WILHELM ADOLPH VON TRÜTZSCHLER
Abb.: Österreichische Nationalbibliothek
Als Wilhelm Adolph von Trützschler 1849 wegen seiner Rolle im badisch-pfälzischen Aufstand zum Tode verurteilt wird, erreicht das Gericht ein von rund 180 Bauernfamilien unterzeichneter Bittbrief. Sie leben und arbeiten auf dem Land der Familie von Trützschler und bitten um Gnade für das Leben des Mannes, den sie im Jahr zuvor als ihren Abgeordneten in die Paulskirche geschickt hatten.
Trotz seiner adligen Herkunft setzt sich Trützschler ein Leben lang für die Gleichstellung und Souveränität aller Menschen ein. In der Paulskirche fordert er die Abschaffung der Adelsprivilegien und Feudallasten. Geprägt sind seine politischen Ansichten, die denen seiner Herkunft vollkommen widersprechen, durch die Mitgliedschaft in studentischen Verbindungen, durch die Entlassung der „Göttinger Sieben“ aus dem Universitätsdienst, die er als Student vor Ort mitbekommt, aber auch durch den Kontakt mit verarmten Bauern und Webern in seiner Heimat.
Ihr Bittbrief für ihn ändert allerdings nichts am Todesurteil: Am 14. August 1849 wird Trützschler für seinen Einsatz für Demokratie, Gleichberechtigung und Freiheitsrechte hingerichtet.
Franz Wilhelm Adolph von Trützschler wird am 20. Februar in Gotha geboren. Sein Vater ist Geheimrat, Minister und Schlossherr und gehört dem vogtländischen Adelsgeschlecht der von Trützschlers an.
Bis 1840 studiert Trützschler in Leipzig, Jena und Göttingen kurze Zeit Medizin, dann Rechtswissenschaft. Während dieser Zeit ist er Mitglied in verschiedenen Burschenschaften – dort lernt er viele Weggefährten kennen und wird politisch geprägt.
An der Göttinger Universität erlebt Trützschler als Student die Amtsenthebung der „Göttinger Sieben“ – und verlässt kurz darauf ebenfalls die Göttinger Universität.
Am 1. Juni heiratet er Gabriele von Mandelsloh, die Tochter des sächsischen Generalmajors. Das Paar bekommt drei Kinder.
Trützschler wird von seinem vogtländischen Wahlkreis in die Paulskirche gewählt. In seinem Wahlprogramm fordert er unter anderem die Aufhebung aller Feudallasten. In der Nationalversammlung wird er Mitbegründer der Fraktion Donnersberg und entwickelt sich neben Robert Blum zu einer führenden Persönlichkeit der linken Demokraten.
Um die linken Fraktionen der Paulskirche zu stärken gründet sich der Zentralmärzverein. Auch Trützschler ist zunächst Teil der Organisation.
Trützschler verlässt den Zentralmärzverein und später auch die Paulskirche – Zeichen dafür, dass er nicht länger daran glaubt, dass die Forderungen nach Demokratie und liberalem Staat auf legalem, gewaltlosem Weg durchgesetzt werden können.
Zusammen mit einigen anderen ehemaligen Abgeordneten beteiligt sich Trützschler am badisch-pfälzischen Aufstand.
Als die Aufständischen immer weiter zurückgedrängt werden, versucht Trützschler in Mannheim vergeblich eine Volkswehr aufzustellen. Aber aus Angst vor den anrückenden preußischen Truppen stellen sich immer mehr Bürger gegen ihn und die Revolution. In der am 22. Juni ausgebrochenen Gegenrevolution wird Trützschler verhaftet und an die Truppen ausgeliefert.
Am 14. August wird Trützschler wegen Hochverrats auf dem Gebiet des heutigen Mannheimer Hauptfriedhofs standrechtlich erschossen. Seine Hinrichtung sorgt landesweit für Trauer und Empörung. Bis 1874 ist es verboten, an seinem Grab Blumen oder Sympathiebekundungen zu hinterlassen.
Meine Herren! Heute zum ersten Mal trete ich vor Deutschland auf, […]. Es ist eine große Bewegung, in der wir uns befinden, und ihr Ziel ist kein anderes, als große Grundsätze zur Geltung zu bringen, die in jeder Menschenbrust liegen, die Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das sind die großen Prinzipien, um die es sich handelt, nicht um leere Formen. Der Redner, von dem ich eben sprach, sagte, es wäre Missbrauch getrieben worden mit dem Wort „Volkssouveränität“, es sei ein bastardmäßiges Wort. Das soll wahrscheinlich die deutsche Übersetzung sein für den Ausdruck „Fremdwort“. Ich glaube, wir können ein gutes deutsches Wort an die Stelle des fremden Wortes „Volkssouveränität“ setzen, nämlich das Wort der „Selbstherrschaft“: Das Volk will selbst herrschen, es will sich nicht mehr von anderen regieren lassen, sondern es hat seine Macht selbst in die Hand genommen und führt selbst die Zügel, die früher ein anderer leitete. – Es ist gesagt worden: die Souveränität muss geteilt sein. Das kann ich nicht zugeben. Es gibt in meinen Augen keine geteilte Souveränität, keine geteilte Herrschaft, nur ein Teil kann herrschen, er kann zwar von einem anderen Teil in der Ausübung gewisser Rechte vertragsmäßig beschränkt sein, aber herrschen kann nur einer. Es wird behauptet, es wäre in diesem Sinne noch nicht ausgesprochen worden, dass das Volk wirklich und ungeteilt souverän sei. Ich lasse es dahingestellt sein. Wir brauchen einen solchen Ausspruch nicht, er versteht sich von selbst, jeder Mensch kommt, meiner Meinung nach, als souverän auf die Welt (allseitige Heiterkeit), er hat das Recht, sich selbst zu bestimmen, und seine Mitmenschen haben bloß das Recht, seine Macht nur da zu beschränken, wo es zum Wohlsein des Ganzen notwendig ist; ich wiederhole noch einmal, ich halte jeden einzelnen Menschen für souverän, ich glaube, dass jede Gemeinde ihre Angelegenheiten ordnen kann, wie sie will, und dass sie bloß durch die Rücksicht auf das Ganze beschränkt werden darf, wie das Wohl des Ganzen es erfordert; so verstehe ich es von den einzelnen Staaten und von dem Gesamtstaate Deutschlands, und so verstehe ich es von der ganzen Erde. […]
Ich komme nun zu dem Antrag der Majorität. Ich will auf die einzelnen Punkte nicht eingehen, sondern nur eine einzige Bemerkung darüber machen. Meine Herren, ich gehöre zu den Leuten, die das zweifelhafte Glück haben, Juristen zu sein, und ich will deswegen einmal den Antrag der Majorität des Ausschusses vom Standpunkt eines Juristen betrachten. Meine Herren, ich habe Ihnen vorhin auseinanderzusetzen gesucht, dass wir souverän sind. Wir sind hierher gesandt worden von dem Volk, um für seine Souveränität einen Ausdruck zu bilden, um die Verfassung zu gründen und inzwischen dasjenige zu besorgen, was eben im Drange der Zeit zu besorgen notwendig ist. Niemand aber hat uns beauftragt, die Souveränität des Volkes an andere abzutreten. Dass die Souveränität des Volkes durch den Vorschlag der Majorität des Ausschusses abgetreten wird, das kann keinem Zweifel unterliegen. Wenn Sie aber nun die Souveränität abtreten, so begehen Sie das Verbrechen, das in den gewöhnlichen Kriminalgesetzbüchern mit dem Namen „Hochverrat“ bezeichnet wird. Meine Herren, ich gebe zu, dass in diesem Augenblick kein Gerichtshof vorhanden ist, der das Urteil über die aussprechen wird, die für den Antrag des Ausschusses stimmen und die also in meinen Augen sich eines Hochverrats schuldig machen. (Stimmen: Oh! Oh!) Aber, meine Herren, es könnte sein, dass das Volk zur Erkenntnis käme, was die eigentliche Bedeutung dieses Antrags ist, dass es selbst der Meinung würde, es sei ein Hochverrat an ihm begangen worden, und dass es die Leute, die seiner Freiheit, seiner Souveränität Schranken ziehen wollen, selbst vor die Schranken fordert und alle dann verurteile. […]
Das Bedürfnis nach Einigung tut sich überall in dem Volke kund.
Durch die erschütternden Ereignisse der jüngsten Zeit, durch die Vorgänge in Wien und Berlin sehen wir die Errungenschaften der deutschen Revolution in Frage gestellt. Der Feind, den man besiegt glaubte, wagt es, aufs neue sein Haupt zu erheben. Die Freiheit und das Recht des Volkes sind in Gefahr, verkümmert, vernichtet zu werden.
Arbeit und Handel, öffentlicher und Privatkredit trachten vergebens nach Gedeihen, so lange sie von den Wühlereien einer freiheitsfeindlichen und gewalttätigen Partei bedroht werden.
Noch ist es Zeit, diese Gefahren auf friedlichem Wege durch gesetzliche Mittel abzuwenden. Es bedarf aber zu diesem Zwecke einer großartigen Vereinigung aller Bürger des gemeinsamen Vaterlandes, welche die Freiheit und Einheit Deutschlands wirklich wollen.
Wir haben zu gemeinsamem Handeln nach den beigefügten Grundsätzen einen Verein gebildet. Wir verhehlen nicht, dass wir in einzelnen Punkten verschiedener Ansicht sind; die einen sind Anhänger der konstitutionellen Monarchie, die anderen der Republik. Wir alle aber vereinigen uns zu dem gemeinsamen Zwecke, die demokratischen Grundlagen aller Verfassungen, die Freiheit und die unveräußerlichen Rechte des Volkes in gesetzlicher Weise zu erzielen und sicherzustellen. Wir fordern alle, welche gleichen Zweck mit uns haben, auf, sich uns anzuschließen und über dem gemeinsamen näherliegenden Ziele die entfernteren Punkte ihres Strebens hintanzusetzen. Unsere Zersplitterung hat unseren Feinden die Waffe wieder in die Hand gegeben, welche ihnen entrungen war – vereinigt werden wir auf’s neue siegreich sein!
[…]
Wir wollen die Einheit Deutschlands;
Wir wollen, dass die Freiheit als das natürliche Eigentum der Nation anerkannt werde, nicht als ein Geschenk oder eine Gabe, die ihm nach Belieben von irgendeiner Seite zugemessen wird;
Wir wollen, dass die Nation die Einschränkungen dieser Freiheit selbst bestimmt und sich nicht aufdrängen lässt, dass aber ein jeder sich dieser Einschränkungen zu unterwerfen hat;
Wir wollen die Berechtigung für das Gesamtvolk, wie für das Volk eines jeden einzelnen Landes, sich seine Regierungsform selbst festzusetzen und einzurichten, zu verbessern und umzugestalten, wie es ihm zweckdienlich erscheint, weil jede Regierung nur um des Volkes willen und durch seinen Willen da ist;
Wir wollen, dass die Verfassungen, welche der Gesamtstaat und die einzelnen deutschen Staaten sich geben, Bestimmungen enthalten, nach denen sie auf friedlichem, gesetzlichem Wege geändert und verbessert werden können;
Wir wollen, dass die auf solcher Grundlage errichteten Verfassungen von dem Gesamtstaate garantiert werden;
Damit auf diese Art die Revolution zu Ende gebracht und ein dauernder Zustand der Gesetzlichkeit, des Friedens und der Wohlfahrt der deutschen Nation und der einzelnen deutschen Volksstämme gesichert werde.
[…]
Der Vorstand: v. Trützschler. Raveaux. Eisenmann. Die Schriftführer: Max Simon. Raus. Wesendok.
An das deutsche Volk!
Die Tyrannen Deutschlands haben die Maske abgeworfen. Der König von Preußen hat nicht bloß den Freiheitsbewegungen Deutschlands überhaupt, sondern namentlich auch der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt offen den Krieg erklärt. Am Sitze der Zentralgewalt hat ein Ministerium die Zügel der Regierung in die Hände genommen, dessen Ernennung die Nationalversammlung selbst für einen Hohn gegen das deutsche Volk erklärt.
Es unterliegt keinem Zweifel mehr, dass die Nationalversammlung mit Waffengewalt gesprengt werden soll. Bei dieser drangvollen Lage des deutschen Vaterlandes fanden sich heute die drei Abgeordneten der Nationalversammlung: Raveaux aus Preußen, Trützschler aus Sachsen, Erbe aus Altenburg in unserer Mitte ein und verlangten den Schutz des badischen Volkes gegen die zum Umsturze der Reichsverfassung verbündeten Mächte. –
Deutsche Brüder! Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen. Wir dürfen nicht länger zögern, soll nicht auch den bisher unverwüstet gebliebenen Teilen Deutschlands das Los von Wien und Dresden zuteil werden.
Wir dürfen die letzten Vorkämpfer der Freiheit im Schoße der Nationalversammlung dem Grimme unserer gemeinsamen Feinde nicht preisgeben. Wir müssen ihnen Hilfe senden, soweit unsere Kräfte reichen. Das Volk Badens hat sich erhoben, die Soldaten sind aufgestanden, um Deutschlands Frieden, Einheit und Größe zu erkämpfen. In wenigen Tagen schon kann der Kampf beginnen. – Unser gemeinsamer Schlachtruf wird sein:
Tod den verbündeten Tyrannen! Es lebe ein großes, ein freies Deutschland!
Karlsruhe, den 19. Mai 1849.
Der Landesausschuss von Baden […]
Die Vollziehungsbehörde […]
Die Reichstagsabgeordneten: Raveaux, Trützschler, Erbe.
Soldaten, deutsche Brüder!
Ihr habt Euch losgesagt von Eurer volksfeindlichen Regierung, weil Euer Rechtsgefühl und Euer Freiheitsmut nicht länger den schweren Druck ertragen konnte, welcher auf Euch gleich wie auf dem gesamten deutschen Volke lastete. Ihr habt gelobt, die Reichsverfassung aufrechtzuerhalten. Der Augenblick ist gekommen, Euer redliches Versprechen zu erfüllen. Ein verräterischer Bund, an dessen Spitze der König von Preußen steht, geht mit dem Plan um, die Nationalversammlung mit Gewalt zu sprengen. Bereits haben zu diesem Zwecke verschiedene Truppenmärsche stattgefunden. Bei dieser Bedrängnis sind die Abgeordneten der Nationalversammlung: Raveaux aus Preußen, Trützschler aus Sachsen, Erbe aus Algtenburg in unserer Mitte erschienen mit der Bitte um Schutz für die gefährdete deutsche Nationalversammlung.
Wir haben ihnen im Bewusstsein des von dem Volk erhaltenen Auftrages unsern kräftigen Beistand zugesichert.
An Euch, Soldaten und deutsche Brüder, ist es, unseren Worten Nachdruck zu geben. Der Kampf, den wir kämpfen, ist ein guter Kampf. Eure Väter, Eure Brüder, Eure Schwestern nehmen Teil an demselben. Ihre Gedanken folgen Euch in die Schlacht, und ihr heißes Gebet zu Gott steht Euch zur Seite. Voran denn auf der Bahn der Freiheit! Vorwärts zum Schutze des deutschen Vaterlandes! Der Sieg ist unser, denn unsere Sache ist gerecht!
Karlsruhe, den 19. Mai 1849
Der Landesausschuss von Baden […]
Die Vollziehungsbehörde […]
Die Reichstagsabgeordneten: Raveaux, Trützschler, Erbe.
Warnung!
Wilhelm Adolf von Trützschler aus Gotha, ehemals königlich sächsischer Appellationsgerichts-Assessor in Dresden, schloss sich dem jüngsten badischen Aufstande schon in den ersten Tage seiner Entstehung an und bekleidete vom 26. Mai bis 22. Juni dieses Jahres die Stellen eines Zivilkommissärs für die Stadt Mannheim und eines Regierungsdirektors für den Unterrheinkreis. Derselbe hat in der Eigenschaft die ausgedehnteste Wirksamkeit zur Organisation des Aufstandes, zur Aufstellung und Ausrüstung des ersten Aufgebots, zur Errichtung von Verteidigungs-Anstalten um hiesige Stadt entwickelt, ja sich an den militärischen Operationen der Aufrührer unmittelbar beteiligt. Er ist daher nach öffentlich und mündlich gepflogener Verhandlung durch Urteil des Standgerichts vom Gestrigen des Hochverrats für schuldig erklärt und deshalb zum Tode mittels Erschießen verurteilt worden. Dieses Urteil wurde heute früh 4 Uhr dahier vollzogen.
Mannheim, den 14. August 1849.
Im Namen der Untersuchungskommission für das Standgericht Mannheim.
Babo.
Meine teuren Eltern!
Wenn Ihr diese Zeilen erhaltet, bin ich nicht mehr. Meine Frau wird Euch und meinen Kindern die letzten mündlichen Grüße bringen, und es ist mir ein Trost, dass ich dies weiß, ein Trost, den sie mir durch ihre ungeheure Aufopferungsfähigkeit gebracht hat, da ich stets in sie drang wegzugehen. Jetzt ist es mir lieb, dass sie geblieben ist.
Ich weiß, dass Euer Herz gebrochen ist durch meinen Tod; aber nehmt die Überzeugung als Stärkung Euerer Kraft, dass ich geglaubt habe, recht zu handeln und dass kein falsches, selbstsüchtiges Motiv mich geleitet hat.
Meine Frau müsst Ihr, wenn Ihr meinen letzten Wunsch erfüllen wollt, so stellen, dass das traurige Gefühl der Abhängigkeit sie nicht drückt, ich kenne sie; es hat nie ein aufopferungsfähiges Weib gegeben, und an mir hat sie getan, was ihr nimmermehr vergolten werden kann; nichts auf Erden hat mich so bewegt als der Abschied von ihr.
Meine Kinder grüßt herzlich von mir; meine Frau wird Ihnen den Segen des Vaters geben; dem Max bestimme ich meinen Siegelring, der Elisabeth die Uhr, die ich jetzt trage, dem Oscar die andere. Euch und meiner Frau gebe ich nichts zum Andenken: Ihr werdet mich so nicht vergessen. Ich wünsche dringend, dass meine Kinder, wenn sie erwachsen sind, nach Amerika gehen; es ist besser als hier zu sterben.
Böhme, der sich mir als teuer Diener bewährt hat, verlasst nicht, denn er war mir mehr wie Diener, er war mir Freund. Unterstützt ihn sowie auch Marien! Grüßt Senfts, meine Freunde und Bekannte, auch die alte Marthe recht herzlich von mir und verzeiht Eurem treuen
Adolph
Meine innig geliebte Gattin!
Ich habe an die Eltern geschrieben. Du erhältst den Brief. An Dich ist es mir unmöglich, lange Zeilen zu richten. Ich bitte Dich, meinen Kindern den Segen zu bringen, Deine Eltern und Verwandten herzlich zu grüßen und meiner zu gedenken. Ich habe Dir noch tausend Dank zu sagen für Deine aufopfernde Liebe, die niemand genug erkennen kann. Lebe wohl! Dein Ring folge mir ins Grab. Morgen früh noch eine Zeile vor der letzten Stunde von Deinem treuen
Adolph
Soeben, früh 3 Uhr, werde ich geweckt, um den letzten Gang anzutreten. Ich habe ruhig geschlafen und bin bereit und gefasst und mutig wie immer. Lebe wohl! Noch einmal den Segen meinen Kindern! Mein Herz denkt nur an Dich und Deine Zukunft,
Es lebe Deutschland! Es lebe die Freiheit!
Gott mit Dir!
Trützschler.
Keine ermittelbar.
Best, Heinrich / Weege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 8), Düsseldorf 1996, S. 339.
Kaupp, Peter: Wilhelm Adolph von Trützschler (1818-1849). Ein Aristokrat als Revolutionär, in: Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49, Band 2, hg. von Helmut Bleiber / Walter Schmidt / Susanne Schötz, Berlin 2007, S. 823-872.
Schröter, Hans: Trützschler, Wilhelm Adolph v., Frhr. Zum Falkenstein, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte der demokratischen und liberalen Bewegung in Mitteleuropa, Band 2 / Teil 1 (Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle „Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770-1850, Band 39), hg. von Helmut Reintaler, Frankfurt a.M. 2005, S. 277-279.
WILHELM ADOLPH VON TRÜTZSCHLER
Abb.: Österreichische Nationalbibliothek
Als Wilhelm Adolph von Trützschler 1849 wegen seiner Rolle im badisch-pfälzischen Aufstand zum Tode verurteilt wird, erreicht das Gericht ein von rund 180 Bauernfamilien unterzeichneter Bittbrief. Sie leben und arbeiten auf dem Land der Familie von Trützschler und bitten um Gnade für das Leben des Mannes, den sie im Jahr zuvor als ihren Abgeordneten in die Paulskirche geschickt hatten.
Trotz seiner adligen Herkunft setzt sich Trützschler ein Leben lang für die Gleichstellung und Souveränität aller Menschen ein. In der Paulskirche fordert er die Abschaffung der Adelsprivilegien und Feudallasten. Geprägt sind seine politischen Ansichten, die denen seiner Herkunft vollkommen widersprechen, durch die Mitgliedschaft in studentischen Verbindungen, durch die Entlassung der „Göttinger Sieben“ aus dem Universitätsdienst, die er als Student vor Ort mitbekommt, aber auch durch den Kontakt mit verarmten Bauern und Webern in seiner Heimat.
Ihr Bittbrief für ihn ändert allerdings nichts am Todesurteil: Am 14. August 1849 wird Trützschler für seinen Einsatz für Demokratie, Gleichberechtigung und Freiheitsrechte hingerichtet.
Franz Wilhelm Adolph von Trützschler wird am 20. Februar in Gotha geboren. Sein Vater ist Geheimrat, Minister und Schlossherr und gehört dem vogtländischen Adelsgeschlecht der von Trützschlers an.
Bis 1840 studiert Trützschler in Leipzig, Jena und Göttingen kurze Zeit Medizin, dann Rechtswissenschaft. Während dieser Zeit ist er Mitglied in verschiedenen Burschenschaften – dort lernt er viele Weggefährten kennen und wird politisch geprägt.
An der Göttinger Universität erlebt Trützschler als Student die Amtsenthebung der „Göttinger Sieben“ – und verlässt kurz darauf ebenfalls die Göttinger Universität.
Am 1. Juni heiratet er Gabriele von Mandelsloh, die Tochter des sächsischen Generalmajors. Das Paar bekommt drei Kinder.
Trützschler wird von seinem vogtländischen Wahlkreis in die Paulskirche gewählt. In seinem Wahlprogramm fordert er unter anderem die Aufhebung aller Feudallasten. In der Nationalversammlung wird er Mitbegründer der Fraktion Donnersberg und entwickelt sich neben Robert Blum zu einer führenden Persönlichkeit der linken Demokraten.
Um die linken Fraktionen der Paulskirche zu stärken gründet sich der Zentralmärzverein. Auch Trützschler ist zunächst Teil der Organisation.
Trützschler verlässt den Zentralmärzverein und später auch die Paulskirche – Zeichen dafür, dass er nicht länger daran glaubt, dass die Forderungen nach Demokratie und liberalem Staat auf legalem, gewaltlosem Weg durchgesetzt werden können.
Zusammen mit einigen anderen ehemaligen Abgeordneten beteiligt sich Trützschler am badisch-pfälzischen Aufstand.
Als die Aufständischen immer weiter zurückgedrängt werden, versucht Trützschler in Mannheim vergeblich eine Volkswehr aufzustellen. Aber aus Angst vor den anrückenden preußischen Truppen stellen sich immer mehr Bürger gegen ihn und die Revolution. In der am 22. Juni ausgebrochenen Gegenrevolution wird Trützschler verhaftet und an die Truppen ausgeliefert.
Am 14. August wird Trützschler wegen Hochverrats auf dem Gebiet des heutigen Mannheimer Hauptfriedhofs standrechtlich erschossen. Seine Hinrichtung sorgt landesweit für Trauer und Empörung. Bis 1874 ist es verboten, an seinem Grab Blumen oder Sympathiebekundungen zu hinterlassen.
Meine Herren! Heute zum ersten Mal trete ich vor Deutschland auf, […]. Es ist eine große Bewegung, in der wir uns befinden, und ihr Ziel ist kein anderes, als große Grundsätze zur Geltung zu bringen, die in jeder Menschenbrust liegen, die Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das sind die großen Prinzipien, um die es sich handelt, nicht um leere Formen. Der Redner, von dem ich eben sprach, sagte, es wäre Missbrauch getrieben worden mit dem Wort „Volkssouveränität“, es sei ein bastardmäßiges Wort. Das soll wahrscheinlich die deutsche Übersetzung sein für den Ausdruck „Fremdwort“. Ich glaube, wir können ein gutes deutsches Wort an die Stelle des fremden Wortes „Volkssouveränität“ setzen, nämlich das Wort der „Selbstherrschaft“: Das Volk will selbst herrschen, es will sich nicht mehr von anderen regieren lassen, sondern es hat seine Macht selbst in die Hand genommen und führt selbst die Zügel, die früher ein anderer leitete. – Es ist gesagt worden: die Souveränität muss geteilt sein. Das kann ich nicht zugeben. Es gibt in meinen Augen keine geteilte Souveränität, keine geteilte Herrschaft, nur ein Teil kann herrschen, er kann zwar von einem anderen Teil in der Ausübung gewisser Rechte vertragsmäßig beschränkt sein, aber herrschen kann nur einer. Es wird behauptet, es wäre in diesem Sinne noch nicht ausgesprochen worden, dass das Volk wirklich und ungeteilt souverän sei. Ich lasse es dahingestellt sein. Wir brauchen einen solchen Ausspruch nicht, er versteht sich von selbst, jeder Mensch kommt, meiner Meinung nach, als souverän auf die Welt (allseitige Heiterkeit), er hat das Recht, sich selbst zu bestimmen, und seine Mitmenschen haben bloß das Recht, seine Macht nur da zu beschränken, wo es zum Wohlsein des Ganzen notwendig ist; ich wiederhole noch einmal, ich halte jeden einzelnen Menschen für souverän, ich glaube, dass jede Gemeinde ihre Angelegenheiten ordnen kann, wie sie will, und dass sie bloß durch die Rücksicht auf das Ganze beschränkt werden darf, wie das Wohl des Ganzen es erfordert; so verstehe ich es von den einzelnen Staaten und von dem Gesamtstaate Deutschlands, und so verstehe ich es von der ganzen Erde. […]
Ich komme nun zu dem Antrag der Majorität. Ich will auf die einzelnen Punkte nicht eingehen, sondern nur eine einzige Bemerkung darüber machen. Meine Herren, ich gehöre zu den Leuten, die das zweifelhafte Glück haben, Juristen zu sein, und ich will deswegen einmal den Antrag der Majorität des Ausschusses vom Standpunkt eines Juristen betrachten. Meine Herren, ich habe Ihnen vorhin auseinanderzusetzen gesucht, dass wir souverän sind. Wir sind hierher gesandt worden von dem Volk, um für seine Souveränität einen Ausdruck zu bilden, um die Verfassung zu gründen und inzwischen dasjenige zu besorgen, was eben im Drange der Zeit zu besorgen notwendig ist. Niemand aber hat uns beauftragt, die Souveränität des Volkes an andere abzutreten. Dass die Souveränität des Volkes durch den Vorschlag der Majorität des Ausschusses abgetreten wird, das kann keinem Zweifel unterliegen. Wenn Sie aber nun die Souveränität abtreten, so begehen Sie das Verbrechen, das in den gewöhnlichen Kriminalgesetzbüchern mit dem Namen „Hochverrat“ bezeichnet wird. Meine Herren, ich gebe zu, dass in diesem Augenblick kein Gerichtshof vorhanden ist, der das Urteil über die aussprechen wird, die für den Antrag des Ausschusses stimmen und die also in meinen Augen sich eines Hochverrats schuldig machen. (Stimmen: Oh! Oh!) Aber, meine Herren, es könnte sein, dass das Volk zur Erkenntnis käme, was die eigentliche Bedeutung dieses Antrags ist, dass es selbst der Meinung würde, es sei ein Hochverrat an ihm begangen worden, und dass es die Leute, die seiner Freiheit, seiner Souveränität Schranken ziehen wollen, selbst vor die Schranken fordert und alle dann verurteile. […]
Das Bedürfnis nach Einigung tut sich überall in dem Volke kund.
Durch die erschütternden Ereignisse der jüngsten Zeit, durch die Vorgänge in Wien und Berlin sehen wir die Errungenschaften der deutschen Revolution in Frage gestellt. Der Feind, den man besiegt glaubte, wagt es, aufs neue sein Haupt zu erheben. Die Freiheit und das Recht des Volkes sind in Gefahr, verkümmert, vernichtet zu werden.
Arbeit und Handel, öffentlicher und Privatkredit trachten vergebens nach Gedeihen, so lange sie von den Wühlereien einer freiheitsfeindlichen und gewalttätigen Partei bedroht werden.
Noch ist es Zeit, diese Gefahren auf friedlichem Wege durch gesetzliche Mittel abzuwenden. Es bedarf aber zu diesem Zwecke einer großartigen Vereinigung aller Bürger des gemeinsamen Vaterlandes, welche die Freiheit und Einheit Deutschlands wirklich wollen.
Wir haben zu gemeinsamem Handeln nach den beigefügten Grundsätzen einen Verein gebildet. Wir verhehlen nicht, dass wir in einzelnen Punkten verschiedener Ansicht sind; die einen sind Anhänger der konstitutionellen Monarchie, die anderen der Republik. Wir alle aber vereinigen uns zu dem gemeinsamen Zwecke, die demokratischen Grundlagen aller Verfassungen, die Freiheit und die unveräußerlichen Rechte des Volkes in gesetzlicher Weise zu erzielen und sicherzustellen. Wir fordern alle, welche gleichen Zweck mit uns haben, auf, sich uns anzuschließen und über dem gemeinsamen näherliegenden Ziele die entfernteren Punkte ihres Strebens hintanzusetzen. Unsere Zersplitterung hat unseren Feinden die Waffe wieder in die Hand gegeben, welche ihnen entrungen war – vereinigt werden wir auf’s neue siegreich sein!
[…]
Wir wollen die Einheit Deutschlands;
Wir wollen, dass die Freiheit als das natürliche Eigentum der Nation anerkannt werde, nicht als ein Geschenk oder eine Gabe, die ihm nach Belieben von irgendeiner Seite zugemessen wird;
Wir wollen, dass die Nation die Einschränkungen dieser Freiheit selbst bestimmt und sich nicht aufdrängen lässt, dass aber ein jeder sich dieser Einschränkungen zu unterwerfen hat;
Wir wollen die Berechtigung für das Gesamtvolk, wie für das Volk eines jeden einzelnen Landes, sich seine Regierungsform selbst festzusetzen und einzurichten, zu verbessern und umzugestalten, wie es ihm zweckdienlich erscheint, weil jede Regierung nur um des Volkes willen und durch seinen Willen da ist;
Wir wollen, dass die Verfassungen, welche der Gesamtstaat und die einzelnen deutschen Staaten sich geben, Bestimmungen enthalten, nach denen sie auf friedlichem, gesetzlichem Wege geändert und verbessert werden können;
Wir wollen, dass die auf solcher Grundlage errichteten Verfassungen von dem Gesamtstaate garantiert werden;
Damit auf diese Art die Revolution zu Ende gebracht und ein dauernder Zustand der Gesetzlichkeit, des Friedens und der Wohlfahrt der deutschen Nation und der einzelnen deutschen Volksstämme gesichert werde.
[…]
Der Vorstand: v. Trützschler. Raveaux. Eisenmann. Die Schriftführer: Max Simon. Raus. Wesendok.
An das deutsche Volk!
Die Tyrannen Deutschlands haben die Maske abgeworfen. Der König von Preußen hat nicht bloß den Freiheitsbewegungen Deutschlands überhaupt, sondern namentlich auch der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt offen den Krieg erklärt. Am Sitze der Zentralgewalt hat ein Ministerium die Zügel der Regierung in die Hände genommen, dessen Ernennung die Nationalversammlung selbst für einen Hohn gegen das deutsche Volk erklärt.
Es unterliegt keinem Zweifel mehr, dass die Nationalversammlung mit Waffengewalt gesprengt werden soll. Bei dieser drangvollen Lage des deutschen Vaterlandes fanden sich heute die drei Abgeordneten der Nationalversammlung: Raveaux aus Preußen, Trützschler aus Sachsen, Erbe aus Altenburg in unserer Mitte ein und verlangten den Schutz des badischen Volkes gegen die zum Umsturze der Reichsverfassung verbündeten Mächte. –
Deutsche Brüder! Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen. Wir dürfen nicht länger zögern, soll nicht auch den bisher unverwüstet gebliebenen Teilen Deutschlands das Los von Wien und Dresden zuteil werden.
Wir dürfen die letzten Vorkämpfer der Freiheit im Schoße der Nationalversammlung dem Grimme unserer gemeinsamen Feinde nicht preisgeben. Wir müssen ihnen Hilfe senden, soweit unsere Kräfte reichen. Das Volk Badens hat sich erhoben, die Soldaten sind aufgestanden, um Deutschlands Frieden, Einheit und Größe zu erkämpfen. In wenigen Tagen schon kann der Kampf beginnen. – Unser gemeinsamer Schlachtruf wird sein:
Tod den verbündeten Tyrannen! Es lebe ein großes, ein freies Deutschland!
Karlsruhe, den 19. Mai 1849.
Der Landesausschuss von Baden […]
Die Vollziehungsbehörde […]
Die Reichstagsabgeordneten: Raveaux, Trützschler, Erbe.
Soldaten, deutsche Brüder!
Ihr habt Euch losgesagt von Eurer volksfeindlichen Regierung, weil Euer Rechtsgefühl und Euer Freiheitsmut nicht länger den schweren Druck ertragen konnte, welcher auf Euch gleich wie auf dem gesamten deutschen Volke lastete. Ihr habt gelobt, die Reichsverfassung aufrechtzuerhalten. Der Augenblick ist gekommen, Euer redliches Versprechen zu erfüllen. Ein verräterischer Bund, an dessen Spitze der König von Preußen steht, geht mit dem Plan um, die Nationalversammlung mit Gewalt zu sprengen. Bereits haben zu diesem Zwecke verschiedene Truppenmärsche stattgefunden. Bei dieser Bedrängnis sind die Abgeordneten der Nationalversammlung: Raveaux aus Preußen, Trützschler aus Sachsen, Erbe aus Algtenburg in unserer Mitte erschienen mit der Bitte um Schutz für die gefährdete deutsche Nationalversammlung.
Wir haben ihnen im Bewusstsein des von dem Volk erhaltenen Auftrages unsern kräftigen Beistand zugesichert.
An Euch, Soldaten und deutsche Brüder, ist es, unseren Worten Nachdruck zu geben. Der Kampf, den wir kämpfen, ist ein guter Kampf. Eure Väter, Eure Brüder, Eure Schwestern nehmen Teil an demselben. Ihre Gedanken folgen Euch in die Schlacht, und ihr heißes Gebet zu Gott steht Euch zur Seite. Voran denn auf der Bahn der Freiheit! Vorwärts zum Schutze des deutschen Vaterlandes! Der Sieg ist unser, denn unsere Sache ist gerecht!
Karlsruhe, den 19. Mai 1849
Der Landesausschuss von Baden […]
Die Vollziehungsbehörde […]
Die Reichstagsabgeordneten: Raveaux, Trützschler, Erbe.
Warnung!
Wilhelm Adolf von Trützschler aus Gotha, ehemals königlich sächsischer Appellationsgerichts-Assessor in Dresden, schloss sich dem jüngsten badischen Aufstande schon in den ersten Tage seiner Entstehung an und bekleidete vom 26. Mai bis 22. Juni dieses Jahres die Stellen eines Zivilkommissärs für die Stadt Mannheim und eines Regierungsdirektors für den Unterrheinkreis. Derselbe hat in der Eigenschaft die ausgedehnteste Wirksamkeit zur Organisation des Aufstandes, zur Aufstellung und Ausrüstung des ersten Aufgebots, zur Errichtung von Verteidigungs-Anstalten um hiesige Stadt entwickelt, ja sich an den militärischen Operationen der Aufrührer unmittelbar beteiligt. Er ist daher nach öffentlich und mündlich gepflogener Verhandlung durch Urteil des Standgerichts vom Gestrigen des Hochverrats für schuldig erklärt und deshalb zum Tode mittels Erschießen verurteilt worden. Dieses Urteil wurde heute früh 4 Uhr dahier vollzogen.
Mannheim, den 14. August 1849.
Im Namen der Untersuchungskommission für das Standgericht Mannheim.
Babo.
Meine teuren Eltern!
Wenn Ihr diese Zeilen erhaltet, bin ich nicht mehr. Meine Frau wird Euch und meinen Kindern die letzten mündlichen Grüße bringen, und es ist mir ein Trost, dass ich dies weiß, ein Trost, den sie mir durch ihre ungeheure Aufopferungsfähigkeit gebracht hat, da ich stets in sie drang wegzugehen. Jetzt ist es mir lieb, dass sie geblieben ist.
Ich weiß, dass Euer Herz gebrochen ist durch meinen Tod; aber nehmt die Überzeugung als Stärkung Euerer Kraft, dass ich geglaubt habe, recht zu handeln und dass kein falsches, selbstsüchtiges Motiv mich geleitet hat.
Meine Frau müsst Ihr, wenn Ihr meinen letzten Wunsch erfüllen wollt, so stellen, dass das traurige Gefühl der Abhängigkeit sie nicht drückt, ich kenne sie; es hat nie ein aufopferungsfähiges Weib gegeben, und an mir hat sie getan, was ihr nimmermehr vergolten werden kann; nichts auf Erden hat mich so bewegt als der Abschied von ihr.
Meine Kinder grüßt herzlich von mir; meine Frau wird Ihnen den Segen des Vaters geben; dem Max bestimme ich meinen Siegelring, der Elisabeth die Uhr, die ich jetzt trage, dem Oscar die andere. Euch und meiner Frau gebe ich nichts zum Andenken: Ihr werdet mich so nicht vergessen. Ich wünsche dringend, dass meine Kinder, wenn sie erwachsen sind, nach Amerika gehen; es ist besser als hier zu sterben.
Böhme, der sich mir als teuer Diener bewährt hat, verlasst nicht, denn er war mir mehr wie Diener, er war mir Freund. Unterstützt ihn sowie auch Marien! Grüßt Senfts, meine Freunde und Bekannte, auch die alte Marthe recht herzlich von mir und verzeiht Eurem treuen
Adolph
Meine innig geliebte Gattin!
Ich habe an die Eltern geschrieben. Du erhältst den Brief. An Dich ist es mir unmöglich, lange Zeilen zu richten. Ich bitte Dich, meinen Kindern den Segen zu bringen, Deine Eltern und Verwandten herzlich zu grüßen und meiner zu gedenken. Ich habe Dir noch tausend Dank zu sagen für Deine aufopfernde Liebe, die niemand genug erkennen kann. Lebe wohl! Dein Ring folge mir ins Grab. Morgen früh noch eine Zeile vor der letzten Stunde von Deinem treuen
Adolph
Soeben, früh 3 Uhr, werde ich geweckt, um den letzten Gang anzutreten. Ich habe ruhig geschlafen und bin bereit und gefasst und mutig wie immer. Lebe wohl! Noch einmal den Segen meinen Kindern! Mein Herz denkt nur an Dich und Deine Zukunft,
Es lebe Deutschland! Es lebe die Freiheit!
Gott mit Dir!
Trützschler.
Keine ermittelbar.
Best, Heinrich / Weege, Wilhelm: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 8), Düsseldorf 1996, S. 339.
Kaupp, Peter: Wilhelm Adolph von Trützschler (1818-1849). Ein Aristokrat als Revolutionär, in: Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49, Band 2, hg. von Helmut Bleiber / Walter Schmidt / Susanne Schötz, Berlin 2007, S. 823-872.
Schröter, Hans: Trützschler, Wilhelm Adolph v., Frhr. Zum Falkenstein, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte der demokratischen und liberalen Bewegung in Mitteleuropa, Band 2 / Teil 1 (Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle „Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770-1850, Band 39), hg. von Helmut Reintaler, Frankfurt a.M. 2005, S. 277-279.
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