
LORENZ BRENTANO
Abb.: Bundesarchiv
Der 1813 in Mannheim geborene Advokat Lorenz Brentano kämpfte schon früh als Abgeordneter im badischen Landtag für die Demokratie. Den gewaltsamen Umsturzversuchen, die in Baden im Jahre 1848 von seiner demokratischen Mitstreitern Friedrich Hecker und Gustav Struve initiiert wurden, stand er jedoch kritisch gegenüber, da diese seiner Ansicht nach das Volk abschrecken und von der demokratischen Bewegung distanzieren würden. Stattdessen wollte er die demokratische Entwicklung mit friedlichen Mitteln fördern und ließ sich deshalb in die Frankfurter Nationalversammlung wählen, in der er sich der Fraktion Donnersberg anschloss. Als in Baden 1849 der Maiaufstand ausbrach, trat Brentano schließlich an die Spitze der badischen Revolutionsregierung. Aufgrund seiner gemäßigten Haltung verlor er jedoch schnell das Vertrauen der Aufständischen und floh schließlich kurz vor der militärischen Niederschlagung der Erhebung zunächst in die Schweiz und später in die USA, wo er auf verschiedenen Ebenen weiterhin politisch aktiv blieb.
Lorenz Brentano wird am 4. November 1813 als Sohn eines Kommerzienrates in Mannheim geboren.
Beginn eines Studiums der Rechtswissenschaften an den Universitäten von Freiburg und Heidelberg.
Erfolgreiche Staatsprüfung und Berufseinstieg als Schriftverfasser bei verschiedenen badischen Bezirksämtern.
Ernennung zum Obergerichtsadvokat beim Hofgericht des Mittelrheinkreises in Rastatt und Wahl in die 2. Kammer des badischen Landtags.
Wahl in die Frankfurter Nationalversammlung, in der er sich der Fraktion Donnersberg anschließt.
Im Rahmen des badischen Maiaufstands wird Brentano vom Landesausschuss der Volksvereine zunächst in die Exekutivkommission und später in die neu gebildete provisorische Regierung berufen. Nach den Wahlen vom 3. Juni beauftragt ihn dann schließlich auch die Verfassungsgebende Versammlung mit der Führung der Regierungsgeschäfte. Als die Aufständischen jedoch zunehmend in die militärische Defensive geraten und die Verfassungsgebende Versammlung die von Brentano als dringend notwendig erachteten Verhandlungen mit dem Großherzog ablehnt und sich stattdessen für eine Fortsetzung der Kämpfe ausspricht, legt er sein Regierungsamt nieder und flüchtet in die Schweiz.
Nach der Emigration in die USA und einer mehrjährigen Tätigkeit als Landwirt wird Brentano in Chicago Redakteur der „Illinois Staats-Zeitung“.
Ernennung zum persönlichen Gesandten des amerikanischen Präsidenten Lincolns in Skandinavien.
Rückkehr nach Deutschland als amerikanischer Konsul in Dresden.
Abgeordneter im Kongress der Vereinigten Staaten für die republikanische Partei.
Am 17. September stirbt Brentano im Alter von 77 Jahren in Chicago.
Frank Engehausen
In der Geschichte der Demokratie in Deutschland gebührt Lorenz Brentano eine Sonderstellung, war er doch nicht nur einer der ungefähr 100 Anhänger des Prinzips der Volkssouveränität, die sich als Abgeordnete in der Paulskirche für eine deutsche Republik einsetzten, sondern auch die Führungsfigur einer der ganz frühen demokratisch legitimierten Regierungen in Deutschland, die nach dem Zerfall der Nationalversammlung von Baden aus für die Durchsetzung einer Reichsverfassung von unten kämpfte. Allerdings konnte Brentano im Mai und Juni 1849 als badischer Regierungschef die Hoffnungen nicht erfüllen, die Demokraten aus ganz Deutschland auf ihn setzten, so dass er nach dem Scheitern der Reichsverfassungskampagne von zwei Seiten geschmäht wurde: von den Liberalen und den Konservativen als politischer Hasardeur, der aus persönlicher Geltungssucht den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung riskiert habe, und von seinen ehemaligen politischen Weggefährten als Möchtegernrevolutionär, der in der Stunde der Entscheidung Angst vor der eigenen Courage gehabt habe. In dieser Konstellation mag es nicht verwundern, dass Brentano bald weitgehend in Vergessenheit geriet und jedenfalls keinen herausgehobenen Platz in einer Ahnengalerie der deutschen Demokraten finden konnte. Weiterlesen
Wie so viele spätere Abgeordnete der Nationalversammlung studierte auch der in Mannheim geborene und aufgewachsene Brentano Rechtswissenschaften. Die Studienorte waren Freiburg und Heidelberg, und nach der Promotion 1835 trat Brentano als Rechtspraktikant in den badischen Staatsdienst. 1837 wurde er Advokat in Mannheim, und seit 1845 war er als Oberhofadvokat in Bruchsal tätig. In diesem Jahr wurde er auch in die Zweite Kammer des badischen Landtags gewählt; das Mandat gewann er in seiner Vaterstadt Mannheim. Im Landtag schloss sich Brentano den Liberalen an und trat 1846 mit einem Antrag zum Schutz der richterlichen Unabhängigkeit hervor. In dem sich rasch beschleunigenden Prozess des Zerfalls der Kammeropposition in einen gemäßigten, in Regierungsverantwortung drängenden Flügel und einen radikalen Flügel, in dem allmählich offen demokratische Positionen formuliert wurden, sympathisierte Brentano mit letzterem. Sichtbar wurde dies in seiner Teilnahme an der Offenburger Versammlung vom 12. September 1847, auf der ein radikales Landtagswahlprogramm aufgestellt wurde. In den ersten Wochen der Revolution 1848 war Brentano bei den wichtigen Veranstaltungen präsent, unter anderem bei der Heidelberger Versammlung vom 5. März und im Vorparlament, und zeigte sich dort an der Seite der badischen Radikalen um Friedrich Hecker und Gustav Struve, ohne selbst mit maßgeblichen Wortbeiträgen hervorzutreten. An deren Versuch, mit dem Heckerzug im April eine republikanische Erhebung in Baden zu initiieren, beteiligte sich Brentano nicht.
Brentano wurde in einem der badischen Schwarzwaldwahlkreise in die deutsche Nationalversammlung gewählt und schloss sich in der Paulskirche zunächst der demokratischen Fraktion Deutscher Hof und bald darauf der radikalen Linken der Fraktion Donnersberg an. Eine führende Rolle spielte er dort nicht, und in der Paulskirche trat er nur zweimal als Redner in Erscheinung. Hierbei gelang es ihm allerdings, einen spektakulären Tumult anzuzetteln, als er in der Debatte über die Annullierung der Wahl Heckers in die Nationalversammlung energisch eine Amnestie des geflohenen Revolutionärs forderte und mit seinen Ausführungen, unter anderem einer Gleichsetzung Heckers mit dem im März 1848 aus Berlin geflohenen und inzwischen zurückgekehrten preußischen Kronprinzen, den Parlamentsvizepräsidenten, seinen Mannheimer Advokatenkollegen Alexander von Soiron, so sehr reizte, dass dieser die Sitzung unterbrechen musste. Im Protokoll zu dieser Sitzung vom 7. August 1848 wurde dazu festgehalten: „Furchtbarer Lärm, von der Rechten nähern sich mehrere Mitglieder, von der Linken sammeln sich gleichfalls viele Abgeordnete neben der Tribüne. Große Aufregung. Der Vorsitzende versucht lange vergeblich durch die Glocke die Ruhe wiederherzustellen […] Anhaltender Tumult in der Versammlung, und namentlich in der Nähe der Rednertribüne, um die sich eine große Menge Abgeordneter drängt. Bravo und Hoch! von der Galerie. Vizepräsident v. Soiron bedeckt sich. Der Tumult steigert sich. Der Vizepräsident verlässt mit dem Büreau den Saal. Fortwährende große Aufregung. Endlich verlässt Brentano die Tribüne, und nach und nach leert sich der Saal“ (Stenographischer Bericht 2, S. 1438).
Mit diesem in der Geschichte der Nationalversammlung einmaligen Vorfall verfestigten sich klare Bilder von Brentano. Für die Liberalen war er der Prototyp eines zynischen, republikanischen Provokateurs, der „verächtlich und maliziös“ (Laube, Parlament 2, S. 102) auf die Paulskirchenmehrheit herabblickte, und den Demokraten erschien er als unnachgiebiger Fürsprecher der verfolgten Revolutionäre. Dies demonstrierte Brentano auch dadurch, dass er mehrere von ihnen vor Gericht vertrat. Sein prominentester Mandant war Struve, der nach dem Heckerzug hatte fliehen können, aber im September 1848 in Haft geriet, nachdem er einen zweiten republikanischen Aufstand von Lörrach aus initiiert hatte und ein weiteres Mal gescheitert war. In dem von großem öffentlichem Interesse begleiteten Hochverratsprozess vor einem Freiburger Geschworenengericht bewies Brentano sein „ausgezeichnetes polemisches Talent“ (Struve, Volkserhebungen, S. 142) und baute sein Image als unerschrockener Freiheitskämpfer noch aus. Dass es ihm an realem politischem Einfluss fehlte, war ein Schicksal, das er mit vielen Demokraten in der Revolution 1848 teilte: In der Paulskirche zog er sich in die Hinterbänke zurück, und auch im badischen Landtag, in dem weiterhin die Liberalen den Ton angaben, fand er keine adäquaten Betätigungsmöglichkeiten. Selbst in Mannheim, wo ihn die kommunalen Wähler zum Oberbürgermeister machen wollten, kam er nicht an die Schalthebel der Macht, da ihm die großherzogliche Regierung die Anerkennung in diesem Amt verweigerte.
Brentano setzte seine politischen Hoffnungen gezwungenermaßen auf die revolutionäre Öffentlichkeit, die seit dem Jahresanfang 1849 in Baden Aufwind erhielt, als die Inkraftsetzung des in der Paulskirche beschlossenen Grundrechtskatalogs der seit dem April des Vorjahres andauernden Repressionspolitik der großherzoglichen Regierung den Boden entzog und demokratische Agitation und Organisation wieder möglich wurden. Als Vorsitzender des Demokratischen Vereins in Mannheim, der größten Stadt des Landes, fiel Brentano eine wichtige Position im Lager der durch zahlreiche Vereinsgründungen wachsenden radikalen Bewegung zu. Dies wurde offenkundig, als Mitte Mai 1849 in Offenburg ein Landeskongress der badischen Volksvereine stattfand, in einer akuten Krisensituation, in der sich mehrere Probleme überlagerten: rapider Autoritätsverlust des badischen Landtags; nationalpolitische Orientierungslosigkeit der Landesregierung, die den Reichsgründungsversuch der Paulskirche unterstützt hatte, nun aber mitansehen musste, wie die Nationalversammlung erodierte; schließlich Unruhen in der badischen Armee, die den Großherzog zu einer überstürzten Flucht außer Landes veranlassten. Brentano, in Offenburg gar nicht anwesend, wurde dort zum Vorsitzenden des Landesausschusses der Volksvereine gewählt, der wider eigene Ursprungsambitionen zu einer provisorischen Regierung wurde, als sich die revolutionären Ereignisse innerhalb weniger Tage überschlugen.
Auf Brentano stürmte in seinen wechselnden Ämtern – zunächst Führer einer Exekutivkommission des Landesausschusses, dann einer provisorischen badischen Regierung und schließlich primus inter pares von drei „Diktatoren“ – eine Vielzahl von Problemen ein: der Aufbau einer neuen Verwaltungsspitze durch Zivilkommissare und die Vereidigung der Staatsdiener und Offiziere auf die neuen Machthaber, die Vorbereitung des Übergangs zu geordneten und demokratisch legitimierten Verhältnissen durch die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung sowie die Vorbereitung auf die militärische Konfrontation mit den auf Baden vorrückenden konterrevolutionären Truppen Preußens und des Bundes unter den Prämissen entweder der Landesverteidigung oder des Revolutionsexports. Welche Ziele er selbst dabei verfolgte, war für die Zeitgenossen kaum auszumachen und lässt sich auch in der Rückschau nicht klar identifizieren. Zu denjenigen, die auf eine Eskalation der Zustände zielten, um Fakten für die Sache der Demokratie zu schaffen, zählte er jedenfalls nicht. Zumindest eine Zeitlang spekulierte er vielmehr darauf, irgendwie eine Verständigung mit dem geflohenen Großherzog zu erreichen und dann vielleicht von ihm als Chef einer linken Reformregierung akzeptiert zu werden, um die herum sich deutschlandweit die Anhänger des Frankfurter Verfassungswerks hätten sammeln können.
Statt die Verwirklichung weitgreifender Pläne anzugehen, sah sich Brentano in den Wochen der Badischen Revolution tagesaktuell wechselnden Widrigkeiten ausgesetzt. Für diese war nicht zuletzt die unter bürgerkriegsähnlichen Bedingungen gewählte und am 10. Juni 1849 zusammengetretene verfassunggebende Landesversammlung verantwortlich, die mehr oder minder unkoordiniert politische Weichenstellungen vorzunehmen versuchte. Brentano charakterisierte sie drei Wochen nach ihrer Eröffnung in einem Aufruf an das Volk verbittert als „eine Versammlung, deren Mehrheit aus ganz unfähigen, gewöhnlichen Schreiern besteht“, die das „kläglichste Bild einer Volksvertretung“ geboten habe, „welche je getagt, und welche ihren gänzlichen Mangel an Einsicht und Kenntnissen hinter sogenannten revolutionären Anträgen verbergen wollte, die heute zum Beschluss erhoben, morgen als unausführbar wieder umgestoßen werden mussten“ (Vollmer, Vormärz und Revolution, S. 163). Auch außerhalb der verfassunggebenden Versammlung bereiteten die Radikalen, die sich in einem von Struve ins Leben gerufenen „Club des entschiedenen Fortschritts“ organisierten, permanent Schwierigkeiten.
Wie der politische Kampf zwischen dem mitunter sehr vorsichtig taktierenden Realpolitiker Brentano und dem linken Flügel der Revolutionäre ausgegangen wäre, lässt sich nicht abschätzen, da die republikanische Erhebung in Baden nicht an inneren Konflikten scheiterte, sondern von außen militärisch niedergeworfen wurde. Entscheidender Wendepunkt im Kriegsgeschehen war der Widerstand zahlenmäßig unterlegener preußischer Truppen in der Schlacht bei Waghäusel am 21. Juni 1849, der das Nachrücken anderer gegenrevolutionären Truppen ermöglichte, worauf sich die von Auflösungserscheinungen gebeutelte Revolutionsarmee nach Süden zurückzog. Da Karlsruhe militärisch entblößt war, flohen auch die revolutionären Politiker und setzten ihre internen Querelen in Freiburg fort. Zu ihrem Opfer wurde Brentano, der auf Initiative Struves wegen des Vorwurfs, er habe versäumt, den Krieg mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu führen, ein Misstrauensvotum erhielt und daraufhin als Diktator zurücktrat. Manchem Radikalen erschien er nachträglich als der Totengräber der Badischen Revolution, die wegen einer Reihe von „Verrätereien“ gescheitert sei, „deren mittelbare oder unmittelbare Ursache Brentano war“ (Struve, Volkserhebungen, S. 325).
Nach seiner Absetzung beziehungsweise seinem Amtsverzicht setzte sich Brentano in die Schweiz ab und erlebte die militärische Besieglung der Niederlage – den Einzug preußischer Truppen in Freiburg am 7. Juli und die Kapitulation der in der Festung Rastatt verschanzten Reste der Revolutionsarmee am 23. Juli – nicht mehr in Baden mit. An eine Rückkehr dorthin war nicht zu denken: Im Juni 1850 wurde Brentano in Abwesenheit vom Hofgericht Bruchsal zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe und zu Schadensersatzleistungen verurteilt. Er wanderte daraufhin in die USA aus, wo er wie mehrere andere geflohene deutsche Revolutionäre von 1848/49 noch eine veritable politische Karriere machte: Er versuchte sich zunächst als Farmer in Michigan und reüssierte Ende der 1850er Jahre als Journalist in Chicago. In der dortigen Kommunalpolitik spielte er eine wichtige Rolle, und nachdem er Abraham Lincoln in dessen Wahlkampf unterstützt hatte, übernahm er diplomatische Aufgaben. Die allgemeine Amnestie der badischen Revolutionäre in der von Großherzog Friedrich I. 1860 eingeleiteten „Neuen Ära“ ermöglichte Brentano die Rückkehr in die Heimat, der er allerdings nur Besuche abstattete. Kurz nach der Reichsgründung amtierte Brentano für einige Jahre als US-amerikanischer Konsul in Dresden; nach seiner Rückkehr in die USA 1876 wurde er in das Repräsentantenhaus gewählt.
Zitierte Quellen und Literatur:
Heinrich Laube, Das erste deutsche Parlament, Bd. 2, Leipzig 1849.
Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, hrsg. v. Franz Wigard, Bd. 2, Frankfurt/Main 1848.
Gustav Struve, Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden 1848/49, Freiburg 1980.
Franz Xaver Vollmer, Vormärz und Revolution 1848/49 in Baden. Strukturen, Dokumente, Fragestellungen, Frankfurt/Main u. a. 1979.
„Die Gerichte sind unabhängig innerhalb der Grenzen ihrer Competenz“, sagt der §14 unserer Verfassung, und diese Zusicherung muss eine Wahrheit werden, wenn überhaupt die Verfassung eine Wahrheit sein soll; und sowie wir auf jedem Landtage unsre Stimme für Freiheit der Presse erheben, und solange erheben müssen, bis diese Freiheit der Presse errungen ist, ebenso müssen wir auch auf jedem Landtage für Unabhängigkeit der Gerichte auftreten […]. Ganz unabhängige Richter zu erstreben, ist der Zweck dieses Antrages nicht, denn ganz unabhängige Richter können keine Staatsdiener sein, weil es nie gelingen wird, solche Garantien zu erlangen, ja nur aufzufinden, welche die Staatsdiener ganz und in jeder Beziehung von der Regierungsgewalt unabhängig machen. Ganz unabhängige Richter sind nur solche, welche aus dem Volke für den einzelnen Fall gewählt werden, die nach Beendigung des einzelnen Falles, für welchen sie berufen sind, wieder abtreten von dem Richterstuhle, wieder zurückkehren an den häuslichen Herd, zu ihrer bürgerlichen Beschäftigung - es sind dies Geschworene. Bei der Abneigung, welche die deutschen Regierungen gegen dieses volkstümliche Institut empfinden, ist wohl noch lange keine Hoffnung, dass dasselbe wieder auf seinem heimatlichen Boden blühen werde, und darum ist es um so mehr unser Beruf, dahin zu wirken, dass wenigstens die unter den Verhältnissen größt mögliche Garantie der Unabhängigkeit der Gerichte errungen werde.
Meine Herren! Gehen Sie in das badische Oberland, wo die meisten Petitionen herstammen, Sie werden Dörfer und Ortschaften finden, wo kein Haus ist, in dem nicht Trauer herrscht, kein Haus, in dem nicht Vater, Bruder, Gatte oder Bräutigam entweder in dem fernen Lande weilt, oder in dem Kerker schmachtet; Sie werden wenige Häuser finden, wo nicht der Wohlstand jetzt schon ruinirt ist, wo der Wohlstand nicht voraussichtlich gänzlich ruinirt werden muss, wenn dieser Zustand noch länger dauert. Man sagt, wir werden neue Kämpfe Hervorrufen, wenn wir die Amnestie erteilen; ich glaube im Gegenteile, Sie werden beschwichtigend wirken, wenn Sie die Folgen des Unglücks von den Getroffenen abnehmen, und eine Waffe von Menschen sich befreunden; Sie werden sich keine politischen Gegner, Sie werden sich Freunde durch die Amnestie erziehen. Es hat mich mit tiefem Schmerz erfüllt, als ich einen Redner von der Tribüne sagen hörte, ein großer Teil des Volkes würde die Nationalversammlung, wenn sie für die Amnestie sich ausspreche, mit Misstrauen verfolgen. Meine Herren! Ich habe einen besseren Begriff von dem deutschen Volke, ich glaube, dass gefühlvolle Herzen in großer Anzahl in demselben schlagen, als dass es wegen einer großartigen Amnestie die Nationalversammlung mit Misstrauen verfolgen sollte.
Ich überzeuge mich nach diesen Vorgängen immer mehr, dass man ganz Recht hat, wenn man sagt, die Reaktion erhebt ihr Haupt wieder, und wenn der Herr Minister sagt, in dem jetzigen Augenblick führe eine solche Bewegung zu Blutvergießen, so sage ich, das Blutvergießen wäre nicht hervorgerufen worden, wenn man die Forderungen des Volkes mehr berücksichtigt hätte, wenn Sie nicht fortverhandelt hätten mit einer Kammer, die das Vertrauen der Mehrheit des Volkes nicht mehr besitzt, denn gerade darum hat das Volk sich verleiten lassen zur Gewalt zu greifen.
Meine Herren, die Aufstände, die im Frühjahr […] im badischen Lande stattfanden, wir beklagen sie tief, und müssen sie beklagen, denn nichts ist mehr geeignet, die schüchternen Menschen auf die Seite der Regierung hinüberzulocken, und den Fortschritt der Freiheit zu hindern, als gerade diese Aufstände.
Mitbürger! Dreizehn Monate harten Kampfes, dreizehn Monate schwerer Opfer sind vorüber. In solcher Zeit hat uns nur die Hoffnung aufrecht erhalten, dass unser schönes Vaterland die Freiheit erringen, und dass ein Bruderband alle Deutschen umschlingen werde. Doch kaum ist die deutsche Verfassung endgültig von den Vertretern der Nation festgestellt, so tritt die Verschwörung der Könige, ihre landesverräterische Verbindung mit dem Zaren von Rußland zur Knechtung des deutschen Volkes, welches im vorigen März seine Großmut betätigt hat - es tritt die Konterrevolution keck und unverschleiert hervor. Nochmals soll die absolute Fürstenherrschaft gegründet, nochmals sollen die Ketten geschmiedet werden, die wir im März verflossenen Jahres zerrissen haben. Mitbürger! In einem solchen Kampfe konnte die tapfere Armee, konnten unsere und eure Brüder nicht zweifelhaft sein, dass ihre Pflicht sie auf die Seite des Volkes rief; sie habe es erkannt, dass sie, die Söhne des Vaterlandes, für die Freiheit des Volkes, für die Einheit der deutschen Lande, und für die Größe der Nation fechten sollen. Die Armee hat sich daher mit uns verbunden. Sie kämpft nicht gegen das Volk, sie kämpft nur gegen die Feinde der Freiheit und des Vaterlandes.
Mitbürger! Feinde der Freiheit, zu deren Erringung sich alle Klassen des Volkes verbrüdert haben, suchen dieser ruhmvollen Erhebung eines begeisterten Volkes dadurch zu schaden, dass sie zu Gewalttätigkeiten gegen unsere Brüder israelitischen Glaubensbekenntnisses aufreizen. Mitbürger! Ein freies Volk kennt keinen Unterschied der Religion und des Glaubens, und die Reichsverfassung, für deren Durchführung Ihr Euch erhoben, hat alles Unrecht, welches barbarische Gesetze mit dem religiösen Glaubensbekenntnisse verbunden haben, für aufgehoben erklärt. Mitbürger! Hört nicht auf Solche, welche Euch jetzt gegen die Juden aufreizen, sie beabsichtigen nichts Anderes, als Euren heldenmütigen Kampf für das heiligste Gut des Menschen, für die Freiheit, zu schänden. Mitbürger! Ihr seid viel zu vernünftig, als dass Ihr Euch verleiten lassen könntet, das Eigentum Eurer israelitischen Brüder zu verletzen, oder gegen ihre Personen Gewalt zu brauchen. Ihr werdet zeigen, dass Ihr den begonnenen Kampf auf ruhmwürdige und ehrenvolle Weise zu Ende bringen könnt. Mitbürger! Das Vaterland sieht auf Euch!
Nach einer 33 jährigen Unterdrückung des Volkes und seiner Rechte schien es endlich im Frühlinge des vorigen Jahres, dass die Sonne der Freiheit aufgehen werde über ganz Deutschland und seine Gauen und dass sie beglückend bescheinen werde die deutschen Völker. Ich brauche Sie, Bürger Volksvertreter, nicht daran zu erinnern, mit welcher Mäßigung damals das Volk zu Werke gegangen ist, und wie es stehen geblieben an den Thronen Derjenigen, die in einem so langen Zeiträume alle Hoffnung auf Freiheit, auf Einigung des Vaterlandes zertrümmert hatten. Der Ruf nach Freiheit, der Ruf nach Einheit, der Ruf nach Größe der Nation, er ist nicht zur Wahrheit geworden. […] So, Bürger Volksvertreter, war die Lage des Vaterlandes, als ein Bruderstamm jenseits des Rheins, als die wackern Pfälzer sich mutig erhoben und mit den Waffen in der Hand erklärten, dass sie den Trotz ihres Königs brechen wollten. Dieser mutige Schritt unserer Nachbarn und Brüder konnte natürlich nicht ohne Wirkung auf uns sein [...] und so nahmen es denn die Vereine der Männer des Volks in die Hand, für die Durchführung eines bessern Zustandes zu wirken. Es bildeten sich die Volksvereine, und mit ihnen verband sich, zur Ehre und zum Ruhm sei es gesagt, denn zum erstenmal in Deutschland geschah es - mit ihnen verband sich die wackere badische Armee, deren Mitglieder erkannten, dass sie vor allen Dingen Bürger seien und dass sie nur dann für das Wohl des Vaterlandes in Wahrheit wirken, wenn sie Hand in Hand mit den Bürgern gehen. […] An Ihnen, Bürger Volksvertreter, ist es nun, sich darüber auszusprechen, auf welche Weise künftig dieses Land regiert werden soll. Eines aber werden wir wohl Alle bedenken, der Kampf, der entbrannt ist gegen die Mächte des Nordens, der Kampf, der entbrannt ist gegen die Feinde des Volkes, es ist kein Kampf des badischen Volkes, es ist kein Kampf unserer rheinpfälzischen Brüder, es ist ein Kampf des ganzen deutschen Volkes, für das große, für das deutsche Vaterland.
Am 14. Mai wurde ich aus dem Bett geholt, trotz meines körperlichen Zustandes wollte ich nicht zurückbleiben, ich wollte den Kampf für die Freiheit rein halten von allen unsauberen Bestrebungen, ich wollte die heilige Sache nicht schänden lassen, durch verabscheuungswürdige Handlungen, ich wollte Ordnung handhaben, und die Freiheit der Personen, sowie die Unverletzlichkeit des Eigentums schützen. Längere Zeit gelang mir dies. Ich versuchte alle Ungerechtigkeiten zu verhüten und überall, wo man mich anrief, habe ich mich bemüht, gegen Gewalttätigkeiten zu schirmen und zu beweisen, dass selbst bei der durchgreifensten Staatsumwälzung es möglich sei, die Anarchie ferne zu halten. Mitbürger! Wie auch meine Fähigkeit als Revolutionsmann beurteilt werden mag, ich habe mein Gewissen rein gehalten, nicht eine einzige Schandtat habe ich zu verantworten, nicht einen Kreuzer eures Geldes habe ich leichtsinnig vergeudet, nicht einen heller habe ich mich bereichert.
Badischer Landtag (Hrsg.): Verhandlungen der Ständeversammlung des Großherzogtums Badens in den Jahren 1847-1849,10 Bde. Karlsruhe 1848ff.
Bauer, Sonja-Maria: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849. Darstellung und Dokumentation (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 94), Düsseldorf 1991.
O.V.: Die republikanische Parthei Badens und ihre Führer beurtheilt und gerichtet in der schriftlichen Hinterlassenschaft von Hecker, Struve und Brentano, Mannheim 1849.
Baeuerle, Dieter: Lorenz Brentano, Christoph Wolff und die Baden-Badener Mairevolution von 1849, in: Badische Heimat 77 (1997), S. 449-463.
Bauer, Sonja-Maria: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849. Darstellung und Dokumentation (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 94), Düsseldorf 1991.
Bauer, Sonja-Maria: Lorenz Brentano. Vom Advokaten und Revolutionär in Baden zum Journalisten und Politiker in den USA. Eine biographische Skizze, in: Baden 1848/49. Bewältigung und Nachwirkung einer Revolution, hrsg. von Clemens Rehm, Hans-Peter Becht und Kurt Hochstuhl, Stuttgart 2002, S. 217–237.
O.V.: Lorenz Brentano, in: Badische Biographien. V. Teil, hrsg. von Friedrich von Weech und Albert Krieger, Heidelberg 1906, S. 879-895.
Sperl, Georg: Lorenz Brentano, in: Neue Deutsche Biographien. Bd. 2, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1955, S. 595-596.
Strobel, Engelbert: Lorenz Brentano. Einer der Hauptanführer der Revolution 1849, in: Badische Heimat 49 (1969), S. 153-155.
LORENZ BRENTANO

Abb.: Bundesarchiv
Der 1813 in Mannheim geborene Advokat Lorenz Brentano kämpfte schon früh als Abgeordneter im badischen Landtag für die Demokratie. Den gewaltsamen Umsturzversuchen, die in Baden im Jahre 1848 von seiner demokratischen Mitstreitern Friedrich Hecker und Gustav Struve initiiert wurden, stand er jedoch kritisch gegenüber, da diese seiner Ansicht nach das Volk abschrecken und von der demokratischen Bewegung distanzieren würden. Stattdessen wollte er die demokratische Entwicklung mit friedlichen Mitteln fördern und ließ sich deshalb in die Frankfurter Nationalversammlung wählen, in der er sich der Fraktion Donnersberg anschloss. Als in Baden 1849 der Maiaufstand ausbrach, trat Brentano schließlich an die Spitze der badischen Revolutionsregierung. Aufgrund seiner gemäßigten Haltung verlor er jedoch schnell das Vertrauen der Aufständischen und floh schließlich kurz vor der militärischen Niederschlagung der Erhebung zunächst in die Schweiz und später in die USA, wo er auf verschiedenen Ebenen weiterhin politisch aktiv blieb.
Beginn eines Studiums der Rechtswissenschaften an den Universitäten von Freiburg und Heidelberg.
Erfolgreiche Staatsprüfung und Berufseinstieg als Schriftverfasser bei verschiedenen badischen Bezirksämtern.
Ernennung zum Obergerichtsadvokat beim Hofgericht des Mittelrheinkreises in Rastatt und Wahl in die 2. Kammer des badischen Landtags.
Wahl in die Frankfurter Nationalversammlung, in der er sich der Fraktion Donnersberg anschließt.
Im Rahmen des badischen Maiaufstands wird Brentano vom Landesausschuss der Volksvereine zunächst in die Exekutivkommission und später in die neu gebildete provisorische Regierung berufen. Nach den Wahlen vom 3. Juni beauftragt ihn dann schließlich auch die Verfassungsgebende Versammlung mit der Führung der Regierungsgeschäfte. Als die Aufständischen jedoch zunehmend in die militärische Defensive geraten und die Verfassungsgebende Versammlung die von Brentano als dringend notwendig erachteten Verhandlungen mit dem Großherzog ablehnt und sich stattdessen für eine Fortsetzung der Kämpfe ausspricht, legt er sein Regierungsamt nieder und flüchtet in die Schweiz.
Nach der Emigration in die USA und einer mehrjährigen Tätigkeit als Landwirt wird Brentano in Chicago Redakteur der „Illinois Staats-Zeitung“.
Ernennung zum persönlichen Gesandten des amerikanischen Präsidenten Lincolns in Skandinavien.
Rückkehr nach Deutschland als amerikanischer Konsul in Dresden.
Abgeordneter im Kongress der Vereinigten Staaten für die republikanische Partei.
Am 17. September stirbt Brentano im Alter von 77 Jahren in Chicago.
Frank Engehausen
In der Geschichte der Demokratie in Deutschland gebührt Lorenz Brentano eine Sonderstellung, war er doch nicht nur einer der ungefähr 100 Anhänger des Prinzips der Volkssouveränität, die sich als Abgeordnete in der Paulskirche für eine deutsche Republik einsetzten, sondern auch die Führungsfigur einer der ganz frühen demokratisch legitimierten Regierungen in Deutschland, die nach dem Zerfall der Nationalversammlung von Baden aus für die Durchsetzung einer Reichsverfassung von unten kämpfte. Allerdings konnte Brentano im Mai und Juni 1849 als badischer Regierungschef die Hoffnungen nicht erfüllen, die Demokraten aus ganz Deutschland auf ihn setzten, so dass er nach dem Scheitern der Reichsverfassungskampagne von zwei Seiten geschmäht wurde: von den Liberalen und den Konservativen als politischer Hasardeur, der aus persönlicher Geltungssucht den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung riskiert habe, und von seinen ehemaligen politischen Weggefährten als Möchtegernrevolutionär, der in der Stunde der Entscheidung Angst vor der eigenen Courage gehabt habe. In dieser Konstellation mag es nicht verwundern, dass Brentano bald weitgehend in Vergessenheit geriet und jedenfalls keinen herausgehobenen Platz in einer Ahnengalerie der deutschen Demokraten finden konnte.
Wie so viele spätere Abgeordnete der Nationalversammlung studierte auch der in Mannheim geborene und aufgewachsene Brentano Rechtswissenschaften. Die Studienorte waren Freiburg und Heidelberg, und nach der Promotion 1835 trat Brentano als Rechtspraktikant in den badischen Staatsdienst. 1837 wurde er Advokat in Mannheim, und seit 1845 war er als Oberhofadvokat in Bruchsal tätig. In diesem Jahr wurde er auch in die Zweite Kammer des badischen Landtags gewählt; das Mandat gewann er in seiner Vaterstadt Mannheim. Im Landtag schloss sich Brentano den Liberalen an und trat 1846 mit einem Antrag zum Schutz der richterlichen Unabhängigkeit hervor. In dem sich rasch beschleunigenden Prozess des Zerfalls der Kammeropposition in einen gemäßigten, in Regierungsverantwortung drängenden Flügel und einen radikalen Flügel, in dem allmählich offen demokratische Positionen formuliert wurden, sympathisierte Brentano mit letzterem. Sichtbar wurde dies in seiner Teilnahme an der Offenburger Versammlung vom 12. September 1847, auf der ein radikales Landtagswahlprogramm aufgestellt wurde. In den ersten Wochen der Revolution 1848 war Brentano bei den wichtigen Veranstaltungen präsent, unter anderem bei der Heidelberger Versammlung vom 5. März und im Vorparlament, und zeigte sich dort an der Seite der badischen Radikalen um Friedrich Hecker und Gustav Struve, ohne selbst mit maßgeblichen Wortbeiträgen hervorzutreten. An deren Versuch, mit dem Heckerzug im April eine republikanische Erhebung in Baden zu initiieren, beteiligte sich Brentano nicht.
Brentano wurde in einem der badischen Schwarzwaldwahlkreise in die deutsche Nationalversammlung gewählt und schloss sich in der Paulskirche zunächst der demokratischen Fraktion Deutscher Hof und bald darauf der radikalen Linken der Fraktion Donnersberg an. Eine führende Rolle spielte er dort nicht, und in der Paulskirche trat er nur zweimal als Redner in Erscheinung. Hierbei gelang es ihm allerdings, einen spektakulären Tumult anzuzetteln, als er in der Debatte über die Annullierung der Wahl Heckers in die Nationalversammlung energisch eine Amnestie des geflohenen Revolutionärs forderte und mit seinen Ausführungen, unter anderem einer Gleichsetzung Heckers mit dem im März 1848 aus Berlin geflohenen und inzwischen zurückgekehrten preußischen Kronprinzen, den Parlamentsvizepräsidenten, seinen Mannheimer Advokatenkollegen Alexander von Soiron, so sehr reizte, dass dieser die Sitzung unterbrechen musste. Im Protokoll zu dieser Sitzung vom 7. August 1848 wurde dazu festgehalten: „Furchtbarer Lärm, von der Rechten nähern sich mehrere Mitglieder, von der Linken sammeln sich gleichfalls viele Abgeordnete neben der Tribüne. Große Aufregung. Der Vorsitzende versucht lange vergeblich durch die Glocke die Ruhe wiederherzustellen […] Anhaltender Tumult in der Versammlung, und namentlich in der Nähe der Rednertribüne, um die sich eine große Menge Abgeordneter drängt. Bravo und Hoch! von der Galerie. Vizepräsident v. Soiron bedeckt sich. Der Tumult steigert sich. Der Vizepräsident verlässt mit dem Büreau den Saal. Fortwährende große Aufregung. Endlich verlässt Brentano die Tribüne, und nach und nach leert sich der Saal“ (Stenographischer Bericht 2, S. 1438).
Mit diesem in der Geschichte der Nationalversammlung einmaligen Vorfall verfestigten sich klare Bilder von Brentano. Für die Liberalen war er der Prototyp eines zynischen, republikanischen Provokateurs, der „verächtlich und maliziös“ (Laube, Parlament 2, S. 102) auf die Paulskirchenmehrheit herabblickte, und den Demokraten erschien er als unnachgiebiger Fürsprecher der verfolgten Revolutionäre. Dies demonstrierte Brentano auch dadurch, dass er mehrere von ihnen vor Gericht vertrat. Sein prominentester Mandant war Struve, der nach dem Heckerzug hatte fliehen können, aber im September 1848 in Haft geriet, nachdem er einen zweiten republikanischen Aufstand von Lörrach aus initiiert hatte und ein weiteres Mal gescheitert war. In dem von großem öffentlichem Interesse begleiteten Hochverratsprozess vor einem Freiburger Geschworenengericht bewies Brentano sein „ausgezeichnetes polemisches Talent“ (Struve, Volkserhebungen, S. 142) und baute sein Image als unerschrockener Freiheitskämpfer noch aus. Dass es ihm an realem politischem Einfluss fehlte, war ein Schicksal, das er mit vielen Demokraten in der Revolution 1848 teilte: In der Paulskirche zog er sich in die Hinterbänke zurück, und auch im badischen Landtag, in dem weiterhin die Liberalen den Ton angaben, fand er keine adäquaten Betätigungsmöglichkeiten. Selbst in Mannheim, wo ihn die kommunalen Wähler zum Oberbürgermeister machen wollten, kam er nicht an die Schalthebel der Macht, da ihm die großherzogliche Regierung die Anerkennung in diesem Amt verweigerte.
Brentano setzte seine politischen Hoffnungen gezwungenermaßen auf die revolutionäre Öffentlichkeit, die seit dem Jahresanfang 1849 in Baden Aufwind erhielt, als die Inkraftsetzung des in der Paulskirche beschlossenen Grundrechtskatalogs der seit dem April des Vorjahres andauernden Repressionspolitik der großherzoglichen Regierung den Boden entzog und demokratische Agitation und Organisation wieder möglich wurden. Als Vorsitzender des Demokratischen Vereins in Mannheim, der größten Stadt des Landes, fiel Brentano eine wichtige Position im Lager der durch zahlreiche Vereinsgründungen wachsenden radikalen Bewegung zu. Dies wurde offenkundig, als Mitte Mai 1849 in Offenburg ein Landeskongress der badischen Volksvereine stattfand, in einer akuten Krisensituation, in der sich mehrere Probleme überlagerten: rapider Autoritätsverlust des badischen Landtags; nationalpolitische Orientierungslosigkeit der Landesregierung, die den Reichsgründungsversuch der Paulskirche unterstützt hatte, nun aber mitansehen musste, wie die Nationalversammlung erodierte; schließlich Unruhen in der badischen Armee, die den Großherzog zu einer überstürzten Flucht außer Landes veranlassten. Brentano, in Offenburg gar nicht anwesend, wurde dort zum Vorsitzenden des Landesausschusses der Volksvereine gewählt, der wider eigene Ursprungsambitionen zu einer provisorischen Regierung wurde, als sich die revolutionären Ereignisse innerhalb weniger Tage überschlugen.
Auf Brentano stürmte in seinen wechselnden Ämtern – zunächst Führer einer Exekutivkommission des Landesausschusses, dann einer provisorischen badischen Regierung und schließlich primus inter pares von drei „Diktatoren“ – eine Vielzahl von Problemen ein: der Aufbau einer neuen Verwaltungsspitze durch Zivilkommissare und die Vereidigung der Staatsdiener und Offiziere auf die neuen Machthaber, die Vorbereitung des Übergangs zu geordneten und demokratisch legitimierten Verhältnissen durch die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung sowie die Vorbereitung auf die militärische Konfrontation mit den auf Baden vorrückenden konterrevolutionären Truppen Preußens und des Bundes unter den Prämissen entweder der Landesverteidigung oder des Revolutionsexports. Welche Ziele er selbst dabei verfolgte, war für die Zeitgenossen kaum auszumachen und lässt sich auch in der Rückschau nicht klar identifizieren. Zu denjenigen, die auf eine Eskalation der Zustände zielten, um Fakten für die Sache der Demokratie zu schaffen, zählte er jedenfalls nicht. Zumindest eine Zeitlang spekulierte er vielmehr darauf, irgendwie eine Verständigung mit dem geflohenen Großherzog zu erreichen und dann vielleicht von ihm als Chef einer linken Reformregierung akzeptiert zu werden, um die herum sich deutschlandweit die Anhänger des Frankfurter Verfassungswerks hätten sammeln können.
Statt die Verwirklichung weitgreifender Pläne anzugehen, sah sich Brentano in den Wochen der Badischen Revolution tagesaktuell wechselnden Widrigkeiten ausgesetzt. Für diese war nicht zuletzt die unter bürgerkriegsähnlichen Bedingungen gewählte und am 10. Juni 1849 zusammengetretene verfassunggebende Landesversammlung verantwortlich, die mehr oder minder unkoordiniert politische Weichenstellungen vorzunehmen versuchte. Brentano charakterisierte sie drei Wochen nach ihrer Eröffnung in einem Aufruf an das Volk verbittert als „eine Versammlung, deren Mehrheit aus ganz unfähigen, gewöhnlichen Schreiern besteht“, die das „kläglichste Bild einer Volksvertretung“ geboten habe, „welche je getagt, und welche ihren gänzlichen Mangel an Einsicht und Kenntnissen hinter sogenannten revolutionären Anträgen verbergen wollte, die heute zum Beschluss erhoben, morgen als unausführbar wieder umgestoßen werden mussten“ (Vollmer, Vormärz und Revolution, S. 163). Auch außerhalb der verfassunggebenden Versammlung bereiteten die Radikalen, die sich in einem von Struve ins Leben gerufenen „Club des entschiedenen Fortschritts“ organisierten, permanent Schwierigkeiten.
Wie der politische Kampf zwischen dem mitunter sehr vorsichtig taktierenden Realpolitiker Brentano und dem linken Flügel der Revolutionäre ausgegangen wäre, lässt sich nicht abschätzen, da die republikanische Erhebung in Baden nicht an inneren Konflikten scheiterte, sondern von außen militärisch niedergeworfen wurde. Entscheidender Wendepunkt im Kriegsgeschehen war der Widerstand zahlenmäßig unterlegener preußischer Truppen in der Schlacht bei Waghäusel am 21. Juni 1849, der das Nachrücken anderer gegenrevolutionären Truppen ermöglichte, worauf sich die von Auflösungserscheinungen gebeutelte Revolutionsarmee nach Süden zurückzog. Da Karlsruhe militärisch entblößt war, flohen auch die revolutionären Politiker und setzten ihre internen Querelen in Freiburg fort. Zu ihrem Opfer wurde Brentano, der auf Initiative Struves wegen des Vorwurfs, er habe versäumt, den Krieg mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu führen, ein Misstrauensvotum erhielt und daraufhin als Diktator zurücktrat. Manchem Radikalen erschien er nachträglich als der Totengräber der Badischen Revolution, die wegen einer Reihe von „Verrätereien“ gescheitert sei, „deren mittelbare oder unmittelbare Ursache Brentano war“ (Struve, Volkserhebungen, S. 325).
Nach seiner Absetzung beziehungsweise seinem Amtsverzicht setzte sich Brentano in die Schweiz ab und erlebte die militärische Besieglung der Niederlage – den Einzug preußischer Truppen in Freiburg am 7. Juli und die Kapitulation der in der Festung Rastatt verschanzten Reste der Revolutionsarmee am 23. Juli – nicht mehr in Baden mit. An eine Rückkehr dorthin war nicht zu denken: Im Juni 1850 wurde Brentano in Abwesenheit vom Hofgericht Bruchsal zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe und zu Schadensersatzleistungen verurteilt. Er wanderte daraufhin in die USA aus, wo er wie mehrere andere geflohene deutsche Revolutionäre von 1848/49 noch eine veritable politische Karriere machte: Er versuchte sich zunächst als Farmer in Michigan und reüssierte Ende der 1850er Jahre als Journalist in Chicago. In der dortigen Kommunalpolitik spielte er eine wichtige Rolle, und nachdem er Abraham Lincoln in dessen Wahlkampf unterstützt hatte, übernahm er diplomatische Aufgaben. Die allgemeine Amnestie der badischen Revolutionäre in der von Großherzog Friedrich I. 1860 eingeleiteten „Neuen Ära“ ermöglichte Brentano die Rückkehr in die Heimat, der er allerdings nur Besuche abstattete. Kurz nach der Reichsgründung amtierte Brentano für einige Jahre als US-amerikanischer Konsul in Dresden; nach seiner Rückkehr in die USA 1876 wurde er in das Repräsentantenhaus gewählt.
Zitierte Quellen und Literatur:
Heinrich Laube, Das erste deutsche Parlament, Bd. 2, Leipzig 1849.
Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, hrsg. v. Franz Wigard, Bd. 2, Frankfurt/Main 1848.
Gustav Struve, Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden 1848/49, Freiburg 1980.
Franz Xaver Vollmer, Vormärz und Revolution 1848/49 in Baden. Strukturen, Dokumente, Fragestellungen, Frankfurt/Main u. a. 1979.
Die Gerichte sind unabhängig innerhalb der Grenzen ihrer Competenz“, sagt der §14 unserer Verfassung, und diese Zusicherung muss eine Wahrheit werden, wenn überhaupt die Verfassung eine Wahrheit sein soll; und sowie wir auf jedem Landtage unsre Stimme für Freiheit der Presse erheben, und solange erheben müssen, bis diese Freiheit der Presse errungen ist, ebenso müssen wir auch auf jedem Landtage für Unabhängigkeit der Gerichte auftreten […]. Ganz unabhängige Richter zu erstreben, ist der Zweck dieses Antrages nicht, denn ganz unabhängige Richter können keine Staatsdiener sein, weil es nie gelingen wird, solche Garantien zu erlangen, ja nur aufzufinden, welche die Staatsdiener ganz und in jeder Beziehung von der Regierungsgewalt unabhängig machen. Ganz unabhängige Richter sind nur solche, welche aus dem Volke für den einzelnen Fall gewählt werden, die nach Beendigung des einzelnen Falles, für welchen sie berufen sind, wieder abtreten von dem Richterstuhle, wieder zurückkehren an den häuslichen Herd, zu ihrer bürgerlichen Beschäftigung - es sind dies Geschworene. Bei der Abneigung, welche die deutschen Regierungen gegen dieses volkstümliche Institut empfinden, ist wohl noch lange keine Hoffnung, dass dasselbe wieder auf seinem heimatlichen Boden blühen werde, und darum ist es um so mehr unser Beruf, dahin zu wirken, dass wenigstens die unter den Verhältnissen größt mögliche Garantie der Unabhängigkeit der Gerichte errungen werde.
Meine Herren! Gehen Sie in das badische Oberland, wo die meisten Petitionen herstammen, Sie werden Dörfer und Ortschaften finden, wo kein Haus ist, in dem nicht Trauer herrscht, kein Haus, in dem nicht Vater, Bruder, Gatte oder Bräutigam entweder in dem fernen Lande weilt, oder in dem Kerker schmachtet; Sie werden wenige Häuser finden, wo nicht der Wohlstand jetzt schon ruinirt ist, wo der Wohlstand nicht voraussichtlich gänzlich ruinirt werden muss, wenn dieser Zustand noch länger dauert. Man sagt, wir werden neue Kämpfe Hervorrufen, wenn wir die Amnestie erteilen; ich glaube im Gegenteile, Sie werden beschwichtigend wirken, wenn Sie die Folgen des Unglücks von den Getroffenen abnehmen, und eine Waffe von Menschen sich befreunden; Sie werden sich keine politischen Gegner, Sie werden sich Freunde durch die Amnestie erziehen. Es hat mich mit tiefem Schmerz erfüllt, als ich einen Redner von der Tribüne sagen hörte, ein großer Teil des Volkes würde die Nationalversammlung, wenn sie für die Amnestie sich ausspreche, mit Misstrauen verfolgen. Meine Herren! Ich habe einen besseren Begriff von dem deutschen Volke, ich glaube, dass gefühlvolle Herzen in großer Anzahl in demselben schlagen, als dass es wegen einer großartigen Amnestie die Nationalversammlung mit Misstrauen verfolgen sollte.
Ich überzeuge mich nach diesen Vorgängen immer mehr, dass man ganz Recht hat, wenn man sagt, die Reaktion erhebt ihr Haupt wieder, und wenn der Herr Minister sagt, in dem jetzigen Augenblick führe eine solche Bewegung zu Blutvergießen, so sage ich, das Blutvergießen wäre nicht hervorgerufen worden, wenn man die Forderungen des Volkes mehr berücksichtigt hätte, wenn Sie nicht fortverhandelt hätten mit einer Kammer, die das Vertrauen der Mehrheit des Volkes nicht mehr besitzt, denn gerade darum hat das Volk sich verleiten lassen zur Gewalt zu greifen.
Meine Herren, die Aufstände, die im Frühjahr […] im badischen Lande stattfanden, wir beklagen sie tief, und müssen sie beklagen, denn nichts ist mehr geeignet, die schüchternen Menschen auf die Seite der Regierung hinüberzulocken, und den Fortschritt der Freiheit zu hindern, als gerade diese Aufstände.
Mitbürger! Dreizehn Monate harten Kampfes, dreizehn Monate schwerer Opfer sind vorüber. In solcher Zeit hat uns nur die Hoffnung aufrecht erhalten, dass unser schönes Vaterland die Freiheit erringen, und dass ein Bruderband alle Deutschen umschlingen werde. Doch kaum ist die deutsche Verfassung endgültig von den Vertretern der Nation festgestellt, so tritt die Verschwörung der Könige, ihre landesverräterische Verbindung mit dem Zaren von Rußland zur Knechtung des deutschen Volkes, welches im vorigen März seine Großmut betätigt hat - es tritt die Konterrevolution keck und unverschleiert hervor. Nochmals soll die absolute Fürstenherrschaft gegründet, nochmals sollen die Ketten geschmiedet werden, die wir im März verflossenen Jahres zerrissen haben. Mitbürger! In einem solchen Kampfe konnte die tapfere Armee, konnten unsere und eure Brüder nicht zweifelhaft sein, dass ihre Pflicht sie auf die Seite des Volkes rief; sie habe es erkannt, dass sie, die Söhne des Vaterlandes, für die Freiheit des Volkes, für die Einheit der deutschen Lande, und für die Größe der Nation fechten sollen. Die Armee hat sich daher mit uns verbunden. Sie kämpft nicht gegen das Volk, sie kämpft nur gegen die Feinde der Freiheit und des Vaterlandes.
Mitbürger! Feinde der Freiheit, zu deren Erringung sich alle Klassen des Volkes verbrüdert haben, suchen dieser ruhmvollen Erhebung eines begeisterten Volkes dadurch zu schaden, dass sie zu Gewalttätigkeiten gegen unsere Brüder israelitischen Glaubensbekenntnisses aufreizen. Mitbürger! Ein freies Volk kennt keinen Unterschied der Religion und des Glaubens, und die Reichsverfassung, für deren Durchführung Ihr Euch erhoben, hat alles Unrecht, welches barbarische Gesetze mit dem religiösen Glaubensbekenntnisse verbunden haben, für aufgehoben erklärt. Mitbürger! Hört nicht auf Solche, welche Euch jetzt gegen die Juden aufreizen, sie beabsichtigen nichts Anderes, als Euren heldenmütigen Kampf für das heiligste Gut des Menschen, für die Freiheit, zu schänden. Mitbürger! Ihr seid viel zu vernünftig, als dass Ihr Euch verleiten lassen könntet, das Eigentum Eurer israelitischen Brüder zu verletzen, oder gegen ihre Personen Gewalt zu brauchen. Ihr werdet zeigen, dass Ihr den begonnenen Kampf auf ruhmwürdige und ehrenvolle Weise zu Ende bringen könnt. Mitbürger! Das Vaterland sieht auf Euch!
Nach einer 33 jährigen Unterdrückung des Volkes und seiner Rechte schien es endlich im Frühlinge des vorigen Jahres, dass die Sonne der Freiheit aufgehen werde über ganz Deutschland und seine Gauen und dass sie beglückend bescheinen werde die deutschen Völker. Ich brauche Sie, Bürger Volksvertreter, nicht daran zu erinnern, mit welcher Mäßigung damals das Volk zu Werke gegangen ist, und wie es stehen geblieben an den Thronen Derjenigen, die in einem so langen Zeiträume alle Hoffnung auf Freiheit, auf Einigung des Vaterlandes zertrümmert hatten. Der Ruf nach Freiheit, der Ruf nach Einheit, der Ruf nach Größe der Nation, er ist nicht zur Wahrheit geworden. […] So, Bürger Volksvertreter, war die Lage des Vaterlandes, als ein Bruderstamm jenseits des Rheins, als die wackern Pfälzer sich mutig erhoben und mit den Waffen in der Hand erklärten, dass sie den Trotz ihres Königs brechen wollten. Dieser mutige Schritt unserer Nachbarn und Brüder konnte natürlich nicht ohne Wirkung auf uns sein [...] und so nahmen es denn die Vereine der Männer des Volks in die Hand, für die Durchführung eines bessern Zustandes zu wirken. Es bildeten sich die Volksvereine, und mit ihnen verband sich, zur Ehre und zum Ruhm sei es gesagt, denn zum erstenmal in Deutschland geschah es - mit ihnen verband sich die wackere badische Armee, deren Mitglieder erkannten, dass sie vor allen Dingen Bürger seien und dass sie nur dann für das Wohl des Vaterlandes in Wahrheit wirken, wenn sie Hand in Hand mit den Bürgern gehen. […] An Ihnen, Bürger Volksvertreter, ist es nun, sich darüber auszusprechen, auf welche Weise künftig dieses Land regiert werden soll. Eines aber werden wir wohl Alle bedenken, der Kampf, der entbrannt ist gegen die Mächte des Nordens, der Kampf, der entbrannt ist gegen die Feinde des Volkes, es ist kein Kampf des badischen Volkes, es ist kein Kampf unserer rheinpfälzischen Brüder, es ist ein Kampf des ganzen deutschen Volkes, für das große, für das deutsche Vaterland.
Am 14. Mai wurde ich aus dem Bett geholt, trotz meines körperlichen Zustandes wollte ich nicht zurückbleiben, ich wollte den Kampf für die Freiheit rein halten von allen unsauberen Bestrebungen, ich wollte die heilige Sache nicht schänden lassen, durch verabscheuungswürdige Handlungen, ich wollte Ordnung handhaben, und die Freiheit der Personen, sowie die Unverletzlichkeit des Eigentums schützen. Längere Zeit gelang mir dies. Ich versuchte alle Ungerechtigkeiten zu verhüten und überall, wo man mich anrief, habe ich mich bemüht, gegen Gewalttätigkeiten zu schirmen und zu beweisen, dass selbst bei der durchgreifensten Staatsumwälzung es möglich sei, die Anarchie ferne zu halten. Mitbürger! Wie auch meine Fähigkeit als Revolutionsmann beurteilt werden mag, ich habe mein Gewissen rein gehalten, nicht eine einzige Schandtat habe ich zu verantworten, nicht einen Kreuzer eures Geldes habe ich leichtsinnig vergeudet, nicht einen heller habe ich mich bereichert.
Badischer Landtag (Hrsg.): Verhandlungen der Ständeversammlung des Großherzogtums Badens in den Jahren 1847-1849,10 Bde. Karlsruhe 1848ff.
Bauer, Sonja-Maria: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849. Darstellung und Dokumentation (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 94), Düsseldorf 1991.
O.V.: Die republikanische Parthei Badens und ihre Führer beurtheilt und gerichtet in der schriftlichen Hinterlassenschaft von Hecker, Struve und Brentano, Mannheim 1849.
Baeuerle, Dieter: Lorenz Brentano, Christoph Wolff und die Baden-Badener Mairevolution von 1849, in: Badische Heimat 77 (1997), S. 449-463.
Bauer, Sonja-Maria: Die Verfassunggebende Versammlung in der Badischen Revolution von 1849. Darstellung und Dokumentation (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 94), Düsseldorf 1991.
Bauer, Sonja-Maria: Lorenz Brentano. Vom Advokaten und Revolutionär in Baden zum Journalisten und Politiker in den USA. Eine biographische Skizze, in: Baden 1848/49. Bewältigung und Nachwirkung einer Revolution, hrsg. von Clemens Rehm, Hans-Peter Becht und Kurt Hochstuhl, Stuttgart 2002, S. 217–237.
O.V.: Lorenz Brentano, in: Badische Biographien. V. Teil, hrsg. von Friedrich von Weech und Albert Krieger, Heidelberg 1906, S. 879-895.
Sperl, Georg: Lorenz Brentano, in: Neue Deutsche Biographien. Bd. 2, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1955, S. 595-596.
Strobel, Engelbert: Lorenz Brentano. Einer der Hauptanführer der Revolution 1849, in: Badische Heimat 49 (1969), S. 153-155.
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