FRANZ RAVEAUX
Abb.: Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Grafiksammlung, PORT_00070205_01.
Franz Raveaux zeichnete sich zeit seines Lebens durch seine ungestüme, das Risiko nicht scheuende Art aus. Als Sohn eines französischen Revolutionssoldaten wurde der 1810 in Köln geborene Raveaux nach republikanischen Idealen erzogen, die er regelmäßig in rebellischem Verhalten kanalisierte. Sowohl seine schulische Bildung als auch sein versuchter Eintritt in das preußische Militär endeten aufgrund erheblicher Konflikte mit seinen Mitschülern und Vorgesetzten vorzeitig. Um einer drohenden Disziplinarstrafe zu entgehen, desertierte er 1830 und schloss sich der Belgischen Revolution an. Von hier aus ging er nach Paris und schloss sich der französischen Fremdenlegion an, für die er in Spanien kämpfte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1836 versuchte er sich mit wechselndem Erfolg als Geschäftsmann in verschiedenen Branchen, bis er sich 1843 in Köln als Tabakhändler etablierte. In den Jahren bis zur Märzrevolution erreichte er als obrigkeitskritischer, mit beißendem Humor ausgestatteter Karnevalist eine erhebliche Popularität. Als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung blieb er insbesondere durch den nach ihm benannten Antrag in Erinnerung, laut dem – in Widerspruch zur Haltung der preußischen Regierung – eine gleichzeitige Zugehörigkeit zur Frankfurter und zur Preußischen Nationalversammlung möglich sein sollte. 1849 nahm er am Badischen Aufstand teil, nach dessen Scheitern er ins Exil floh. Franz Raveaux überlebte die Märzrevolution nur um zwei Jahre und starb bereits 1851 im belgischen Exil an Tuberkulose.
Franz Raveaux wurde am 29. April 1810 als Sohn eines französischen Revolutionssoldaten und einer Kölnerin geboren.
Mit 14 Jahren wurde er von der Schule verwiesen, da er in eine Schlägerei mit einer Gruppe Kölner Handwerksgesellen verwickelt war. Zeitgenössische Dokumente sprechen von einer abgefeuerten Schlüsselbüchse.
Franz Raveaux trat in die preußische Armee ein, wo er abermals Probleme mit der „Subordination” zeigte.
Im Anschluss an ein Duell mit einem Vorgesetzten floh Raveaux nach Belgien, um sich einer drohenden Bestrafung zu entziehen. Er schloss sich der Belgischen Revolution an.
Raveaux ging nach Frankreich, um sich dort der Fremdenlegion anzuschließen. Er nahm für diese 1835 am Karlistenkrieg in Spanien teil.
Im Jahr 1836 kehrte Raveaux nach Deutschland zurück und versuchte sich an verschiedenen Orten als letztlich erfolgloser Geschäftsmann.
Er eröffnete einen Tabakhandel in Köln, der ihn bald zu Wohlstand brachte. Hierdurch verfügte er über umso mehr Zeit, sich am politischen Leben seiner Stadt und am politischen Karneval zu beteiligen.
Bei einer Kölner Kirmes kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen den Bürgern und den preußischen Ordnungshütern. Raveaux publizierte hierüber einen umfassenden, vielbeachteten Bericht.
Raveaux wurde in die Nationalversammlung gewählt und stellte dort den nach ihm benannten „Raveauxschen Antrag”, der sich für die Möglichkeit einer doppelten Parlamentszugehörigkeit aussprach.
Er beteiligte sich an der Badischen Revolution und floh danach ins Exil. Aus der Schweiz ausgewiesen, zog es ihn erneut nach Frankreich und schließlich nach Belgien.
Franz Raveaux starb am 13. September 1851 in Laeken an Tuberkulose.
Christian Jansen
Franz Raveaux gehörte zu den einflussreichsten und prominentesten achtundvierziger Demokrat*innen. Heute kennen ihn nur Insider. In den 1980er Jahren war es vorübergehend anders, aber im jüngsten Jubiläumsjahr der Revolutionen war er wieder dem öffentlichen Interesse entschwunden. Dabei war er im „tollen Jahr“ 1848/49 ein Popstar wie Robert Blum. Seine Popularität und sein Charisma hingen mit seinem Engagement im Karneval zusammen, den er 1844 revolutionierte. Weiterlesen
Francois Raveaux wurde am 29.4.1810 in der Kölner Südstadt in ein freiheitlich-republikanisches Elternhaus geboren und dort politisiert. Sein Vater Pierrre (1776-1851) war 1794 mit der Revolutionsarmee ins Rheinland gekommen und arbeitete bis zu seiner Pensionierung (1841) an verschiedenen Standorten für die französische, später für die preußische Armee als Magazin- und Fourageverwalter, kümmerte sich also um die Ausrüstung der Truppen sowie um ihre Pferde. Er hatte in Bonn Anne Marie Maaß kennengelernt und 1797 geheiratet. Beide bekamen sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten: Francois, seine Schwestern Therese und Marie und sein Bruder Ludwig, der in der Wiener Revolution 1848 eine wichtige Rolle spielte.1 Konflikte des mit den Idealen der französischen Revolution sozialisierten Franz, wie er seit dem Abzug der Franzosen hieß, mit dem preußischen Obrigkeitsstaat, dem das Rheinland beim Länderschacher auf dem Wiener Kongress (1815) zugesprochen wurde, waren zu erwarten. Mit vielen Mitschülern rebellierte er aus einer Mischung aus pubertärer Aufsässigkeit und antipreußischen Ressentiments gegen seinen Schulleiter Karl Friedrich August Grashoff, dem die Erziehung zu Untertanen mindestens so wichtig war wie Bildung. Kurz vor dem mittleren Schulabschluss flog Raveaux von der Schule, weil er hatte zusammen mit Kameraden bei der Verteidigung eines Badeplatzes am Rhein mit einer selbstgebastelten Pistole auf Soldaten geschossen hatte. Anschließend besuchte er zwei Jahre eine Handelsschule. 1825 ging er an die Düsseldorfer Malerakademie, kehrte aber schon zu Weihnachten erfolglos nach Hause zurück und studierte in den folgenden Jahren – 1829 war er Mitglied der demokratisch-nationalistischen Alten Burschenschaft in Jena. Er brach sein Studium ab, um seinen Wehrdienst bei den Dragonern, einer Reitertruppe, zu leisten. Nach einem Duell entzog er sich 1830 der kriegsgerichtlichen Bestrafung, desertierte und floh ins nahe Belgien, wo er just während der Revolution eintraf und für die Unabhängigkeit kämpfte. 1833 schloss er sich belgischen Hilfstruppen für die Liberalen im spanischen Carlistenkrieg an. Neben Abenteuerlust ging es Raveaux bei diesen internationalen Kampfeinsätzen um die Werte der französischen Revolution und die Menschen- und Bürgerrechte, die immer seine politischen Leitsterne blieben. Zugleich bekämpfte er in Belgien, Spanien und später in seiner rheinischen Heimat einen reaktionären Katholizismus, den er als gefährlichsten Gegner einer liberalen Gesellschaft begriff.
Von liberaler Seite hochdekoriert, von den Carlisten monatelang eingesperrt, entkam er 1835 aus Spanien. Über die Schweiz wanderte er zurück nach Köln, verbüßte eine Arreststrafe wegen seiner Desertion und heiratete 1837 Brigitte Neukirchen, das zehnte Kind eines 1821 verstorbenen Porzellanhändlers aus Deutz. Um seine künftige Familie zu ernähren, gründete Raveaux verschiedene, nicht immer erfolgreiche Unternehmen, war außerdem journalistisch und publizistisch tätig. 1839 erwarb er für sich und seine Frau in Blankenheim in der Eifel ein Doppelhaus. Das ehemalige Residenzstädtchen prosperierte als Zwischenstation für Geschäftsreisende und dank erster Eifeltouristen. Aber das Umland an der Ahr und in der Eifel litt unter der großen ökonomischen Transformation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch den Anschluss an Preußen verloren die Winzer an der Ahr, deren Lage Raveaux eingehend untersucht hat,2 ihre Märkte in Belgien und Ostfrankreich; der Zollverein öffnete die preußischen Märkte auch noch für billigere süddeutsche Weine. Dass er die Not der Winzerfamilien so gut kannte, lag daran, dass Raveaux Auswanderungswilligen Schiffspassagen in die „Neue Welt“ verkaufte. Da die Behörden diese Maklertätigkeit unterbanden – die Förderung der Auswanderung galt ihnen als Schwächung Preußens, aber auch wegen Konflikten mit den lokalen Honoratioren verließ Raveaux bereits 1843 die Eifel wieder. Er hatte sich weiter als Demokrat und Republikaner gegen den preußischen Obrigkeitsstaat engagiert – am öffentlichkeitswirksamsten mit einer Satire „Der Bürgermeister zu Blankenheim (zu Deutsch Krähwinkel) oder Erzeugnisse eines humoristischen Katzenjammers“ (Neuwied 1842). Danach musste er seine „Schnittewaarenhandlung“, ein Modegeschäft, 1843 schließen.3
Zurück in Köln gelangte Raveaux als Tabakhändler und Zigarrenfabrikant schnell zu Wohlstand, so dass er sich noch vor 1848 aus den Geschäften zurückziehen und mit nicht einmal 40 Jahren ganz der Politik widmen konnte. Gesellschaftlich engagierte sich in der Karnevalsgesellschaft und legte sich mit dem „kölschen Klüngel“ – den Honoratioren – an und wollte das Vereinsleben demokratisieren. Raveaux war ein begeisternder Redner, der vor allem mit seinen Büttenreden sein Charisma steigerte. Seit der Erfindung des Rosenmontagszugs (1823) war der Kölner Karneval ein wirtschaftlich bedeutendes und gesellschaftlich einflussreiches Großereignis. Vor diesem Hintergrund stritten Raveaux und weitere Aktivisten mit dem Establishment der „Großen Karnevalsgesellschaft“ über Inszenierung und Formen des Straßen- und Sitzungskarneval und um die Öffnung für die ganze Stadtbevölkerung. Insbesondere wandten sie sich gegen jegliche (Selbst)Zensur und politisierten den Karneval im Sinne der demokratischen und nationalistischen Opposition. Ein Historiker des Kölner Karnevals charakterisierte Raveaux 1873:
„Dem Körper nach hager und groß, an Geist kräftig, mehr ernsten als heiteren Sinnes und doch voll unverwüstlichen Humors, ehrgeizig unter dem Schein eines gemüthlichen Sichgehenlassens, [...] begabt mit erstaunlichem Scharfblick und selbst schwierige Aufgaben leicht lösend, dabei ein Autodidact in des Wortes voller Bedeutung – so war der Mann, dessen Einfluß auf unseren Carneval [...] zu hoher Bedeutung gelangen sollte – der auf der Hochstraße [Hohe Straße] wohnende Cigarrenhändler Franz Raveaux. Dieser [...] trat mit größter Entschiedenheit gegen die damaligen Leiter des Festes auf, indem er sie der Klüngelei, des Despotismus und der Bevorzugung Reicher beschuldigte, ihnen den Vorwurf ins Gesicht schleuderte, sie hätten den Carneval zum unvolksthümlichsten aller dem ähnlichen Institute gemacht.“4
Raveaux gründete 1844 die demokratische Allgemeine Carnevals-Gesellschaft und warb mit einem niedrigen Mitgliedsbeitrag erfolgreich um Massenanhang. Bereits 1844/45 hatte sie mit tausend Mitgliedern mehr als doppelt so viele wie „Große“. Sie wollte statt „unschuldiger Zeitverspottungen“ „die Verkehrtheiten der Zeit, querstehende Erscheinungen des öffentlichen Lebens, insbesondere aus dem Gebiet der Politik, und namentlich der vaterländischen Politik“ aufspießen. Raveaux‚ Neugründung revolutionierte nicht nur den Kölner Karneval, sondern bereitete auch „1848/49“ vor.
Seit 1844 wählten die Kölner Raveaux in verschiedene Ämter, unter anderem 1846 bei den ersten Kommunalwahlen fast einstimmig zum Stadtverordneten. Er sei der „Held des Tages“, schrieben die Zeitungen nach dieser ersten Wahl Raveaux‚ in ein Parlament: „Sein Bildniß wird in allen Läden verkauft und hängt in jedem Bürgerhause.“5 Diese mediale Aufmerksamkeit machte ihn über das Rheinland hinaus bekannt. Der wichtigste Organisator der vormärzlichen Opposition, der badische Demokrat Johann Adam Itzstein lud ihn zu seinen regelmäßigen Vernetzungstreffen auf Gut Hallgarten im Rheingau; Raveaux nahm auch an den legendären politischen Versammlungen in Offenburg im September und in Heppenheim im Oktober 1847 teil, die den demokratischen bzw. liberalen Forderungskatalog beschlossen, die ab März 1848 die politische Agenda setzten.
Soziologisch lässt sich Raveaux in der „marginalisierten Intelligenz“ verorten, die zwar ein Leben nach bürgerlichen Maßstäben führte, aber bereit war, ihre bürgerliche Sicherheit für ihre Überzeugungen zu gefährden. Zu dieser Gruppe gehörten die meisten heute gefeierten Achtundvierziger wie Robert Blum, Julius Fröbel, Moritz Hartmann, Johann Georg Kapp, Georg Friedrich Kolb, Arnold Ruge, Wilhelm Schulz-Bodmer, Heinrich Simon, Ludwig Uhland, Jakob Venedey oder Wilhelm Wolff. Die meisten mussten nach der Revolution emigrieren. Darauf waren sie besser vorbereitet als andere Achtundvierziger: gut gebildet, an unsichere Einkommens- und Lebensverhältnisse gewöhnt und mit Kontakten und Sprachkenntnissen aus früheren Auslandserfahrungen.6
In Köln begann die Revolution am 3. März – mitten im Karneval – mit einem feierlichen Prozessionszug von bis zu 5.000 Menschen aus den Unterschichten unter Führung des Armenarztes Andreas Gottschalk und anderer Mitglieder des „Bundes der Kommunisten“. Sie überbrachten den im Rathaus versammelten Stadtverordneten „Forderungen des Volkes“, die über das demokratische Programm hinausreichten und neben der politischen auch eine soziale Revolution verlangten, etwa „Schutz der Arbeit und Sicherstellung der menschlichen Bedürfnisse für alle“ sowie „vollständige Erziehung aller Kinder auf öffentliche Kosten“. Auch die beiden demokratischen Stadtverordneten Raveaux und Carl D’Ester reagierten verhalten.7 Das Militär beendete die Demonstration, die ein Dilemma der bürgerlichen Opposition verdeutlichte: sie brauchten zwar den Druck der Unterschichten, um politische Reformen auf den Weg zu bringen, standen aber deren radikalen sozialen Forderungen verständnislos bis ablehnend gegenüber. Als der Düsseldorfer Demokrat Hugo Wesendonck zu Beratungen über das weitere Vorgehen nach Köln kam, sagt ihm Raveaux angeblich „mit seiner heiseren Grabesstimme“: „Die Leute wollen keine Revolution.“ Ein „Petitions-Sturm“ sollte Veränderungen bringen. Rund sechzig Massenpetitionen aus dem Rheinland verlangten durchgreifende Reformen. Raveaux reiste mit einer Delegation des Kölner Stadtrats nach Berlin, um ausgerechnet am 18. März 1848 König Friedrich Wilhelm IV. eine Petition zu übergeben, die drohte, die Rheinprovinz werde sich von Preußen lösen, falls die Regierung sich den Wünschen der Nation nach Reformen und Auflösung des Deutschen Bundes weiter widersetze.8 Geschockt erlebte Raveaux anschließend vor dem Schloss die Schüsse auf friedliche Demonstranten, die die Revolution eskalierten. Solche Erfahrungen wie auch das demokratische Ideal der Volksbewaffnung (anstelle der Fürstenheere) führten allerorten zur Gründung von Bürgerwehren. Der militärisch erfahrene Raveaux gehörte zu den Organisatoren der Kölner Bürgerwehr und leitete die 2. Kompanie.
Ende März sandten die Kölner Bürger Raveaux ins Vorparlament und wählten ihn im Mai als Abgeordneten in die Deutsche Nationalversammlung. Raveaux war einer der erfahrensten und wichtigsten Politiker der demokratischen Minderheit in der Paulskirche, als pragmatischer und undogmatischer Realist agierte er realpolitisch und war lagerübergreifend vernetzt, so dass er oft vermitteln konnte. Zunächst schloss er sich dem demokratischen Deutschen Hof an, gründete aber bald die linksliberale Fraktion Württemberger Hof, und da diese im zu gemäßigt war, im August 1848 mit Heinrich Simon die demokratisch-republikanische Westendhall, die Unzufriedene aus Deutschem und Württemberger Hof vereinte und die eine wichtige Rolle bei der Suche nach Mehrheiten spielte. Demokratische Spötter nannte die Fraktion Westendhall die „Linke im Frack“, um sich über ihren bürgerlichen Habitus und die Suche nach Verständigung mit der liberalen Mehrheit zu mokieren. Raveaux drängte in der Nationalversammlung von Anfang an zur Eile, das Momentum der Revolution zu nutzen und schnell eine Reichsverfassung zu verabschieden. Gleich zu Beginn profilierte er sich mit einem als Raveaux’scher Antrag bekannten Vorstoß. Unter Berufung auf die Volkssouveränität ging es um den Vorrang der Beschlüsse der Nationalversammlung vor den Beschlüssen einzelstaatlicher Parlamente und Regierungen. Prominente Redner der liberalen Mehrheit vertraten hingegen das Vereinbarungsprinzip: die künftige Ordnung sei mit den Fürsten auszuhandeln. Die Frage, wie die Nationalversammlung ihre Beschlüsse durchsetzen könne, blieb das ungelöste Dilemma der Revolution und des Anspruchs auf Volkssouveränität. Das liberale Vereinbarungsprinzip war aber auch keine Lösung, da viele Fürsten, insbesondere der König von Preußen und der Kaiser von Österreich, die Nationalversammlung Verhandlungspartner anerkannten.
Wie viele demokratische Abgeordnete war Raveaux unbedingter Anhänger des Mehrheitsprinzips, dem sich die Minderheit zu unterwerfen habe. Diese Haltung vertrat er auch gegen Gesinnungsgenossen, die Niederlagen nicht akzeptieren wollten: „Ich halte gerade den für den freisinnigsten Mann, der seine individuelle Ansicht der Mehrheit unterwirft.“9 Im demokratischen Lager bildeten Raveaux, der Trierer Ludwig Simon und der Düsseldorfer Hugo Wesendonck das „rheinische Triumvirat“. Von der Mehrheit der revolutionären Opposition unterschied es sich in seiner Distanz zur hegelianischen Geschichtsteleologie, in seiner Frankophilie sowie in seiner Prägung durch den pragmatischen Geist des rheinischen Katholizismus. Raveaux‚ Schwerpunkt in der Paulskirche lag aber nicht auf systematischer Arbeit in Plenum und Ausschüssen – für einen Politiker seiner Prominenz und rhetorischen Begabung ergriff er selten das Wort. Ein Grund waren seine vielen Reisen im Dienste der Revolution: im Frühsommer mit Carl Alexander Spatz und Robert Blum, um den Rhein wieder für Dampfschiffe zu öffnen, im Juli zur „Einholung“ des Reichsverwesers nach Wien. Unterwegs machte die Delegation immer wieder Station, und Raveaux begeisterte mit seinen Reden die Massen. Als er nach kurzer Krankheit aus Wien nach Köln zurückkehrte, wurde er „in einer sonst nur beim Empfang des Königs üblichen Weise begrüßt“, im September feierlich als Gesandter der revolutionären Regierung in Bern empfangen, wo er bis Ende November blieb. Er gehörte auch zu der Delegation, die im März 1849 Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot. Trotz seines häufigen Fehlens gab er entscheidende Impulse: für die Permanenz des Vorparlaments oder mit dem „Raveaux‚schen Antrag“ – immer ging es darum, das revolutionäre Momentum nicht zu verlieren und schnell Weichen zu stellen. Ein weiteren klugen, aber nicht mehrheitsfähigen Vorschlag machte er in der Endphase der Verfassungsberatungen: den preußischen König nur für sechs Jahre zum Kaiser zu wählen. Und nachdem dieser die Krone abgelehnt hatte, rief Raveaux die Nationalversammlung erneut zu größter Eile, nun zur militanten Verteidigung der Verfassung auf: „Wir müssen bewaffnen, Militär und Bürgerwehr vereiden, kurz – Revolution machen“, rief er am 26.4.1849 unter Bravorufen in die Paulskirche. „Wenn wir nicht revoltiren, so handeln wir gegen unser Mandat.“ „Auf die Reichsverfassung uns stützend“, müsse man sich „gegen die bestehenden Gewalten, die uns niederdrücken wollen, auflehnen“ und „alle Mittel, die uns zu Gebote stehen, benutzen, um den Feind niederzuschmettern“.10
Diesen martialischen Worten folgten Taten: noch im April ließ Raveaux sich zum Vorsitzenden des „Ausschusses zur Durchführung der Reichsverfassung“ wählen, am 6. Mai publizierte er zusammen mit Julius Fröbel einen flammenden Aufruf „An das Deutsche Heer“ und „An das Deutsche Volk“: „Die Stunde ist gekommen, da es sich entscheiden wird, ob Deutschland frei und stark, oder geknechtet und verachtet sein soll.“11 Auch nach dem Befehl der Regierung, die preußischen Abgeordneten müssten ihre Mandate niederlegen, blieb Raveaux – wie alle Demokraten. Aber es hielt ihn nicht mehr in der Paulskirche, sondern er stellte sich der badischen Revolutionsregierung zur Verfügung. Nachdem der Reichsverweser Johann von Österreich sich nicht an die Spitze der Reichsverfassungskampagne stellen wollte, wählte die Nationalversammlung am 6. Juni 1849 eine revolutionäre Reichsregentschaft, zu der Franz Raveaux (zusammen mit Carl Vogt, Heinrich Simon und zwei weiteren Demokraten) gehörte und die den badisch-pfälzischen Aufstand politisch führte. Nach diversen Niederlagen der Revolutionstruppen gegen die preußische Armee floh die Reichsregentschaft Ende Juni – mit sieben Aktenkisten der Nationalversammlung – in die Schweiz.
Zunächst fand Franz Raveaux mit anderen prominenten Achtundvierzigern (wie Itzstein, Heinrich und Ludwig Simon, Wilhelm Löwe, Johann Jacoby u.a.) Zuflucht in Thierachern, fünf Kilometer westlich von Thun (Kanton Bern), im Herrenhaus Mühlematt, das dem demokratischen Arzt Johann Karlen gehörte, der 1846-53 Abgeordneter im Großrat (Parlament) des Kantons Bern und 1848-50 im Schweizer Nationalrat war. Die Flüchtlinge erholten sich dort – einem Bonmot von Raveaux zufolge – „zwischen Thun und Nichtsthun“ von den Strapazen des „tollen Jahres“ 1848/49 und ihrer Flucht und versuchten weiter für die im Sommer 1849 noch keineswegs besiegte europäische Revolution zu arbeiten. U.a. engagierten sich Raveaux und andere in „Unterstützungskomitees“, die Spenden aus den deutschen Staaten an die Flüchtlinge verteilten. Am 16./17. Oktober 1849 fand in Thierachern eine Konferenz der Reichsregentschaft und demokratischer Paulskirchenabgeordneter statt, um Rechenschaft über die eingegangenen Spenden abzulegen. Den emigrierten Abgeordneten, sollten ihre Diäten in reduziertem Umfang weiterbezahlt werden, um sicherzustellen, dass sie beim erwarteten Wiederaufflammen der Revolution sofort mit vollem Einsatz zur Verfügung stünden. An einen kleinen Kreis, zu dem auch Raveaux gehörte, konnten solche Zahlungen mindestens bis Frühjahr 1851 fortgesetzt werden, die bei bescheidenen Ansprüchen den Lebensunterhalt sicherten. Die Berichte vom Treffen in Thierachern vermitteln den Eindruck eines „äußerst frohe[n] belebte[n] Zirkel[s]“, der optimistisch Aktionen für die kurze Zeit bis zur nächsten Revolution plante.12
Ende 1849 wies die Schweiz Raveaux wie die meisten Flüchtlinge aus der Schweiz aus und gab dem Druck ihrer Nachbarstaaten Österreich, Frankreich und Preußen (zu dem noch der Kanton Neuenburg gehörte), aber auch einer fremdenfeindlichen Bevölkerung stand. In den zwei Jahren bis zu seinem frühen Tod zog Raveaux zusammen mit seiner Ehefrau auf der Suche nach Asyl durch Westeuropa, lebte jeweils unter prekären Verhältnissen bis zur nächsten Ausweisung einige Monate in Straßburg, Pau, Nancy und Brüssel. In mehreren Aufsätzen für die wichtigste demokratische Exilzeitschrift „Deutsche Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und Leben“ verarbeitete er Revolution und Niederlage, warnte vor Illusionen in Frankreich und warb für eine europaweite Zusammenarbeit der Demokraten. Hierzu, aber auch zur Agitation der deutschen Bevölkerung sollte die Londoner Weltausstellung 1851 genutzt werden. Nicht nur, dass sie in London viele deutsche Bürger außerhalb der Reichweite von Zensur und Polizei erreichen konnten, beflügelte die Emigranten, sondern auch ihr Glaube, daß eine „Völkerwanderung“, wie sie anlässlich der Weltausstellung stattfinde, in „letzter Consequenz“ zur „Weltverbrüderung“ führen müsse, da „der Handel und die Maschine alle nationalen Besonderheiten niederschmettern, die Gedanken aus einem Weltteil in den anderen hinüberführen und jeden Fortschritt schnell allgemein machen“. Eine Gruppe um Franz Raveaux, Wilhelm Löwe, Carl Mayer, Ludwig Simon und Carl Vogt plante eine „regelmäßig erscheinende [...] deutsch-englische Revue, die in Form und Gestalt der jetzigen Monatsschrift ähnlich wäre“. Wie diese sollte die „Revue“ einerseits der Verständigung innerhalb der Opposition dienen und andererseits englische Leser überzeugen, „daß in Deutschland eine freie Entwicklung unter einer constitutionellen Monarchie [...] unmöglich sei, daß vielmehr alle Bedingungen mit Nothwendigkeit auf die demokratische Föderativrepublik hindrängten u[nd] daß es Englands Interesse und Beruf sei, diese Umbildung so viel als möglich zu begünstigen.“ Das Ergebnis war „Der Kosmos“, eine „Deutsche Zeitung aus London“, von der im Mai und Juni 1851 jedoch nur drei Ausgaben erschienen. Dieses Projekt stand in Konkurrenz zu Plänen des ebenfalls Londoner „Zentralkomitees der Europäischen Demokratie“ um Giuseppe Mazzini und Lajos Kossuth, das einen Putsch plante, dafür großspurig warb und Geld sammelte. Raveaux kritisierte Anfang 1850 „die Schreier in London“, die „im Vaterlande die Begriffe über die Gesinnung der deutschen Emigration“ verwirrten. Wolle man den „Einfluß auf die Gestaltung der Zukunft“ nicht verlieren, so müsse man sich „von Phantasten und Abenteurern lossagen“.13
Dass Franz Raveaux mit nur 41 Jahren starb, wurde von seinen Genossen auf Enttäuschung, Entwurzelung und Perspektivlosigkeit zurückgeführt. Ludwig Simon sah in dem Magenleiden, dem er im Herbst 1850 beinahe erlegen wäre, Parallelen zum Misserfolg der Revolution, nämlich eine „Revolution der Materie“ gegen die „Dictatur“ der „Seele über den Körper“.14 Raveaux starb am 13. September 1851 in Laeken, einem Dorf, das heute zu Brüssel gehört. Zwei Monate zuvor hatte ihn der Kölner Assisenhof in Abwesenheit zum Tode verurteilt und symbolisch auf dem Altermarkt hinrichten lassen. Der schon schwerkranke Raveaux meinte dazu: „Kopfweh kann ich nicht mehr bekommen, seit ich geköpft wurde, was mich übrigens wenig genirt“.15
Zum Weiterlesen (außer den in den Fußnoten genannten Titeln):
Hans-Jürgen Apel: Die „Revolte“ der Tertia des Kölnischen Gymnasiums im August 1824. Ein Fallbeispiel zur Erhellung der Schulwirklichkeit im Gymnasium des Vormärz, in: Geschichte in Köln 12 (1982), S. 51-75
Hans v. Greyerz: Franz Raveaux in den Jahren 1848 bis 1851, in: Werner Näf (Hg.): Deutschland und die Schweiz in ihren kulturellen und politischen Beziehungen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bern 1936, S. 145-192.
Klaus Schmidt: Franz Raveaux. Karnevalist und Pionier des demokratischen Aufbruchs in Deutschland. Köln 2001
Klaus Schmidt: Hanswurst wird frech, https://www.zeit.de/2010/07/A-Raveaux
Marcel Seyppel: Franz Raveaux, in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 11. Köln 1988, S. 125-148.
1 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 247-71.
2 Franz Raveaux: Die Ahr. Köln 1844 = erweiterte Fassung einer Artikelserie in der Kölnischen Zeitung im Herbst 1844; die Sozialisten Karl Marx und Karl Grün beschäftigten sich ebenfalls mit dem Elend der Winzer.
3 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 53-63; ebd. S. 65-75 auch das 92strophige Satiregedicht.
4 Wilhelm Walter: Der Carneval in Köln von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1873, Köln 1873, S. 91f.; vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 124; ebd., S. 117-132 weitere interessante Details.
5 Zitate aus Jürgen Herres: Köln in preußischer Zeit 1815-1871, Köln 2012, S. 205 und 218.
6 Vgl. dazu Christian Jansen: Einheit, Macht und Freiheit. Die Paulskirchenlinke und die deutsche Politik in der nachrevolutionären Epoche (1849-1867), Düsseldorf²2005, S. 49-54 und 124-130.
7 Die Darstellung folgt Herres: Köln, S. 239-243.
8 Hugo Wesendonck: Erinnerungen aus dem Jahre 1848, New York 1898, S. 3. Vgl. Herres: Köln, S. 256f.
9 Zit. nach Herres: Köln, S. 263.
10 Karl Wippermann in: Allgemeine Deutsche Biografie, Bd. 27, Leipzig 1888, S. 467; Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen Nationalversammlung, Bd. 8, Frankfurt/M. 1849, S. 6320.
11 Zit. nach Hallerbach: Franz Raveaux, S. 217.
12 Vgl. dazu mit weiteren Nachweisen Jansen: Einheit, Macht und Freiheit, S. 108-117.
13 Vgl. mit Nachweisen ebd., S. 183f. Raveaux an Carl Mayer 28.1.1850, in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 329f.
14 Ludwig Simon: Aus dem Exil, 1855, Bd. II, S. 7ff. Weitere Fälle Jansen, Einheit, Macht und Freiheit, S. 83f.
15 Raveaux an Carl Mayer o.D., in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 335.
„Ich begreife nicht, wie man es wagen kann, in einem so hochwichtigen Momente, wo vielleicht die Würfel über unser ganzes Vaterland fallen, eine Frage absichtlich verzögern zu wollen, bei der es nottut, dass sie augenblicklich zur Entscheidung gebracht werde. Meine Herren, die Tatsachen sind bekannt; wir haben nicht nötig, Zeugen zu vernehmen. Sogar dasjenige, was Herr Bassermann ausgesagt hat, ist zum Teil nicht offiziell; Privatmitteilungen dürfen aber nicht berücksichtigt werden. Sie können wohl auf Privatnachrichten Rücksicht nehmen, insofern sie Ihre individuelle Ansicht bestimmen; aber hier muss alles offiziell behandelt werden. Die offiziellen Tatsachen liegen sprechend vor uns. Berlin steht in diesem Augenblicke auf einem Vulkan; das wissen Sie alle. Ich bitte Sie, mich nicht zu unterbrechen. Es ist gleichgültig, welchen Beschluss Sie fassen; wenn er nur energisch ist, so mag er dieser oder jener Seite zugutekommen. Ganz Deutschland will wissen, was die Nationalversammlung in Frankfurt jetzt tut, und deshalb müssen wir so rasch als möglich zu einem Beschlusse kommen. Herr Bassermann hat selbst erklärt, eine Vermittlung sei unmöglich. Die Halbheiten, meine Herren, müssen aufhören. Wenn man sich zurückdenkt damals, als ich zum letzten Male die Ehre hatte, in dieser Kirche zu sprechen, war es der Fünfziger-Ausschuss[1], der einem Fürsten befahl, andere Maßregeln zu ergreifen, der einem Ministerium befahl, zu bleiben und nicht abzudanken, weil es das Wohl Deutschlands erheische. Aber jetzt schleppen wir uns durch mit halben Maßregeln, nicht links, nicht rechts, sondern wir vermitteln immer, bis die Städte bombardiert sind, bis Reichstagsabgeordnete erschossen werden.
Es ist dringend notwendig, dass Deutschland wisse, in welchem Sinne diese Nationalversammlung sich entscheidet, es ist dringend notwendig, dass etwas geschehe, um Blutvergiessen zu verhindern; wenn heute kein Beschluss gefasst wird, sondern die Sache an den Ausschuss verwiesen wird, so werden wir wieder die Antwort eher hier haben, als unser Beschluss von Wirkung sein kann, denn es ist bekannt, ein fait accompli stimmt die ganze Sache um. Die faits accomplis haben eine traurige Rolle gespielt und wir haben nicht viel Gutes davon zu hoffen, namentlich in dem gegenwärtigen Momente. Ich will niemanden vorgreifen, nicht für oder gegen die Sache sprechen, denn ich bin bloß bei dem präjudiziellen Antrage, aber das werden Sie zugestehen, wir dürfen nicht, wir können es nicht verantworten vor Deutschland, wenn wir heute abermals zögern wollen nach so vielen traurigen Erfahrungen. Denken Sie zurück, was wir durch unsere Verweisungen an den Ausschuss verloren haben, Deutschland ist nicht mehr Deutschland, Österreich ist verloren, man mag dagegen sagen, was man will, die Zukunft wird es lehren – Deutschland hat Österreich verloren, das ist meine individuelle Ansicht, ich spreche sie aus und bin der Meinung, wenn wir heute abermals die Sache an den Ausschuss verweisen, wird uns vielleicht Preußen verlorengehen. Meine Herren! […] Durch Zögern verlieren Sie die Achtung der ganzen Nation; beschließen Sie, haben Sie den Mut, zu beschließen, das ist besser, als die Sache auf die lange Bank schieben!”
1 Verweis auf Glossar - Fünfziger-Ausschuss
„In diese Epoche fallen denn auch die Schandtaten einzelner, welche aufzudecken die Pflicht jedes ehrlichen Demokraten ist. Es ist konstatiert, dass hervorragende Persönlichkeiten sich an diesen Schandtaten beteiligt haben, so wie auch diejenigen, denen eine öffentliche Kasse anvertraut war und welche dieselbe beim Übertritt in die Schweiz weder an Behörden überliefert, noch unter ihre Truppen verteilt haben, bis heute eine Rechnungsablage schuldig geblieben sind. Es ist eine falsche Ansicht, dass man durch Angabe der Namen dieser Menschen der Partei schade und, wie sich einige ausdrücken, dadurch in den eigenen Eingeweiden der Demokratie wühle; ich bin der Ansicht, dass man die Demokratie von solchem Kot reinigen muß, und ich fordere im Interesse der Demokratie jeden auf, welchem irgendein Faktum der Art bekannt ist, mir dasselbe mit Nennung des Namens mitzuteilen, damit diese Menschen öffentlich gebrandmarkt werden, und es ihnen unmöglich gemacht wird, bei einer zweiten Erhebung sich von neuem an die Spitze der Bewegung zu drängen, um ihr unsauberes Handwerk fortzusetzen. Auch hier muß man es den Badensern zum Ruhme nachsagen, dass sich nur höchst wenige ihrer Landsleute an diesen schändlichen Handlungen beteiligten. Wenn unsere Gegner aber diese gehässigen Einzelheiten der Revolution der ganzen Partei in die Schuhe schieben, so haben sie vergessen beizufügen, dass grade diejenigen Führer der Erhebung, welche über Kassen von Hunderttausenden zu verfügen hatten, jetzt im Exil nicht allein ihr ganzes Vermögen verloren haben, sondern auch in der bittersten Armut leben. Sie haben ferner vergessen, dass bei allen geschlagenen Armeen Fälle ähnlicher Art in Masse vorkommen, und dass, was hier auf unerlaubte Art geschah, bei dem Heere, welches vorgab für Ruhe und Ordnung zu kämpfen, die Requisitionen in vergrößertem Maßstab betrieben wurden, dass freilich aber letztere, welche das badische Land mehr ruinierten, als der Unterhalt und die Forderungen der Freiheitsarmee, als gesetzlich hingestellt wurden, wodurch denn den befohlenen Exekutionen der Reichstruppen und der Preußen alles Gehässige und Unmenschliche genommen werden soll. Weiterlesen
Wenn der Prinz von Preußen bei seiner Rückehr nach Berlin vor der Revolution warnt, indem er sagt, er habe sich in Baden mit eigenen Augen überzeugt, was es heiße, ein durch die Revolution zerrüttetes Land, so kann man nicht begreifen, wie die Heilmittel, welche die Freunde der Ruhe und Ordnung in Baden anwenden, darauf berechnet sein sollen, diesem zerrütteten Lande neuen Wohlstand zu bereiten. Glaubt man denn durch Einsperrung der notabelsten Bewohner des Landes, durch Einsperrung von Bürgermeistern, Pfarrern, Notaren, Advokaten, Gutsbesitzern, Gemeinderäten, Kaufleuten, Rentnern, kurz durch die Verhaftung aller derjenigen, welche man eben verhaften will, die Zustände dieses zerrütteten Landes zu bessern? Glaubt man vielleicht durch unmäßige Einquartierung, welche in ihren Forderungen unerschöpflich ist, durch Exekutionstruppen, durch Erpressung von ungesetzlichen Exekutionsgeldern diesem zerrütteten Lande wieder auf die Beine zu helfen? Glaubt man endlich durch kommandierte Erschießungen, durch Ausnahmegerichte, deren Richter Feinde der Angeklagten sind und die als Fremdlinge nicht einmal die Gesetze ihres eigenen Landes, viel weniger die badischen Gesetze kennen, den Rechtssinn und das Rechtsbewusstsein in Baden zu stärken? Kann man so unvernünftig sein, beständig das Wort Religion, Moral und Versöhnung im Munde zu führen, und fast jedem fremden Offizier das Recht und die Vollmacht geben, Freiheitsstrafen und Stockhiebe zu diktieren?
[…]
Wenn man die verschiedenen Vorfälle erzählen hört, welche bei Urteilssprüchen auf Leben und Tod vorgekommen sind, dann weiß man nicht, ob man lachen oder schaudern soll. Bei einem Standgericht, welchem man die Einsprache der Inkompetenz entgegenhielt, erklärte das Gericht nach kurzer Beratung, es halte sich für kompetent. Einer der beisitzenden Richter, ein Unteroffizier, hatte auf die Frage, ob er sich für inkompetent halte, geantwortet: kommandiert1! Ein anderer Fall ist noch merkwürdiger: Ein Offizier, welcher bei einem Standgericht als Richter gesessen hatte, wurde gefragt, nach welchen Gesetzen der Beschuldigte verurteilt worden sei. Als er hierauf antwortete: nach preußischen, stellte man ihm die zweite Frage, ob nach rheinpreußischem oder nach altpreußischem Gesetz. Hierauf wußte der Offizier keine Antwort zu geben, da er, wie sich aus dem Verlauf der Unterredung ergab, glaubte ‘dies sei ganz egal’. Wer sich die Mühe geben wollte, alle diese komisch-tragischen Einzelheiten der improvisierten kommandierten neuen Diener der Themis2 zu sammeln, würde sehr bald Stoff genug haben, um ein Werk als Beitrag zur Gerechtigkeitspflege des neunzehnten Jahrhunderts heraus zu geben welches von der nächsten Generation gewiss zu den Wunderdingen gerechnet würde. Diese Richter haben über die edelsten Söhne des deutschen Volkes Todesurteile ausgesprochen; sie haben durch Tod und Gefängnis Elend, Kummer und Verzweiflung in tausend Familien gebracht, und sie begnügten sich nicht mit dem Erschießen Einzelner, mit dem Einkerkern von Männern aller Klassen der Bevölkerung, sie gingen noch einen Schritt weiter, indem sie denjenigen, welchen sie die persönliche Freiheit gelassen, ihre Gesinnungen, politische Meinungen, ja sogar ihre volkstümlichen Trachten mit Stockhieben zu vertreiben suchten. Nie und unter keines Tyrannen Regierung wurde die Göttin der Gerechtigkeit schnöder missbraucht und so sehr zur feilen Metze herabgewürdigt, als dieses im Jahre 1849 des christlichen Heils durch die Armeen christlich germanischer Herrscher geschehen ist. Wenn der Prinz von Preußen in einer seiner Reden gesagt hat, man solle nicht wähnen, die Demokratie sei besiegt, sie sei nur niedergeworfen und werde sich von neuem blutiger und schrecklicher erheben als je, denn sie habe jetzt Rache zu nehmen, so beweist dies vollkommen, daß der Prinz von der Ungerechtigkeit, mit welcher man sich an der besiegten Demokratie gerächt hat, überzeugt ist. Seine Worte sind wahr und sie werden sicher in Erfüllung gehen, mag auch mein Freund Venedey3 noch so viele Reden halten über Versöhnung, Vergessen und Vergeben, er wird mir immer vorkommen wie ein moderner Don Quirotte, welcher den sich heftig drehenden Windmühlenflügeln zuruft, sie möchten doch langsamer gehen oder gar stille stehen. Der Wind lacht ihn aus und Jacob Venedey ist mit all seinem deutschen Patriotismus nicht im Stande, die Windmühlenflügel aufzuhalten. — Wer Wind sät, muß sich darauf gefasst machen, daß er Sturm erntet. Wann der Sturm kommen wird, das wissen die Götter; dass er kommen muß, das ist unsere heiligste Überzeugung; und in der Erwartung dieses Sturmes sitzen wir Geächtete des deutschen Vaterlandes im einsamen Stübchen und die Brustbilder von Trützschler4 und Blum5 sehen uns mahnend an, und erinnern uns an unser tägliches Gebet: Exoriare aliquis6.”7
1 Alter Begriff für “auf Befehl dort”.
2 Griechische Göttin der Gerechtigkeit.
3 Jacob Venedey, ebenfalls demokratischer Angehöriger der Nationalversammlung. Der Unmut Raveauxs bezieht sich wohl auf Venedeys Kritik an Aufständen als Mittel zur politischen Willensäußerung.
4 Hier Verweis auf den Beitrag Trützschlers, falls einer entsteht. Ansonsten: Wilhelm Adolph von Trützschler wurde wegen seiner Teilnahme am badischen Aufstand 1849 von einem preußischen Standgericht zum Tode verurteilt und erschossen.
5 Hier Verweis auf den Eintrag Blums.
6 Kurzform einer lateinischen Redewendung, bedeutet: “Ein Rächer wird aus meinem Staub erstehen”.
7 Franz Raveaux: Mittheilungen über die badische Revolution, Frankfurt am Main 1850, S. 127–134.
„Man hat auch sehr viel von der Koalition der Linken mit der Rechten gesprochen, ich sehe keine Koalition… Reaktion sehe ich wohl, aber keine Koalition von beiden Seiten; denn Reaktion wird jetzt wohl jeder sehen, auch ohne eine Brille aufzusetzen. Es ist die Vereinigung aller Parteien in dem Ringe, wovon Herr Bassermann gesprochen hat; ich nehme die Verfassung als einen solchen Ring, worin jeder es sich möglich machen kann, seine politische Ansicht zu entwickeln, sie zu verbessern und dem Möglichen entgegenzuarbeiten, als einen solchen Ring nehme ich die Reichsverfassung an, und so, glaube ich, werden Sie alle tun; wenn Sie es ehrlich und offen eingestehen wollen, so sagen Sie: Ja, das ist der Punkt, der uns alle vereinigt, die Reichsverfassung. Hat denn die linke Seite des Hauses nicht ebensoviel beigetragen, dass die Verfassung in Deutschland eine so gute Aufnahme fand, als Sie? Ich weiß nicht, was Sie dafür getan haben; was die Linke dafür getan hat, kann ich Ihnen sagen: Sie hat ebenso tätig gewirkt und gearbeitet, als sie damals für die Zentralgewalt wirkte, nachdem sie dieselbe vorher bekämpfte, und ich weiß nicht, wo das größere Verdienst liegt, dass die Grundrechte eine solche Aufnahme in Deutschland gefunden haben, ob auf dieser, ob auf jener Seite? Die Reichsverfassung war kaum ins Leben getreten, das heißt, die Verfassung war kaum beschlossen, als an demselben Abende die Linke sich vereinigte, alles Mögliche daran zu setzen, die Reichsverfassung durchzuführen, sowie sie es war, die ohne Verabredung, ohne Koalition einige Tage später sämtliche Oppositionsparteien der Kammern der Einzelstaaten in Heidelberg versammelte; Sie kennen den Beschluss, der dort gefasst wurde, und diesem Beschlusse haben Sie es zu verdanken, dass wir in den einzelnen Kammern diese kräftige Unterstützung finden; das hat die Linke getan, nicht die Rechte! Weiterlesen
Wenn Herr Simon richtig bemerkte, dass die preußische Regierung die anderen die politischen Kastanien, oder vielmehr die revolutionären Kastanien aus dem Feuer habe holen lassen, so muss ich gestehen, das Bild passt ebensogut auf uns. Wir lassen das Volk die Kastanien aus dem Feuer holen, setzen uns in gemütlicher Ruhe hierher, und warten, bis das Volk unsere Verfassung verwirklicht hat. Das wäre eine leichte Aufgabe. Sie haben aber eine schwerere. Sie müssen die Schritte angeben, die geschehen sollen, und nicht die einzelnen Kammern, und Sie müssen die Bewegung in die Hand nehmen, und wenn Sie das nicht können, so ist die Reichsverfassung eine Verfassung, die in den ersten acht Jahren sicherlich nicht ins Leben treten wird. Eine einzelne Erhebung ist gar nichts. Wenn die Erhebung sich nicht über ganz Deutschland ausbreitet, so werden die Regierungen immer mehr Kräfte sammeln, und sobald sie imstande sind, den Kampf zu wagen, werden sie ihn ebensogut gegen die kleinen Staaten wagen, wie sie ihn gegen die Residenzen ihrer Länder gewagt haben. Bedenken Sie, dass alle Maßregeln, wie wir sie vorschlagen, zu nichts werden in dem Momente, wo die preußische Regierung auf unsere Vorschläge eingeht, die Verfassung anerkennt, und wenn die Wahl angenommen wird, hören sie von selbst auf. Ich sehe also durchaus kein Bedenken.
Ich erinnere Sie an die Zeit, als die abschlägige Antwort von Berlin ankam. Da habe ich sehr viele Herren von der Rechten gehört: ‘Wir gehen mit bis auf die Barrikaden!’ Und später: ‘Wir wollen die 14 Tage abwarten, dann gehen wir mit.’ Die 14 Tage verliefen und jetzt wollen Sie wieder abwarten, und wenn Sie noch einmal abgewartet haben, gehen Sie doch nicht mit, meine Herren. […] Wenn Sie mir antworten, dass die renitenten Staaten nicht wählen lassen werden, so gestehe ich Ihnen zu, sie werden nicht wählen lassen. Aber, was haben Sie in dem Antrage des Abgeordneten Schubert, der da sagt: die Regierungen sollen aufgefordert werden, auf das Recht, die Kammern zu vertagen und aufzulösen, verzichten. Glauben Sie denn, meine Herren, dass irgendeine renitente Regierung auch nur etwas darauf geben wird, eine solche Aufforderung oder höfliche Einladung erhalten zu haben- Sie wird sie gar nicht beachten. Das ist eine Maßregel, welche allenfalls ein Kompliment genannt werden kann, aber keine Maßregel. Wenn wir von Maßregeln sprechen, die in der jetzigen Zeit zu treffen sind, so muss ich gestehen, ich kann mir keine denken, die mit Einladungen übereinstimmt, sondern nur energische. Ich denke mir nichts anderes darunter, als Maßregeln in dem Sinne zu ergreifen, wie man sie in Württemberg im Kleinen ergriffen hat. Wir müssen bewaffnen, Militär und Bürgerwehr vereiden, kurz Revolution machen. Gesetzliche Revolution ist nicht verboten, sie ist erlaubt. Ja, Herr Grävell1 lacht darüber, meine Herren. Ich glaube, Sie werden mir zugeben, dass jede ungesetzliche Revolution gegen das Gesetz ist; und was gegen das Gesetz geht, ist verboten. Ich sage, meine Herren, es ist nicht allein zweckmäßig, zu revoltieren, sondern es muss geschehen, wenn wir unsere Pflicht üben. Wenn wir nicht revoltieren, so handeln wir gegen unser Mandat. Sie haben gesagt, Sie gehen bis zum Äußersten mit, und nun nenne Sie es Revolution, wenn wir auf die Reichsverfassung uns stützend, uns gegen die bestehenden Gewalten, die uns niederdrücken wollen, auflehnen, wenn wir alle Mittel, die uns zu Gebote stehen, benutzen, um den Feind niederzuschmettern. Nun gut. Ich bin dafür, Sie mögen dagegen sein. Ich bin durch und durch davon überzeugt, dass alle Ihre halben Maßregeln zu nichts führen, und dass alle Ihre Maßregeln, die nur Komplimente sind, Sie nur lächerlich machen werden.
[…]
Ich will nur sagen, dass Preußen wohltäte, anzunehmen. Ich gehe aber weiter, Sie müssen es zwingen, anzunehmen. Wenn Preußen auf unsere Bundesvorschläge nicht eingeht, nicht freiwillig eingehen will, so können Sie versichert sein, dass es sich uns feindselig gegenüberstellen wird, das kann auch der kurzsichtigste Politiker begreifen, und wenn wir die Verfassung durchführen wollen und Preußen nicht will, so wird es auch Kräfte gegen uns haben; lassen wir das herankommen, nun gut, dann sind wir verloren, wir können einer solchen physischen Gewalt nicht widerstehen, wenn sie sich entwickelt hat. Ich würde Ihnen anraten, nachdem die ersten Maßregeln ergriffen sind, sogleich zu den zweiten zu schreiten, in das Herz des Feindes hineinzubohren, eine Proklamation zu erlassen, worin Sie alle Provinzen auffordern, welche die Reichsverfassung haben wollen, sich von Preußen zu trennen. Ja, meine Herren, wer Ruhe und Ordnung will, der muss auch die Mittel dazu wollen, um sie zu erhalten, der muss mit uns gehen, und wer nicht mit uns geht, der geht gegen uns. Meine Herren, es ist leicht zu sagen: ‘Wir gehen mit bis zu den Barrikaden’, aber wenn man ein missliebiges Wörtchen spricht gegen eine Regierung, die uns misshandelt, so wird man gleich bezeichnet als jemand, der Klatschereien vorträgt […]. Früher haben Sie oft gesagt: ‘Wären wir noch im Juli, da hatten wir noch die Nation hinter uns.’ Sie haben sie jetzt zum größten Teile; man sagt zwar: ‘Wenn sich die Krone Preußen, die Krone Bayern und so weiter nicht angeschlossen haben, dann hätten auch die preußischen und bayerischen Staatsbürger sich nicht angeschlossen.’ Es ist das eine grundfalsche Berechnung; ich glaube, wenn wir nach der Seelenzahl rechneten, dann hätten wir die Majorität der deutschen Nation, und es würden nur die übrig bleiben, deren Interesse es von jeher war, gegen jede Freiheit, sie mag dekretiert werden, woher sie will, zu sprechen und zu wirken, auf der anderen Seite vielleicht diejenigen, denen nicht Freiheit genug gegeben ist, aber diese zusammengezählt würden nur ein sehr kleines Häuflein in der deutschen Nation bilden, das ist meine Überzeugung. Ich ermahne Sie daher, etwas zu tun, erinnern Sie sich an das, was Kieffer gesagt hat in seiner denkwürdigen Schlussrede, man darf nicht verzweifeln, nicht verzweifelnd die Hände in den Schoß legen; Kieffer sagte und damit forderte er zum Handeln auf: ‘Wenn ein Römer am Vaterlande verzweifelte, so geschah es, indem er auch am Leben verzweifelte und sich selbst den Tod gab, als Kościuszko2 das berühmte Wort finis Poloniae ausrief, da lag er zerschmettert unter den feindlichen Hufen; aber, sagt Kieffer, wenn Buben am Vaterlande verzweifeln in gemächlicher Behaglichkeit, dann ist das eine widerwärtige Erscheinung.’”3
„Ich halte gerade den für den freisinnigsten Mann, der seine individuelle Ansicht der Mehrheit unterwirft.” - Franz Raveaux (1810-1851) (Christian Jansen):4
Franz Raveaux gehörte zu den einflussreichsten und prominentesten achtundvierziger Demokrat*innen. Heute kennen ihn nur Insider. In den 1980er Jahren war es vorübergehend anders, aber im jüngsten Jubiläumsjahr der Revolutionen war er wieder dem öffentlichen Interesse entschwunden. Dabei war er im „tollen Jahr“ 1848/49 ein Popstar wie Robert Blum. Seine Popularität und sein Charisma hingen mit seinem Engagement im Karneval zusammen, den er 1844 revolutionierte.
Francois Raveaux wurde am 29.4.1810 in der Kölner Südstadt in ein freiheitlich-republikanisches Elternhaus geboren und dort politisiert. Sein Vater Pierrre (1776-1851) war 1794 mit der Revolutionsarmee ins Rheinland gekommen und arbeitete bis zu seiner Pensionierung (1841) an verschiedenen Standorten für die französische, später für die preußische Armee als Magazin- und Fourageverwalter, kümmerte sich also um die Ausrüstung der Truppen sowie um ihre Pferde. Er hatte in Bonn Anne Marie Maaß kennengelernt und 1797 geheiratet. Beide bekamen sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten: Francois, seine Schwestern Therese und Marie und sein Bruder Ludwig, der in der Wiener Revolution 1848 eine wichtige Rolle spielte.5 Konflikte des mit den Idealen der französischen Revolution sozialisierten Franz, wie er seit dem Abzug der Franzosen hieß, mit dem preußischen Obrigkeitsstaat, dem das Rheinland beim Länderschacher auf dem Wiener Kongress (1815) zugesprochen wurde, waren zu erwarten. Mit vielen Mitschülern rebellierte er aus einer Mischung aus pubertärer Aufsässigkeit und antipreußischen Ressentiments gegen seinen Schulleiter Karl Friedrich August Grashoff, dem die Erziehung zu Untertanen mindestens so wichtig war wie Bildung. Kurz vor dem mittleren Schulabschluss flog Raveaux von der Schule, weil er hatte zusammen mit Kameraden bei der Verteidigung eines Badeplatzes am Rhein mit einer selbstgebastelten Pistole auf Soldaten geschossen hatte. Anschließend besuchte er zwei Jahre eine Handelsschule. 1825 ging er an die Düsseldorfer Malerakademie, kehrte aber schon zu Weihnachten erfolglos nach Hause zurück und studierte in den folgenden Jahren – 1829 war er Mitglied der demokratisch-nationalistischen Alten Burschenschaft in Jena. Er brach sein Studium ab, um seinen Wehrdienst bei den Dragonern, einer Reitertruppe, zu leisten. Nach einem Duell entzog er sich 1830 der kriegsgerichtlichen Bestrafung, desertierte und floh ins nahe Belgien, wo er just während der Revolution eintraf und für die Unabhängigkeit kämpfte. 1833 schloss er sich belgischen Hilfstruppen für die Liberalen im spanischen Carlistenkrieg an. Neben Abenteuerlust ging es Raveaux bei diesen internationalen Kampfeinsätzen um die Werte der französischen Revolution und die Menschen- und Bürgerrechte, die immer seine politischen Leitsterne blieben. Zugleich bekämpfte er in Belgien, Spanien und später in seiner rheinischen Heimat einen reaktionären Katholizismus, den er als gefährlichsten Gegner einer liberalen Gesellschaft begriff.
Von liberaler Seite hochdekoriert, von den Carlisten monatelang eingesperrt, entkam er 1835 aus Spanien. Über die Schweiz wanderte er zurück nach Köln, verbüßte eine Arreststrafe wegen seiner Desertion und heiratete 1837 Brigitte Neukirchen, das zehnte Kind eines 1821 verstorbenen Porzellanhändlers aus Deutz. Um seine künftige Familie zu ernähren, gründete Raveaux verschiedene, nicht immer erfolgreiche Unternehmen, war außerdem journalistisch und publizistisch tätig. 1839 erwarb er für sich und seine Frau in Blankenheim in der Eifel ein Doppelhaus. Das ehemalige Residenzstädtchen prosperierte als Zwischenstation für Geschäftsreisende und dank erster Eifeltouristen. Aber das Umland an der Ahr und in der Eifel litt unter der großen ökonomischen Transformation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch den Anschluss an Preußen verloren die Winzer an der Ahr, deren Lage Raveaux eingehend untersucht hat,6 ihre Märkte in Belgien und Ostfrankreich; der Zollverein öffnete die preußischen Märkte auch noch für billigere süddeutsche Weine. Dass er die Not der Winzerfamilien so gut kannte, lag daran, dass Raveaux Auswanderungswilligen Schiffspassagen in die „Neue Welt“ verkaufte. Da die Behörden diese Maklertätigkeit unterbanden – die Förderung der Auswanderung galt ihnen als Schwächung Preußens, aber auch wegen Konflikten mit den lokalen Honoratioren verließ Raveaux bereits 1843 die Eifel wieder. Er hatte sich weiter als Demokrat und Republikaner gegen den preußischen Obrigkeitsstaat engagiert – am öffentlichkeitswirksamsten mit einer Satire „Der Bürgermeister zu Blankenheim (zu Deutsch Krähwinkel) oder Erzeugnisse eines humoristischen Katzenjammers“ (Neuwied 1842). Danach musste er seine „Schnittewaarenhandlung“, ein Modegeschäft, 1843 schließen.7
Zurück in Köln gelangte Raveaux als Tabakhändler und Zigarrenfabrikant schnell zu Wohlstand, so dass er sich noch vor 1848 aus den Geschäften zurückziehen und mit nicht einmal 40 Jahren ganz der Politik widmen konnte. Gesellschaftlich engagierte sich in der Karnevalsgesellschaft und legte sich mit dem „kölschen Klüngel“ – den Honoratioren – an und wollte das Vereinsleben demokratisieren. Raveaux war ein begeisternder Redner, der vor allem mit seinen Büttenreden sein Charisma steigerte. Seit der Erfindung des Rosenmontagszugs (1823) war der Kölner Karneval ein wirtschaftlich bedeutendes und gesellschaftlich einflussreiches Großereignis. Vor diesem Hintergrund stritten Raveaux und weitere Aktivisten mit dem Establishment der „Großen Karnevalsgesellschaft“ über Inszenierung und Formen des Straßen- und Sitzungskarneval und um die Öffnung für die ganze Stadtbevölkerung. Insbesondere wandten sie sich gegen jegliche (Selbst)Zensur und politisierten den Karneval im Sinne der demokratischen und nationalistischen Opposition. Ein Historiker des Kölner Karnevals charakterisierte Raveaux 1873:
„Dem Körper nach hager und groß, an Geist kräftig, mehr ernsten als heiteren Sinnes und doch voll unverwüstlichen Humors, ehrgeizig unter dem Schein eines gemüthlichen Sichgehenlassens, [...] begabt mit erstaunlichem Scharfblick und selbst schwierige Aufgaben leicht lösend, dabei ein Autodidact in des Wortes voller Bedeutung – so war der Mann, dessen Einfluß auf unseren Carneval [...] zu hoher Bedeutung gelangen sollte – der auf der Hochstraße [Hohe Straße] wohnende Cigarrenhändler Franz Raveaux. Dieser [...] trat mit größter Entschiedenheit gegen die damaligen Leiter des Festes auf, indem er sie der Klüngelei, des Despotismus und der Bevorzugung Reicher beschuldigte, ihnen den Vorwurf ins Gesicht schleuderte, sie hätten den Carneval zum unvolksthümlichsten aller dem ähnlichen Institute gemacht.“8
Raveaux gründete 1844 die demokratische Allgemeine Carnevals-Gesellschaft und warb mit einem niedrigen Mitgliedsbeitrag erfolgreich um Massenanhang. Bereits 1844/45 hatte sie mit tausend Mitgliedern mehr als doppelt so viele wie „Große“. Sie wollte statt „unschuldiger Zeitverspottungen“ „die Verkehrtheiten der Zeit, querstehende Erscheinungen des öffentlichen Lebens, insbesondere aus dem Gebiet der Politik, und namentlich der vaterländischen Politik“ aufspießen. Raveaux‚ Neugründung revolutionierte nicht nur den Kölner Karneval, sondern bereitete auch „1848/49“ vor.
Seit 1844 wählten die Kölner Raveaux in verschiedene Ämter, unter anderem 1846 bei den ersten Kommunalwahlen fast einstimmig zum Stadtverordneten. Er sei der „Held des Tages“, schrieben die Zeitungen nach dieser ersten Wahl Raveaux‚ in ein Parlament: „Sein Bildniß wird in allen Läden verkauft und hängt in jedem Bürgerhause.“9 Diese mediale Aufmerksamkeit machte ihn über das Rheinland hinaus bekannt. Der wichtigste Organisator der vormärzlichen Opposition, der badische Demokrat Johann Adam Itzstein lud ihn zu seinen regelmäßigen Vernetzungstreffen auf Gut Hallgarten im Rheingau; Raveaux nahm auch an den legendären politischen Versammlungen in Offenburg im September und in Heppenheim im Oktober 1847 teil, die den demokratischen bzw. liberalen Forderungskatalog beschlossen, die ab März 1848 die politische Agenda setzten.
Soziologisch lässt sich Raveaux in der „marginalisierten Intelligenz“ verorten, die zwar ein Leben nach bürgerlichen Maßstäben führte, aber bereit war, ihre bürgerliche Sicherheit für ihre Überzeugungen zu gefährden. Zu dieser Gruppe gehörten die meisten heute gefeierten Achtundvierziger wie Robert Blum, Julius Fröbel, Moritz Hartmann, Johann Georg Kapp, Georg Friedrich Kolb, Arnold Ruge, Wilhelm Schulz-Bodmer, Heinrich Simon, Ludwig Uhland, Jakob Venedey oder Wilhelm Wolff. Die meisten mussten nach der Revolution emigrieren. Darauf waren sie besser vorbereitet als andere Achtundvierziger: gut gebildet, an unsichere Einkommens- und Lebensverhältnisse gewöhnt und mit Kontakten und Sprachkenntnissen aus früheren Auslandserfahrungen.10
In Köln begann die Revolution am 3. März – mitten im Karneval – mit einem feierlichen Prozessionszug von bis zu 5.000 Menschen aus den Unterschichten unter Führung des Armenarztes Andreas Gottschalk und anderer Mitglieder des „Bundes der Kommunisten“. Sie überbrachten den im Rathaus versammelten Stadtverordneten „Forderungen des Volkes“, die über das demokratische Programm hinausreichten und neben der politischen auch eine soziale Revolution verlangten, etwa „Schutz der Arbeit und Sicherstellung der menschlichen Bedürfnisse für alle“ sowie „vollständige Erziehung aller Kinder auf öffentliche Kosten“. Auch die beiden demokratischen Stadtverordneten Raveaux und Carl D’Ester reagierten verhalten.11 Das Militär beendete die Demonstration, die ein Dilemma der bürgerlichen Opposition verdeutlichte: sie brauchten zwar den Druck der Unterschichten, um politische Reformen auf den Weg zu bringen, standen aber deren radikalen sozialen Forderungen verständnislos bis ablehnend gegenüber. Als der Düsseldorfer Demokrat Hugo Wesendonck zu Beratungen über das weitere Vorgehen nach Köln kam, sagt ihm Raveaux angeblich „mit seiner heiseren Grabesstimme“: „Die Leute wollen keine Revolution.“ Ein „Petitions-Sturm“ sollte Veränderungen bringen. Rund sechzig Massenpetitionen aus dem Rheinland verlangten durchgreifende Reformen. Raveaux reiste mit einer Delegation des Kölner Stadtrats nach Berlin, um ausgerechnet am 18. März 1848 König Friedrich Wilhelm IV. eine Petition zu übergeben, die drohte, die Rheinprovinz werde sich von Preußen lösen, falls die Regierung sich den Wünschen der Nation nach Reformen und Auflösung des Deutschen Bundes weiter widersetze.12 Geschockt erlebte Raveaux anschließend vor dem Schloss die Schüsse auf friedliche Demonstranten, die die Revolution eskalierten. Solche Erfahrungen wie auch das demokratische Ideal der Volksbewaffnung (anstelle der Fürstenheere) führten allerorten zur Gründung von Bürgerwehren. Der militärisch erfahrene Raveaux gehörte zu den Organisatoren der Kölner Bürgerwehr und leitete die 2. Kompanie.
Ende März sandten die Kölner Bürger Raveaux ins Vorparlament und wählten ihn im Mai als Abgeordneten in die Deutsche Nationalversammlung. Raveaux war einer der erfahrensten und wichtigsten Politiker der demokratischen Minderheit in der Paulskirche, als pragmatischer und undogmatischer Realist agierte er realpolitisch und war lagerübergreifend vernetzt, so dass er oft vermitteln konnte. Zunächst schloss er sich dem demokratischen Deutschen Hof an, gründete aber bald die linksliberale Fraktion Württemberger Hof, und da diese im zu gemäßigt war, im August 1848 mit Heinrich Simon die demokratisch-republikanische Westendhall, die Unzufriedene aus Deutschem und Württemberger Hof vereinte und die eine wichtige Rolle bei der Suche nach Mehrheiten spielte. Demokratische Spötter nannte die Fraktion Westendhall die „Linke im Frack“, um sich über ihren bürgerlichen Habitus und die Suche nach Verständigung mit der liberalen Mehrheit zu mokieren. Raveaux drängte in der Nationalversammlung von Anfang an zur Eile, das Momentum der Revolution zu nutzen und schnell eine Reichsverfassung zu verabschieden. Gleich zu Beginn profilierte er sich mit einem als Raveaux’scher Antrag bekannten Vorstoß. Unter Berufung auf die Volkssouveränität ging es um den Vorrang der Beschlüsse der Nationalversammlung vor den Beschlüssen einzelstaatlicher Parlamente und Regierungen. Prominente Redner der liberalen Mehrheit vertraten hingegen das Vereinbarungsprinzip: die künftige Ordnung sei mit den Fürsten auszuhandeln. Die Frage, wie die Nationalversammlung ihre Beschlüsse durchsetzen könne, blieb das ungelöste Dilemma der Revolution und des Anspruchs auf Volkssouveränität. Das liberale Vereinbarungsprinzip war aber auch keine Lösung, da viele Fürsten, insbesondere der König von Preußen und der Kaiser von Österreich, die Nationalversammlung Verhandlungspartner anerkannten.
Wie viele demokratische Abgeordnete war Raveaux unbedingter Anhänger des Mehrheitsprinzips, dem sich die Minderheit zu unterwerfen habe. Diese Haltung vertrat er auch gegen Gesinnungsgenossen, die Niederlagen nicht akzeptieren wollten: „Ich halte gerade den für den freisinnigsten Mann, der seine individuelle Ansicht der Mehrheit unterwirft.“13 Im demokratischen Lager bildeten Raveaux, der Trierer Ludwig Simon und der Düsseldorfer Hugo Wesendonck das „rheinische Triumvirat“. Von der Mehrheit der revolutionären Opposition unterschied es sich in seiner Distanz zur hegelianischen Geschichtsteleologie, in seiner Frankophilie sowie in seiner Prägung durch den pragmatischen Geist des rheinischen Katholizismus. Raveaux‚ Schwerpunkt in der Paulskirche lag aber nicht auf systematischer Arbeit in Plenum und Ausschüssen – für einen Politiker seiner Prominenz und rhetorischen Begabung ergriff er selten das Wort. Ein Grund waren seine vielen Reisen im Dienste der Revolution: im Frühsommer mit Carl Alexander Spatz und Robert Blum, um den Rhein wieder für Dampfschiffe zu öffnen, im Juli zur „Einholung“ des Reichsverwesers nach Wien. Unterwegs machte die Delegation immer wieder Station, und Raveaux begeisterte mit seinen Reden die Massen. Als er nach kurzer Krankheit aus Wien nach Köln zurückkehrte, wurde er „in einer sonst nur beim Empfang des Königs üblichen Weise begrüßt“, im September feierlich als Gesandter der revolutionären Regierung in Bern empfangen, wo er bis Ende November blieb. Er gehörte auch zu der Delegation, die im März 1849 Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot. Trotz seines häufigen Fehlens gab er entscheidende Impulse: für die Permanenz des Vorparlaments oder mit dem „Raveaux‚schen Antrag“ – immer ging es darum, das revolutionäre Momentum nicht zu verlieren und schnell Weichen zu stellen. Ein weiteren klugen, aber nicht mehrheitsfähigen Vorschlag machte er in der Endphase der Verfassungsberatungen: den preußischen König nur für sechs Jahre zum Kaiser zu wählen. Und nachdem dieser die Krone abgelehnt hatte, rief Raveaux die Nationalversammlung erneut zu größter Eile, nun zur militanten Verteidigung der Verfassung auf: „Wir müssen bewaffnen, Militär und Bürgerwehr vereiden, kurz – Revolution machen“, rief er am 26.4.1849 unter Bravorufen in die Paulskirche. „Wenn wir nicht revoltiren, so handeln wir gegen unser Mandat.“ „Auf die Reichsverfassung uns stützend“, müsse man sich „gegen die bestehenden Gewalten, die uns niederdrücken wollen, auflehnen“ und „alle Mittel, die uns zu Gebote stehen, benutzen, um den Feind niederzuschmettern“.14
Diesen martialischen Worten folgten Taten: noch im April ließ Raveaux sich zum Vorsitzenden des „Ausschusses zur Durchführung der Reichsverfassung“ wählen, am 6. Mai publizierte er zusammen mit Julius Fröbel einen flammenden Aufruf „An das Deutsche Heer“ und „An das Deutsche Volk“: „Die Stunde ist gekommen, da es sich entscheiden wird, ob Deutschland frei und stark, oder geknechtet und verachtet sein soll.“15 Auch nach dem Befehl der Regierung, die preußischen Abgeordneten müssten ihre Mandate niederlegen, blieb Raveaux – wie alle Demokraten. Aber es hielt ihn nicht mehr in der Paulskirche, sondern er stellte sich der badischen Revolutionsregierung zur Verfügung. Nachdem der Reichsverweser Johann von Österreich sich nicht an die Spitze der Reichsverfassungskampagne stellen wollte, wählte die Nationalversammlung am 6. Juni 1849 eine revolutionäre Reichsregentschaft, zu der Franz Raveaux (zusammen mit Carl Vogt, Heinrich Simon und zwei weiteren Demokraten) gehörte und die den badisch-pfälzischen Aufstand politisch führte. Nach diversen Niederlagen der Revolutionstruppen gegen die preußische Armee floh die Reichsregentschaft Ende Juni – mit sieben Aktenkisten der Nationalversammlung – in die Schweiz.
Zunächst fand Franz Raveaux mit anderen prominenten Achtundvierzigern (wie Itzstein, Heinrich und Ludwig Simon, Wilhelm Löwe, Johann Jacoby u.a.) Zuflucht in Thierachern, fünf Kilometer westlich von Thun (Kanton Bern), im Herrenhaus Mühlematt, das dem demokratischen Arzt Johann Karlen gehörte, der 1846-53 Abgeordneter im Großrat (Parlament) des Kantons Bern und 1848-50 im Schweizer Nationalrat war. Die Flüchtlinge erholten sich dort – einem Bonmot von Raveaux zufolge – „zwischen Thun und Nichtsthun“ von den Strapazen des „tollen Jahres“ 1848/49 und ihrer Flucht und versuchten weiter für die im Sommer 1849 noch keineswegs besiegte europäische Revolution zu arbeiten. U.a. engagierten sich Raveaux und andere in „Unterstützungskomitees“, die Spenden aus den deutschen Staaten an die Flüchtlinge verteilten. Am 16./17. Oktober 1849 fand in Thierachern eine Konferenz der Reichsregentschaft und demokratischer Paulskirchenabgeordneter statt, um Rechenschaft über die eingegangenen Spenden abzulegen. Den emigrierten Abgeordneten, sollten ihre Diäten in reduziertem Umfang weiterbezahlt werden, um sicherzustellen, dass sie beim erwarteten Wiederaufflammen der Revolution sofort mit vollem Einsatz zur Verfügung stünden. An einen kleinen Kreis, zu dem auch Raveaux gehörte, konnten solche Zahlungen mindestens bis Frühjahr 1851 fortgesetzt werden, die bei bescheidenen Ansprüchen den Lebensunterhalt sicherten. Die Berichte vom Treffen in Thierachern vermitteln den Eindruck eines „äußerst frohe[n] belebte[n] Zirkel[s]“, der optimistisch Aktionen für die kurze Zeit bis zur nächsten Revolution plante.16
Ende 1849 wies die Schweiz Raveaux wie die meisten Flüchtlinge aus der Schweiz aus und gab dem Druck ihrer Nachbarstaaten Österreich, Frankreich und Preußen (zu dem noch der Kanton Neuenburg gehörte), aber auch einer fremdenfeindlichen Bevölkerung stand. In den zwei Jahren bis zu seinem frühen Tod zog Raveaux zusammen mit seiner Ehefrau auf der Suche nach Asyl durch Westeuropa, lebte jeweils unter prekären Verhältnissen bis zur nächsten Ausweisung einige Monate in Straßburg, Pau, Nancy und Brüssel. In mehreren Aufsätzen für die wichtigste demokratische Exilzeitschrift „Deutsche Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und Leben“ verarbeitete er Revolution und Niederlage, warnte vor Illusionen in Frankreich und warb für eine europaweite Zusammenarbeit der Demokraten. Hierzu, aber auch zur Agitation der deutschen Bevölkerung sollte die Londoner Weltausstellung 1851 genutzt werden. Nicht nur, dass sie in London viele deutsche Bürger außerhalb der Reichweite von Zensur und Polizei erreichen konnten, beflügelte die Emigranten, sondern auch ihr Glaube, daß eine „Völkerwanderung“, wie sie anlässlich der Weltausstellung stattfinde, in „letzter Consequenz“ zur „Weltverbrüderung“ führen müsse, da „der Handel und die Maschine alle nationalen Besonderheiten niederschmettern, die Gedanken aus einem Weltteil in den anderen hinüberführen und jeden Fortschritt schnell allgemein machen“. Eine Gruppe um Franz Raveaux, Wilhelm Löwe, Carl Mayer, Ludwig Simon und Carl Vogt plante eine „regelmäßig erscheinende [...] deutsch-englische Revue, die in Form und Gestalt der jetzigen Monatsschrift ähnlich wäre“. Wie diese sollte die „Revue“ einerseits der Verständigung innerhalb der Opposition dienen und andererseits englische Leser überzeugen, „daß in Deutschland eine freie Entwicklung unter einer constitutionellen Monarchie [...] unmöglich sei, daß vielmehr alle Bedingungen mit Nothwendigkeit auf die demokratische Föderativrepublik hindrängten u[nd] daß es Englands Interesse und Beruf sei, diese Umbildung so viel als möglich zu begünstigen.“ Das Ergebnis war „Der Kosmos“, eine „Deutsche Zeitung aus London“, von der im Mai und Juni 1851 jedoch nur drei Ausgaben erschienen. Dieses Projekt stand in Konkurrenz zu Plänen des ebenfalls Londoner „Zentralkomitees der Europäischen Demokratie“ um Giuseppe Mazzini und Lajos Kossuth, das einen Putsch plante, dafür großspurig warb und Geld sammelte. Raveaux kritisierte Anfang 1850 „die Schreier in London“, die „im Vaterlande die Begriffe über die Gesinnung der deutschen Emigration“ verwirrten. Wolle man den „Einfluß auf die Gestaltung der Zukunft“ nicht verlieren, so müsse man sich „von Phantasten und Abenteurern lossagen“.17
Dass Franz Raveaux mit nur 41 Jahren starb, wurde von seinen Genossen auf Enttäuschung, Entwurzelung und Perspektivlosigkeit zurückgeführt. Ludwig Simon sah in dem Magenleiden, dem er im Herbst 1850 beinahe erlegen wäre, Parallelen zum Misserfolg der Revolution, nämlich eine „Revolution der Materie“ gegen die „Dictatur“ der „Seele über den Körper“.18 Raveaux starb am 13. September 1851 in Laeken, einem Dorf, das heute zu Brüssel gehört. Zwei Monate zuvor hatte ihn der Kölner Assisenhof in Abwesenheit zum Tode verurteilt und symbolisch auf dem Altermarkt hinrichten lassen. Der schon schwerkranke Raveaux meinte dazu: „Kopfweh kann ich nicht mehr bekommen, seit ich geköpft wurde, was mich übrigens wenig genirt“.19
Zum Weiterlesen (außer den in den Fußnoten genannten Titeln):
Hans-Jürgen Apel: Die „Revolte“ der Tertia des Kölnischen Gymnasiums im August 1824. Ein Fallbeispiel zur Erhellung der Schulwirklichkeit im Gymnasium des Vormärz, in: Geschichte in Köln 12 (1982), S. 51-75
Hans v. Greyerz: Franz Raveaux in den Jahren 1848 bis 1851, in: Werner Näf (Hg.): Deutschland und die Schweiz in ihren kulturellen und politischen Beziehungen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bern 1936, S. 145-192.
Klaus Schmidt: Franz Raveaux. Karnevalist und Pionier des demokratischen Aufbruchs in Deutschland. Köln 2001
Klaus Schmidt: Hanswurst wird frech, https://www.zeit.de/2010/07/A-Raveaux
Marcel Seyppel: Franz Raveaux, in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 11. Köln 1988, S. 125-148.
1 Maximilian Karl Friedrich Wilhelm Grävell, Abgeordneter der Nationalversammlung zunächst in einer liberalen, dann in einer konservativen Fraktion.
2 Tadeusz Kościuszko führte 1794 den polnischen Aufstand gegen Russland, Preußen und Österreich an und gilt in Polen bis heute als Nationalheld.
3 Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen konstituierenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, hrsg. von Franz Wigard, Bd. VIII, Frankfurt 1849, S. 6319ff.
4 Dieser Essay basiert maßgeblich auf den jahrzehntelangen, akribischen Forschungen Jörg Hallerbachs, dem ich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit 2001-2010 danke, vor allem „Franz Raveaux (1810-1851). Ein Leben für die Freiheit. Studien im biografischen Umfeld eines rheinischen Revolutionärs“ (= Geschichte im Kreis Euskirchen, 24 (2010)). Leider ist er am 19.12.2013 auf der Suche nach seltenen Orchideen auf dem Teide (Teneriffa) tödlich verunglückt.
5 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 247-71.
6 Franz Raveaux: Die Ahr. Köln 1844 = erweiterte Fassung einer Artikelserie in der Kölnischen Zeitung im Herbst 1844; die Sozialisten Karl Marx und Karl Grün beschäftigten sich ebenfalls mit dem Elend der Winzer.
7 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 53-63; ebd. S. 65-75 auch das 92strophige Satiregedicht.
8 Wilhelm Walter: Der Carneval in Köln von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1873, Köln 1873, S. 91f.; vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 124; ebd., S. 117-132 weitere interessante Details.
9 Zitate aus Jürgen Herres: Köln in preußischer Zeit 1815-1871, Köln 2012, S. 205 und 218.
10 Vgl. dazu Christian Jansen: Einheit, Macht und Freiheit. Die Paulskirchenlinke und die deutsche Politik in der nachrevolutionären Epoche (1849-1867), Düsseldorf²2005, S. 49-54 und 124-130.
11 Die Darstellung folgt Herres: Köln, S. 239-243.
12 Hugo Wesendonck: Erinnerungen aus dem Jahre 1848, New York 1898, S. 3. Vgl. Herres: Köln, S. 256f.
13 Zit. nach Herres: Köln, S. 263.
14 Karl Wippermann in: Allgemeine Deutsche Biografie, Bd. 27, Leipzig 1888, S. 467; Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen Nationalversammlung, Bd. 8, Frankfurt/M. 1849, S. 6320.
15 Zit. nach Hallerbach: Franz Raveaux, S. 217.
16 Vgl. dazu mit weiteren Nachweisen Jansen: Einheit, Macht und Freiheit, S. 108-117.
17 Vgl. mit Nachweisen ebd., S. 183f. Raveaux an Carl Mayer 28.1.1850, in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 329f.
18 Ludwig Simon: Aus dem Exil, 1855, Bd. II, S. 7ff. Weitere Fälle Jansen, Einheit, Macht und Freiheit, S. 83f.
19 Raveaux an Carl Mayer o.D., in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 335.
Die Bürgermeisterwahl zu Blankenheim. Oder Erzeugnisse eines humoristischen Katzenjammers, Neuwied 1842.
Die Kölner Ereignisse vom 3. und 4. August nebst ihren Folgen, Mannheim 1846.
Rückblicke und Erlebnisse von Franz Raveaux. Die Offenburgerversammlung am 13. Mai 1849, in: Deutsche Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und Leben (Jahrgang 1, Heft 1), Stuttgart 1850, S. 105–115.
Mittheilungen über die Badische Revolution, Frankfurt am Main 1850.
Hallerbach, Jörg: Franz Raveaux. 1810–1851. Ein Leben für die Freiheit, Euskirchen 2010.
Klaus, Schmidt: Franz Raveaux. Karnevalist und Pionier des demokratischen Aufbruchs in Deutschland, Köln 2001.
Thomann, Björn, Franz Raveaux, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-raveaux/DE-2086/lido/57cd1c7fe3fad9.55382410
FRANZ RAVEAUX
Abb.: Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Grafiksammlung, PORT_00070205_01.
Franz Raveaux zeichnete sich zeit seines Lebens durch seine ungestüme, das Risiko nicht scheuende Art aus. Als Sohn eines französischen Revolutionssoldaten wurde der 1810 in Köln geborene Raveaux nach republikanischen Idealen erzogen, die er regelmäßig in rebellischem Verhalten kanalisierte. Sowohl seine schulische Bildung als auch sein versuchter Eintritt in das preußische Militär endeten aufgrund erheblicher Konflikte mit seinen Mitschülern und Vorgesetzten vorzeitig. Um einer drohenden Disziplinarstrafe zu entgehen, desertierte er 1830 und schloss sich der Belgischen Revolution an. Von hier aus ging er nach Paris und schloss sich der französischen Fremdenlegion an, für die er in Spanien kämpfte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1836 versuchte er sich mit wechselndem Erfolg als Geschäftsmann in verschiedenen Branchen, bis er sich 1843 in Köln als Tabakhändler etablierte. In den Jahren bis zur Märzrevolution erreichte er als obrigkeitskritischer, mit beißendem Humor ausgestatteter Karnevalist eine erhebliche Popularität. Als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung blieb er insbesondere durch den nach ihm benannten Antrag in Erinnerung, laut dem – in Widerspruch zur Haltung der preußischen Regierung – eine gleichzeitige Zugehörigkeit zur Frankfurter und zur Preußischen Nationalversammlung möglich sein sollte. 1849 nahm er am Badischen Aufstand teil, nach dessen Scheitern er ins Exil floh. Franz Raveaux überlebte die Märzrevolution nur um zwei Jahre und starb bereits 1851 im belgischen Exil an Tuberkulose.
Franz Raveaux wurde am 29. April 1810 als Sohn eines französischen Revolutionssoldaten und einer Kölnerin geboren.
Mit 14 Jahren wurde er von der Schule verwiesen, da er in eine Schlägerei mit einer Gruppe Kölner Handwerksgesellen verwickelt war. Zeitgenössische Dokumente sprechen von einer abgefeuerten Schlüsselbüchse.
Franz Raveaux trat in die preußische Armee ein, wo er abermals Probleme mit der „Subordination” zeigte.
Im Anschluss an ein Duell mit einem Vorgesetzten floh Raveaux nach Belgien, um sich einer drohenden Bestrafung zu entziehen. Er schloss sich der Belgischen Revolution an.
Raveaux ging nach Frankreich, um sich dort der Fremdenlegion anzuschließen. Er nahm für diese 1835 am Karlistenkrieg in Spanien teil.
Im Jahr 1836 kehrte Raveaux nach Deutschland zurück und versuchte sich an verschiedenen Orten als letztlich erfolgloser Geschäftsmann.
Er eröffnete einen Tabakhandel in Köln, der ihn bald zu Wohlstand brachte. Hierdurch verfügte er über umso mehr Zeit, sich am politischen Leben seiner Stadt und am politischen Karneval zu beteiligen.
Bei einer Kölner Kirmes kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen den Bürgern und den preußischen Ordnungshütern. Raveaux publizierte hierüber einen umfassenden, vielbeachteten Bericht.
Raveaux wurde in die Nationalversammlung gewählt und stellte dort den nach ihm benannten „Raveauxschen Antrag”, der sich für die Möglichkeit einer doppelten Parlamentszugehörigkeit aussprach.
Er beteiligte sich an der Badischen Revolution und floh danach ins Exil. Aus der Schweiz ausgewiesen, zog es ihn erneut nach Frankreich und schließlich nach Belgien.
Franz Raveaux starb am 13. September 1851 in Laeken an Tuberkulose.
Christian Jansen
Franz Raveaux gehörte zu den einflussreichsten und prominentesten achtundvierziger Demokrat*innen. Heute kennen ihn nur Insider. In den 1980er Jahren war es vorübergehend anders, aber im jüngsten Jubiläumsjahr der Revolutionen war er wieder dem öffentlichen Interesse entschwunden. Dabei war er im „tollen Jahr“ 1848/49 ein Popstar wie Robert Blum. Seine Popularität und sein Charisma hingen mit seinem Engagement im Karneval zusammen, den er 1844 revolutionierte. Weiterlesen
Francois Raveaux wurde am 29.4.1810 in der Kölner Südstadt in ein freiheitlich-republikanisches Elternhaus geboren und dort politisiert. Sein Vater Pierrre (1776-1851) war 1794 mit der Revolutionsarmee ins Rheinland gekommen und arbeitete bis zu seiner Pensionierung (1841) an verschiedenen Standorten für die französische, später für die preußische Armee als Magazin- und Fourageverwalter, kümmerte sich also um die Ausrüstung der Truppen sowie um ihre Pferde. Er hatte in Bonn Anne Marie Maaß kennengelernt und 1797 geheiratet. Beide bekamen sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten: Francois, seine Schwestern Therese und Marie und sein Bruder Ludwig, der in der Wiener Revolution 1848 eine wichtige Rolle spielte.1 Konflikte des mit den Idealen der französischen Revolution sozialisierten Franz, wie er seit dem Abzug der Franzosen hieß, mit dem preußischen Obrigkeitsstaat, dem das Rheinland beim Länderschacher auf dem Wiener Kongress (1815) zugesprochen wurde, waren zu erwarten. Mit vielen Mitschülern rebellierte er aus einer Mischung aus pubertärer Aufsässigkeit und antipreußischen Ressentiments gegen seinen Schulleiter Karl Friedrich August Grashoff, dem die Erziehung zu Untertanen mindestens so wichtig war wie Bildung. Kurz vor dem mittleren Schulabschluss flog Raveaux von der Schule, weil er hatte zusammen mit Kameraden bei der Verteidigung eines Badeplatzes am Rhein mit einer selbstgebastelten Pistole auf Soldaten geschossen hatte. Anschließend besuchte er zwei Jahre eine Handelsschule. 1825 ging er an die Düsseldorfer Malerakademie, kehrte aber schon zu Weihnachten erfolglos nach Hause zurück und studierte in den folgenden Jahren – 1829 war er Mitglied der demokratisch-nationalistischen Alten Burschenschaft in Jena. Er brach sein Studium ab, um seinen Wehrdienst bei den Dragonern, einer Reitertruppe, zu leisten. Nach einem Duell entzog er sich 1830 der kriegsgerichtlichen Bestrafung, desertierte und floh ins nahe Belgien, wo er just während der Revolution eintraf und für die Unabhängigkeit kämpfte. 1833 schloss er sich belgischen Hilfstruppen für die Liberalen im spanischen Carlistenkrieg an. Neben Abenteuerlust ging es Raveaux bei diesen internationalen Kampfeinsätzen um die Werte der französischen Revolution und die Menschen- und Bürgerrechte, die immer seine politischen Leitsterne blieben. Zugleich bekämpfte er in Belgien, Spanien und später in seiner rheinischen Heimat einen reaktionären Katholizismus, den er als gefährlichsten Gegner einer liberalen Gesellschaft begriff.
Von liberaler Seite hochdekoriert, von den Carlisten monatelang eingesperrt, entkam er 1835 aus Spanien. Über die Schweiz wanderte er zurück nach Köln, verbüßte eine Arreststrafe wegen seiner Desertion und heiratete 1837 Brigitte Neukirchen, das zehnte Kind eines 1821 verstorbenen Porzellanhändlers aus Deutz. Um seine künftige Familie zu ernähren, gründete Raveaux verschiedene, nicht immer erfolgreiche Unternehmen, war außerdem journalistisch und publizistisch tätig. 1839 erwarb er für sich und seine Frau in Blankenheim in der Eifel ein Doppelhaus. Das ehemalige Residenzstädtchen prosperierte als Zwischenstation für Geschäftsreisende und dank erster Eifeltouristen. Aber das Umland an der Ahr und in der Eifel litt unter der großen ökonomischen Transformation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch den Anschluss an Preußen verloren die Winzer an der Ahr, deren Lage Raveaux eingehend untersucht hat,2 ihre Märkte in Belgien und Ostfrankreich; der Zollverein öffnete die preußischen Märkte auch noch für billigere süddeutsche Weine. Dass er die Not der Winzerfamilien so gut kannte, lag daran, dass Raveaux Auswanderungswilligen Schiffspassagen in die „Neue Welt“ verkaufte. Da die Behörden diese Maklertätigkeit unterbanden – die Förderung der Auswanderung galt ihnen als Schwächung Preußens, aber auch wegen Konflikten mit den lokalen Honoratioren verließ Raveaux bereits 1843 die Eifel wieder. Er hatte sich weiter als Demokrat und Republikaner gegen den preußischen Obrigkeitsstaat engagiert – am öffentlichkeitswirksamsten mit einer Satire „Der Bürgermeister zu Blankenheim (zu Deutsch Krähwinkel) oder Erzeugnisse eines humoristischen Katzenjammers“ (Neuwied 1842). Danach musste er seine „Schnittewaarenhandlung“, ein Modegeschäft, 1843 schließen.3
Zurück in Köln gelangte Raveaux als Tabakhändler und Zigarrenfabrikant schnell zu Wohlstand, so dass er sich noch vor 1848 aus den Geschäften zurückziehen und mit nicht einmal 40 Jahren ganz der Politik widmen konnte. Gesellschaftlich engagierte sich in der Karnevalsgesellschaft und legte sich mit dem „kölschen Klüngel“ – den Honoratioren – an und wollte das Vereinsleben demokratisieren. Raveaux war ein begeisternder Redner, der vor allem mit seinen Büttenreden sein Charisma steigerte. Seit der Erfindung des Rosenmontagszugs (1823) war der Kölner Karneval ein wirtschaftlich bedeutendes und gesellschaftlich einflussreiches Großereignis. Vor diesem Hintergrund stritten Raveaux und weitere Aktivisten mit dem Establishment der „Großen Karnevalsgesellschaft“ über Inszenierung und Formen des Straßen- und Sitzungskarneval und um die Öffnung für die ganze Stadtbevölkerung. Insbesondere wandten sie sich gegen jegliche (Selbst)Zensur und politisierten den Karneval im Sinne der demokratischen und nationalistischen Opposition. Ein Historiker des Kölner Karnevals charakterisierte Raveaux 1873:
„Dem Körper nach hager und groß, an Geist kräftig, mehr ernsten als heiteren Sinnes und doch voll unverwüstlichen Humors, ehrgeizig unter dem Schein eines gemüthlichen Sichgehenlassens, [...] begabt mit erstaunlichem Scharfblick und selbst schwierige Aufgaben leicht lösend, dabei ein Autodidact in des Wortes voller Bedeutung – so war der Mann, dessen Einfluß auf unseren Carneval [...] zu hoher Bedeutung gelangen sollte – der auf der Hochstraße [Hohe Straße] wohnende Cigarrenhändler Franz Raveaux. Dieser [...] trat mit größter Entschiedenheit gegen die damaligen Leiter des Festes auf, indem er sie der Klüngelei, des Despotismus und der Bevorzugung Reicher beschuldigte, ihnen den Vorwurf ins Gesicht schleuderte, sie hätten den Carneval zum unvolksthümlichsten aller dem ähnlichen Institute gemacht.“4
Raveaux gründete 1844 die demokratische Allgemeine Carnevals-Gesellschaft und warb mit einem niedrigen Mitgliedsbeitrag erfolgreich um Massenanhang. Bereits 1844/45 hatte sie mit tausend Mitgliedern mehr als doppelt so viele wie „Große“. Sie wollte statt „unschuldiger Zeitverspottungen“ „die Verkehrtheiten der Zeit, querstehende Erscheinungen des öffentlichen Lebens, insbesondere aus dem Gebiet der Politik, und namentlich der vaterländischen Politik“ aufspießen. Raveaux‚ Neugründung revolutionierte nicht nur den Kölner Karneval, sondern bereitete auch „1848/49“ vor.
Seit 1844 wählten die Kölner Raveaux in verschiedene Ämter, unter anderem 1846 bei den ersten Kommunalwahlen fast einstimmig zum Stadtverordneten. Er sei der „Held des Tages“, schrieben die Zeitungen nach dieser ersten Wahl Raveaux‚ in ein Parlament: „Sein Bildniß wird in allen Läden verkauft und hängt in jedem Bürgerhause.“5 Diese mediale Aufmerksamkeit machte ihn über das Rheinland hinaus bekannt. Der wichtigste Organisator der vormärzlichen Opposition, der badische Demokrat Johann Adam Itzstein lud ihn zu seinen regelmäßigen Vernetzungstreffen auf Gut Hallgarten im Rheingau; Raveaux nahm auch an den legendären politischen Versammlungen in Offenburg im September und in Heppenheim im Oktober 1847 teil, die den demokratischen bzw. liberalen Forderungskatalog beschlossen, die ab März 1848 die politische Agenda setzten.
Soziologisch lässt sich Raveaux in der „marginalisierten Intelligenz“ verorten, die zwar ein Leben nach bürgerlichen Maßstäben führte, aber bereit war, ihre bürgerliche Sicherheit für ihre Überzeugungen zu gefährden. Zu dieser Gruppe gehörten die meisten heute gefeierten Achtundvierziger wie Robert Blum, Julius Fröbel, Moritz Hartmann, Johann Georg Kapp, Georg Friedrich Kolb, Arnold Ruge, Wilhelm Schulz-Bodmer, Heinrich Simon, Ludwig Uhland, Jakob Venedey oder Wilhelm Wolff. Die meisten mussten nach der Revolution emigrieren. Darauf waren sie besser vorbereitet als andere Achtundvierziger: gut gebildet, an unsichere Einkommens- und Lebensverhältnisse gewöhnt und mit Kontakten und Sprachkenntnissen aus früheren Auslandserfahrungen.6
In Köln begann die Revolution am 3. März – mitten im Karneval – mit einem feierlichen Prozessionszug von bis zu 5.000 Menschen aus den Unterschichten unter Führung des Armenarztes Andreas Gottschalk und anderer Mitglieder des „Bundes der Kommunisten“. Sie überbrachten den im Rathaus versammelten Stadtverordneten „Forderungen des Volkes“, die über das demokratische Programm hinausreichten und neben der politischen auch eine soziale Revolution verlangten, etwa „Schutz der Arbeit und Sicherstellung der menschlichen Bedürfnisse für alle“ sowie „vollständige Erziehung aller Kinder auf öffentliche Kosten“. Auch die beiden demokratischen Stadtverordneten Raveaux und Carl D’Ester reagierten verhalten.7 Das Militär beendete die Demonstration, die ein Dilemma der bürgerlichen Opposition verdeutlichte: sie brauchten zwar den Druck der Unterschichten, um politische Reformen auf den Weg zu bringen, standen aber deren radikalen sozialen Forderungen verständnislos bis ablehnend gegenüber. Als der Düsseldorfer Demokrat Hugo Wesendonck zu Beratungen über das weitere Vorgehen nach Köln kam, sagt ihm Raveaux angeblich „mit seiner heiseren Grabesstimme“: „Die Leute wollen keine Revolution.“ Ein „Petitions-Sturm“ sollte Veränderungen bringen. Rund sechzig Massenpetitionen aus dem Rheinland verlangten durchgreifende Reformen. Raveaux reiste mit einer Delegation des Kölner Stadtrats nach Berlin, um ausgerechnet am 18. März 1848 König Friedrich Wilhelm IV. eine Petition zu übergeben, die drohte, die Rheinprovinz werde sich von Preußen lösen, falls die Regierung sich den Wünschen der Nation nach Reformen und Auflösung des Deutschen Bundes weiter widersetze.8 Geschockt erlebte Raveaux anschließend vor dem Schloss die Schüsse auf friedliche Demonstranten, die die Revolution eskalierten. Solche Erfahrungen wie auch das demokratische Ideal der Volksbewaffnung (anstelle der Fürstenheere) führten allerorten zur Gründung von Bürgerwehren. Der militärisch erfahrene Raveaux gehörte zu den Organisatoren der Kölner Bürgerwehr und leitete die 2. Kompanie.
Ende März sandten die Kölner Bürger Raveaux ins Vorparlament und wählten ihn im Mai als Abgeordneten in die Deutsche Nationalversammlung. Raveaux war einer der erfahrensten und wichtigsten Politiker der demokratischen Minderheit in der Paulskirche, als pragmatischer und undogmatischer Realist agierte er realpolitisch und war lagerübergreifend vernetzt, so dass er oft vermitteln konnte. Zunächst schloss er sich dem demokratischen Deutschen Hof an, gründete aber bald die linksliberale Fraktion Württemberger Hof, und da diese im zu gemäßigt war, im August 1848 mit Heinrich Simon die demokratisch-republikanische Westendhall, die Unzufriedene aus Deutschem und Württemberger Hof vereinte und die eine wichtige Rolle bei der Suche nach Mehrheiten spielte. Demokratische Spötter nannte die Fraktion Westendhall die „Linke im Frack“, um sich über ihren bürgerlichen Habitus und die Suche nach Verständigung mit der liberalen Mehrheit zu mokieren. Raveaux drängte in der Nationalversammlung von Anfang an zur Eile, das Momentum der Revolution zu nutzen und schnell eine Reichsverfassung zu verabschieden. Gleich zu Beginn profilierte er sich mit einem als Raveaux’scher Antrag bekannten Vorstoß. Unter Berufung auf die Volkssouveränität ging es um den Vorrang der Beschlüsse der Nationalversammlung vor den Beschlüssen einzelstaatlicher Parlamente und Regierungen. Prominente Redner der liberalen Mehrheit vertraten hingegen das Vereinbarungsprinzip: die künftige Ordnung sei mit den Fürsten auszuhandeln. Die Frage, wie die Nationalversammlung ihre Beschlüsse durchsetzen könne, blieb das ungelöste Dilemma der Revolution und des Anspruchs auf Volkssouveränität. Das liberale Vereinbarungsprinzip war aber auch keine Lösung, da viele Fürsten, insbesondere der König von Preußen und der Kaiser von Österreich, die Nationalversammlung Verhandlungspartner anerkannten.
Wie viele demokratische Abgeordnete war Raveaux unbedingter Anhänger des Mehrheitsprinzips, dem sich die Minderheit zu unterwerfen habe. Diese Haltung vertrat er auch gegen Gesinnungsgenossen, die Niederlagen nicht akzeptieren wollten: „Ich halte gerade den für den freisinnigsten Mann, der seine individuelle Ansicht der Mehrheit unterwirft.“9 Im demokratischen Lager bildeten Raveaux, der Trierer Ludwig Simon und der Düsseldorfer Hugo Wesendonck das „rheinische Triumvirat“. Von der Mehrheit der revolutionären Opposition unterschied es sich in seiner Distanz zur hegelianischen Geschichtsteleologie, in seiner Frankophilie sowie in seiner Prägung durch den pragmatischen Geist des rheinischen Katholizismus. Raveaux‚ Schwerpunkt in der Paulskirche lag aber nicht auf systematischer Arbeit in Plenum und Ausschüssen – für einen Politiker seiner Prominenz und rhetorischen Begabung ergriff er selten das Wort. Ein Grund waren seine vielen Reisen im Dienste der Revolution: im Frühsommer mit Carl Alexander Spatz und Robert Blum, um den Rhein wieder für Dampfschiffe zu öffnen, im Juli zur „Einholung“ des Reichsverwesers nach Wien. Unterwegs machte die Delegation immer wieder Station, und Raveaux begeisterte mit seinen Reden die Massen. Als er nach kurzer Krankheit aus Wien nach Köln zurückkehrte, wurde er „in einer sonst nur beim Empfang des Königs üblichen Weise begrüßt“, im September feierlich als Gesandter der revolutionären Regierung in Bern empfangen, wo er bis Ende November blieb. Er gehörte auch zu der Delegation, die im März 1849 Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot. Trotz seines häufigen Fehlens gab er entscheidende Impulse: für die Permanenz des Vorparlaments oder mit dem „Raveaux‚schen Antrag“ – immer ging es darum, das revolutionäre Momentum nicht zu verlieren und schnell Weichen zu stellen. Ein weiteren klugen, aber nicht mehrheitsfähigen Vorschlag machte er in der Endphase der Verfassungsberatungen: den preußischen König nur für sechs Jahre zum Kaiser zu wählen. Und nachdem dieser die Krone abgelehnt hatte, rief Raveaux die Nationalversammlung erneut zu größter Eile, nun zur militanten Verteidigung der Verfassung auf: „Wir müssen bewaffnen, Militär und Bürgerwehr vereiden, kurz – Revolution machen“, rief er am 26.4.1849 unter Bravorufen in die Paulskirche. „Wenn wir nicht revoltiren, so handeln wir gegen unser Mandat.“ „Auf die Reichsverfassung uns stützend“, müsse man sich „gegen die bestehenden Gewalten, die uns niederdrücken wollen, auflehnen“ und „alle Mittel, die uns zu Gebote stehen, benutzen, um den Feind niederzuschmettern“.10
Diesen martialischen Worten folgten Taten: noch im April ließ Raveaux sich zum Vorsitzenden des „Ausschusses zur Durchführung der Reichsverfassung“ wählen, am 6. Mai publizierte er zusammen mit Julius Fröbel einen flammenden Aufruf „An das Deutsche Heer“ und „An das Deutsche Volk“: „Die Stunde ist gekommen, da es sich entscheiden wird, ob Deutschland frei und stark, oder geknechtet und verachtet sein soll.“11 Auch nach dem Befehl der Regierung, die preußischen Abgeordneten müssten ihre Mandate niederlegen, blieb Raveaux – wie alle Demokraten. Aber es hielt ihn nicht mehr in der Paulskirche, sondern er stellte sich der badischen Revolutionsregierung zur Verfügung. Nachdem der Reichsverweser Johann von Österreich sich nicht an die Spitze der Reichsverfassungskampagne stellen wollte, wählte die Nationalversammlung am 6. Juni 1849 eine revolutionäre Reichsregentschaft, zu der Franz Raveaux (zusammen mit Carl Vogt, Heinrich Simon und zwei weiteren Demokraten) gehörte und die den badisch-pfälzischen Aufstand politisch führte. Nach diversen Niederlagen der Revolutionstruppen gegen die preußische Armee floh die Reichsregentschaft Ende Juni – mit sieben Aktenkisten der Nationalversammlung – in die Schweiz.
Zunächst fand Franz Raveaux mit anderen prominenten Achtundvierzigern (wie Itzstein, Heinrich und Ludwig Simon, Wilhelm Löwe, Johann Jacoby u.a.) Zuflucht in Thierachern, fünf Kilometer westlich von Thun (Kanton Bern), im Herrenhaus Mühlematt, das dem demokratischen Arzt Johann Karlen gehörte, der 1846-53 Abgeordneter im Großrat (Parlament) des Kantons Bern und 1848-50 im Schweizer Nationalrat war. Die Flüchtlinge erholten sich dort – einem Bonmot von Raveaux zufolge – „zwischen Thun und Nichtsthun“ von den Strapazen des „tollen Jahres“ 1848/49 und ihrer Flucht und versuchten weiter für die im Sommer 1849 noch keineswegs besiegte europäische Revolution zu arbeiten. U.a. engagierten sich Raveaux und andere in „Unterstützungskomitees“, die Spenden aus den deutschen Staaten an die Flüchtlinge verteilten. Am 16./17. Oktober 1849 fand in Thierachern eine Konferenz der Reichsregentschaft und demokratischer Paulskirchenabgeordneter statt, um Rechenschaft über die eingegangenen Spenden abzulegen. Den emigrierten Abgeordneten, sollten ihre Diäten in reduziertem Umfang weiterbezahlt werden, um sicherzustellen, dass sie beim erwarteten Wiederaufflammen der Revolution sofort mit vollem Einsatz zur Verfügung stünden. An einen kleinen Kreis, zu dem auch Raveaux gehörte, konnten solche Zahlungen mindestens bis Frühjahr 1851 fortgesetzt werden, die bei bescheidenen Ansprüchen den Lebensunterhalt sicherten. Die Berichte vom Treffen in Thierachern vermitteln den Eindruck eines „äußerst frohe[n] belebte[n] Zirkel[s]“, der optimistisch Aktionen für die kurze Zeit bis zur nächsten Revolution plante.12
Ende 1849 wies die Schweiz Raveaux wie die meisten Flüchtlinge aus der Schweiz aus und gab dem Druck ihrer Nachbarstaaten Österreich, Frankreich und Preußen (zu dem noch der Kanton Neuenburg gehörte), aber auch einer fremdenfeindlichen Bevölkerung stand. In den zwei Jahren bis zu seinem frühen Tod zog Raveaux zusammen mit seiner Ehefrau auf der Suche nach Asyl durch Westeuropa, lebte jeweils unter prekären Verhältnissen bis zur nächsten Ausweisung einige Monate in Straßburg, Pau, Nancy und Brüssel. In mehreren Aufsätzen für die wichtigste demokratische Exilzeitschrift „Deutsche Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und Leben“ verarbeitete er Revolution und Niederlage, warnte vor Illusionen in Frankreich und warb für eine europaweite Zusammenarbeit der Demokraten. Hierzu, aber auch zur Agitation der deutschen Bevölkerung sollte die Londoner Weltausstellung 1851 genutzt werden. Nicht nur, dass sie in London viele deutsche Bürger außerhalb der Reichweite von Zensur und Polizei erreichen konnten, beflügelte die Emigranten, sondern auch ihr Glaube, daß eine „Völkerwanderung“, wie sie anlässlich der Weltausstellung stattfinde, in „letzter Consequenz“ zur „Weltverbrüderung“ führen müsse, da „der Handel und die Maschine alle nationalen Besonderheiten niederschmettern, die Gedanken aus einem Weltteil in den anderen hinüberführen und jeden Fortschritt schnell allgemein machen“. Eine Gruppe um Franz Raveaux, Wilhelm Löwe, Carl Mayer, Ludwig Simon und Carl Vogt plante eine „regelmäßig erscheinende [...] deutsch-englische Revue, die in Form und Gestalt der jetzigen Monatsschrift ähnlich wäre“. Wie diese sollte die „Revue“ einerseits der Verständigung innerhalb der Opposition dienen und andererseits englische Leser überzeugen, „daß in Deutschland eine freie Entwicklung unter einer constitutionellen Monarchie [...] unmöglich sei, daß vielmehr alle Bedingungen mit Nothwendigkeit auf die demokratische Föderativrepublik hindrängten u[nd] daß es Englands Interesse und Beruf sei, diese Umbildung so viel als möglich zu begünstigen.“ Das Ergebnis war „Der Kosmos“, eine „Deutsche Zeitung aus London“, von der im Mai und Juni 1851 jedoch nur drei Ausgaben erschienen. Dieses Projekt stand in Konkurrenz zu Plänen des ebenfalls Londoner „Zentralkomitees der Europäischen Demokratie“ um Giuseppe Mazzini und Lajos Kossuth, das einen Putsch plante, dafür großspurig warb und Geld sammelte. Raveaux kritisierte Anfang 1850 „die Schreier in London“, die „im Vaterlande die Begriffe über die Gesinnung der deutschen Emigration“ verwirrten. Wolle man den „Einfluß auf die Gestaltung der Zukunft“ nicht verlieren, so müsse man sich „von Phantasten und Abenteurern lossagen“.13
Dass Franz Raveaux mit nur 41 Jahren starb, wurde von seinen Genossen auf Enttäuschung, Entwurzelung und Perspektivlosigkeit zurückgeführt. Ludwig Simon sah in dem Magenleiden, dem er im Herbst 1850 beinahe erlegen wäre, Parallelen zum Misserfolg der Revolution, nämlich eine „Revolution der Materie“ gegen die „Dictatur“ der „Seele über den Körper“.14 Raveaux starb am 13. September 1851 in Laeken, einem Dorf, das heute zu Brüssel gehört. Zwei Monate zuvor hatte ihn der Kölner Assisenhof in Abwesenheit zum Tode verurteilt und symbolisch auf dem Altermarkt hinrichten lassen. Der schon schwerkranke Raveaux meinte dazu: „Kopfweh kann ich nicht mehr bekommen, seit ich geköpft wurde, was mich übrigens wenig genirt“.15
Zum Weiterlesen (außer den in den Fußnoten genannten Titeln):
Hans-Jürgen Apel: Die „Revolte“ der Tertia des Kölnischen Gymnasiums im August 1824. Ein Fallbeispiel zur Erhellung der Schulwirklichkeit im Gymnasium des Vormärz, in: Geschichte in Köln 12 (1982), S. 51-75
Hans v. Greyerz: Franz Raveaux in den Jahren 1848 bis 1851, in: Werner Näf (Hg.): Deutschland und die Schweiz in ihren kulturellen und politischen Beziehungen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bern 1936, S. 145-192.
Klaus Schmidt: Franz Raveaux. Karnevalist und Pionier des demokratischen Aufbruchs in Deutschland. Köln 2001
Klaus Schmidt: Hanswurst wird frech, https://www.zeit.de/2010/07/A-Raveaux
Marcel Seyppel: Franz Raveaux, in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 11. Köln 1988, S. 125-148.
1 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 247-71.
2 Franz Raveaux: Die Ahr. Köln 1844 = erweiterte Fassung einer Artikelserie in der Kölnischen Zeitung im Herbst 1844; die Sozialisten Karl Marx und Karl Grün beschäftigten sich ebenfalls mit dem Elend der Winzer.
3 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 53-63; ebd. S. 65-75 auch das 92strophige Satiregedicht.
4 Wilhelm Walter: Der Carneval in Köln von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1873, Köln 1873, S. 91f.; vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 124; ebd., S. 117-132 weitere interessante Details.
5 Zitate aus Jürgen Herres: Köln in preußischer Zeit 1815-1871, Köln 2012, S. 205 und 218.
6 Vgl. dazu Christian Jansen: Einheit, Macht und Freiheit. Die Paulskirchenlinke und die deutsche Politik in der nachrevolutionären Epoche (1849-1867), Düsseldorf²2005, S. 49-54 und 124-130.
7 Die Darstellung folgt Herres: Köln, S. 239-243.
8 Hugo Wesendonck: Erinnerungen aus dem Jahre 1848, New York 1898, S. 3. Vgl. Herres: Köln, S. 256f.
9 Zit. nach Herres: Köln, S. 263.
10 Karl Wippermann in: Allgemeine Deutsche Biografie, Bd. 27, Leipzig 1888, S. 467; Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen Nationalversammlung, Bd. 8, Frankfurt/M. 1849, S. 6320.
11 Zit. nach Hallerbach: Franz Raveaux, S. 217.
12 Vgl. dazu mit weiteren Nachweisen Jansen: Einheit, Macht und Freiheit, S. 108-117.
13 Vgl. mit Nachweisen ebd., S. 183f. Raveaux an Carl Mayer 28.1.1850, in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 329f.
14 Ludwig Simon: Aus dem Exil, 1855, Bd. II, S. 7ff. Weitere Fälle Jansen, Einheit, Macht und Freiheit, S. 83f.
15 Raveaux an Carl Mayer o.D., in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 335.
„Ich begreife nicht, wie man es wagen kann, in einem so hochwichtigen Momente, wo vielleicht die Würfel über unser ganzes Vaterland fallen, eine Frage absichtlich verzögern zu wollen, bei der es nottut, dass sie augenblicklich zur Entscheidung gebracht werde. Meine Herren, die Tatsachen sind bekannt; wir haben nicht nötig, Zeugen zu vernehmen. Sogar dasjenige, was Herr Bassermann ausgesagt hat, ist zum Teil nicht offiziell; Privatmitteilungen dürfen aber nicht berücksichtigt werden. Sie können wohl auf Privatnachrichten Rücksicht nehmen, insofern sie Ihre individuelle Ansicht bestimmen; aber hier muss alles offiziell behandelt werden. Die offiziellen Tatsachen liegen sprechend vor uns. Berlin steht in diesem Augenblicke auf einem Vulkan; das wissen Sie alle. Ich bitte Sie, mich nicht zu unterbrechen. Es ist gleichgültig, welchen Beschluss Sie fassen; wenn er nur energisch ist, so mag er dieser oder jener Seite zugutekommen. Ganz Deutschland will wissen, was die Nationalversammlung in Frankfurt jetzt tut, und deshalb müssen wir so rasch als möglich zu einem Beschlusse kommen. Herr Bassermann hat selbst erklärt, eine Vermittlung sei unmöglich. Die Halbheiten, meine Herren, müssen aufhören. Wenn man sich zurückdenkt damals, als ich zum letzten Male die Ehre hatte, in dieser Kirche zu sprechen, war es der Fünfziger-Ausschuss[1], der einem Fürsten befahl, andere Maßregeln zu ergreifen, der einem Ministerium befahl, zu bleiben und nicht abzudanken, weil es das Wohl Deutschlands erheische. Aber jetzt schleppen wir uns durch mit halben Maßregeln, nicht links, nicht rechts, sondern wir vermitteln immer, bis die Städte bombardiert sind, bis Reichstagsabgeordnete erschossen werden.
Es ist dringend notwendig, dass Deutschland wisse, in welchem Sinne diese Nationalversammlung sich entscheidet, es ist dringend notwendig, dass etwas geschehe, um Blutvergiessen zu verhindern; wenn heute kein Beschluss gefasst wird, sondern die Sache an den Ausschuss verwiesen wird, so werden wir wieder die Antwort eher hier haben, als unser Beschluss von Wirkung sein kann, denn es ist bekannt, ein fait accompli stimmt die ganze Sache um. Die faits accomplis haben eine traurige Rolle gespielt und wir haben nicht viel Gutes davon zu hoffen, namentlich in dem gegenwärtigen Momente. Ich will niemanden vorgreifen, nicht für oder gegen die Sache sprechen, denn ich bin bloß bei dem präjudiziellen Antrage, aber das werden Sie zugestehen, wir dürfen nicht, wir können es nicht verantworten vor Deutschland, wenn wir heute abermals zögern wollen nach so vielen traurigen Erfahrungen. Denken Sie zurück, was wir durch unsere Verweisungen an den Ausschuss verloren haben, Deutschland ist nicht mehr Deutschland, Österreich ist verloren, man mag dagegen sagen, was man will, die Zukunft wird es lehren – Deutschland hat Österreich verloren, das ist meine individuelle Ansicht, ich spreche sie aus und bin der Meinung, wenn wir heute abermals die Sache an den Ausschuss verweisen, wird uns vielleicht Preußen verlorengehen. Meine Herren! […] Durch Zögern verlieren Sie die Achtung der ganzen Nation; beschließen Sie, haben Sie den Mut, zu beschließen, das ist besser, als die Sache auf die lange Bank schieben!”
„In diese Epoche fallen denn auch die Schandtaten einzelner, welche aufzudecken die Pflicht jedes ehrlichen Demokraten ist. Es ist konstatiert, dass hervorragende Persönlichkeiten sich an diesen Schandtaten beteiligt haben, so wie auch diejenigen, denen eine öffentliche Kasse anvertraut war und welche dieselbe beim Übertritt in die Schweiz weder an Behörden überliefert, noch unter ihre Truppen verteilt haben, bis heute eine Rechnungsablage schuldig geblieben sind. Es ist eine falsche Ansicht, dass man durch Angabe der Namen dieser Menschen der Partei schade und, wie sich einige ausdrücken, dadurch in den eigenen Eingeweiden der Demokratie wühle; ich bin der Ansicht, dass man die Demokratie von solchem Kot reinigen muß, und ich fordere im Interesse der Demokratie jeden auf, welchem irgendein Faktum der Art bekannt ist, mir dasselbe mit Nennung des Namens mitzuteilen, damit diese Menschen öffentlich gebrandmarkt werden, und es ihnen unmöglich gemacht wird, bei einer zweiten Erhebung sich von neuem an die Spitze der Bewegung zu drängen, um ihr unsauberes Handwerk fortzusetzen. Auch hier muß man es den Badensern zum Ruhme nachsagen, dass sich nur höchst wenige ihrer Landsleute an diesen schändlichen Handlungen beteiligten. Wenn unsere Gegner aber diese gehässigen Einzelheiten der Revolution der ganzen Partei in die Schuhe schieben, so haben sie vergessen beizufügen, dass grade diejenigen Führer der Erhebung, welche über Kassen von Hunderttausenden zu verfügen hatten, jetzt im Exil nicht allein ihr ganzes Vermögen verloren haben, sondern auch in der bittersten Armut leben. Sie haben ferner vergessen, dass bei allen geschlagenen Armeen Fälle ähnlicher Art in Masse vorkommen, und dass, was hier auf unerlaubte Art geschah, bei dem Heere, welches vorgab für Ruhe und Ordnung zu kämpfen, die Requisitionen in vergrößertem Maßstab betrieben wurden, dass freilich aber letztere, welche das badische Land mehr ruinierten, als der Unterhalt und die Forderungen der Freiheitsarmee, als gesetzlich hingestellt wurden, wodurch denn den befohlenen Exekutionen der Reichstruppen und der Preußen alles Gehässige und Unmenschliche genommen werden soll. Weiterlesen
Wenn der Prinz von Preußen bei seiner Rückehr nach Berlin vor der Revolution warnt, indem er sagt, er habe sich in Baden mit eigenen Augen überzeugt, was es heiße, ein durch die Revolution zerrüttetes Land, so kann man nicht begreifen, wie die Heilmittel, welche die Freunde der Ruhe und Ordnung in Baden anwenden, darauf berechnet sein sollen, diesem zerrütteten Lande neuen Wohlstand zu bereiten. Glaubt man denn durch Einsperrung der notabelsten Bewohner des Landes, durch Einsperrung von Bürgermeistern, Pfarrern, Notaren, Advokaten, Gutsbesitzern, Gemeinderäten, Kaufleuten, Rentnern, kurz durch die Verhaftung aller derjenigen, welche man eben verhaften will, die Zustände dieses zerrütteten Landes zu bessern? Glaubt man vielleicht durch unmäßige Einquartierung, welche in ihren Forderungen unerschöpflich ist, durch Exekutionstruppen, durch Erpressung von ungesetzlichen Exekutionsgeldern diesem zerrütteten Lande wieder auf die Beine zu helfen? Glaubt man endlich durch kommandierte Erschießungen, durch Ausnahmegerichte, deren Richter Feinde der Angeklagten sind und die als Fremdlinge nicht einmal die Gesetze ihres eigenen Landes, viel weniger die badischen Gesetze kennen, den Rechtssinn und das Rechtsbewusstsein in Baden zu stärken? Kann man so unvernünftig sein, beständig das Wort Religion, Moral und Versöhnung im Munde zu führen, und fast jedem fremden Offizier das Recht und die Vollmacht geben, Freiheitsstrafen und Stockhiebe zu diktieren?
[…]
Wenn man die verschiedenen Vorfälle erzählen hört, welche bei Urteilssprüchen auf Leben und Tod vorgekommen sind, dann weiß man nicht, ob man lachen oder schaudern soll. Bei einem Standgericht, welchem man die Einsprache der Inkompetenz entgegenhielt, erklärte das Gericht nach kurzer Beratung, es halte sich für kompetent. Einer der beisitzenden Richter, ein Unteroffizier, hatte auf die Frage, ob er sich für inkompetent halte, geantwortet: kommandiert1! Ein anderer Fall ist noch merkwürdiger: Ein Offizier, welcher bei einem Standgericht als Richter gesessen hatte, wurde gefragt, nach welchen Gesetzen der Beschuldigte verurteilt worden sei. Als er hierauf antwortete: nach preußischen, stellte man ihm die zweite Frage, ob nach rheinpreußischem oder nach altpreußischem Gesetz. Hierauf wußte der Offizier keine Antwort zu geben, da er, wie sich aus dem Verlauf der Unterredung ergab, glaubte ‘dies sei ganz egal’. Wer sich die Mühe geben wollte, alle diese komisch-tragischen Einzelheiten der improvisierten kommandierten neuen Diener der Themis2 zu sammeln, würde sehr bald Stoff genug haben, um ein Werk als Beitrag zur Gerechtigkeitspflege des neunzehnten Jahrhunderts heraus zu geben welches von der nächsten Generation gewiss zu den Wunderdingen gerechnet würde. Diese Richter haben über die edelsten Söhne des deutschen Volkes Todesurteile ausgesprochen; sie haben durch Tod und Gefängnis Elend, Kummer und Verzweiflung in tausend Familien gebracht, und sie begnügten sich nicht mit dem Erschießen Einzelner, mit dem Einkerkern von Männern aller Klassen der Bevölkerung, sie gingen noch einen Schritt weiter, indem sie denjenigen, welchen sie die persönliche Freiheit gelassen, ihre Gesinnungen, politische Meinungen, ja sogar ihre volkstümlichen Trachten mit Stockhieben zu vertreiben suchten. Nie und unter keines Tyrannen Regierung wurde die Göttin der Gerechtigkeit schnöder missbraucht und so sehr zur feilen Metze herabgewürdigt, als dieses im Jahre 1849 des christlichen Heils durch die Armeen christlich germanischer Herrscher geschehen ist. Wenn der Prinz von Preußen in einer seiner Reden gesagt hat, man solle nicht wähnen, die Demokratie sei besiegt, sie sei nur niedergeworfen und werde sich von neuem blutiger und schrecklicher erheben als je, denn sie habe jetzt Rache zu nehmen, so beweist dies vollkommen, daß der Prinz von der Ungerechtigkeit, mit welcher man sich an der besiegten Demokratie gerächt hat, überzeugt ist. Seine Worte sind wahr und sie werden sicher in Erfüllung gehen, mag auch mein Freund Venedey3 noch so viele Reden halten über Versöhnung, Vergessen und Vergeben, er wird mir immer vorkommen wie ein moderner Don Quirotte, welcher den sich heftig drehenden Windmühlenflügeln zuruft, sie möchten doch langsamer gehen oder gar stille stehen. Der Wind lacht ihn aus und Jacob Venedey ist mit all seinem deutschen Patriotismus nicht im Stande, die Windmühlenflügel aufzuhalten. — Wer Wind sät, muß sich darauf gefasst machen, daß er Sturm erntet. Wann der Sturm kommen wird, das wissen die Götter; dass er kommen muß, das ist unsere heiligste Überzeugung; und in der Erwartung dieses Sturmes sitzen wir Geächtete des deutschen Vaterlandes im einsamen Stübchen und die Brustbilder von Trützschler4 und Blum5 sehen uns mahnend an, und erinnern uns an unser tägliches Gebet: Exoriare aliquis6.”7
1 Alter Begriff für “auf Befehl dort”.
2 Griechische Göttin der Gerechtigkeit.
3 Jacob Venedey, ebenfalls demokratischer Angehöriger der Nationalversammlung. Der Unmut Raveauxs bezieht sich wohl auf Venedeys Kritik an Aufständen als Mittel zur politischen Willensäußerung.
4 Hier Verweis auf den Beitrag Trützschlers, falls einer entsteht. Ansonsten: Wilhelm Adolph von Trützschler wurde wegen seiner Teilnahme am badischen Aufstand 1849 von einem preußischen Standgericht zum Tode verurteilt und erschossen.
5 Hier Verweis auf den Eintrag Blums.
6 Kurzform einer lateinischen Redewendung, bedeutet: “Ein Rächer wird aus meinem Staub erstehen”.
7 Franz Raveaux: Mittheilungen über die badische Revolution, Frankfurt am Main 1850, S. 127–134.
„Man hat auch sehr viel von der Koalition der Linken mit der Rechten gesprochen, ich sehe keine Koalition… Reaktion sehe ich wohl, aber keine Koalition von beiden Seiten; denn Reaktion wird jetzt wohl jeder sehen, auch ohne eine Brille aufzusetzen. Es ist die Vereinigung aller Parteien in dem Ringe, wovon Herr Bassermann gesprochen hat; ich nehme die Verfassung als einen solchen Ring, worin jeder es sich möglich machen kann, seine politische Ansicht zu entwickeln, sie zu verbessern und dem Möglichen entgegenzuarbeiten, als einen solchen Ring nehme ich die Reichsverfassung an, und so, glaube ich, werden Sie alle tun; wenn Sie es ehrlich und offen eingestehen wollen, so sagen Sie: Ja, das ist der Punkt, der uns alle vereinigt, die Reichsverfassung. Hat denn die linke Seite des Hauses nicht ebensoviel beigetragen, dass die Verfassung in Deutschland eine so gute Aufnahme fand, als Sie? Ich weiß nicht, was Sie dafür getan haben; was die Linke dafür getan hat, kann ich Ihnen sagen: Sie hat ebenso tätig gewirkt und gearbeitet, als sie damals für die Zentralgewalt wirkte, nachdem sie dieselbe vorher bekämpfte, und ich weiß nicht, wo das größere Verdienst liegt, dass die Grundrechte eine solche Aufnahme in Deutschland gefunden haben, ob auf dieser, ob auf jener Seite? Die Reichsverfassung war kaum ins Leben getreten, das heißt, die Verfassung war kaum beschlossen, als an demselben Abende die Linke sich vereinigte, alles Mögliche daran zu setzen, die Reichsverfassung durchzuführen, sowie sie es war, die ohne Verabredung, ohne Koalition einige Tage später sämtliche Oppositionsparteien der Kammern der Einzelstaaten in Heidelberg versammelte; Sie kennen den Beschluss, der dort gefasst wurde, und diesem Beschlusse haben Sie es zu verdanken, dass wir in den einzelnen Kammern diese kräftige Unterstützung finden; das hat die Linke getan, nicht die Rechte! Weiterlesen
Wenn Herr Simon richtig bemerkte, dass die preußische Regierung die anderen die politischen Kastanien, oder vielmehr die revolutionären Kastanien aus dem Feuer habe holen lassen, so muss ich gestehen, das Bild passt ebensogut auf uns. Wir lassen das Volk die Kastanien aus dem Feuer holen, setzen uns in gemütlicher Ruhe hierher, und warten, bis das Volk unsere Verfassung verwirklicht hat. Das wäre eine leichte Aufgabe. Sie haben aber eine schwerere. Sie müssen die Schritte angeben, die geschehen sollen, und nicht die einzelnen Kammern, und Sie müssen die Bewegung in die Hand nehmen, und wenn Sie das nicht können, so ist die Reichsverfassung eine Verfassung, die in den ersten acht Jahren sicherlich nicht ins Leben treten wird. Eine einzelne Erhebung ist gar nichts. Wenn die Erhebung sich nicht über ganz Deutschland ausbreitet, so werden die Regierungen immer mehr Kräfte sammeln, und sobald sie imstande sind, den Kampf zu wagen, werden sie ihn ebensogut gegen die kleinen Staaten wagen, wie sie ihn gegen die Residenzen ihrer Länder gewagt haben. Bedenken Sie, dass alle Maßregeln, wie wir sie vorschlagen, zu nichts werden in dem Momente, wo die preußische Regierung auf unsere Vorschläge eingeht, die Verfassung anerkennt, und wenn die Wahl angenommen wird, hören sie von selbst auf. Ich sehe also durchaus kein Bedenken.
Ich erinnere Sie an die Zeit, als die abschlägige Antwort von Berlin ankam. Da habe ich sehr viele Herren von der Rechten gehört: ‘Wir gehen mit bis auf die Barrikaden!’ Und später: ‘Wir wollen die 14 Tage abwarten, dann gehen wir mit.’ Die 14 Tage verliefen und jetzt wollen Sie wieder abwarten, und wenn Sie noch einmal abgewartet haben, gehen Sie doch nicht mit, meine Herren. […] Wenn Sie mir antworten, dass die renitenten Staaten nicht wählen lassen werden, so gestehe ich Ihnen zu, sie werden nicht wählen lassen. Aber, was haben Sie in dem Antrage des Abgeordneten Schubert, der da sagt: die Regierungen sollen aufgefordert werden, auf das Recht, die Kammern zu vertagen und aufzulösen, verzichten. Glauben Sie denn, meine Herren, dass irgendeine renitente Regierung auch nur etwas darauf geben wird, eine solche Aufforderung oder höfliche Einladung erhalten zu haben- Sie wird sie gar nicht beachten. Das ist eine Maßregel, welche allenfalls ein Kompliment genannt werden kann, aber keine Maßregel. Wenn wir von Maßregeln sprechen, die in der jetzigen Zeit zu treffen sind, so muss ich gestehen, ich kann mir keine denken, die mit Einladungen übereinstimmt, sondern nur energische. Ich denke mir nichts anderes darunter, als Maßregeln in dem Sinne zu ergreifen, wie man sie in Württemberg im Kleinen ergriffen hat. Wir müssen bewaffnen, Militär und Bürgerwehr vereiden, kurz Revolution machen. Gesetzliche Revolution ist nicht verboten, sie ist erlaubt. Ja, Herr Grävell1 lacht darüber, meine Herren. Ich glaube, Sie werden mir zugeben, dass jede ungesetzliche Revolution gegen das Gesetz ist; und was gegen das Gesetz geht, ist verboten. Ich sage, meine Herren, es ist nicht allein zweckmäßig, zu revoltieren, sondern es muss geschehen, wenn wir unsere Pflicht üben. Wenn wir nicht revoltieren, so handeln wir gegen unser Mandat. Sie haben gesagt, Sie gehen bis zum Äußersten mit, und nun nenne Sie es Revolution, wenn wir auf die Reichsverfassung uns stützend, uns gegen die bestehenden Gewalten, die uns niederdrücken wollen, auflehnen, wenn wir alle Mittel, die uns zu Gebote stehen, benutzen, um den Feind niederzuschmettern. Nun gut. Ich bin dafür, Sie mögen dagegen sein. Ich bin durch und durch davon überzeugt, dass alle Ihre halben Maßregeln zu nichts führen, und dass alle Ihre Maßregeln, die nur Komplimente sind, Sie nur lächerlich machen werden.
[…]
Ich will nur sagen, dass Preußen wohltäte, anzunehmen. Ich gehe aber weiter, Sie müssen es zwingen, anzunehmen. Wenn Preußen auf unsere Bundesvorschläge nicht eingeht, nicht freiwillig eingehen will, so können Sie versichert sein, dass es sich uns feindselig gegenüberstellen wird, das kann auch der kurzsichtigste Politiker begreifen, und wenn wir die Verfassung durchführen wollen und Preußen nicht will, so wird es auch Kräfte gegen uns haben; lassen wir das herankommen, nun gut, dann sind wir verloren, wir können einer solchen physischen Gewalt nicht widerstehen, wenn sie sich entwickelt hat. Ich würde Ihnen anraten, nachdem die ersten Maßregeln ergriffen sind, sogleich zu den zweiten zu schreiten, in das Herz des Feindes hineinzubohren, eine Proklamation zu erlassen, worin Sie alle Provinzen auffordern, welche die Reichsverfassung haben wollen, sich von Preußen zu trennen. Ja, meine Herren, wer Ruhe und Ordnung will, der muss auch die Mittel dazu wollen, um sie zu erhalten, der muss mit uns gehen, und wer nicht mit uns geht, der geht gegen uns. Meine Herren, es ist leicht zu sagen: ‘Wir gehen mit bis zu den Barrikaden’, aber wenn man ein missliebiges Wörtchen spricht gegen eine Regierung, die uns misshandelt, so wird man gleich bezeichnet als jemand, der Klatschereien vorträgt […]. Früher haben Sie oft gesagt: ‘Wären wir noch im Juli, da hatten wir noch die Nation hinter uns.’ Sie haben sie jetzt zum größten Teile; man sagt zwar: ‘Wenn sich die Krone Preußen, die Krone Bayern und so weiter nicht angeschlossen haben, dann hätten auch die preußischen und bayerischen Staatsbürger sich nicht angeschlossen.’ Es ist das eine grundfalsche Berechnung; ich glaube, wenn wir nach der Seelenzahl rechneten, dann hätten wir die Majorität der deutschen Nation, und es würden nur die übrig bleiben, deren Interesse es von jeher war, gegen jede Freiheit, sie mag dekretiert werden, woher sie will, zu sprechen und zu wirken, auf der anderen Seite vielleicht diejenigen, denen nicht Freiheit genug gegeben ist, aber diese zusammengezählt würden nur ein sehr kleines Häuflein in der deutschen Nation bilden, das ist meine Überzeugung. Ich ermahne Sie daher, etwas zu tun, erinnern Sie sich an das, was Kieffer gesagt hat in seiner denkwürdigen Schlussrede, man darf nicht verzweifeln, nicht verzweifelnd die Hände in den Schoß legen; Kieffer sagte und damit forderte er zum Handeln auf: ‘Wenn ein Römer am Vaterlande verzweifelte, so geschah es, indem er auch am Leben verzweifelte und sich selbst den Tod gab, als Kościuszko2 das berühmte Wort finis Poloniae ausrief, da lag er zerschmettert unter den feindlichen Hufen; aber, sagt Kieffer, wenn Buben am Vaterlande verzweifeln in gemächlicher Behaglichkeit, dann ist das eine widerwärtige Erscheinung.’”3
„Ich halte gerade den für den freisinnigsten Mann, der seine individuelle Ansicht der Mehrheit unterwirft.” - Franz Raveaux (1810-1851) (Christian Jansen):4
Franz Raveaux gehörte zu den einflussreichsten und prominentesten achtundvierziger Demokrat*innen. Heute kennen ihn nur Insider. In den 1980er Jahren war es vorübergehend anders, aber im jüngsten Jubiläumsjahr der Revolutionen war er wieder dem öffentlichen Interesse entschwunden. Dabei war er im „tollen Jahr“ 1848/49 ein Popstar wie Robert Blum. Seine Popularität und sein Charisma hingen mit seinem Engagement im Karneval zusammen, den er 1844 revolutionierte.
Francois Raveaux wurde am 29.4.1810 in der Kölner Südstadt in ein freiheitlich-republikanisches Elternhaus geboren und dort politisiert. Sein Vater Pierrre (1776-1851) war 1794 mit der Revolutionsarmee ins Rheinland gekommen und arbeitete bis zu seiner Pensionierung (1841) an verschiedenen Standorten für die französische, später für die preußische Armee als Magazin- und Fourageverwalter, kümmerte sich also um die Ausrüstung der Truppen sowie um ihre Pferde. Er hatte in Bonn Anne Marie Maaß kennengelernt und 1797 geheiratet. Beide bekamen sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten: Francois, seine Schwestern Therese und Marie und sein Bruder Ludwig, der in der Wiener Revolution 1848 eine wichtige Rolle spielte.5 Konflikte des mit den Idealen der französischen Revolution sozialisierten Franz, wie er seit dem Abzug der Franzosen hieß, mit dem preußischen Obrigkeitsstaat, dem das Rheinland beim Länderschacher auf dem Wiener Kongress (1815) zugesprochen wurde, waren zu erwarten. Mit vielen Mitschülern rebellierte er aus einer Mischung aus pubertärer Aufsässigkeit und antipreußischen Ressentiments gegen seinen Schulleiter Karl Friedrich August Grashoff, dem die Erziehung zu Untertanen mindestens so wichtig war wie Bildung. Kurz vor dem mittleren Schulabschluss flog Raveaux von der Schule, weil er hatte zusammen mit Kameraden bei der Verteidigung eines Badeplatzes am Rhein mit einer selbstgebastelten Pistole auf Soldaten geschossen hatte. Anschließend besuchte er zwei Jahre eine Handelsschule. 1825 ging er an die Düsseldorfer Malerakademie, kehrte aber schon zu Weihnachten erfolglos nach Hause zurück und studierte in den folgenden Jahren – 1829 war er Mitglied der demokratisch-nationalistischen Alten Burschenschaft in Jena. Er brach sein Studium ab, um seinen Wehrdienst bei den Dragonern, einer Reitertruppe, zu leisten. Nach einem Duell entzog er sich 1830 der kriegsgerichtlichen Bestrafung, desertierte und floh ins nahe Belgien, wo er just während der Revolution eintraf und für die Unabhängigkeit kämpfte. 1833 schloss er sich belgischen Hilfstruppen für die Liberalen im spanischen Carlistenkrieg an. Neben Abenteuerlust ging es Raveaux bei diesen internationalen Kampfeinsätzen um die Werte der französischen Revolution und die Menschen- und Bürgerrechte, die immer seine politischen Leitsterne blieben. Zugleich bekämpfte er in Belgien, Spanien und später in seiner rheinischen Heimat einen reaktionären Katholizismus, den er als gefährlichsten Gegner einer liberalen Gesellschaft begriff.
Von liberaler Seite hochdekoriert, von den Carlisten monatelang eingesperrt, entkam er 1835 aus Spanien. Über die Schweiz wanderte er zurück nach Köln, verbüßte eine Arreststrafe wegen seiner Desertion und heiratete 1837 Brigitte Neukirchen, das zehnte Kind eines 1821 verstorbenen Porzellanhändlers aus Deutz. Um seine künftige Familie zu ernähren, gründete Raveaux verschiedene, nicht immer erfolgreiche Unternehmen, war außerdem journalistisch und publizistisch tätig. 1839 erwarb er für sich und seine Frau in Blankenheim in der Eifel ein Doppelhaus. Das ehemalige Residenzstädtchen prosperierte als Zwischenstation für Geschäftsreisende und dank erster Eifeltouristen. Aber das Umland an der Ahr und in der Eifel litt unter der großen ökonomischen Transformation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch den Anschluss an Preußen verloren die Winzer an der Ahr, deren Lage Raveaux eingehend untersucht hat,6 ihre Märkte in Belgien und Ostfrankreich; der Zollverein öffnete die preußischen Märkte auch noch für billigere süddeutsche Weine. Dass er die Not der Winzerfamilien so gut kannte, lag daran, dass Raveaux Auswanderungswilligen Schiffspassagen in die „Neue Welt“ verkaufte. Da die Behörden diese Maklertätigkeit unterbanden – die Förderung der Auswanderung galt ihnen als Schwächung Preußens, aber auch wegen Konflikten mit den lokalen Honoratioren verließ Raveaux bereits 1843 die Eifel wieder. Er hatte sich weiter als Demokrat und Republikaner gegen den preußischen Obrigkeitsstaat engagiert – am öffentlichkeitswirksamsten mit einer Satire „Der Bürgermeister zu Blankenheim (zu Deutsch Krähwinkel) oder Erzeugnisse eines humoristischen Katzenjammers“ (Neuwied 1842). Danach musste er seine „Schnittewaarenhandlung“, ein Modegeschäft, 1843 schließen.7
Zurück in Köln gelangte Raveaux als Tabakhändler und Zigarrenfabrikant schnell zu Wohlstand, so dass er sich noch vor 1848 aus den Geschäften zurückziehen und mit nicht einmal 40 Jahren ganz der Politik widmen konnte. Gesellschaftlich engagierte sich in der Karnevalsgesellschaft und legte sich mit dem „kölschen Klüngel“ – den Honoratioren – an und wollte das Vereinsleben demokratisieren. Raveaux war ein begeisternder Redner, der vor allem mit seinen Büttenreden sein Charisma steigerte. Seit der Erfindung des Rosenmontagszugs (1823) war der Kölner Karneval ein wirtschaftlich bedeutendes und gesellschaftlich einflussreiches Großereignis. Vor diesem Hintergrund stritten Raveaux und weitere Aktivisten mit dem Establishment der „Großen Karnevalsgesellschaft“ über Inszenierung und Formen des Straßen- und Sitzungskarneval und um die Öffnung für die ganze Stadtbevölkerung. Insbesondere wandten sie sich gegen jegliche (Selbst)Zensur und politisierten den Karneval im Sinne der demokratischen und nationalistischen Opposition. Ein Historiker des Kölner Karnevals charakterisierte Raveaux 1873:
„Dem Körper nach hager und groß, an Geist kräftig, mehr ernsten als heiteren Sinnes und doch voll unverwüstlichen Humors, ehrgeizig unter dem Schein eines gemüthlichen Sichgehenlassens, [...] begabt mit erstaunlichem Scharfblick und selbst schwierige Aufgaben leicht lösend, dabei ein Autodidact in des Wortes voller Bedeutung – so war der Mann, dessen Einfluß auf unseren Carneval [...] zu hoher Bedeutung gelangen sollte – der auf der Hochstraße [Hohe Straße] wohnende Cigarrenhändler Franz Raveaux. Dieser [...] trat mit größter Entschiedenheit gegen die damaligen Leiter des Festes auf, indem er sie der Klüngelei, des Despotismus und der Bevorzugung Reicher beschuldigte, ihnen den Vorwurf ins Gesicht schleuderte, sie hätten den Carneval zum unvolksthümlichsten aller dem ähnlichen Institute gemacht.“8
Raveaux gründete 1844 die demokratische Allgemeine Carnevals-Gesellschaft und warb mit einem niedrigen Mitgliedsbeitrag erfolgreich um Massenanhang. Bereits 1844/45 hatte sie mit tausend Mitgliedern mehr als doppelt so viele wie „Große“. Sie wollte statt „unschuldiger Zeitverspottungen“ „die Verkehrtheiten der Zeit, querstehende Erscheinungen des öffentlichen Lebens, insbesondere aus dem Gebiet der Politik, und namentlich der vaterländischen Politik“ aufspießen. Raveaux‚ Neugründung revolutionierte nicht nur den Kölner Karneval, sondern bereitete auch „1848/49“ vor.
Seit 1844 wählten die Kölner Raveaux in verschiedene Ämter, unter anderem 1846 bei den ersten Kommunalwahlen fast einstimmig zum Stadtverordneten. Er sei der „Held des Tages“, schrieben die Zeitungen nach dieser ersten Wahl Raveaux‚ in ein Parlament: „Sein Bildniß wird in allen Läden verkauft und hängt in jedem Bürgerhause.“9 Diese mediale Aufmerksamkeit machte ihn über das Rheinland hinaus bekannt. Der wichtigste Organisator der vormärzlichen Opposition, der badische Demokrat Johann Adam Itzstein lud ihn zu seinen regelmäßigen Vernetzungstreffen auf Gut Hallgarten im Rheingau; Raveaux nahm auch an den legendären politischen Versammlungen in Offenburg im September und in Heppenheim im Oktober 1847 teil, die den demokratischen bzw. liberalen Forderungskatalog beschlossen, die ab März 1848 die politische Agenda setzten.
Soziologisch lässt sich Raveaux in der „marginalisierten Intelligenz“ verorten, die zwar ein Leben nach bürgerlichen Maßstäben führte, aber bereit war, ihre bürgerliche Sicherheit für ihre Überzeugungen zu gefährden. Zu dieser Gruppe gehörten die meisten heute gefeierten Achtundvierziger wie Robert Blum, Julius Fröbel, Moritz Hartmann, Johann Georg Kapp, Georg Friedrich Kolb, Arnold Ruge, Wilhelm Schulz-Bodmer, Heinrich Simon, Ludwig Uhland, Jakob Venedey oder Wilhelm Wolff. Die meisten mussten nach der Revolution emigrieren. Darauf waren sie besser vorbereitet als andere Achtundvierziger: gut gebildet, an unsichere Einkommens- und Lebensverhältnisse gewöhnt und mit Kontakten und Sprachkenntnissen aus früheren Auslandserfahrungen.10
In Köln begann die Revolution am 3. März – mitten im Karneval – mit einem feierlichen Prozessionszug von bis zu 5.000 Menschen aus den Unterschichten unter Führung des Armenarztes Andreas Gottschalk und anderer Mitglieder des „Bundes der Kommunisten“. Sie überbrachten den im Rathaus versammelten Stadtverordneten „Forderungen des Volkes“, die über das demokratische Programm hinausreichten und neben der politischen auch eine soziale Revolution verlangten, etwa „Schutz der Arbeit und Sicherstellung der menschlichen Bedürfnisse für alle“ sowie „vollständige Erziehung aller Kinder auf öffentliche Kosten“. Auch die beiden demokratischen Stadtverordneten Raveaux und Carl D’Ester reagierten verhalten.11 Das Militär beendete die Demonstration, die ein Dilemma der bürgerlichen Opposition verdeutlichte: sie brauchten zwar den Druck der Unterschichten, um politische Reformen auf den Weg zu bringen, standen aber deren radikalen sozialen Forderungen verständnislos bis ablehnend gegenüber. Als der Düsseldorfer Demokrat Hugo Wesendonck zu Beratungen über das weitere Vorgehen nach Köln kam, sagt ihm Raveaux angeblich „mit seiner heiseren Grabesstimme“: „Die Leute wollen keine Revolution.“ Ein „Petitions-Sturm“ sollte Veränderungen bringen. Rund sechzig Massenpetitionen aus dem Rheinland verlangten durchgreifende Reformen. Raveaux reiste mit einer Delegation des Kölner Stadtrats nach Berlin, um ausgerechnet am 18. März 1848 König Friedrich Wilhelm IV. eine Petition zu übergeben, die drohte, die Rheinprovinz werde sich von Preußen lösen, falls die Regierung sich den Wünschen der Nation nach Reformen und Auflösung des Deutschen Bundes weiter widersetze.12 Geschockt erlebte Raveaux anschließend vor dem Schloss die Schüsse auf friedliche Demonstranten, die die Revolution eskalierten. Solche Erfahrungen wie auch das demokratische Ideal der Volksbewaffnung (anstelle der Fürstenheere) führten allerorten zur Gründung von Bürgerwehren. Der militärisch erfahrene Raveaux gehörte zu den Organisatoren der Kölner Bürgerwehr und leitete die 2. Kompanie.
Ende März sandten die Kölner Bürger Raveaux ins Vorparlament und wählten ihn im Mai als Abgeordneten in die Deutsche Nationalversammlung. Raveaux war einer der erfahrensten und wichtigsten Politiker der demokratischen Minderheit in der Paulskirche, als pragmatischer und undogmatischer Realist agierte er realpolitisch und war lagerübergreifend vernetzt, so dass er oft vermitteln konnte. Zunächst schloss er sich dem demokratischen Deutschen Hof an, gründete aber bald die linksliberale Fraktion Württemberger Hof, und da diese im zu gemäßigt war, im August 1848 mit Heinrich Simon die demokratisch-republikanische Westendhall, die Unzufriedene aus Deutschem und Württemberger Hof vereinte und die eine wichtige Rolle bei der Suche nach Mehrheiten spielte. Demokratische Spötter nannte die Fraktion Westendhall die „Linke im Frack“, um sich über ihren bürgerlichen Habitus und die Suche nach Verständigung mit der liberalen Mehrheit zu mokieren. Raveaux drängte in der Nationalversammlung von Anfang an zur Eile, das Momentum der Revolution zu nutzen und schnell eine Reichsverfassung zu verabschieden. Gleich zu Beginn profilierte er sich mit einem als Raveaux’scher Antrag bekannten Vorstoß. Unter Berufung auf die Volkssouveränität ging es um den Vorrang der Beschlüsse der Nationalversammlung vor den Beschlüssen einzelstaatlicher Parlamente und Regierungen. Prominente Redner der liberalen Mehrheit vertraten hingegen das Vereinbarungsprinzip: die künftige Ordnung sei mit den Fürsten auszuhandeln. Die Frage, wie die Nationalversammlung ihre Beschlüsse durchsetzen könne, blieb das ungelöste Dilemma der Revolution und des Anspruchs auf Volkssouveränität. Das liberale Vereinbarungsprinzip war aber auch keine Lösung, da viele Fürsten, insbesondere der König von Preußen und der Kaiser von Österreich, die Nationalversammlung Verhandlungspartner anerkannten.
Wie viele demokratische Abgeordnete war Raveaux unbedingter Anhänger des Mehrheitsprinzips, dem sich die Minderheit zu unterwerfen habe. Diese Haltung vertrat er auch gegen Gesinnungsgenossen, die Niederlagen nicht akzeptieren wollten: „Ich halte gerade den für den freisinnigsten Mann, der seine individuelle Ansicht der Mehrheit unterwirft.“13 Im demokratischen Lager bildeten Raveaux, der Trierer Ludwig Simon und der Düsseldorfer Hugo Wesendonck das „rheinische Triumvirat“. Von der Mehrheit der revolutionären Opposition unterschied es sich in seiner Distanz zur hegelianischen Geschichtsteleologie, in seiner Frankophilie sowie in seiner Prägung durch den pragmatischen Geist des rheinischen Katholizismus. Raveaux‚ Schwerpunkt in der Paulskirche lag aber nicht auf systematischer Arbeit in Plenum und Ausschüssen – für einen Politiker seiner Prominenz und rhetorischen Begabung ergriff er selten das Wort. Ein Grund waren seine vielen Reisen im Dienste der Revolution: im Frühsommer mit Carl Alexander Spatz und Robert Blum, um den Rhein wieder für Dampfschiffe zu öffnen, im Juli zur „Einholung“ des Reichsverwesers nach Wien. Unterwegs machte die Delegation immer wieder Station, und Raveaux begeisterte mit seinen Reden die Massen. Als er nach kurzer Krankheit aus Wien nach Köln zurückkehrte, wurde er „in einer sonst nur beim Empfang des Königs üblichen Weise begrüßt“, im September feierlich als Gesandter der revolutionären Regierung in Bern empfangen, wo er bis Ende November blieb. Er gehörte auch zu der Delegation, die im März 1849 Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot. Trotz seines häufigen Fehlens gab er entscheidende Impulse: für die Permanenz des Vorparlaments oder mit dem „Raveaux‚schen Antrag“ – immer ging es darum, das revolutionäre Momentum nicht zu verlieren und schnell Weichen zu stellen. Ein weiteren klugen, aber nicht mehrheitsfähigen Vorschlag machte er in der Endphase der Verfassungsberatungen: den preußischen König nur für sechs Jahre zum Kaiser zu wählen. Und nachdem dieser die Krone abgelehnt hatte, rief Raveaux die Nationalversammlung erneut zu größter Eile, nun zur militanten Verteidigung der Verfassung auf: „Wir müssen bewaffnen, Militär und Bürgerwehr vereiden, kurz – Revolution machen“, rief er am 26.4.1849 unter Bravorufen in die Paulskirche. „Wenn wir nicht revoltiren, so handeln wir gegen unser Mandat.“ „Auf die Reichsverfassung uns stützend“, müsse man sich „gegen die bestehenden Gewalten, die uns niederdrücken wollen, auflehnen“ und „alle Mittel, die uns zu Gebote stehen, benutzen, um den Feind niederzuschmettern“.14
Diesen martialischen Worten folgten Taten: noch im April ließ Raveaux sich zum Vorsitzenden des „Ausschusses zur Durchführung der Reichsverfassung“ wählen, am 6. Mai publizierte er zusammen mit Julius Fröbel einen flammenden Aufruf „An das Deutsche Heer“ und „An das Deutsche Volk“: „Die Stunde ist gekommen, da es sich entscheiden wird, ob Deutschland frei und stark, oder geknechtet und verachtet sein soll.“15 Auch nach dem Befehl der Regierung, die preußischen Abgeordneten müssten ihre Mandate niederlegen, blieb Raveaux – wie alle Demokraten. Aber es hielt ihn nicht mehr in der Paulskirche, sondern er stellte sich der badischen Revolutionsregierung zur Verfügung. Nachdem der Reichsverweser Johann von Österreich sich nicht an die Spitze der Reichsverfassungskampagne stellen wollte, wählte die Nationalversammlung am 6. Juni 1849 eine revolutionäre Reichsregentschaft, zu der Franz Raveaux (zusammen mit Carl Vogt, Heinrich Simon und zwei weiteren Demokraten) gehörte und die den badisch-pfälzischen Aufstand politisch führte. Nach diversen Niederlagen der Revolutionstruppen gegen die preußische Armee floh die Reichsregentschaft Ende Juni – mit sieben Aktenkisten der Nationalversammlung – in die Schweiz.
Zunächst fand Franz Raveaux mit anderen prominenten Achtundvierzigern (wie Itzstein, Heinrich und Ludwig Simon, Wilhelm Löwe, Johann Jacoby u.a.) Zuflucht in Thierachern, fünf Kilometer westlich von Thun (Kanton Bern), im Herrenhaus Mühlematt, das dem demokratischen Arzt Johann Karlen gehörte, der 1846-53 Abgeordneter im Großrat (Parlament) des Kantons Bern und 1848-50 im Schweizer Nationalrat war. Die Flüchtlinge erholten sich dort – einem Bonmot von Raveaux zufolge – „zwischen Thun und Nichtsthun“ von den Strapazen des „tollen Jahres“ 1848/49 und ihrer Flucht und versuchten weiter für die im Sommer 1849 noch keineswegs besiegte europäische Revolution zu arbeiten. U.a. engagierten sich Raveaux und andere in „Unterstützungskomitees“, die Spenden aus den deutschen Staaten an die Flüchtlinge verteilten. Am 16./17. Oktober 1849 fand in Thierachern eine Konferenz der Reichsregentschaft und demokratischer Paulskirchenabgeordneter statt, um Rechenschaft über die eingegangenen Spenden abzulegen. Den emigrierten Abgeordneten, sollten ihre Diäten in reduziertem Umfang weiterbezahlt werden, um sicherzustellen, dass sie beim erwarteten Wiederaufflammen der Revolution sofort mit vollem Einsatz zur Verfügung stünden. An einen kleinen Kreis, zu dem auch Raveaux gehörte, konnten solche Zahlungen mindestens bis Frühjahr 1851 fortgesetzt werden, die bei bescheidenen Ansprüchen den Lebensunterhalt sicherten. Die Berichte vom Treffen in Thierachern vermitteln den Eindruck eines „äußerst frohe[n] belebte[n] Zirkel[s]“, der optimistisch Aktionen für die kurze Zeit bis zur nächsten Revolution plante.16
Ende 1849 wies die Schweiz Raveaux wie die meisten Flüchtlinge aus der Schweiz aus und gab dem Druck ihrer Nachbarstaaten Österreich, Frankreich und Preußen (zu dem noch der Kanton Neuenburg gehörte), aber auch einer fremdenfeindlichen Bevölkerung stand. In den zwei Jahren bis zu seinem frühen Tod zog Raveaux zusammen mit seiner Ehefrau auf der Suche nach Asyl durch Westeuropa, lebte jeweils unter prekären Verhältnissen bis zur nächsten Ausweisung einige Monate in Straßburg, Pau, Nancy und Brüssel. In mehreren Aufsätzen für die wichtigste demokratische Exilzeitschrift „Deutsche Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und Leben“ verarbeitete er Revolution und Niederlage, warnte vor Illusionen in Frankreich und warb für eine europaweite Zusammenarbeit der Demokraten. Hierzu, aber auch zur Agitation der deutschen Bevölkerung sollte die Londoner Weltausstellung 1851 genutzt werden. Nicht nur, dass sie in London viele deutsche Bürger außerhalb der Reichweite von Zensur und Polizei erreichen konnten, beflügelte die Emigranten, sondern auch ihr Glaube, daß eine „Völkerwanderung“, wie sie anlässlich der Weltausstellung stattfinde, in „letzter Consequenz“ zur „Weltverbrüderung“ führen müsse, da „der Handel und die Maschine alle nationalen Besonderheiten niederschmettern, die Gedanken aus einem Weltteil in den anderen hinüberführen und jeden Fortschritt schnell allgemein machen“. Eine Gruppe um Franz Raveaux, Wilhelm Löwe, Carl Mayer, Ludwig Simon und Carl Vogt plante eine „regelmäßig erscheinende [...] deutsch-englische Revue, die in Form und Gestalt der jetzigen Monatsschrift ähnlich wäre“. Wie diese sollte die „Revue“ einerseits der Verständigung innerhalb der Opposition dienen und andererseits englische Leser überzeugen, „daß in Deutschland eine freie Entwicklung unter einer constitutionellen Monarchie [...] unmöglich sei, daß vielmehr alle Bedingungen mit Nothwendigkeit auf die demokratische Föderativrepublik hindrängten u[nd] daß es Englands Interesse und Beruf sei, diese Umbildung so viel als möglich zu begünstigen.“ Das Ergebnis war „Der Kosmos“, eine „Deutsche Zeitung aus London“, von der im Mai und Juni 1851 jedoch nur drei Ausgaben erschienen. Dieses Projekt stand in Konkurrenz zu Plänen des ebenfalls Londoner „Zentralkomitees der Europäischen Demokratie“ um Giuseppe Mazzini und Lajos Kossuth, das einen Putsch plante, dafür großspurig warb und Geld sammelte. Raveaux kritisierte Anfang 1850 „die Schreier in London“, die „im Vaterlande die Begriffe über die Gesinnung der deutschen Emigration“ verwirrten. Wolle man den „Einfluß auf die Gestaltung der Zukunft“ nicht verlieren, so müsse man sich „von Phantasten und Abenteurern lossagen“.17
Dass Franz Raveaux mit nur 41 Jahren starb, wurde von seinen Genossen auf Enttäuschung, Entwurzelung und Perspektivlosigkeit zurückgeführt. Ludwig Simon sah in dem Magenleiden, dem er im Herbst 1850 beinahe erlegen wäre, Parallelen zum Misserfolg der Revolution, nämlich eine „Revolution der Materie“ gegen die „Dictatur“ der „Seele über den Körper“.18 Raveaux starb am 13. September 1851 in Laeken, einem Dorf, das heute zu Brüssel gehört. Zwei Monate zuvor hatte ihn der Kölner Assisenhof in Abwesenheit zum Tode verurteilt und symbolisch auf dem Altermarkt hinrichten lassen. Der schon schwerkranke Raveaux meinte dazu: „Kopfweh kann ich nicht mehr bekommen, seit ich geköpft wurde, was mich übrigens wenig genirt“.19
Zum Weiterlesen (außer den in den Fußnoten genannten Titeln):
Hans-Jürgen Apel: Die „Revolte“ der Tertia des Kölnischen Gymnasiums im August 1824. Ein Fallbeispiel zur Erhellung der Schulwirklichkeit im Gymnasium des Vormärz, in: Geschichte in Köln 12 (1982), S. 51-75
Hans v. Greyerz: Franz Raveaux in den Jahren 1848 bis 1851, in: Werner Näf (Hg.): Deutschland und die Schweiz in ihren kulturellen und politischen Beziehungen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bern 1936, S. 145-192.
Klaus Schmidt: Franz Raveaux. Karnevalist und Pionier des demokratischen Aufbruchs in Deutschland. Köln 2001
Klaus Schmidt: Hanswurst wird frech, https://www.zeit.de/2010/07/A-Raveaux
Marcel Seyppel: Franz Raveaux, in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 11. Köln 1988, S. 125-148.
1 Maximilian Karl Friedrich Wilhelm Grävell, Abgeordneter der Nationalversammlung zunächst in einer liberalen, dann in einer konservativen Fraktion.
2 Tadeusz Kościuszko führte 1794 den polnischen Aufstand gegen Russland, Preußen und Österreich an und gilt in Polen bis heute als Nationalheld.
3 Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen konstituierenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, hrsg. von Franz Wigard, Bd. VIII, Frankfurt 1849, S. 6319ff.
4 Dieser Essay basiert maßgeblich auf den jahrzehntelangen, akribischen Forschungen Jörg Hallerbachs, dem ich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit 2001-2010 danke, vor allem „Franz Raveaux (1810-1851). Ein Leben für die Freiheit. Studien im biografischen Umfeld eines rheinischen Revolutionärs“ (= Geschichte im Kreis Euskirchen, 24 (2010)). Leider ist er am 19.12.2013 auf der Suche nach seltenen Orchideen auf dem Teide (Teneriffa) tödlich verunglückt.
5 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 247-71.
6 Franz Raveaux: Die Ahr. Köln 1844 = erweiterte Fassung einer Artikelserie in der Kölnischen Zeitung im Herbst 1844; die Sozialisten Karl Marx und Karl Grün beschäftigten sich ebenfalls mit dem Elend der Winzer.
7 Vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 53-63; ebd. S. 65-75 auch das 92strophige Satiregedicht.
8 Wilhelm Walter: Der Carneval in Köln von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1873, Köln 1873, S. 91f.; vgl. Hallerbach: Franz Raveaux, S. 124; ebd., S. 117-132 weitere interessante Details.
9 Zitate aus Jürgen Herres: Köln in preußischer Zeit 1815-1871, Köln 2012, S. 205 und 218.
10 Vgl. dazu Christian Jansen: Einheit, Macht und Freiheit. Die Paulskirchenlinke und die deutsche Politik in der nachrevolutionären Epoche (1849-1867), Düsseldorf²2005, S. 49-54 und 124-130.
11 Die Darstellung folgt Herres: Köln, S. 239-243.
12 Hugo Wesendonck: Erinnerungen aus dem Jahre 1848, New York 1898, S. 3. Vgl. Herres: Köln, S. 256f.
13 Zit. nach Herres: Köln, S. 263.
14 Karl Wippermann in: Allgemeine Deutsche Biografie, Bd. 27, Leipzig 1888, S. 467; Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen Nationalversammlung, Bd. 8, Frankfurt/M. 1849, S. 6320.
15 Zit. nach Hallerbach: Franz Raveaux, S. 217.
16 Vgl. dazu mit weiteren Nachweisen Jansen: Einheit, Macht und Freiheit, S. 108-117.
17 Vgl. mit Nachweisen ebd., S. 183f. Raveaux an Carl Mayer 28.1.1850, in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 329f.
18 Ludwig Simon: Aus dem Exil, 1855, Bd. II, S. 7ff. Weitere Fälle Jansen, Einheit, Macht und Freiheit, S. 83f.
19 Raveaux an Carl Mayer o.D., in Hallerbach: Franz Raveaux, S. 335.
Die Bürgermeisterwahl zu Blankenheim. Oder Erzeugnisse eines humoristischen Katzenjammers, Neuwied 1842.
Die Kölner Ereignisse vom 3. und 4. August nebst ihren Folgen, Mannheim 1846.
Rückblicke und Erlebnisse von Franz Raveaux. Die Offenburgerversammlung am 13. Mai 1849, in: Deutsche Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und Leben (Jahrgang 1, Heft 1), Stuttgart 1850, S. 105–115.
Mittheilungen über die Badische Revolution, Frankfurt am Main 1850.
Hallerbach, Jörg: Franz Raveaux. 1810–1851. Ein Leben für die Freiheit, Euskirchen 2010.
Klaus, Schmidt: Franz Raveaux. Karnevalist und Pionier des demokratischen Aufbruchs in Deutschland, Köln 2001.
Thomann, Björn, Franz Raveaux, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-raveaux/DE-2086/lido/57cd1c7fe3fad9.55382410
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