FRANZ ZITZ
Abb.: Österreichische Nationalbibliothek
„Ich habe einen Ekel an der Arena der Rede und will lieber Kugeln als Worte schießen“ – die Aussage von Franz Zitz im Juni 1849 ist radikal und zeigt in aller Deutlichkeit, zu was er am Ende der Revolution, nach langem Kampf für Ordnung und Frieden, für die Durchsetzung seiner Überzeugungen bereit ist. Von Anfang an ist der studierte Jurist für einen radikalen Neubeginn in Deutschland. Als die Abgeordneten der Paulskirche Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone antragen und damit den Zusammenschluss mit den alten Mächten eingehen, verlässt Zitz das Parlament und schließt sich dem pfälzischen Aufstand an; enttäuscht von der Entscheidung ist für ihn klar, dass nicht mehr Worte, sondern nur Taten den ersehnten Neubeginn bringen können.
Geboren am 18. November in Mainz als Sohn eines Weinhändlers. Er studiert Rechtswissenschaften und arbeitet viele Jahre als Anwalt.
Nach dem Hambacher Fest wird die „Allgemeine Lesegesellschaft“ in Mainz verboten, in der sich Zitz mit anderen Mainzer Bürgern über politische Themen austauschte. Er tritt daraufhin dem Mainzer Karnevalsverein bei, der sich auch unter seinem Einfluss bis 1848 politisiert.
Zitz heiratet Kathinka Halein. Die Ehe hält nur bis 1839, wird allerdings nie geschieden. Da Zitz den Unterhalt für seine Frau nicht zahlt, kommt es zu mehreren Prozessen.
Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt wird Zitz in den Landtag gewählt. Dort ist er maßgeblich an der Einsetzung von Heinrich von Gagern beteiligt.
Zitz wird Oberst der Mainzer Bürgerwehr.
Zitz wird Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung in der Fraktion Deutscher Hof, später der radikal linken Fraktion Donnersberg.
Seine Beteiligung am Frankfurter Aufstand bringt ihm ein Untersuchungsverfahren ein. Auch vor der Paulskirche muss er sich rechtfertigen.
Aus Protest gegen die Entscheidung, Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anzutragen, verlässt Zitz die Paulskirche.
Zitz nimmt am pfälzischen Aufstand teil und wird dafür 1851 zum Tode verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits über die Schweiz in die USA emigriert.
In den USA verdingt sich Zitz erst als Farmer, dann als Anwalt in einem gemeinsamen Büro mit Julius Fröbel und Friedrich Kapp, die ebenfalls nach der gescheiterten Revolution Deutschland verlassen haben.
Nach seiner Amnestie kehrt er nach Deutschland zurück.
Zitz stirbt am 30. April in München
Kampfgenossen!
Ihr seid ausgezogen, für die Sicherung der Freiheit Eurer deutschen Brüder mitzuwirken. Ihr seid nicht, wie Soldaten, die blinden Werkzeuge eines Fürstens. Ihr habt Euch aus freier Überzeugung angeschlossen. Aber je freier Eure Entschließung war, desto größer muss Eure Hingebung sein. Es genügt zum Siege nicht, dass wir uns dem Feind gegenüber stellen, wir müssen geordnet und grade da stehen. Wer mit dem Corps gegangen ist, hat noch mehr die Verpflichtung, sich unbedingt allen Anordnungen zu fügen, als mit seiner Person einzustehen. Wer dies nicht vermag, und dennoch mit uns ausgezogen ist, der hat seine Kampfes- und Bundesgenossen hinteres Licht geführt, ihnen Vertrauen eingeflößt, um sie zu verraten. Besser als Feigling zu Hause geblieben, denn als Ausreißer zurückgegangen.
Einige unter Euch, Mitbürger, beschweren sich, dass sie noch nicht dem Feind gegenüber stehen. Ihr steht da, um den Feind abzuwarten. Er wird nicht säumen, zu kommen. Seid Ihr vielleicht gekommen, um nur heut den Feind abzuwehren und wollt Ihr, wenn er heute nicht kommt, morgen ihm das Feld offen lassen? Dass hieße Eurer Pflicht untreu werden. Geduldet Euch. Jeder Tag, den der Feind zögert, ist Gewinn für die Vermehrung unserer Kraft. Ihr habt gelobt mit Ausdauer und Entschlossenheit Freiheitskämpfer zu sein. Ihr seid vor den Augen von ganz Deutschland unter die Waffen getreten. Von Eurer Haltung hängt die Ehre Rheinhessens, der Erfolg der Demokratie in ganz Deutschland ab. Alle Blicke sind auf Euch gerichtet. Ganz Rheinhessen jubelt euch entgegen. Der Verteidigungs-Ausschuss von Kaiserslautern hat uns ersucht, Euch herzlich willkommen zu heißen. Der gute Geist der Rheinhessen ist bekannt, Ihr habt es übernommen, ihn seine Probe bestehen zu lassen. Wehe denen, die ihn beschimpfen. Wehe aber doppelt und dreifach denen, welche aus niederträchtiger Gesinnung die Armee durch böse Einflüsterungen zu demoralisieren suchen. Wir erwarten, dass uns solche Frevler von Jedem, der ihr Treiben wahrnimmt, unverzüglich angezeigt werden. Nur Verrat oder schmähliche Feigheit kann jetzt dazu verleiten, den Anordnungen der Leiter unserer Expedition Widerspruch entgegenzusetzen. Von allen braven und ehrliebenden Männern erwarten wir, dass sie alle Kräfte aufbieten, um dem Provinzial-Komitee behilflich zu sein und es vor allen Dingen in Aufrechthaltung der Ordnung zu unterstützen. Es gibt keine Tapferkeit in einer Armee ohne Ordnung. Ordnungswidrigkeit ist Feigheit, Disziplin ist Mut. Im Namen der Freiheit Deutschlands, der Ehre Rheinhessens rufen wir Euch zu: Wirke ein jeder für die Befestigung der Ordnung! Denket an unser hohes Ziel, denket an den glorreichen Tag: wo Ihr auf der Spitze Eurer Bajonette, den Sieg der Freiheit in Eure Heimat zurückbringt und von den Zurückgebliebenen als Retter des Vaterlandes umarmt werdet. Dieser Gedanke allein wird ausreichen, Euch in Eurer Pflicht zu stählen.
Kirchheimbolanden, den 13. Mai 1849
Brudergruß
Das Provinzial-Komitee
Bamberger. Zitz. Wallau.
Kirchheimbolanden, 16. Mai 1849. Wunderbar rasch organisiert sich der aus so vielfachen Bestandteilen zusammengesetzte bewaffnete und unbewaffnete Zuzug der Rheinhessen. Bereits sind sechs Compagnien, eine Arbeiter-Compagnie, eine Pionier-Companie und eine Artillerie Mannschaft vollständig organisiert, einexerziert, bewaffnet und jeden Augenblick kampfgerüstet. Unter den sechs Compangnien zeichnen sich aus:
1) Die Tirailleurs mit Doppelflinten und Hirschfänger, alles geübte Schützen, die bei den Exercitien zeigen, wie das, was man aus Eifer und mit Liebe tut, in Tagen gelernt wird, wozu der Söldling Jahre braucht, 2. Die aus den erprobtesten und zuverlässigsten Mitgliedern des Mainzer Arbeitervereins gebildeten, zwei vollständige bewaffneten Compagnien, Mut und Entschlossenheit zeichnet sie aus, 3) die Büchsenschützen und 4) die aus den Mainzer Turnern gebildeten Musketiere, beide durch gute Haltung, Gewandtheit und Eifer rühmlich. Rührend ist es, wenn der Civilchef Zitz den Compagnien den Eid in folgender Form abnimmt:
„Wir schwören als deutsche Männer, auf unsere Ehre und unser Gewissen, Gehorsam dem Oberbefehl und unseren Führern, Treue der Fahne, - zu kämpfen mit unbeugsamem Mute für die Freiheit und das Vaterland; uns den Kriegsgesetzten und der Disziplin zu unterwerfen und mit Gut und Blut einzustehen für die Einheit und Verfassung Deutschlands, auch im, wie außer dem Dienste stets die Gesetze der Ehre und des Anstandes mit Würde und Männlichkeit zu erfüllen.“
Lieber Müller!
[…] Ich sage Dir dies, um Dir desto eindringlicher zu werden. Unser Unternehmen¹ ruhe auf lahmen Füßen und wird meiner Ansicht nach in kurzem zusammenbrechen. Es fehlt an Geld – Waffen – Männern – Organisationstalent.
Deutschland hat keine revolutionären Schwerpunkte. Schlag und zapfe, soviel Du willst, es kommt kein Blut. Wahrscheinlich gehe ich, wenn die Sache sich hier auflöst, nach Baden – dort ist vielleicht mehr Hoffnung.
Folge meinem Rate und bleibe, wie Du bist. Später eine mehreres.
[…]
Alles das in tiefstem Vertrauen!!
1 Gemeint ist vermutlich der pfälzische Verfassungsaufstand.
Lieber Schütz!
Ich beeile mich dein Schreiben mit der kurzen Angabe meiner Bedenklichkeiten gegen den gemachten Vorschlag zu beantworten. 1) Warum dehnt die badische Regierung die Bewegung nicht aus, indem sie mit regulären Truppen die feindlichen Regimenten wirft? 2) Warum lässt sie in unbegreiflicher Untätigkeit den ganzen Norden Deutschlands heranrücken, während sie den ganzen Süden gewinnen und die Bewegung nach dem Norden fortpflanzen konnte? 3) Warum gibt sie den Pfälzern kein Geschütz, keine Truppen, keine Munition und kein Geld, um die Grenze zu besetzen? Warum hat sie das unselige, gar nicht auszuführende Projekt Blenkers, die Regumenter durch eine leere Demonstration des energielosen Odenwaldes zu überwinden, zur Ausführung bringen lassen? 5) Was versteht man unter Revolutionierung des Odenwaldes? Glaubt etwa die badische Regierung es könne ein einzelner feige Bayern zu Helden machen und Legionen aus der Erde stampfen? Rednerische Agitation vermag nichts gegen Flintenschüsse […]. Die badische Regierung soll nun definitiv beweisen dass 1) reguläres Militär gegen Hessen aufgestellt ist und den Befehl hat an einem gewissen Tage anzugreifen und zu kämpfen; 2) mir eine Summe Geldes zur Verfügung stellen, wenigstens 16.000 fl, worüber ich Rechnung geben werde, denn für mich will ich keinen Heller, so verspreche ich ihr dass der Odenwald als Diversion am Tage des Kampfes losbricht […]. 3) Die badische Regierung muss ferner zum Schutze der Grenze gegen Preußen und Hessen der Pfalz Kanonen leihen. Sonst ist das Wort Revolutionierung des Odenwaldes ein eitler Klang, die Tatsache selbst aber isoliert, ohne dankbares Resultat und in der Folge unselig, gleich dem ersten Versuch. Will die badische Regierung auf obiges unterhandeln, so schick mir ein gutes Reitpferd, ich komme dann sogleich. Mit Brudergruß, Dein Zitz. Kirchheimbolanden, den 28. Mai 1849.
Nachschrift. Warum unterhandelt der badische Gesandte nicht energisch mit Frankreich über den Ankauf von Privatwaffen? Das Ministerium muss es gestatten. Droht mit der Presse.
Lieber Freund!
Ich danke Dir herzlich für Deine offene Mitteilung und will sie ebenso kurz und offen beantworten.
1. Ich selbst mag unter keinen Verhältnissen mehr in das Parlament – ich habe einen Ekel an der Arena der Rede und will lieber Kugeln als Worte schießen.
2. Bamberger wird nicht nur dankbar akzeptieren, sondern er rechnet auch sonst darauf, dass Ihr ihm diesen Weg, der Sache zu nützen, öffnet. Er ist ein äußert praktischer und vortrefflicher Kopf – ergo!
3. Du selbst solltest meiner Ansicht nach um einen Ruf in die erste Kammer z.d. ambitionieren, weil Du eben Zeit hast, Deine Geschäfte zu besorgen und unter Beachtung Deiner Verhältnisse dem Vaterlande zu nützen.
Aber unter allen Umständen wählt – wählt, lasst Euch nicht beirren: zieht einen Notar zu, der die Geschäfte protokolliert – legt die früheren Berufungsschreiben bei. Habt Ihr die nötige Zahl beisammen und erhält Bamberger die absolute Majorität der ganzen gesetzlichen Zahl Wähler, so ist er absolut gewählt. Aber auch ohne dies lässt ihn die Nationalversammlung zu.
Die Schafsköpfe von O.G. wollen untersuchen? Revolutionäre Bewegung? O wäre sie nur da, diese Bewegung; sie sind aber in den Ideen dieser Polizeidiener zu finden – sonst ist unser Volk eben gar nicht revolutionär.
Auf uns haben sie es abgesehen? Nun gut – ich werde ihnen antworten!
Hiermit Gott befohlen und nur noch meiner zuckersüßen Base einen herzlichsten Kuss trotz aller Reaktionen ihres Mannes.
Keine Angabe.
Best, Heinrich / Weege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 8), Düsseldorf 1996, S. 373f.
Lucae, Konrad: Kirchheimbolanden und der pfälzisch-badische Aufstand 1848-49, Kirchheimbolanden 1979.
Kremb, Klaus / Dall, Sören: Ausgebremste Zeitenwende 1848/49. Begleitbuch zur Freischaren-Stadt-Tour Kirchheimbolanden (Schriftenreihe der Stadt Kirchheimbolanden, Beiheft 2), Kirchheimbolanden 2024.
Schrade, Sarah: Biografie von Franz Heinrich Zitz, 2008, https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/biographien/zitz-franz-heinrich.html.
FRANZ ZITZ
Abb.: Österreichische Nationalbibliothek
„Ich habe einen Ekel an der Arena der Rede und will lieber Kugeln als Worte schießen“ – die Aussage von Franz Zitz im Juni 1849 ist radikal und zeigt in aller Deutlichkeit, zu was er am Ende der Revolution, nach langem Kampf für Ordnung und Frieden, für die Durchsetzung seiner Überzeugungen bereit ist. Von Anfang an ist der studierte Jurist für einen radikalen Neubeginn in Deutschland. Als die Abgeordneten der Paulskirche Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone antragen und damit den Zusammenschluss mit den alten Mächten eingehen, verlässt Zitz das Parlament und schließt sich dem pfälzischen Aufstand an; enttäuscht von der Entscheidung ist für ihn klar, dass nicht mehr Worte, sondern nur Taten den ersehnten Neubeginn bringen können.
Geboren am 18. November in Mainz als Sohn eines Weinhändlers. Er studiert Rechtswissenschaften und arbeitet viele Jahre als Anwalt.
Zitz heiratet Kathinka Halein. Die Ehe hält nur bis 1839, wird allerdings nie geschieden. Da Zitz den Unterhalt für seine Frau nicht zahlt, kommt es zu mehreren Prozessen.
Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt wird Zitz in den Landtag gewählt. Dort ist er maßgeblich an der Einsetzung von Heinrich von Gagern beteiligt.
Zitz wird Oberst der Mainzer Bürgerwehr.
Zitz wird Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung in der Fraktion Deutscher Hof, später der radikal linken Fraktion Donnersberg.
Seine Beteiligung am Frankfurter Aufstand bringt ihm ein Untersuchungsverfahren ein. Auch vor der Paulskirche muss er sich rechtfertigen.
Aus Protest gegen die Entscheidung, Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anzutragen, verlässt Zitz die Paulskirche.
Zitz nimmt am pfälzischen Aufstand teil und wird dafür 1851 zum Tode verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits über die Schweiz in die USA emigriert.
In den USA verdingt sich Zitz erst als Farmer, dann als Anwalt in einem gemeinsamen Büro mit Julius Fröbel und Friedrich Kapp, die ebenfalls nach der gescheiterten Revolution Deutschland verlassen haben.
Nach seiner Amnestie kehrt er nach Deutschland zurück.
Zitz stirbt am 30. April in München
Kampfgenossen!
Ihr seid ausgezogen, für die Sicherung der Freiheit Eurer deutschen Brüder mitzuwirken. Ihr seid nicht, wie Soldaten, die blinden Werkzeuge eines Fürstens. Ihr habt Euch aus freier Überzeugung angeschlossen. Aber je freier Eure Entschließung war, desto größer muss Eure Hingebung sein. Es genügt zum Siege nicht, dass wir uns dem Feind gegenüber stellen, wir müssen geordnet und grade da stehen. Wer mit dem Corps gegangen ist, hat noch mehr die Verpflichtung, sich unbedingt allen Anordnungen zu fügen, als mit seiner Person einzustehen. Wer dies nicht vermag, und dennoch mit uns ausgezogen ist, der hat seine Kampfes- und Bundesgenossen hinteres Licht geführt, ihnen Vertrauen eingeflößt, um sie zu verraten. Besser als Feigling zu Hause geblieben, denn als Ausreißer zurückgegangen.
Einige unter Euch, Mitbürger, beschweren sich, dass sie noch nicht dem Feind gegenüber stehen. Ihr steht da, um den Feind abzuwarten. Er wird nicht säumen, zu kommen. Seid Ihr vielleicht gekommen, um nur heut den Feind abzuwehren und wollt Ihr, wenn er heute nicht kommt, morgen ihm das Feld offen lassen? Dass hieße Eurer Pflicht untreu werden. Geduldet Euch. Jeder Tag, den der Feind zögert, ist Gewinn für die Vermehrung unserer Kraft. Ihr habt gelobt mit Ausdauer und Entschlossenheit Freiheitskämpfer zu sein. Ihr seid vor den Augen von ganz Deutschland unter die Waffen getreten. Von Eurer Haltung hängt die Ehre Rheinhessens, der Erfolg der Demokratie in ganz Deutschland ab. Alle Blicke sind auf Euch gerichtet. Ganz Rheinhessen jubelt euch entgegen. Der Verteidigungs-Ausschuss von Kaiserslautern hat uns ersucht, Euch herzlich willkommen zu heißen. Der gute Geist der Rheinhessen ist bekannt, Ihr habt es übernommen, ihn seine Probe bestehen zu lassen. Wehe denen, die ihn beschimpfen. Wehe aber doppelt und dreifach denen, welche aus niederträchtiger Gesinnung die Armee durch böse Einflüsterungen zu demoralisieren suchen. Wir erwarten, dass uns solche Frevler von Jedem, der ihr Treiben wahrnimmt, unverzüglich angezeigt werden. Nur Verrat oder schmähliche Feigheit kann jetzt dazu verleiten, den Anordnungen der Leiter unserer Expedition Widerspruch entgegenzusetzen. Von allen braven und ehrliebenden Männern erwarten wir, dass sie alle Kräfte aufbieten, um dem Provinzial-Komitee behilflich zu sein und es vor allen Dingen in Aufrechthaltung der Ordnung zu unterstützen. Es gibt keine Tapferkeit in einer Armee ohne Ordnung. Ordnungswidrigkeit ist Feigheit, Disziplin ist Mut. Im Namen der Freiheit Deutschlands, der Ehre Rheinhessens rufen wir Euch zu: Wirke ein jeder für die Befestigung der Ordnung! Denket an unser hohes Ziel, denket an den glorreichen Tag: wo Ihr auf der Spitze Eurer Bajonette, den Sieg der Freiheit in Eure Heimat zurückbringt und von den Zurückgebliebenen als Retter des Vaterlandes umarmt werdet. Dieser Gedanke allein wird ausreichen, Euch in Eurer Pflicht zu stählen.
Kirchheimbolanden, den 13. Mai 1849
Brudergruß
Das Provinzial-Komitee
Bamberger. Zitz. Wallau.
Kirchheimbolanden, 16. Mai 1849. Wunderbar rasch organisiert sich der aus so vielfachen Bestandteilen zusammengesetzte bewaffnete und unbewaffnete Zuzug der Rheinhessen. Bereits sind sechs Compagnien, eine Arbeiter-Compagnie, eine Pionier-Companie und eine Artillerie Mannschaft vollständig organisiert, einexerziert, bewaffnet und jeden Augenblick kampfgerüstet. Unter den sechs Compangnien zeichnen sich aus:
1) Die Tirailleurs mit Doppelflinten und Hirschfänger, alles geübte Schützen, die bei den Exercitien zeigen, wie das, was man aus Eifer und mit Liebe tut, in Tagen gelernt wird, wozu der Söldling Jahre braucht, 2. Die aus den erprobtesten und zuverlässigsten Mitgliedern des Mainzer Arbeitervereins gebildeten, zwei vollständige bewaffneten Compagnien, Mut und Entschlossenheit zeichnet sie aus, 3) die Büchsenschützen und 4) die aus den Mainzer Turnern gebildeten Musketiere, beide durch gute Haltung, Gewandtheit und Eifer rühmlich. Rührend ist es, wenn der Civilchef Zitz den Compagnien den Eid in folgender Form abnimmt:
„Wir schwören als deutsche Männer, auf unsere Ehre und unser Gewissen, Gehorsam dem Oberbefehl und unseren Führern, Treue der Fahne, - zu kämpfen mit unbeugsamem Mute für die Freiheit und das Vaterland; uns den Kriegsgesetzten und der Disziplin zu unterwerfen und mit Gut und Blut einzustehen für die Einheit und Verfassung Deutschlands, auch im, wie außer dem Dienste stets die Gesetze der Ehre und des Anstandes mit Würde und Männlichkeit zu erfüllen.“
Lieber Müller!
[…] Ich sage Dir dies, um Dir desto eindringlicher zu werden. Unser Unternehmen¹ ruhe auf lahmen Füßen und wird meiner Ansicht nach in kurzem zusammenbrechen. Es fehlt an Geld – Waffen – Männern – Organisationstalent.
Deutschland hat keine revolutionären Schwerpunkte. Schlag und zapfe, soviel Du willst, es kommt kein Blut. Wahrscheinlich gehe ich, wenn die Sache sich hier auflöst, nach Baden – dort ist vielleicht mehr Hoffnung.
Folge meinem Rate und bleibe, wie Du bist. Später eine mehreres.
[…]
Alles das in tiefstem Vertrauen!!
Lieber Schütz!
Ich beeile mich dein Schreiben mit der kurzen Angabe meiner Bedenklichkeiten gegen den gemachten Vorschlag zu beantworten. 1) Warum dehnt die badische Regierung die Bewegung nicht aus, indem sie mit regulären Truppen die feindlichen Regimenten wirft? 2) Warum lässt sie in unbegreiflicher Untätigkeit den ganzen Norden Deutschlands heranrücken, während sie den ganzen Süden gewinnen und die Bewegung nach dem Norden fortpflanzen konnte? 3) Warum gibt sie den Pfälzern kein Geschütz, keine Truppen, keine Munition und kein Geld, um die Grenze zu besetzen? Warum hat sie das unselige, gar nicht auszuführende Projekt Blenkers, die Regumenter durch eine leere Demonstration des energielosen Odenwaldes zu überwinden, zur Ausführung bringen lassen? 5) Was versteht man unter Revolutionierung des Odenwaldes? Glaubt etwa die badische Regierung es könne ein einzelner feige Bayern zu Helden machen und Legionen aus der Erde stampfen? Rednerische Agitation vermag nichts gegen Flintenschüsse […]. Die badische Regierung soll nun definitiv beweisen dass 1) reguläres Militär gegen Hessen aufgestellt ist und den Befehl hat an einem gewissen Tage anzugreifen und zu kämpfen; 2) mir eine Summe Geldes zur Verfügung stellen, wenigstens 16.000 fl, worüber ich Rechnung geben werde, denn für mich will ich keinen Heller, so verspreche ich ihr dass der Odenwald als Diversion am Tage des Kampfes losbricht […]. 3) Die badische Regierung muss ferner zum Schutze der Grenze gegen Preußen und Hessen der Pfalz Kanonen leihen. Sonst ist das Wort Revolutionierung des Odenwaldes ein eitler Klang, die Tatsache selbst aber isoliert, ohne dankbares Resultat und in der Folge unselig, gleich dem ersten Versuch. Will die badische Regierung auf obiges unterhandeln, so schick mir ein gutes Reitpferd, ich komme dann sogleich. Mit Brudergruß, Dein Zitz. Kirchheimbolanden, den 28. Mai 1849.
Nachschrift. Warum unterhandelt der badische Gesandte nicht energisch mit Frankreich über den Ankauf von Privatwaffen? Das Ministerium muss es gestatten. Droht mit der Presse.
1 Gemeint ist vermutlich der pfälzische Verfassungsaufstand.
Lieber Freund!
Ich danke Dir herzlich für Deine offene Mitteilung und will sie ebenso kurz und offen beantworten.
1. Ich selbst mag unter keinen Verhältnissen mehr in das Parlament – ich habe einen Ekel an der Arena der Rede und will lieber Kugeln als Worte schießen.
2. Bamberger wird nicht nur dankbar akzeptieren, sondern er rechnet auch sonst darauf, dass Ihr ihm diesen Weg, der Sache zu nützen, öffnet. Er ist ein äußert praktischer und vortrefflicher Kopf – ergo!
3. Du selbst solltest meiner Ansicht nach um einen Ruf in die erste Kammer z.d. ambitionieren, weil Du eben Zeit hast, Deine Geschäfte zu besorgen und unter Beachtung Deiner Verhältnisse dem Vaterlande zu nützen.
Aber unter allen Umständen wählt – wählt, lasst Euch nicht beirren: zieht einen Notar zu, der die Geschäfte protokolliert – legt die früheren Berufungsschreiben bei. Habt Ihr die nötige Zahl beisammen und erhält Bamberger die absolute Majorität der ganzen gesetzlichen Zahl Wähler, so ist er absolut gewählt. Aber auch ohne dies lässt ihn die Nationalversammlung zu.
Die Schafsköpfe von O.G. wollen untersuchen? Revolutionäre Bewegung? O wäre sie nur da, diese Bewegung; sie sind aber in den Ideen dieser Polizeidiener zu finden – sonst ist unser Volk eben gar nicht revolutionär.
Auf uns haben sie es abgesehen? Nun gut – ich werde ihnen antworten!
Hiermit Gott befohlen und nur noch meiner zuckersüßen Base einen herzlichsten Kuss trotz aller Reaktionen ihres Mannes.
Keine Angabe.
Best, Heinrich / Weege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 8), Düsseldorf 1996, S. 373f.
Lucae, Konrad: Kirchheimbolanden und der pfälzisch-badische Aufstand 1848-49, Kirchheimbolanden 1979.
Kremb, Klaus / Dall, Sören: Ausgebremste Zeitenwende 1848/49. Begleitbuch zur Freischaren-Stadt-Tour Kirchheimbolanden (Schriftenreihe der Stadt Kirchheimbolanden, Beiheft 2), Kirchheimbolanden 2024.
Schrade, Sarah: Biografie von Franz Heinrich Zitz, 2008, https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/biographien/zitz-franz-heinrich.html.
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