich mich verbunden. Am 16. November 1845 wurden wir getraut. Von den ersten zwölf Monaten unserer Ehe brachte mein Gustav fünf in dem Gefängnis zu. Er hatte es gewagt, dem damals allmächtigen Fürsten Metternich offen entgegenzutreten. Er hatte dem stolzen Lenker der Geschicke Deutschlands vorhergesagt, das rollende Rad der Zeit werde ihn ergreifen und über seinen Körper hinweg seinen Lauf fortsetzen.1 Dafür musste mein Gatte vier Wochen im Amts-Gefängnis zu Mannheim zubringen. Er hatte die badischen Minister und namentlich Blittersdorf2 des Hochverrats beschuldigt.3 Mit drei Monaten Gefängnis musste er dafür büßen. Er hatte sich in einer Beschwerdeschrift bei dem Ministerium des Innern über den Missbrauch beklagt, welchen der Zensor Uria von Sarachaga4 und die Polizisten Schaaf, Rigel und Genossen mit ihrer Amtsgewalt trieben. Dafür musste mein Gustav vier Wochen im Gefängnis zubringen. Als Redakteur des Mannheimer Journals bestand mein Gatte täglich Kämpfe mit der Zensur, als Begründer mehrerer Vereine und gemeinnütziger Anstalten, namentlich des Turnvereins, des Volks-Lesevereins, des freien Bades im Rheine usw. hatte er die Verfolgungen der Polizei zu bestehen. Der Stadt-Direktor Rigel nahm sogar von der Begründung des freien Bades im Rheine Gelegenheit, meinen Gatten als Holzfrevler in Polizeistrafe zu nehmen. Die Polizei nahm meinen Gatten fast ebenso viel in Anspruch als die Zeitung, welche er herausgab. Durch derartige kleine Mittelchen glaubten die Machthaber jener Tage, den Geist eines kräftigen Mannes beugen zu können. Sie vermochten wohl, mir, dem liebenden Weibe, Kummer zu bereiten, allein der Geist, welcher sich durch so kleinliche Verfolgungen beugen ließe, würde wohl schwerlich die Fesseln zerreißen, in welche ein Volk geschlagen ist.
Was man im gewöhnlichen Leben Flitterwochen nennt, das habe ich in meiner Ehe nicht kennengelernt. Gerichtsdiener, welche meinem Gatten Ladungen zustellten, Presser5, welche die von ihm grundsätzlich verweigerten Zensurkosten eintreiben wollten, und Zollgardisten, welche uns unsere Fahrnisstücke6 fortnahmen, weil Struve die verfassungswidrige Zensur durch Zahlung ungesetzlicher Strafgelder nicht anerkennen wollte – dieses waren die täglichen Erscheinungen in der ersten Zeit unserer Ehe.
Das deutsche Volk war damals noch in tiefem Schlafe befangen. Es nahm wohl Teil an den Kämpfen der Männer, welche den großen und kleinen Tyrannen entgegentraten, allein nur in der Weise des Publikums, welches im Theater einem Schauspiel zusieht und, nachdem der Vorhang gefallen, ruhig nach Hause geht, ohne sich weiter um die Schauspieler zu bekümmern, welche die edlen und die unedlen Rollen dargestellt hatten. Die Stadt Mannheim galt damals für eine der freisinnigsten Städte Deutschlands, und sie wäre es auch allerdings gewesen, wenn sich die Freisinnigkeit in Wirtshäusern und auf Rednerbühnen bekunden könnte. Während Struve gegen Ende des Jahres 1846 im Gefängnis saß, wurde er durch die Charakterlosigkeit des Vorstandes des katholischen Bürgerhospitals, welchem das Mannheimer Journal angehörte, gezwungen, von der Redaktion dieses Blattes zurückzutreten. So war schon die erste Zeit unserer Ehe reich an mannigfaltigen Prüfungen. Ich hatte dieselben, als ich den Bund für das Leben mit meinem Freunde schloss, wohl vorhersehen können, denn damals waren schon mehrere Prozesse gegen denselben anhängig gemacht worden. Auch kannte ich den Charakter Struve´s genau genug, um zu wissen, dass er von Schritt zu Schritt weiter gehen, nimmermehr aber auf der Bahn des Rechtes und der Freiheit umkehren würde. Ich achtete es als das größte Glück meines Lebens, teilnehmen zu dürfen an den Kämpfen und an den Leiden meines geliebten Gatten. Mit Stolz ging ich, zurzeit, da Struve seine Gefangenschaft zu bestehen hatte, an seiner Seite, während ein Polizeidiener unseren Schritten folgte. Da ich an den Arbeiten Struve´s den lebendigsten Anteil nahm, ihm jederzeit meine Hand lieh, und mit voller Seele alle Pläne und Bestrebungen seines Geistes mit ihm besprach, so kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Kämpfe meines Gatten auch die meinigen waren. Ich hatte niemals gedacht, dass die Pflicht der Frau bloß darin bestehe, dem Gatten für seine häuslichen Bedürfnisse Sorge zu tragen und die Kinder gut zu erziehen. Einen Unterschied zwischen der Haushälterin und der Gattin vermochte ich nur da zu finden, wo das Weib, als wahre Ehehälfte, ihren vollen Anteil nahm an allem, was die Seele des Mannes bewegte: an seinen Gedanken, seinen Plänen, seinen tiefsten Empfindungen und seinen Taten. Das Leben der Frau schien mir sehr arm, wenn es nicht ruhte auf dem festen Boden des Vaterlandes. Nur in der Mitte geknechteter Völker kann sich die Frau befriedigt fühlen, auch ohne teilzunehmen an vaterländischen Bestrebungen.
(...)
Bis zu den Tagen, da ich mich mit Struve verband, hatte ich mich wenig mit Politik beschäftigt, und auch später waren es nicht einzelne Formen und Einrichtungen, welche meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Diejenige Selbstständigkeit und diejenige Harmonie, welche ich als Grundlage alles häuslichen Glückes erkannte, wünschte ich auch eingeführt zu sehen in die größeren Kreise des staatlichen Lebens. Doch wie in der Familie, so wird auch im Staate unserer Zeit der Natur des Menschen mannigfaltiger Zwang angetan. Eine reine und freie Menschlichkeit kann sich nirgends ohne schweren Kampf entwickeln. Ich betrachtete den Kampf, welchen mein Gatte kämpfte, nur als einen Kampf der reinen und freien Menschlichkeit gegen den Zwang, welcher diese nicht aufkommen lassen will. Von jeher waren mir alle gehässigen Streitigkeiten um Kleinigkeiten und zu eigennützigen Zwecken zuwider, und immer werden sie mir zuwider sein. Leider mischen sich aber auch in die reinsten Bestrebungen edler Freunde des Vaterlandes unreine Elemente ein. Wäre es möglich gewesen, diese fernzuhalten, so müsste die Sache der Freiheit längst siegreich gewesen sein. Das große Elend, das wir auf Erden gewahren, Verbrechen und Armut, Hass und Zwietracht sind nur die Folgen menschlicher Leidenschaft. In einem, von edlen Menschen geleiteten Staate könnten derartige betrübende Erscheinungen nimmermehr zur Regel werden; und wo eine Religion der Liebe in den Herzen und nicht bloß auf der Zunge, in dem wirklichen Leben und nicht bloß in gemauerten Kirchen wohnte, könnten sie auf die Dauer nicht bestehen.
(…)
1 (Fußnote im Original) G. v Struve: Briefwechsel zwischen einem ehemaligen und einem jetzigen Diplomaten, Mannheim 1846.
2 Friedrich von Blittersdorf (1792-1861) wurde 1835 badischer Außenminister und leitete von 1839 bis 1844 als Staatsminister die Regierungsgeschäfte des Landes. War entschiedener Gegner demokratischer Reformen.
3 (Fußnote im Original) G. v. Struve: Politische Briefe, Mannheim 1846, 3. Band: „Briefe über Kirche und Staat“.
4 Mariano Baron von Sarachaga-Uria war ein badischer Verwaltungsjurist und ab 1844 Pressezensor.
5 Gerichtsvollzieher.
6 Fahrnis bezeichnet das bewegliche Eigentum, also beispielsweise Möbel und Wertgegenstände.
Vierter Abschnitt
Die erste Volkserhebung im Lande Baden
Freitag, den 7. April, waren wir in Begleitung von Joseph Fickler in Mannheim eingetroffen. Wenige Stunden nachher reiste Fickler nach Karlsruhe ab. Gleich bei unserer Ankunft am Bahnhof zu Mannheim war es uns aufgefallen, dass der Polizeikommissar und ein Polizeidiener uns augenscheinlich bewachten und umstellten. Struve war nicht ohne Sorge, dass Fickler verhaftet werden könne und begleitete ihn daher an den Bahnhof. Wiederum fand sich daselbst die Polizei ein, jedoch blieb Fickler unbelästigt. Am folgenden Tage erfuhren wir jedoch gegen Mittag, dass Fickler von Mathy in Karlsruhe verhaftet worden, und dass Mathy unmittelbar nach seiner unwürdigen Tat von Karlsruhe nach Mannheim abgereist sei. Struve war auf diese Nachricht schnell entschlossen, nach Konstanz abzureisen, und ich nicht minder, ihn zu begleiten. Der Wendepunkt unseres häuslichen Lebens war eingetreten. Wir verließen unsere kleine, lieblich eingerichtete Wohnung, um sie nicht wieder zu betreten. Ich konnte keinen Abschied von meinen teuren Eltern nehmen, welche ich erst im Turm zu Freiburg nach langer Trennung wieder sehen sollte. Es war ein großer Schmerz für mich, sie, deren Stütze ich gewesen war, so allein zurücklassen, und meine Pflichten ihnen gegenüber den höheren Pflichten opfern zu müssen. Weiterlesen
Wir nahmen unseren Platz auf der Eisenbahn nur bis Heidelberg, um nicht den Verdacht zu erwecken, als beabsichtigten wir, eine größere Reise zu machen. In Heidelberg nahmen wir Plätze bis Durlach, und da einen Wagen, der uns nach Offenburg brachte. Unterwegs kehrten wir in Sinzheim ein. In dem Wirtszimmer, worin wir verweilten, saßen mehrere Soldaten, welche zwar anfangs nicht zu erkennen gaben, dass wir ihnen bekannt seien, bei unserer Abreise aber uns freundlich die Hände drückten und uns mit Namen begrüßten.
Auch in Triberg wurde Struve erkannt und von vielen Männern, welche sich um den Wagen versammelt hatten, auf das herzlichste bewillkommt. Die Gegend, welche wir durchreisten, gehört zu den schönsten des Badener Landes. Für mich, die ich die Berge und Täler des Schwarzwaldes noch nie gesehen, hatte daher diese Reise einen doppelten Reiz.
Montag, den 10. April, langten wir in Konstanz an. Von der Stadt, in welcher vor vier Jahrhunderten, die durch Huß1 angeregte geistige Bewegung mit Feuer und Schwerk bekämpft wurde, sollte die politische Bewegung des XIX. Jahrhunderts für Deutschland ihren Ausgangspunkt erhalten. (…) Dieselbe Stadt, welche mitleidlos Huß und seinen Freund Hieronymus von Prag zum Tode führen sah, erhob zuerst das Banner der Freiheit und wurde die kräftigste Stütze, der von Hecker und Struve angeregten Volkserhebung.
Die Frage, um die es sich handelte, war nicht, ob das Volk ein Recht und ob es guten Grund habe, zu den Waffen zu greifen. Darüber waren alle einig. Die Frage war vielmehr nur, ob der Zeitpunkt günstig gewählt und ob ein glücklicher Erfolg mit Sicherheit zu erwarten sei. Mancherlei Bedenken erregten die an den Grenzen des Landes und teilweise im Lande selbst zusammengezogenen fremden Truppen, welche, wie uns die Blätter der Reaktion belehrten, als deutsche Brüder begrüßt werden sollten, obgleich sie bestimmt waren, im Blut der wackersten Männer und Jünglinge Deutschlands die aufkeimende Freiheit zu ersticken. Doch diese Bedenken teilte die kräftige Jugend der Stadt Konstanz nicht. Die Konstanzer Schützen waren es, welche in dem Treffen bei Kandern sich auf das mutigste schlugen. Hätten alle Städte Deutschlands geleistet, was Konstanz tat, hätten alle Freiheitskämpfer sich so wacker gehalten als die Konstanzer Schützen, so wäre schon die erste Volkserhebung in Baden mit Erfolg gekrönt worden.
Nachdem Hecker den 11. April nachmittags in Konstanz eingetroffen war, reisten wir über Überlingen, Stockach und Engen nach Donaueschingen ab, woselbst auf den 14. eine bewaffnete Volksversammlung ausgeschrieben worden war, deren Leitung Struve übernehmen sollte.
Donaueschingen ist eine jener Städte, welche dadurch, dass ein Fürstenhaus mit seinen zahlreichen Beamten und Höflingen seinen Sitz daselbst aufgeschlagen hat, einen guten Teil seiner Kraft verloren hat. Die Bürgerschaft war, der großen Mehrzahl nach, gut republikanisch gesinnt; allein die fürstlichen Beamten nebst ihren Schergen und Spionen gaben sich alle erdenkliche Mühe, das gesunde Urteil und den natürlichen Drang des Volkes irrezuleiten. Der regierende Fürst von Fürstenberg befand sich zwar nicht in Donaueschingen anwesend, allein seine drei Söhne vertraten seine Stelle und wachten über die Interessen ihrer Familie. Zum Schutze derselben stand überdies in nächster Nähe, hart an der Grenze, württembergisches Militär in der Stärke von mehreren tausend Mann. Der Schrecken vor den fürstlichen Beamten und den württembergischen Soldaten lähmte die Demokraten der kleinen Residenzstadt und ihrer Umgebung. Eine bewaffnete Volksversammlung kam nicht zustande. Dagegen fanden Beratungen in größeren und kleineren Kreisen statt. Zahlreiche Deputationen kamen aus der Umgegend. Schlimme und gute Nachrichten wechselten miteinander ab. Bestimmtere Kunde aus entfernteren Gegenden fehlte jedoch durchaus. Wir hofften, dass der Zug, welcher von Donaueschingen abgehen sollte, 1500 bis 2000 Mann stark sein würde. Allein noch waren kaum 300 Mann zusammengebracht, als die württembergischen Truppen auf Donaueschingen loszogen und das kleine Häufchen der Freiheitskämpfer nötigte, sich zurückzuziehen.
Unmittelbar vor dem Abzug unserer Freunde war Hecker in Donaueschingen eingetroffen. Die von ihm in Konstanz und unterwegs gesammelte kleine Schaar befand sich jedoch noch in einiger Entfernung von der Stadt.
Gustav verließ Donaueschingen an der Spitze der bewaffneten Republikaner. Ich blieb darin noch kurze Zeit zurück, da es mir aufgegeben worden war, die von den Freiheitskämpfern in der Eile zurückgelassenen Munitionskisten und sonstige Effekten mitzubringen. Große Bestürzung, Angst und Schrecken malten sich auf allen Gesichtern, nachdem die kleine Freiheitsarmee abgezogen war. Alles lief wirr durcheinander und keiner wusste, ob er fliehen oder in der Stadt bleiben sollte. Auch unser Gastfreund, bei welchem wir in Donaueschingen wohnten, war von den Letzteren. Er entschloss sich endlich zu fliehen.
Ich verließ Donaueschingen in einem Wägelein mit den genannten Gegenständen. Der kleine Kutscher fuhr schnell zu, und so kamen wir unangefochten auf der einen Seite zur Stadt hinaus, während die Württemberger von der anderen Seite in dieselbe einrückten. Auf der Landstraße zur Linken sah ich ihre Scharen ziehen mit wehenden Fahnen. In der Nähe von Pfohren stieß ich zu der Nachhut des kleinen Freiheitsheers. Was die Bewaffnung und die Kriegserfahrenheit betrifft, so war dieselbe wohl schwerlich sehr ausgezeichnet. Allein gewiss wird die Zeit kommen, in welcher ein freies deutsches Volk mit Liebe und Verehrung der Männer gedenken wird, die es zuerst gewagt, das Banner der Republik offen gegenüber der herrschenden Tyrannei zu entfalten. Die edelsten Beweggründe leiteten die Führer und die Kämpfer, welche ihrem Ruf gefolgt waren. Mit wahrhaft kindlicher Unbefangenheit zogen Alt und Jung den drohenden Gefahren entgegen. Mit Freuden hatten sie Haus und Hof verlassen und sich dem Freiheitszug angeschlossen. Unter den Freiheitskämpfern herrschte die größte Eintracht. Alle nannten sich gegenseitig Brüder und begrüßten sich als solche mit dem Du der Gleichheit.
Als ich in Pfohren anlangte, war es Nacht geworden. Das Freiheitsheer hatte sich in Pfohren nicht aufgehalten, sondern war sogleich weitergezogen. Die Gefälligkeit eines Bürgers, welcher mir seinen Wagen lieh, machte es mir möglich, sogleich weiterzufahren. Doch wusste mir niemand mit Bestimmtheit zu sagen, welchen Weg die Kolonne der Republikaner eingeschlagen habe. Ich nahm den nächsten Weg nach Riedböhringen. Dieser führte mich über Wiesen, welche tief unter Wasser standen. Die Pferde gingen bis an die Brust in dem Wasser. Es war eine stockfinstere Nacht. Gegen 11 Uhr kam ich endlich glücklich in Riedböhringen an und fand daselbst zu meiner innigen Freude das kleine Freiheitsheer, welchem ich jetzt seine in Donaueschingen zurückgelassene Munition und sonstigen Gegenstände übermachen könnte.
Die Republikaner brachten die Nacht in dem Dorf zu. Hier sah ich meinen Gatten wieder, welchen sein froher Mut nicht verließ. Das Romantische und kindlich Originelle des Freiheitszuges entwickelte sich von nun an mehr und mehr. Struve und Hecker sollten, um den Feind zu täuschen, nicht mehr bei ihren Namen genannt werden. Struve nahm den Namen Nord, Hecker einen anderen an. Um nicht den Anschein der Weichlichkeit zu haben, brachten alle Führer unentkleidet die Nacht zu und begnügten sich mit der einfachsten Kost. Die angebotenen besseren Quartiere wurden abgelehnt. Keiner sollte vor dem anderen etwas voraushaben. (…)
Dem kleinen Freiheitsheer fehlte es durchaus an Pferden. Keiner der Führer war beritten. Mit Mühe wurde die zur Fortschaffung der beiden kleinen Kanonen und des einzigen Bagagewagens erforderliche Bespannung herbeigeschafft. Zudem befand ich mich nicht ganz wohl. Unter diesen Umständen folgte ich dem Wunsch meines Gatten und fuhr allein in einem gemieteten Wägelchen nach Stühlingen, woselbst ich einige Stunden vor dem kleinen Freiheitsheer anlangte. In dem Wirtshaus, in welchem ich abgestiegen war, stritten sich die anwesenden Gäste über die Frage herum, ob die sogenannten Freischaaren festlich empfangen und namentlich, ob ihnen zu Ehren Fahnen aus den Fenstern ausgehängt werden sollten. Ein alter Pensionär erklärte, wenn der wüsste, dass die Sache gelänge, so würde er sich gleich an die Spitze eines Corps stellen, um im Verein mit den Freischaaren zu kämpfen. Ich wurde für die Frau Herwegh2 gehalten, übrigens mit Achtung behandelt.
Eine große Angst hatte sich aller Gemüter bemächtigt. Ich wurde mit Fragen bestürmt über die Stärke und die Entfernung des Freiheitsheeres. Als ich ablehnte, Fleisch zu genießen, wurde ich jedoch erkannt.3
Der Einzug des kleinen Freiheitsheeres in Stühlingen war traurig und zugleich ergreifend. Den ganzen Vormittag hatten Regen und Schnee zu fallen nicht aufgehört. Die Wege waren fast bodenlos. Nichtsdestoweniger zogen die wackeren Republikaner mit wehenden Fahnen unter Trommelschall und mit entschlossener Haltung in Stühlingen ein. Zwar waren aus einigen Häusern schwarz-rot-goldene Fahnen ausgesteckt worden. Allein kein froher Zuruf begrüßte die ermüdeten Brüder. Neugierde war es und nicht begeisterte Teilnahme, was hier und da die Bewohner an die Fenster und auf die Straßen führte. Hecker, Struve und Willich gingen zu Fuß an der Spitze ihrer Scharen, welche wohl kaum 1000 Mann betrugen. Nach einer kurzen Rast zog das Freiheitsheer weiter dem Städtchen Bonndorf zu. Ich fuhr in dem Eilwagen nach Freiburg und wurde im Vorbeifahren von Struve und den vielen anderen Freunden herzlich begrüßt. Unendlich bewegt und traurig fuhr ich dahin. Um halb 10 Uhr des Nachts kam ich sehr ermüdet und angegriffen in Freiburg an. Am folgenden Tage nahm ich die freundliche Einladung des wackeren Rotteck4 an, in seinem Hause meine Wohnung zu nehmen.
Zu meinem nicht geringen Schmerz erfuhr ich, dass sich die fürstlichen Truppen immer mehr vermehrten. Vom Volksheer konnte ich und mit mir die übrigen Republikaner keine bestimmten Nachrichten erhalten.
Die Spannung im Volk war übrigens außerordentlich groß und die bei weitem überwiegende Zahl wünschte den wackeren Freiheitskämpfern den besten Erfolg.
Den 18. April abends besuchte uns Frau Herwegh, welche zu Hecker reiste, um ihm einige Mitteilungen über den Stand der deutschen Legion in Paris zu machen. Sie beklagte sich bitter darüber, dass die wackere Schar tatenlos jenseits des Rheines gehalten, statt dass dieselbe von den Republikanern diesseits des Rheines aufgefordert würde, an dem deutschen Befreiungskampf teilzunehmen. Am anderen Morgen setzte sie in Begleitung einiger Turner ihre Reise fort.
Den 20. April erhielt ich endlich einige Kunde von den Bewegungen des Volksheeres durch einen Brief, welchen Gustav unterm 19. April mir aus Thiengen geschrieben hatte, und welcher mich mit den schönsten Hoffnungen für das Gelingen unserer heiligen Sache erfüllte.
In Freiburg fehlte es gänzlich an aller Führung. Niemand dachte daran, sich mit dem Volksheer in geregelte Verbindung zu setzen. Statt zu handeln, wartete man auf Befehle, welche, der Natur der Sache nach, nicht eintreffen konnten, da sowohl Freiburg als die Umgegend von fürstlichen Truppen besetzt waren. Diejenigen Männer, welche Tatkraft besaßen und bereit waren, für die Sache der Freiheit Gut und Blut zu opfern, besaßen nicht den erforderlichen Einfluss, umfassende und tiefgreifende Maßregeln durchzusetzen. Diejenigen Männer dagegen, deren äußere Stellung bedeutend genug war, ihnen Einfluss zu sichern, mahnten teils von kräftigen Maßregeln ab, teils verhielten sie sich im entscheidenden Augenblicke untätig und unentschlossen. Die widersprechendsten Gerüchte kreuzten sich fast täglich. Selbst über das Treffen bei Kandern5 konnten wir lange keine zuverlässigen Nachrichten erhalten.
Mittlerweile dauerte die Gärung von Freiburg fort. Namentlich unter den Arbeitern war dieselbe groß und nachhaltig. Lange hatten sie Waffen verlangt, jedoch ohne Erfolg. Am 21. April erhielten sie endlich Sensen, nachdem sie gedroht hatten, sich dieselben mit Gewalt zu nehmen, falls sie ihnen länger vorenthalten würden.
In große Besorgnis versetzte mich die Nachricht, mein Gatte sei in Säckingen verhaftet worden. Doch erfuhr ich bald darauf, dass er wieder befreit worden sei. Ein Brief meines Gatten vom 21. April, abends 9 Uhr, gab mir hierüber volle Gewissheit. Die Reaktionäre waren übrigens die ganze Zeit in der größten Furcht, und dieser hatte ich es wohl auch zu verdanken, dass ich unangefochten in Freiburg leben konnte.
Samstag, den 22. April, sollte eine Volksversammlung in Freiburg gehalten werden. Den schlimmsten Einfluss auf dieselbe und auf die Stimmung der Demokraten überhaupt übte ein Brief, welchen Hecker aus Basel an seinen Bruder in Freiburg gerichtet hatte. Derselbe enthielt namentlich die Anfangsworte: „Unglücklich und geächtet sitze ich hier in Basel.” Heckers Bruder zeigte diesen Brief mit großem Eifer aller Orten, um jedermann von der Teilnahme an der Volksbewegung abzuhalten. Ich konnte mir nicht denken, dass dieser Brief in der Tat von Hecker herrühre und bestritt deshalb, dessen Echtheit. Später wurde diese jedoch leider hergestellt und auf diese Weise ein höchst entmutigender Einfluss auf die in Freiburg versammelten Republikaner ausgeübt, indem die Mehrzahl derselben in Folge dieses Briefes zu der Ansicht gebracht wurde, alles sei für die Volkssache verloren. Ich bemühte mich nach Kräften, diesen ungünstigen Eindrücken entgegenzuwirken. Ich zeigte mich zwar nicht öffentlich, nahm auch an den da und dort stattfindenden Beratungen keinen Anteil. Allein häufig kamen Leute sowohl vom Bürger- als Soldatenstande zu mir, um sich bei mir nach dem Stand der Verhältnisse zu erkundigen und mich zu fragen, was sie tun sollten. Besonders zahlreich stellten sich badische Soldaten bei mir ein, welche mir mitteilten, dass sie und viele ihrer Kameraden bereit seien, auf die Seite des Volkes überzutreten, jedoch klagten, dass sie nicht wüssten, wie sie dieses bewerkstelligen sollten. Zu gleicher Zeit wünschten sie zu wissen, ob ich glaubte, dass sie dieses ohne Tollkühnheit tun könnten und ob dieser ihr Schritt für die Sache des Volkes von Nutzen sein könne. Ich trug kein Bedenken, bei jeder Gelegenheit zu erklären, dass ich es für die Pflicht jedes deutschen Mannes halte, sich offen der Sache der Freiheit anzuschließen. Den Männern des Soldatenstandes bemerkte ich insbesondere, dass ihre Haltung gegenüber dem Volk ohne Zweifel den Ausschlag geben würde. Ich verhehlte ihnen nicht, dass der Schritt, den sie beabsichtigten, mit mannigfaltigen Gefahren verbunden sei, wies sie aber darauf hin, dass mein Gatte und alle anderen im Felde stehenden Volksmänner diese Gefahren teilten und dass ohne Gefahren niemals die Freiheit erkämpft werden könne. Hätten die Volksmänner in Freiburg dem Soldatenstand gegenüber ihre Pflicht getan, hätten sie die Schwankenden ermutigt, den Entschlossenen einen Haltpunkt geboten, welcher ihnen den Übertritt zum Volk erleichtert hätte, so wären ohne Zweifel damals schon ganze Kompanien, ja vielleicht Bataillone zum Volk übergegangen. Stattdessen waren die Volksmänner selbst unentschlossen und wussten auch ihrerseits nicht, was sie tun sollten. Eine Folge dieser Unentschlossenheit war es, dass auch die Volksversammlung vom 22. April ungenützt vorüberging. Ostersonntag, den 23. April, rückten endlich die Republikaner von Günterstal6 her auf Freiburg los. Mein Bruder Pedro, welcher dazumal in Freiburg anwesend war, ging denselben entgegen, um ihnen Kenntnis von der Lage der Stadt zu geben. Nachmittags entspann sich das Treffen im Sternenwald. Das Schießen dauerte bis spät in die Nacht. Beide feindlichen Parteien in der Stadt waren in großer Augst. Montag morgens kam mein Bruder wieder in die Stadt zurück und teilte mir mit, dass er in der Nähe von Günterstal Gustav gesehen habe. Zu gleicher Zeit erhielt ich durch ihn einige Nachrichten über den Ausgang des Treffens bei Günterstal, welche übrigens nicht geeignet waren, mich zu beruhigen. Bald darauf begann das Schießen von neuem, und zwar in der nächsten Nähe der Stadt und unserer Wohnung. Dasselbe dauerte mehrere Stunden lang. Gleich bei dem Beginnen des Gefechts schlossen die Bewohner des größten Teils der Stadt Läden und Türen und verkrochen sich in die Keller. Die Straßen waren leer, nur an den Barrikaden kämpften die wenigen zurückgebliebenen Männer der Tat mit Mut und Ausdauer. Von den Fenstern unseres Hauses herab suchte ich die Wankenden zu ermutigen. Die armen Freiheitskämpfer wurden von Seiten der Bürger ohne alle Hilfe und Ermunterung gelassen, so dass sie traurig in den Straßen herumgingen und nicht wussten, wie sie Nahrung erhalten sollten. Soweit es meine schwachen Kräfte erlaubten, teilte ich mit den darbenden Brüdern. Am Fenster zu verweilen, war übrigens nicht ohne Gefahr. Gegenüber unserem Haus schaute ein junges, blühend schönes Mädchen zum Fenster heraus, indem auch sie den lebendigsten Anteil an dem Freiheitskampf nahm. Eine Kugel streckte sie tot nieder. (…) Da am Ende unserer Straße eine Barrikade in der Nacht von Sonntag auf Montag erbaut worden, welche mit einer Kanone besetzt war, so hatten wir in unserer nächsten Nähe das Kanonen- und Kleingewehrfeuer ganz besonders heftig. Endlich mussten die Unsrigen der Übermacht weichen. Von allen Seiten rückten die fürstlichen Truppen in die eroberte Stadt ein. Die Eisenbahn hatte in der vergangenen Nacht und noch an demselben Morgen mehr denn 6000 Mann Verstärkung mit allem erforderlichen Kriegsgerät bis in den Bahnhof der Stadt Freiburg gebracht. Bei dem Einzug der fürstlichen Truppen öffneten sich plötzlich die früher verschlossenen Türen und Läden. An den Fenstern erschienen mit wehenden Tüchern und Fahnen dieselben Menschen, welche sich während des Kampfes verborgen und verkrochen hatten.
So wurde die erste Erhebung des badischen Volkes in Freiburg erdrückt. Über die Leichen ihrer Brüder und ihrer Väter waren die verblendeten Soldaten in die Stadt eingezogen. Nur ein kleines Häuflein edler aufopfernder Männer hatte todesmutig auf den Barrikaden ausgeharrt. Die große Mehrzahl selbst derjenigen, welche bis Sonntagabend in Freiburg unter den Waffen gestanden waren, hatte an dem Entscheidungskampf keinen Teil genommen. Nur die Entschlossensten hatten gekämpft. Unter den Leichen der gefallenen Republikaner fanden sich neben den frischen Jünglingen auch Greise mit weißem Haupt, welche mit dem ganzen Feuer jugendlicher Begeisterung gekämpft hatten. Gegen jeden Freiheitskämpfer standen mehr als dreißig wohlbewaffnete fürstliche Soldaten. Den Republikanern fehlte es an Waffen und Munition. In Ermangelung von Kugeln hatten sie die Kanonen teilweise mit Steinen geladen. Oft hatten drei kampfeslustige Streiter zusammen nur ein Gewehr. Da standen die edlen Jünglinge an den Barrikaden und empfingen die Kugeln ihrer feindlichen Brüder, die sie nicht erwidern konnten. Obgleich manche reichen Bürger gefüllte Waffenschränke besaßen, so war doch unter den Republikanern die Achtung vor dem Eigentumsrecht so groß, dass sie es nicht wagten, dieselben gewaltsam zu öffnen, um die bisher ungebraucht gelassenen oder nur zur Jagd auf harmlose Tiere verwandten Geschosse in den Dienst des Vaterlandes zu nehmen.
Siegestrunken rückten die fürstlichen Truppen ein, gleich als hätten sie große Taten vollbracht. Unter den Nassauern, welche sich durch ihre Grausamkeit auszeichneten, waren sogar noch viele Freiwillige, welche, im Glauben, ein gutes Werk zu tun, und in der Hoffnung, sich durch diesen Feldzug Lorbeeren zu erwerben und die Zeit des lästigen Kriegsdienstes abzukürzen, in die Reihen der Truppen eingetreten waren. Die Zahl der Freiheitskämpfer, welche bei Kandern, bei Günterstal, im Sternenwalde und bei Freiburg gefallen, war nicht gering. Es waren die ersten Opfer, welche das südwestliche Deutschland auf dem Altar der Freiheit dargebracht hatte, die ersten Opfer, welche im heiligen Kampf in Deutschland gefallen. Wohl hatten Wien und Berlin auch für die Freiheit gekämpft, allein diejenige Klarheit des Bewusstseins und diejenige Entschiedenheit, welche in der Brust der badischen Freiheitskämpfer lebte, fand sich in jenen großen Residenzstädten nicht. In Wien und Berlin hatten die Freiheitskämpfer gesiegt, allein doch keine Freiheit errungen. In Baden wurden sie besiegt, allein ihre Niederlage bildete die Grundlage zu der republikanischen Partei Deutschlands, welche allein im Stande ist, die Wiedergeburt Deutschlands zu vollenden.
(…)
1 Johann Huß war ein böhmischer Reformator, gilt als Vorläufer von Martin Luther.
2 Emma Herwegh war mit ihrem Mann Georg und rund 1000 Freiwilligen der „Deutschen Demokratischen Legion“ auf dem Weg von Paris nach Baden, um den dortigen Aufständischen zur Seite zu stehen. Struve und Hecker lehnten deren Beteiligung jedoch ab, weil sie fürchteten, dass dies als „ausländische Einmischung“ gedeutet werden (tatsächlich hatten die konservativen Zeitungen solche Propaganda verbreitet) und den Aufstand unter den eigenen Leuten in Misskredit bringen könnte.
3 Amalie Struve wie auch ihr Mann Gustav waren bekennende Vegetarier, zu dieser Zeit äußerst ungewöhnlich – und nicht selten mit Spott belegt.
4 Karl von Rotteck war ein Freiburger Radikaldemokrat und Mitbegründer des Freiburger Turnvereins. Wie so viele andere emigrierte es 1850 nach Amerika.
5 Bei Kandern in Südbaden fand am 20. April ein Gefecht zwischen den Freischaren und den deutlich überlegenen Truppen des Deutschen Bundes statt, die den „Heckerzug“ zur Flucht zwangen.
6 Bei Günterstal fand am 23. April erneut ein Gefecht mit Regierungstruppen statt, bei dem die Freischärler zurückgeschlagen wurden.
Die Frauen
In früheren Zeiten beschäftigte sich ein Gelehrter mit der Frage, ob die Frauen Menschen seien. Jetzt lächelt man wohl über diesen Toren; allein darum werden doch die Folgesätze der ewigen Wahrheit, dass Frauen Menschen sind, im praktischen Leben nicht anerkannt. Der ungebildetste und unwissendste Mann kann Geschworener, Männer von sehr schwacher Bildung können Beamte sein, die gebildetste Frau kann es nicht. Zur Beglaubigung von Verträgen und letztwilligen Verfügungen können die Frauen nicht einmal als Zeugen zugezogen werden. Raufbolde und alle Arten von Ruhestörer haben Stimmrecht bei den dem Volke zustehenden Wahlen; nicht so die Frau. Die hochherzige Patriotin steht hinter den elendesten Menschen zurück, welcher männlichen Geschlechts geboren ist, mag er auch in der Tat noch so unmännlich sein. Der Mann greift zum Schwert und tritt im blutigen Kampf dem Bedrücker entgegen, welcher ihm seine politischen Rechte versagt. Der Frau aber werden nicht bloß diese, ihr werden auch sehr viele bürgerliche Rechte vorenthalten. Sie hat keine Stimme in den Versammlungen der Kirche, und wo das Gesetz ihr nicht feindlich entgegentritt, beschränkt die öffentliche Meinung gar sehr ihre Freiheit. Weiterlesen
In den Zeiten der Römer und Griechen besaß der größere Teil der Männer keine politischen Rechte. Die Frauen konnten sich mit den Sklaven trösten, welche noch weniger Rechte als sie hatten. Die Sklaven sind in dem zivilisierten Europa und in dem größten Teil Amerikas frei geworden; doch die Frauen besitzen ihre Menschenrechte noch nicht. In dem finsteren Mittelalter bewahrten sich nur einzelne Stände die Freiheit. Die große Masse der Männer und Frauen waren in Leibeigenschaft versunken. Die Leibeigenschaft fiel, doch die Frauen gewannen ihre Freiheit nicht. In neuester Zeit dehnten die Männer mehr und mehr ihre politische Freiheit aus. Namentlich brachen die Amerikaner das Joch fürstlicher Tyrannei; aber die Frauen erhielten keinen Anteil an den neu errungenen Rechten. Sie blieben nach wie vor von allen politischen und vielen bürgerlichen Rechten ausgeschlossen. Diese Kränkung ihrer Rechte hemmt die Entwicklung des weiblichen und auch des männlichen Geschlechts. Die Männer leiden darunter, weil der besänftigende, mildernde und erhebende Einfluss des weiblichen Geschlechts sich in dem politischen und in einem großen Teil des bürgerlichen Lebens nicht geltend machen kann. Nimmer hätten rohe Raufbolde so großen Einfluss auf die Wahlen gewonnen, wenn die Frauen berufen worden wären, daran teilzunehmen. Im bürgerlichen Leben hätten Eigennutz und Habsucht nicht so nackt ihre Banner entfalten können, wenn die Frauen sich mehr dabei beteiligt hätten. Wir verlangen nicht, dass Frauen Präsidentinnen, Richterinnen oder sonstige Beamte werden sollen. Allein wir begehren, dass diejenigen Frauen, welche für fähig gehalten werden, irgendeine Stelle im Staate würdig auszufüllen, durch ihr Geschlecht nicht ausgeschlossen werden. In einem monarchischen Staat kann die Frau Königin sein, und in einer Republik kann sie auch nicht die niedrigste Beamtenstelle erreichen.
Nimmermehr möge auf eine Frau ohne die entsprechenden Fähigkeiten irgendeine Wahl fallen. Doch ist es vernünftig, auch die geistreichste, auch die charakterfesteste Frau von jedem Anteil am Staatsleben auszuschließen – ihres Geschlechts wegen?
Wir geben zu, dass in unseren Tagen die Frauen durchschnittlich weniger politische Kenntnisse besitzen als die Männer. Allein daraus folgt nur, dass sie nicht so zahlreich als die Männer berufen werden können, wichtige Stellen im Staat auszufüllen. Gewiss eignet sich die Frau im Allgemeinen nicht dazu, in den Krieg zu ziehen mit der Muskete auf dem Rücken oder dem Schwert in der Hand. Doch hieraus folgt nur, dass man sie von der Pflicht des Kriegsdienstes freisprechen soll. Sie wird dafür bereitwillig andere vaterländische Pflichten übernehmen. Der Frau fehlt es jetzt aus dem Grunde hauptsächlich an Kenntnissen des politischen und bürgerlichen Lebens, weil sie keinen Sporn besitzt, sich dieselben zu erwerben. Die strebende Frau will ein gleichberechtigtes Wesen sein in allen Gebieten des bewegten, menschlichen Lebens: auf dem Felde der Wissenschaft, der Kunst, der Kirche und des Staates. Wenn einst der anderen Hälfte des Menschengeschlechts diese so bedeutungsvollen Felder des Strebens werden eröffnet sein, dann erst werden sie einen großartigen Aufschwung nehmen.
Alle aufgeklärten Männer, welche an den Freiheitskämpfen Europas Anteil nahmen, sind zu der Überzeugung gelangt, dass ohne die kräftige Mitwirkung der Frauen auf politischem, sozialem und kirchlichem Gebiet, das heißt ohne deren vollständige Gleichberechtigung mit den Männern, ein Land nie und nimmer wahrhaft frei genannt werden könne. Doch gibt es auch eine nicht unbedeutende Anzahl solcher, welche teils aus Unkenntnis der Sache, teils aber auch aus Herrschsucht und Eitelkeit die Frauen stets in Unterwürfigkeit und Knechtschaft halten möchten. Um des Sieges gewiss zu werden, müssen wir suchen, die edlen und guten Herzen so vieler wackeren Männer, die bisher über diese Frage nie nachdachten und aus Gewohnheit den alten Schlendrian fortlebten, für uns zu gewinnen. Dieses tun wir, indem wir ihnen auseinandersetzen, was wir verlangen und was wir zu leisten bereit sind. „Gleiche Rechte und gleiche Pflichten“ dies sei unser Wahlspruch!
Wir wollen, dass die Jungfrau sich einen selbständigen Lebensberuf schaffe. Und dann frei mit dem Jüngling sich verbinde, den sie ihr Herz gegeben, zu welchen die edelsten Gefühle ihrer Seele sie hinziehen. Kein anderes Motiv soll sie zu den Geliebten führen als die reinste Liebe, gegründet auf gegenseitige Hochachtung und auf das Bewusstsein, auf gleicher geistiger Höhe zu stehen und nach einem Ziel zu streben. Sind die beiden Ehehälften nicht gleich gebildet, streben sie vereinzelt, die eine in dieser, die andere in jener Richtung, so kann nimmermehr ein Paar sich auf Erden das Paradies erbauen. Dann wird keine Harmonie herrschen am heimischen Herd, sondern nur Misstöne werden erklingen, welche der Mann mit sich nimmt in das öffentliche Leben und über welche die Frau zu Hause Tränen vergießt. Was die höhere Geistesbildung und Gleichberechtigung der Frauen sind daher unumgänglich nötig zum Glück beider Teile.
Kennen wir doch die unzähligen Beispiele unglücklicher Ehen! Forschen wir tiefer nach, so werden wir deren Grundursache in der falschen Stellung finden, welche die Frau dem Mann gegenüber einnimmt. Indem wir die Gleichstellung der Frauen mit den Männern begehren, verlangen wir nur, dass ein ewiges Menschenrecht, welches Jahrtausende hindurch mit Füßen getreten wurde, endlich zur Wahrheit werde. Sind die Frauen einmal wahrhaft frei und fühlen sie sich als unabhängige Wesen, so kann ihre höhere Bildung nicht ausbleiben. Sie werden dann, mehr als jetzt, streben nach einer schulgerechten Bildung. Ihre Erziehung wird gründlicher und harmonischer werden; das Bewusstsein, sie könnten einst gleich den Männern für das Vaterland wirken und würden von diesen als Gleiche betrachtet, wird ihnen neue Kraft einhauchen. Mit Stolz und Verachtung wenden sich die Frauen, die sich ihres inneren Wertes, der eigene Kraft bewusst sind, von einer Verehrung und einer Galanterie ab, welche ihnen manche Männer als Ersatz für ihre untergeordnete Stellung im Staat angedeihen lassen. Nicht als Götzen wollen wir verehrt werden, nicht Weihrauch und Dienstpflicht verlangen wir. Nein! Wir wollen als Gleiche an der Seite des Mannes stehen und seine Achtung und Liebe genießen.
Vergleichen wir die Frauen, welche unter dem Einfluss weniger beschränkender Gesetze zu politischem Einfluss gelangten, mit den Männern ihrer Tage! War etwa die Königin Elisabeth von England den Königen Phillip II. von Spanien und Karl IX. von Frankreich, oder ihren Ministern Shrewsbury und Burleigh nicht gleich an Geisteskraft?
Maria Theresia war unter den Habsburgern eine am wenigsten widrige Erscheinung. Katharina II. war besser als ihre Nachfolger und die meisten ihrer Vorgänger auf dem russischen Thron. Wenn wir Heloise und Abälard[1] vergleichen, so gebührt dem Weib der Vorzug vor dem Mann. Ihre Liebe bestand die schwersten Proben des Schicksals, doch ihr Geist blieb frei und ihr Herz frisch selbst in den Banden des Klosterlebens. Eine Erhabenheit des Charakters und einer Reinheit des Strebens, wie Heloise sie in dem finsteren Mittelalter bekundete, hat kein Mann ihrer Zeit besessen, dennoch hatte diese große Seele nicht die gleichen Rechte mit dem herzlosesten und feigsten Menschen männlichen Geschlechts!
Stand Johanna von Orleans nicht so hoch als jene Männer, welche die edle Jungfrau als Hexe verbrennen ließen? Oder wäre die Bürgerin Roland, welche vor dem Nationalkonvent ihre Gegner beschämte, welche mit unbeschreiblichem Heldenmut das Schafott betrat, weniger fähig gewesen, politische Rechte auszuüben als die Freunde ihres Gatten, den sie ihren Geist einhauchte? Oder als ihr Todesgenosse, dessen Mut sie noch auf ihrem letzten Gang aufrichtete?
Hatten eine Schriftstellerin wie Stael, eine Sybold, die ausgezeichnete und weltberühmte Geburtshelferin, weniger Anspruch auf gleiche Berechtigung als so viele eingebildete Professoren, deren Kopf und Herz gleich leer ist?
Es wäre unmöglich, die Beispiele alle hier anzuführen, welche mir vor der Seele schweben; doch kann ich nicht unterlassen, einige Charaktere der neuesten Zeiten noch hervorzuheben. Ich erinnere an Georges Sand, die vielfach Verleumdete und Geschmähte, die ausdauernde Bekämpferin der Missbräuche unserer Zeit, welcher das Genie, womit die Vorsehung sie beschenkte, zur Dornenkrone geworden; an jene jugendliche Helden von Venedig, die begeisterte Anhängerin Mazzinis[2], welche im letzten italienischen Freiheitskrieg einem Bataillon Jäger die Fahne vorantrug und bei Erstürmung einer Schanze ins Herz getroffen ward. Sie war klarer in ihrem Innern über die Verhältnisse ihres Vaterlandes als die Jäger, denen sie voran zog, sie wusste, dass den Mut zu heben, die Schar zu begeistern ihre Aufgabe sei und starb des Heldentods bei Erfüllung ihrer Pflicht. Wer gedenkt nicht der tapferen Gattin Garibaldis, der hochherzigen Amerikanerin Leonta? Sollte sie, welche den kühnsten Männern als Stern voranleuchtete, weniger verdient haben, politische Rechte auszuüben als irgendein Wirtshauskannegiesser, der sich großer Taten rühmt, die er niemals begangen?
Die Frauen Italiens, Ungarns und Deutschlands nahmen den innigsten Anteil an den Bewegungen ihres Vaterlandes. Allein hinter dem herrschenden System ihrer Unfreiheit war es ihnen unmöglich, eine hervorragende Stellung im politischen Leben einzunehmen.
Schwer lastet auf den Frauen der Druck, welchen der Alltagsmann täglich über sie verhängt, indem er sie von allem geistigen Streben ausschließen möchte und sie beständig nur in die Küche oder an die Handarbeiten, die sogenannten „weiblichen Arbeiten“ verweist.
Jean Pauls zartes Gemüt schmerzte die unwürdige Stellung der Frauen, denn er hatte diese längst erkannt und trefflich geschildert, Indem er von den „verkochten vernähten“ und „verwaschenen Frauen“ spricht! Sollten wir in dieser Stellung verharren, indem das ganze Menschengeschlecht Riesenschritte vorwärts macht?
Die Pflicht der Frau besteht nicht allein darin, dem Gatten für seine häuslichen Bedürfnisse Sorge zu tragen und die Kinder gut zu erziehen, denn diese Pflichten füllen nicht die Seele der Frau aus. Einen Unterschied zwischen der Haushälterin und der freien Gattin des freien Mannes vermag ich nur da zu finden, wo das Weib als wahre Hälfte ihren vollen Anteil nimmt an allem, was die Seele des Gatten bewegt: an seinen Gedanken, seinen Plänen, tiefsten feinen Empfindungen und seinen Taten. Wie Arm ist das Leben, welches nicht ruht auf dem festen Boden des Vaterlands! Die edlen Frauen der Griechen und Römer, eine Cornelia, eine Lucretia, die Mutter des Corolian, sie verstanden es wohl, die Pflichten der Familie zu vereinigen mit denen des Vaterlandes.
Die politische Rechtlosigkeit der Frau hemmt deren Entwicklungsgang, und ohne Selbständigkeit gibt es zwar Gehorsam, allein nimmermehr Harmonie. Die große Aufgabe unserer Zeit, wie Sie mir im Ideal vorschwebt, ist es aber, Harmonie einzuführen in die kleinen und in die großen Kreise des Lebens. Der Schlüssel zu dieser Harmonie ist die Selbständigkeit des Menschen, des Weibes wie des Mannes. Selbständigkeit setzt aber Gleichberechtigung voraus. Solange die Männer nicht nach einer harmonischen Bildung für alle streben, solange sie nicht von einem höheren Gesichtspunkt aus das Volk aufklären und belehren, kann die Frau nimmer hoffen, ihr ewiges Menschenrecht zu erlangen. Es müsste denn sein im Sturm der Revolution, wenn diejenigen Männer in Italien, Ungarn und Deutschland zur Geltung kommen werden, welche längst erkannt haben, dass die Frauen in ihrem unwürdigen Zustand nicht verbleiben dürfen. So namentlich Mazzini, der noch jüngst in London sagte, dass es sich nur frage: „ob die Frauen Menschen seien? Seien sie Menschen, so müssten ihnen auch, gleich wie den Männern, Rechte gegeben werden.“
Auch andere tüchtige Führer des Volks geben den Frauen die Bürgschaft, dass sie ihr Menschenrecht seiner Zeit, wenn die roten Fahnen wieder wehen, sicher erhalten.
Die Entscheidung wird aber die Jugend bringen, die männliche sowohl als die weibliche, welche, vom Geiste der Freiheit beseelt, alle Gebiete des menschlichen Lebens umfasst und dem Weibe allein die Fesseln nicht ungelöst lassen wird. Die Jugend gibt uns die feste Zuversicht, dass, wenn auch Jahre noch hingehen, die Sonne der Freiheit aufgeben werde über alle Menschen, über Männer und Frauen.
Die jungen Herzen werden den Geist der „Freiheit, der Gleichberechtigung aller“ mit einer ganz anderen Kraft geltend machen als die Katheterprofessoren, die mit bestaubter Perücke in alten Bänden blättern!
Die gleiche Berechtigung und die gleiche Bildung der Frau sind namentlich für die Erziehung der Kinder von der größten Wichtigkeit. Das Kind soll auch geistig, nicht bloß körperlich gebildet werden. Die Mutter ohne höhere Geistesbildung kann den Kindern nichts mitteilen als Liebe. Aber wenn der Geist gebricht, was ist ohne ihn die Liebe?
Ganz andere Söhne und Töchter wird die Frau, die frei von allem Pfaffenglauben ist, der Welt erziehen. Wenn Sie das Bewusstsein hat, gleichberechtigt ihrem Gatten zur Seite zu stehen, gleichen Anteil zu nehmen an den Kämpfen und an den Leiden ihres Vaterlandes. Eine solche Mutter kann ihren Kindern mit dem Beispiel vorangehen, und dieses wirkt mehr als das Wort.
Unser Ziel ist die Gleichheit der Rechte. Wir müssen und wir werden es erreichen. Schon sprossen allerorten die Keine künftiger Gleichheit. Ein warmer Regen kann sie hervortreiben.
1 Heloise war Äbtissin und Ehefrau des Philosophen und Theologen Peter Abaelard, der von Papst Innozenz II. im Jahre 1141 als Ketzer verurteilt wurde.
2 Guiseppe Mazzini, italienischer Revolutionär, Förderer und Wegbegleiter Guiseppe Garibaldis.
Die Stellung der Frauen im Leben
Die Hälfte der Menschen ist weiblichen Geschlechts. Bevor die Frauen ihre richtige Stellung in der Gesellschaft gefunden haben, kann die Menschheit sich unmöglich rein und frisch entwickeln. Jedes Missverhältnis, welches das weibliche Geschlecht betrifft, berührt die Menschheit in ihren tiefsten Tiefen.
Zu allen Zeiten und bei allen Völkern nahmen die Frauen diejenige Stellung ein, welche ihnen die herrschende Meinung anwies. Griechen und Römer waren zwar in ihren guten Zeiten Republikaner, allein ihre Anschauungsweise beruhte wesentlich auf dem Vorrecht: auf dem Vorrecht des Freien gegenüber dem Sklaven, des Vollbürgers gegenüber der rechtlosen Menge, des Mitbürgers gegenüber den Barbaren. Das Christentum hat zuerst den Grundsatz allgemeiner Menschenliebe und Brüderlichkeit aufgestellt, welcher seit der französischen Revolution in der Formel: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ gefasst wird. In neuester Zeit wird viel von der Solidarität der Völker gesprochen. Die Schranken, welche früher die Menschen trennten, sollen schwinden. Alle soll sollen für einen, und einer für alle einstehen – im Kampf der Freiheit. Weiterlesen
Wie passen diese Ideen der Neuzeit zu den Zuständen, in deren Mitte wir uns bewegen, und namentlich zu der Stellung, welche die Frau im Leben einnimmt?
Die Völker sollen die alten Vorurteile, welche sie früher trennten, fallen lassen und sich gegenseitig als gleichberechtigte Glieder der großen Familie betrachten, welche die Erde bewohnt. Die Stufen sollen entfernt werden, auf welchen früher die verschiedenen Stände feindlich über- und untereinander standen. Gleiche Rechte und gleiche Pflichten ist der Wahlspruch unserer Zeit.
Der Deutsche reicht freudig dem Italiener, dem Ungarn, dem Franzosen und selbst jenseits des Ozeans dem Amerikaner die Hand zum Bruderbund. Doch steht der deutsche Mann der deutschen Frau gewiss näher als dem Amerikaner oder dem Engländer. Sollen die Menschen alle gleichberechtigt sein, selbst wenn sie durch Sprache und Abstammung, durch Geschichte und Sitten weit von uns verschieden sind, und die Frauen, welche Fleisch von unserem Fleisch und Geist von unserem Geist sind, sollen nicht gleichberechtigt uns zur Seite stehen? Ist das vernünftig, ist das folgerecht? Oder sind die Frauen etwa keine Menschen?
Wenn wir von unseren ewigen und unveräußerlichen Menschenrechten sprechen, so ist doch wohl nicht allein von den Rechten der Männer, sondern auch von denjenigen der Frauen die Rede. Wenn wir die Gleichberechtigung in Anspruch nehmen, so bezieht sich diese doch nicht bloß auf die eine, sondern auf beide Hälften, auf das Ganze des Menschengeschlechts. Die Zukunft der Menschheit ist abhängig von dem Sieg der nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ringenden Völker, im Kampf mit den Fürsten, deren Herrschaft auf der Knechtschaft, der Ungleichheit und dem Elend der Mehrzahl ruht.
Die Aufgabe derer, welche auf der Seite des Grundsatzes der Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit stehen, ist vor allen Dingen, diejenige Überzeugung in den Gemütern hervorzurufen, welche ihnen den Sieg bereiten soll. Wie können aber die Frauen, wie kann die Hälfte des Menschengeschlechts von den Ideen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durchdrungen werden, wenn ihnen selbst die Freiheit und die Gleichheit versagt wird, wenn ihnen die Männer nicht Brüder, sondern Herren sein wollen? Wir glauben, einen großen Gewinn zu machen, wenn wir ein Volk auf die Seite der Freiheitskämpfer herüberziehen. Was aber ist ein Volk im Verhältnis zu der Hälfte des Menschengeschlechts?
Wir glauben, einen großen Fortschritt gemacht zu haben, wenn wir von dem Standpunkt der Nationalität uns emporschwingen auf denjenigen der Gesamtbürgschaft der Völker. Ist aber eine Gesamtbürgschaft möglich, wenn die eine Hälfte des Menschengeschlechts, wenn die Frauen daran nicht teilnehmen?
Man wende nicht ein, die Frauen werden aus Liebe zu ihren Männern Anteil an dem Kampf nehmen. Mit welchem Recht können die Männer auf die Liebe ihrer Frauen bauen, wenn sie ihnen selbst Unrecht tun? Je mehr Liebe die Frauen ihren Männern widmen, desto mehr sind diese aufgefordert, gerecht gegen ihre Frauen zu sein. Die Frau ist jetzt kein selbständiges Mitglied der Staatsgesellschaft. Sie steht mit dieser nur durch ihren Mann in Verbindung. Sie wird nicht als gleichberechtigt, sondern als rechtlos im Staate betrachtet. Das hatte Sinn und Verstand, solange der Grundsatz des Vorrechtes galt, solange auf diesem der ganze Staats-Organismus beruhte. Die Frau als unselbständiges, untergeordnetes Wesen in unseren Tagen noch betrachten, heißt, das Gespenst veralteter Sklaverei oder mittelalterlicher Leibeigenschaft aus dem Grabe heraufbeschwören.
Die Gesellschaft ist in zwei Lager gespalten, welche getrennt sind durch furchtbare von den Fürsten begangene Schandtaten. Auf der einen Seite steht die alte Gesellschaft, deren Streben ist, die Völker zum Nutzen einer kleinen Minderheit zu knechten, zu verdummen und auszusaugen. Auf der anderen Seite steht die junge Welt, welche nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ringt. Mögen die Tyrannen immerhin der einen Hälfte des Menschengeschlechts, den Frauen, ihren gleichen Anteil an den Rechten und mit diesem an den Freuden, Genüsse und Entwicklungen des Lebens versagen. Versagen sie doch auch das gleiche Recht der großen Masse der Männer. Mit welchen Gründen kann aber der Mann, welcher Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf sein Banner gesetzt hat, die Frau unfreier machen, als der unfreieste Untertan irgendeines Fürsten ist? Mit welchem Recht kann er ihr zurufen: „Du stehst mit mir nicht auf gleicher Stufe, tritt ab von der Bühne des Staates.“ Mit welchem Recht kann er der Frau sagen: „Ich will nicht als Bruder Dir zur Seite stehen, sondern als Gebieter über Dir stehen“?
Solange die Männer sich nicht selbst klar sind über die Bedeutung und den Umfang des großen Freiheitskampfes, der uns bevorsteht, solange sie es nicht verstehen, alle Kräfte sich zu verbinden, die sie darin fördern können, solange sie die Grundsätze der Neu-Zeit nicht in allen ihren Folgerungen anerkennen, müssen Sie darauf verzichten, ihre Gegner zu besiegen.
Die Bedrücker der Völker sind schlauer und folgerichtiger als gar viele, die sich Freiheitskämpfer nennen. Die Tyrannen wissen wohl, dass ihre Grundsätze nicht bestehen können mit dem gleichen Recht der Frauen. Wie die indischen Priester so führen auch die im Sold der Fürsten stehenden christlichen Pfaffen die Unterordnung der Frauen unter die Obergewalt des Mannes auf göttliche Anordnung, auf Evas Apfel und auf die Schlange im Paradies zurück. Leiten doch die Fürsten auch ihr Herrscherrecht über die Völker von Gottes Gnaden ab. Warum sollen sie die wichtigste aller Ungleichheiten, die umfangreichste aller Rechtlosigkeit nicht auf dieselben Gründe stützen?
Der große Kampf der Neuzeit lässt sich zurückführen auf die Frage: gleiches Recht oder Vorrecht? Denn weder Freiheit noch Brüderlichkeit sind vereinbar mit der Herrschaft des Vorrechts. Die Fürsten mit ihren geistlichen und weltlichen Schergen sind folgerichtig, klug und fein, indem sie der Frau gleiche Rechte versagen. Die Männer aber, welche „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ schreien, alle drei aber den Frauen versagen, sind entweder zu flach, einzusehen, dass ihre Worte ihren Taten widersprechen, oder zu tief in den Vorurteilen der alten Gesellschaft befangen, um sich von diesen lossagen zu können.
Nimmermehr wird der Mann eine richtige Stellung im Leben gewinnen, solange die Frau sie nicht gewonnen hat. Die Frau übt einen zu großen Einfluss auf den Mann, als dass dieser ungestrafte ihr Unrecht tun könnte. Der Mann mag die Frau wohl ausschließen vom allgemeinen Stimmrecht, allein die Folge wird davon sein, dass die für politische Dinge gleichgültige Frau dem Mann in seinen politischen Kämpfen und Bestrebungen kalt und fühllos zur Seite steht, während die für das Vaterland und die Menschheit strebende Frau auf Umwegen zu seiner Qual und zu seinem Schaden das Ziel erreichen wird, wozu ihr der gerade Weg versperrt ist.
Manche haben sich gewundert, weshalb die Völker in den Jahren 1848 und 1849 den Sieg nicht erlangten. Die Ursache ihrer Niederlage war tiefer als der Verrat Ludwig Napoleons, Görgeys und der Fürsten Deutschlands. Die Ursache war die Unklarheit der Begriffe in den wichtigsten Beziehungen des Lebens, die Unreinheit der Bestrebungen der meisten sogenannten Freiheitskämpfer und der Mangel an ausdauernden Mut.
Gar viele von jenen, welche sich Freiheitskämpfer nannten, waren selbst Tyrannen in ihrer Familie, in ihrer Gemeinde, in ihrem Geschäft. Die Neuzeit verlangt Klarheit der Begriffe, Reinheit der Bestrebungen und ausdauernden Mut. An die Stelle der niederen Leidenschaften, welche jetzt herrschen, müssen die höheren sittlichen Gefühle treten. Wir müssen vor allen Dingen selbst gerecht sein, selbst unbegründete Ansprüche aufgeben, bevor wir dem Unrecht unserer Gegner ein Ende machen können.
Die Stellung der Frauen im Leben ist nicht eine untergeordnete, nicht eine bedeutungslose Frage für den uns bevorstehenden Freiheitskampf. Von ihrer Lösung werden im Gegenteil alle übrigen Fragen der Neuzeit abhängen. Wir können nimmermehr auf den Sieg der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit hoffen, solange der einen Hälfte des Menschengeschlechts Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit versagt wird.
Über weibliche Erziehung¹
Reform ist die allgemeine Forderung der Gegenwart, und nirgends ist sie sicherlich mehr berechtigt als bei der Erziehung des weiblichen Geschlechts. Der Grundgedanke, welcher dem jetzigen Erziehungssystem als Richtschnur dient, ist der, dass die Frau nicht um ihrer selbst willen, sondern nur des Mannes wegen existiere. Dass die biblische Schöpfungsfabel das meiste zu dieser Auffassung beigetragen hat, ist klar. Das Weib wird erst nach dem Manne geschaffen, und zwar, wie es ausdrücklich heißt, damit der Mann nicht allein sei. Doch mit dem Glauben an die Bibel muss auch diese unwürdige und engherzige Anschauungsweise fallen, und dem Weibe müssen ihre eigenen, selbständigen Rechte zuerkannt werden. Wenn wir einen Blick auf die jetzige Erziehung werfen, so müssen wir zugestehen, dass dieselbe durchaus einseitig ist, da sie nur darauf berechnet ist, um Hausfrauen zu bilden. Nach der Verschiedenheit des „Hauses“ richten sich die Mittel, welche man wählt. Die Töchter der Reichen sind bestimmt ein „großes Haus“ zu machen, und demgemäß werden sie systematisch zu. Salondamen erzogen, zu wahren Karikaturen der Weiblichkeit. Putzsucht und Koketterie, Eitelkeit und Arroganz sind die gesellschaftlichen Tugenden, die ihm vom zartesten Alter an beigebracht werden. Und damit geht der Schulunterricht Hand in Hand. Da ist auf dem Stundenplan alles Mögliche zu finden, Geschichte und Chemie, Musik und Malerei, Arithmetik und Astronomie. Wir würden natürlich nichts gegen einen solchen Lektionsplan haben, wenn in all diesen Fächern gründlicher, gediegener Unterricht erteilt würde. Aber leider ist das nur ausnahmsweise der Fall, und das Hauptbestreben ist, den jungen Mädchen eine gewisse oberflächliche Politur zu geben, damit sie imstande sind, über alle möglichen Gegenstände mitzuplappern. Wir dürfen uns bei einer solchen Erziehung nicht über den Mangel an Sittlichkeit, Ernst und Gemütstiefe wundern. Auf der anderen Seite wird als die Bestimmung der Töchter aus den mittleren und ärmeren Klassen die Wirtschaftsführung erkannt. Sie werden auferzogen, um Aschenbrödel zu sein. Sie lernt stricken und nähen, braten und kochen und in der Volksschule die notdürftigsten Anfangsgründe des Wissens. Doch wie sehr auch die Erziehung der Töchter der Reichen und der Armen voneinander abweiche, darin stimmen sie überein, dass die Frau zur Abhängigkeit von dem Mann bestimmt sei. Weiterlesen
Dieser Gedanke muss zunächst beseitigt werden. Wenn wir einmal dahin gekommen sind, dass wir der Frau das Recht zuerkennen, ebenso unabhängig dazustehen wie der Mann, so ist der Weg zum weiteren Fortschritt angebahnt. Der Mann sowohl wie die Frau sind auf das Familienleben angewiesen; aber erst dann, wenn beide gleich unabhängig dastehen, wird die Ehe wahrhaft menschlich sein, während sie jetzt nur eine Versorgungsanstalt ist, in der die beiden Teile im Verhältnis des Herrn zur Dienerin gegeneinanderstehen. Wie auch immer durch Gold und Juwelen durch Sammet und Seide dieses Verhältnis übertüncht werden mag, so bleibt es doch im Wesentlichen dasselbe. Die Frau übergibt sich körperlich und geistig den Mann, wogegen er die Verpflichtung hat, sie zu ernähren. Das ist die Quintessenz des Ehekontrakts. Es ist kein Wunder, dass weltliche und göttliche Gesetze zu Hilfe gerufen werden müssen, um diese „Heiligkeit“ des Kontaktes aufrechtzuerhalten.
Die Unabhängigkeit der Frauen muss zunächst in ökonomischer Beziehung hergestellt werden, oder mit anderen Worten, es muss dafür gesorgt werden, dass die Frauen imstande sind, sich selbst zu ernähren. Dazu fehlt es ihnen jetzt fast an aller Gelegenheit. Vorurteil und Rohheit legen ihnen fast unübersteigbare Hindernisse entgegen. Und wenn einzelne Frauen mit Mut und Ausdauer sich ihre eigene Karriere schaffen, so werden sie von wenigen einzelnen dafür gerechte Anerkennung, von der Masse aber Spott und Hohn ernten. Wir verstehen unter Masse nicht die sogenannte ungebildete Volksklasse, sondern auch die „gebildete“ Plebs, die durch die goldgefasste Lorgnette achselzuckend auf den „Blaustrumpf“2 herabblickt. Man öffne den Frauen die Hörsäle und die Bibliotheken, und das auf Engherzigkeit basierte Vorurteil wird bald genug schwimmen. Die Beweise sind geliefert worden, dass Frauen in Künsten und Wissenschaften, in der Politik wie in der Literatur Bedeutendes geleistet haben; wie haben die Männer also ein Recht, für sich das Privilegium des Studiums zu beanspruchen? Wenn diejenigen Frauen, welche sich so auszeichneten, zu den Ausnahmen gehören, so ist das nicht die Schuld ihres, sondern unseres Geschlechtes, und die Behauptung, dass die Frauen überhaupt nicht zu tieferen und gründlichen Studien befähigt seien, hat gerade so viel Wert wie jene der Sklavokraten, die ihren Negern die Denkfähigkeit absprechen, dabei aber zu gleicher Zeit sorgen, dass diejenigen als Verbrecher bestraft werden, welche den Negern das ABC beibringen. Wir nennen eine solche Behauptung eine feige Beschimpfung, und zwar feige deshalb, weil die despotischen Herren der Schöpfung nicht den Mut haben, die Gleichberechtigung der Unterdrückten anzuerkennen, aus Furcht, ihre usurpierte Macht zu verlieren. In demselben Sinne sprechen auch die Fürsten vom beschränkten Untertanenverstand. Eltern also, die Töchter haben, sollten zuerst dafür sorgen, dass sie ihnen eine Erziehung geben, durch die sie in den Stand gesetzt werden, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, sodass sie nicht gezwungen sind, sich an den Meistbietenden zu verkaufen, um nur vor Hunger geschützt zu sein. Diese ökonomische Abhängigkeit der Frauen trägt die Schuld bei den meisten unglücklichen Ehen, denn sie werden nicht durch die freie Wahl der Liebe, sondern durch Bedürfnis geschlossen.
Die Frage über die Gleichstellung der Frauen hat, wie dies gewöhnlich bei Theorien zu geschehen pflegt, die den bestehenden gegenübertreten, zu Extremen geführt, welche den Gegnern willkommenen Vorwand darboten, um die ganze Frage ins Lächerliche zu ziehen. Alle Berechtigung beruht auf Naturgesetzen, und wo diese überschritten werden, hört jene auf. Die Natur nun hat dem Weibe eine andere Bestimmung zugewiesen als dem Manne, und nichts ist verkehrter, als wenn man die Emanzipation der Frauen dadurch herbeiführen will, dass man sie zu Männern zu machen sucht; d. h., dass man mit Hintansetzung der durch die Natur gebotenen Unterschiede beiden gleiche Sphären der Tätigkeiten anweist. Ein Mannweib ist ebenso widerwärtig wie ein Weibmann. Die Gleichstellung der Frauen ist vielmehr darin zu suchen, dass ihnen die Freiheit gewährt wird, dem in ihr schaffenden Drang nach Glück in derselben Weise folgen zu können, wie es dem Mann gestattet ist. Obgleich wir also gewiss nichts dagegen haben, wenn eine Frau Schlittschuh läuft, Billiard spielt oder reitet, so sind sie doch weit davon entfernt, in diesen trivialen Äußerlichkeiten das Wesen der Emanzipation zu finden.
Des Weibes Leben ist die Liebe.
Man betrachte das Mädchen, das mit der Puppe spielt, es zieht sie an und aus, herzt und küsst sie und wiegt sie singend in Schlaf, während der Junge nichts Eiligeres zu tun hat, als seinem Hanswurst die bunten Lappen vom Leibe zu reißen. Aus diesem kindischen Spiel entwickeln sich allgemach die beiden schönsten Blüten der Liebe, die Liebe zum Manne und die Mutterliebe. Beide können, wie alles Schöne, nur in der Freiheit gedeihen, und darum muss die Liebe frei sein. Wir haben als die eine Bedingung dazu in dem vorigen Aufsatz die ökonomische Freiheit des Weibes aufgestellt; eine andere ist die Nichteinmischung der Staatsgesetze. Keine Zeit ist mehr geeignet als die unsere, in welcher die sozialen Fragen, d. h., die Forderungen des natürlichen Rechts mehr und mehr in den Vordergrund treten, um die Ohnmacht gesetzlicher Bestimmungen für die sogenannte „Heiligkeit“ der Ehe zu beweisen. Die Ehe ist heilig. Und soll es sein durch die gegenseitige Gattenliebe, nicht aber durch das Kriminalgesetzbuch. Mag der Pietist oder der Moralist in den tausenden von Ehescheidungsklagen, welche in den verschiedenen Staaten anhängig gemacht werden, einen traurigen Verfall der Religiosität und Sittlichkeit erblicken. Wir sehen darin nur den durch die Forderungen der Zeit hervorgebrachten Protest gegen die Einmischung von Staatsgesetzen in ein Verhältnis, bei dem die unbedingte persönliche Freiheit allein naturgemäß ist. Will man diesen Prozessen ein Ende machen, so sorge man dafür, dass das Mädchen so erzogen werde, dass sie ohne Furcht vor möglichem Mangel und Vorurteilen des Reichtums oder des Standes dem Mann ihrer Hand reicht; den sie von ganzem Herzen liebt.
Es gibt kein menschlich schöneres Verhältnis als das zwischen Mutter und Kind. Dichter und Künstler haben es mit Recht zum Gegenstand ihrer Muse gemacht. Gerade in diesem Verhältnis prägt sich aufs Klarste der Unterschied des Menschen vor den Tieren aus. Die Anhänglichkeit der Tiermutter beschränkt sich auf den Zeitraum, in welchem das Junge unfähig ist, für seine eigene Nahrung und Sicherheit zu sorgen. Dann hat sie ein Ende; die Liebe der Mutter dagegen endet erst mit ihrem Leben. Es ist ein großer Irrtum, wenn man glaubt, dass die Einwirkung der Mutter auf die Kinder sich nur auf die ersten Lebensjahre beschränke; ihr Einfluss erstreckt sich vielmehr durch das ganze Leben. Die erste Entwicklung des kindlichen Bewusstseins, das sich darin offenbart, dass es die Stimme der Mutter erkennt und ihr verlangend die Händchen entgegenstreckt, beruht auf ihr. Und weiter ist es ihre natürliche Aufgabe, die Empfindungen und Begriffe im Gemüt und Verstand des wachsenden Kindes zu erwecken und zu pflegen. Nun aber weiß ein jeder, dass diese ersten Jugendeindrücke unauslöschlich sind. Von der Mutter lernt das Kind die ersten Begriffe von Recht und Unrecht, gut und schlecht, schön und hässlich, Wahrheit und Lüge. Sie muss die ersten Zeichen der sich offenbarenden Neigungen und Fähigkeiten erkennen und überwachen und deren Ausbildung liebend zu Hilfe kommen. Und damit legt sie den Grundstein zu dem Charakter der kommenden Generation. Sie ist nicht nur die Erzeugerin, sie ist auch die Bildnerin der Zukunft.
Wer will nun angesichts dieser Tatsache behaupten, dass ist genügend sei, wenn eine Frau eine Rindersuppe kochen, ein Kalbsbraten spicken oder einen Strumpf stopfen kann? Wahrlich, diese hohen Talente sind nicht ausreichend, damit sie ihre Aufgabe, die Erzieherin künftiger Geschlechter zu sein, erfülle. Dazu gehört sogar noch mehr als ein wenig Zeichnen, Musizieren, Sticken und dergleichen; es gehört dazu die Fähigkeit, die Menschennatur zu begreifen und sie auf ihren ersten Stufen entwickeln zu helfen. Wenn nun auch allerdings zugestanden werden muss, dass die Natur das weibliche Gemüt mit einer besonderen Befähigung ausgestattet hat, so muss doch auch die Erziehung notwendig das ihrige dazutun, und zwar muss diese sowohl sittlich wie wissenschaftlich gediegen sein, damit der Charakter wie die Kenntnis der Frau den an ihre Bestimmung gestellten Anforderungen entspreche.
Wie viele Verbrecher würden von dem Los befreit sein, ein elendes Leben im Kerker hinzuschleppen oder es am Galgen zu beenden, wenn eine treue, liebende Mutter ihre Jugendschritte geleitet hätte. Wieviel Laster würden wir weniger zu beklagen und zu strafen haben, wenn wir Mütter hätten, die so erzogen wären, dass sie selbst zu erziehen verständen. Mit Recht wird wiederholt darauf hingewiesen, dass eine soziale Reform nicht ohne vorhergegangene Erziehung denkbar ist. Wir, d. h. die jetzige Generation, haben uns mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass unsere Hauptarbeit nur darin bestehen kann, den Samen einer besseren Zeit in die Herzen der unter uns aufwachsenden Jugend zu streuen; wahrscheinlich wird auch kaum die nächstfolgende Generation die Saaten keimen sehen.
Wohlan denn, so mögen wir da Hand anlegen, wo es am meisten Not tut, nämlich bei der Erziehung des weiblichen Geschlechts. Solange wir unsere Töchter zu Salonpuppen, zu lebendig umherwandelnden Seidenläden oder zu Aschenbrödeln, jedenfalls aber zu Sklavinnen der Mode, der Rücksichten und der Lebensnotdurft erziehen, solange sind alle Schulen fruchtlos. Erziehen wir unsere Töchter zu freien sittlichen Wesen, damit sie als Mütter ihren Kindern die Freiheit vererben können?
1 Als dieser Artikel erschien (23. 4. 1859 in „Sociale Republik“), war Amalie Struve mit ihrem ersten Kind (einem Mädchen) schwanger.
2 Verächtliche Bezeichnung für eine „gelehrte“ Frau, die ihre vermeintlichen weiblichen „Pflichten“ vernachlässigt.
Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen, Hamburg, Hoffmann & Campe 1850 (fotomechanischer Nachdruck).
Monica Marcello-Müller (Hrgin.): Frauenrechte sind Menschenrechte. Schriften der Lehrerin, Revolutionärin und Literatin Amalie Struve, Herbolzheim 2001.
Renate Büntgens: Biographie Amalie Struve (1824–1862). In: „Ihr werdet für ewige Zeiten Euch ein ruhmvolles Denkmal setzen“. Wie Frauen 1848/49 die Revolution unterstützten, Offenburg 1999.
Franziska Dunkel: Amalie Struve, in: Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.): American Dreams. Ein neues Leben in den USA, Stuttgart 2024.
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